Eisenbahnsicherungsanlage mit Einrichtung zur Ausschliessung der Beeinflussung der Steuerrelais durch Fremdströme. Es ist bekannt, im Eisenbahnsicherungs- wesen, z. B. beim Betrieb von Einrichtungen mit Gleisstromkreisen, die Beeinflussung von Signal- bezw. Blockrelais durch Fremdströme, z.
B. den Triebstrom, dadurch zu verhindern, dass man- durch entsprechende Wahl der Signalstrom- bezw. Blockstromfrequenz einen Abstand dieser Frequenz von der Frequenz der Oberwellen des Triebstromes erzielt, der sicherstellt, dass durch die Oberwellen des Triebstromes eine Beeinflussung der Signal relais nicht erfolgen kann. Hierbei ist es je doch schwierig, auch etwaigen Frequenz- schwankungen des Triebstromes oder des Signalstromes zu begegnen, weil in diesem Falle, wenn z.
B. die Triebstromfrequenz schwankt, die Signalfrequenz dagegen kon stant bleibt, eine Annäherung der Oberwel len des Triebstromes derart erfolgen kann, dass die Signaleinrichtung beeinflusst wird. Die Erfindung bezweckt, auch diesem Fall gerecht zu werden, und erreicht dies dadurch, dass in der Eisenbahnsicherungsanlage min destens zwei Steuerrelais pro Empfangsein richtung und Steuerstromkreis angeordnet sind und für die Speisung dieser Steuerrelais Ströme vorgesehen sind, deren Frequenzen ungleich sind, wobei die Frequenzen so liegen,
dass bei einer Frequenzschwankung im Trieb strom nach abwärts oder aufwärts immer höchstens bei einem der Steuerrelais eine Oberwelle des Triebstromes in dessen An sprechbereich eintreten kann.
Im folgenden werden Ausführungsbei- spiele der Sicherungseinrichtung erläutert, und zwar Einrichtungen mit einem Gleis stromkreis bei einer mit Wechselstrom be triebenen Bahn.
Bei den erläuterten Beispielen wird die Bahn mit einem Triebwechselstrom von der Frequenz T = 16,66 Hz betrieben; die Ober wellen dieses Triebstromes haben folgende Frequenzen: 2. Oberwelle 02 = 33,33 Hz, 3. Oberwelle 0s = 50,- Hz, 4. Oberwelle 04 = 66,66 Hz, 5. Oberwelle 0a = 83,33 Hz, 6. Oberwelle<B>06</B> = 100,- Hz, 7. Oberwelle 07 = 116,66 Hz <B>USW.</B>
Wählt man nun zum Betrieb des die bei den Gleisrelais Bi und R2 als Steuerrelais sowie den Gleisstromkreis enthaltenden Ein richtungsteils die Frequenzen 55 und 61, und berücksichtigt hierbei Frequenzschwankungen des Triebstromes z. B. bis zu 10 "/o, so kommt die 3. Oberwelle des Triebstromes bei einer Frequenzschwankung um + 10 0; o in den Ansprech-Frequenzbereich des Relais Ri, so dass dieses Relais Pti durch die 3. Ober welle des Triebstromes beeinflusst werden könnte. Das Relais R2 liegt jedoch weder im Einflussbereich der 3. noch der 4. Oberwelle.
Umgekehrt ist es bei einer Frequenzschwan- kung des Triebstromes um - 10 0/\o. Dann hat zwar die 4. Oberwelle etwa 60 bis 61 Hz und das Relais R2 ist durch diese Oberwelle gefährdet; dafür liegt aber nun das Relais Ri weder im Einflussbereich der 3. noch dein der 4. Oberwelle und wird also durch den Trieb strom nicht beeinflusst.
Ähnlich liegen die Verhältnisse, wenn der Blockstrom in seiner Frequenz schwankt, oder wenn sowohl Triebstrom wie Blockstrom gleichzeitig Frequenzschwankungen haben.
Es ist nun hierbei nicht erforderlich, dass die beiden Blockfrequenzen zwischen zwei Oberwellen liegen, z. B. wie beim voran gehend erwähnten Beispiel zwischen der 3. und 4. Oberwelle des Triebstromes, sondern sie können auch, was unter Umständen mit Rücksicht auf etwa erforderliche Abstimm- glieder zweckmässig ist, weiter entfernt von einander liegen. So könnte man z. B. Steuer ströme mit den Frequenzen 55 bezw. 95 zum Betrieb der beiden Relais Pii und R2 wählen.
Es ist möglich und zweckmässig, bei Ein richtungen mit zwei Gleisrelais R, und R= pro Empfangseinrichtung und Gleisstromkreis die Relais so zu wählen und auszubilden, dass ihr Ansprechbereich zwar den zu er wartenden Frequenzschwankungen des Block stromes entspricht, dass er aber anderseits so klein ist, dass auch bei grossen Frequenz schwankungen des Triebstromes immer wenig stens eines der beiden Relais unbeeinflusst bleibt. Werden also z.
B. zum Betrieb der beiden Relais R, und R2 die Frequenzen 95 bezw. 105 verwendet, und rechnet man mit einer Schwankung der Triebstromfrequenz von + 5'/o, das heisst also mit einem Ab sinken der 7. Oberwelle auf etwa 110 Hz, so muss die obere Ansprechgrenze des Re lais R- bei etwa 109 Hz, seine untere bei etwa 101 Hz liegen. Da die 5. Oberwelle hierbei auf etwa 87,5 Hz steigt, muss die untere Ansprechgrenze des Relais Ri bei etwa 88 Hz, die obere etwa bei 99 Hz liegen.
Würde man mit grösseren Triebstromfrequenz- schwankungen rechnen, z. B. mit 7,5 0,!o, dann würde bei einem Absinken der Triebstrom frequenz um 7,5 0 \o die 6. Oberwelle des Trieb stromes etwa 92,5 Hz haben, während die 7. Oberwelle etwa 107,5 H.z hat. Dann müssten die Relais so ausgebildet sein, dass sie auf die betreffenden Oberwellen der Triebstrom frequenz auch dann noch nicht ansprechen.
Bei geeigneter Ausbildung der bekannten Zweiphasenmotorrelais ist dies praktisch ohne Schwierigkeit möglich, wenn man dafür sorgt, dass jeder Eilfswicklung der beiden Relais nur die Blockfrequenz zugeführt wird, auf die es ansprechen soll, also z. B. der einen Wicklung eine Blockfrequenz von 105 Hz, der andern eine solche von 95 Hz.
Müssen nun bei den erwähnten Einrich tungen mit zwei Gleisrelais für die Erzeu gung ein und desselben Signalbegriffes beide Relais ansprechen, so wird sichergestellt, dass, wenn nur ein Relais anspricht, z. B. als Folge einer Triebstrombeeinflussung, dieser Signal begriff nicht hervorgerufen wird. Ist der Signal begriff z. B. der Fahrtsignalbegriff, so heisst das bei den bekannten Gleisstromkreisen, dass ein Fahrtsignalbegriff nur entstehen kann, wenn beide Gleisrelais PLi und R2 gleichzeitig angezogen sind. Umgekehrt kann die Ein richtung so getroffen sein, dass der Halt signalbegriff bereits erzeugt wird, wenn nur ein Relaisanker abgefallen ist.
Da nun durch den Triebstrom im ungünstigsten Falle nur ein einziges Relais zum Anzug gebracht wer den kann, so kann der Triebstrom keinesfalls das Erscheinen eines falschen Frei- oder Fahrtsignalbegriffes hervorrufen. Man kann jedoch auch die beiden Relais für die Steue rung mehrerer Begriffe verwenden, was zur Folge hat, dass durch jedes Relais für sich ein Begriff gesteuert werden muss. Hierbei muss aber die Zuordnung der Begriffe zu den Relais so erfolgen, dass im Störungsfall, also bei Ansprechen (Abfallen oder Anziehen) eines Relais infolge des Ansprechens auf eine Triebstromoberwelle, ein die Sicherheit er höhender Signalbegriff erzeugt wird.
Man kann hierbei die Anordnung auch so treffen, dass die Anker beider Relais auf einen gemeinsamen Kontaktsteg einwirken und auf diese Weise die Signale steuern. Man kann die beiden Relais auch benutzen, um eine gegenseitige Abfallüberwachung herbeizu führen.
Die Anwendung der Erfindung ist nicht auf Eisenbahnsicherungsanlagen mit Gleis- stromkreisen beschränkt, sondern sie kann sinngemäss auch auf alle andern Einrichtun gen des Eisenbahnsicherungswesens, bei denen Schutz gegen Fremdstrom erforderlich ist, angewendet werden.