CH279469A - Verfahren zum Erweichen von geformten, schwefelhaltigen Skleroproteinen, wie z. B. von Haaren. - Google Patents

Verfahren zum Erweichen von geformten, schwefelhaltigen Skleroproteinen, wie z. B. von Haaren.

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CH279469A
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Description


  Verfahren zum Erweichen von geformten, schwefelhaltigen     Skleroproteinen,     wie z. B. von Haaren.         Skleroproteine    haben im Tierreich die Rolle  von Gerüststoffen und sind in Wasser und  Salzlösungen unlöslich. Man rechnet zu ihnen  vor allem das     Keratin,    das heisst die Substanz  der     3-Iaare,    Wolle, Federn, Nägel usw., ferner  das Gerüsteiweiss der Sehnen und anderer  elastischer Gewebe, das Kollagen der     Kno-          ehen,    Knorpel, Bindegewebe usw.

   Es wurde  nun gefunden, dass man derartige geformte       Skleroproteine,    soweit sie schwefelhaltig sind,  dadurch in ihrer Struktur verändern kann,  dass man sie mit Lösungen von Salzen     alipha-          tiseher,    3 bis 4     Kohlenstoffatome    enthaltender       lIercaptosulfonsäuren    behandelt.

   Es kommen  insbesondere die löslichen Salze der     3-Mer-          capto-propan-sulfonsäure-1,    der     3-1V1ercapto-          butan-siilfonsäure-1,    der     4-Mercapto-butan-          sulfonsäitre-1,    der     4-Mercapto-butan-sulfon-          säure-2    und der     2-Oxy-3-mercapto-propan-si-l-          fonsäure-1    in Betracht.  



       Vorzugsweise    werden die Alkali- und Am  moniumsalzes der     Mercaptosulfonsäure,    und  zwar zweckmässig in     wässrigen    Lösungen, an  gewandt; mitunter ist es angebracht Alkohole,  wie-     Methyl-,    Äthyl-,     Propylalkohol    oder der  gleichen Lösungsmittel,     mitzuverwenden.     



  Je nach den Temperatur-     und    Konzentra  tionsbedingungen, den     px-Verhältnissen    und  dem angestrebten Zweck muss die Behandlung  der geformten schwefelhaltigen     Skleroproteine     kürzere oder längere Zeit erfolgen. Es ist im  allgemeinen nicht notwendig, hohe Tempera-         turen    anzuwenden. Zum Beispiel erweichen  Haare bereits bei     Temperaturen    von 25 bis  40  in durchaus tragbaren Zeiträumen, z. B.  bei einer Konzentration der Lösungen von  etwa 5 bis 25      /o    in einer halben bis zwei Stun  den.

      Durch Einwirkung der genannten     mer-          captosulfonsauren    Salze werden in den     Sklero-          proteinen    vorhandene     disulfidartige    Schwefel  bindungen unter Bildung von     -SH-Gruppen     aufgespalten. Diese Wirkung wird im allge  meinen gefördert, wenn die Lösungen ausser  dem alkalisch reagierende Stoffe enthalten.

   Es  ist daher     vorteilhaft,    den     Lösungen    alkalisch  reagierende Salze, wie     Trinatriumphosphat,     Soda, Borax,     Metaborat    oder     Ätzalkalien,    wie       Ätznatron,    Ammoniak und dergleichen, zuzu  setzen. Mitunter ist es jedoch auch erwünscht,  in schwach saurem Bereich zu arbeiten.  



  Ausser den erwähnten     alkalischen    Zusatz  stoffen können die Lösungen auch noch andere  Zusätze enthalten, wie z. B. Duftstoffe,     Netz-          und        Emulgiermittel        usw.    Man kann auch Re  duktionsmittel, wie     Hydroxylamin,    zufügen,  um eine vorzeitige Oxydation der     Mercapto-          gruppe    durch den Luftsauerstoff zu verhin  dern.  



  Die Wirkung der genannten     mercaptosul-          fonsauren    Salze kann durch eine nachträgliche  Behandlung mit oxydierenden Mitteln wieder  aufgehoben werden. Solche     oxydierenden    Mit-           tel    sind zum Beispiel Wasserstoffsuperoxyd  und seine Derivate, wie     Perverbindimgen    und       Anlagerungsverbindimgen    an Harnstoff und  dergleichen mehr, ferner     Bromate    und der  gleichen. Durch diese     Reoxydation    werden       wieder        Disulfidbindungen    hergestellt.

   Man  kann die gebildeten -SH-Gruppen aber auch  mit andern reaktionsfähigen Verbindungen  umsetzen, wie z. B. mit     alkylierenden    Mitteln,  wie     Alkylendibromiden,    ferner mit Aldehy  den,     wie    Formaldehyd oder     Glyoxal.     



  Das Verfahren gemäss der vorliegenden  Erfindung lässt sich auf vielfache Weise an  wenden. So kann man zum Beispiel den erfin  dungsgemäss erweichten, geformten, schwefel  haltigen     Skleroproteinen,    z. B.     Haaren,    die so  ihre Elastizität verloren haben, eine andere  Form- geben und danach die erweichende Wir  kung durch Oxydation oder Reaktion mit Al  dehyden oder     Alkylendihalogeniden    wieder  aufheben. Die     Skleroproteine    bleiben dann un  ter Wiedergewinnung ihrer elastischen Eigen  schaften in dem verformten Zustand. In dieser  Weise lässt sich das Verfahren zum Beispiel  zur Herstellung von Dauerwellen in lebendem  oder totem Haar auf kaltem Wege oder auch  zum Glätten von naturkrausem Haar, z. B. bei  Negern, ausnutzen.

   Eine andere Anwendungs  möglichkeit ist das Entfernen von Haaren und  dergleichen. Schliesslich lässt sich durch Be  handlung der erweichten     Skleroproteine    mit  Aldehyden, wie Formaldehyd, oder     Alkylen-          dihalogeniden    auch die Beständigkeit gegen  chemische Einflüsse ganz erheblich steigern.    Es ist     bereits    vorgeschlagen worden, die       Thioglykolsäure    zur Anfertigung von Dauer  wellen auf kaltem Wege sowie zur Entfernung  von Haaren zu verwenden. Die Verwendung  von Salzen     aliphatischer,    3 bis 4 Kohlenstoff  atome enthaltender     Mercaptosulfonsäuren    hat  demgegenüber verschiedene Vorteile.

   Diese  Salze sind nahezu geruchlos und lassen sich  in fester Form handhaben, was bei der     Thio-          glykolsäure    nicht der Fall war. Ausserdem be  stehen noch erhebliche Zweifel bezüglich der  Giftigkeit     und    Hautverträglichkeit der     Thio-          glykolsäure,    während die erfindungsgemäss    angewandten Verbindungen unschädlich sind.  Gegenüber den Salzen anderer     Mercaptosul-          fonsäuren    besitzen sie den Vorteil grösserer  Haltbarkeit und Lagerbeständigkeit sowie bes  serer Zugänglichkeit.

           Beispiel:       20 Gewichtsteile eines Gemisches der       Natriumsalze    von     4-Mercapto-butan-sulfon-          säure-1    und     -sulfonsäure-2    werden unter Zu  satz von 2 g     Ätznatron    und 6 g     Hydroxylamin-          sulfat    in 100     cm3    Wasser aufgelöst.

   Der Lö  sung werden 0,2 g des     Anlagerungsproduktes     von 1.2     Mol        Äthylenoxyd    an 1     Mol    eines Ge  misches     sekundärer    Alkohole der Kettenlänge       C13-C17    hinzugefügt. Dieses Gemisch sekun  därer Fettalkohole wurde erhalten durch     Ke-          tonisierung    von Vorlauffettsäuren der Paraf  finoxydation der mittleren Molekülgrösse       C7-C1)    und anschliessende Reduktion der       Ketone.     



  Zur Anfertigung einer kalten Dauerwelle  wird das lebende menschliche Haar auf etwa  50 bis 60 Papierwickel von Bleistiftstärke auf  gewickelt und danach mit der vorgenannten  Lösung durchfeuchtet. Zur Stauung der Kör  perwärme wird um das Haar ein trockenes  Tuch gelegt. Nach etwa einer Stunde wird die  Erweichung des     Keratins    durch mehrmaliges  Behandeln des Haares mit verdünnter Wasser  stoffsuperoxydlösung aufgehoben und da  durch das Haar in der Wellenform fixiert.  Nach einer     gründlichen    Kopfwäsche ist das  Haar bleibend in Form einer Krause gewellt.

Claims (1)

  1. PATENTANSPRUCH: Verfahren zum Erweichen von geformten, schwefelhaltigen Skleroproteinen, wie z. B. von Haaren, dadurch gekennzeichnet, dass man die Skleroproteine mit. Lösungen von Sal zen aliphatischer, 3 bis 4 Kohlenstoffatome enthaltender Mercaptosulfonsäuren behandelt. UNTERANSPRLTCHE 1.. Verfahren nach Patentanspruch, da durch gekennzeichnet, dass man wässrigen Lö- sungen der Salze wasserlösliche organische Lö sungsmittel zusetzt. 2.
    Verfahren nach Patentanspn ich, da durch gekennzeichnet, dass man den Lösungen alkalisch reagierende Stoffe zusetzt. 3. Verfahren nach Patentanspruch, da durch gekennzeichnet, dass man den Lösungen Netzmittel zusetzt.
CH279469D 1949-02-15 1949-03-29 Verfahren zum Erweichen von geformten, schwefelhaltigen Skleroproteinen, wie z. B. von Haaren. CH279469A (de)

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