Verfahren zur Behandlung von tierischem Blut. Es ist bekannt, dass Blut von frisch ge schlachteten Tieren durch Zusatz von Salzen anhydrischer Phosphorsäuren vor der schnel len Gerinnung bewahrt und längere Zeit hin durch lagerfähig gemacht werden kann, Un ter anhydrischen Phosphorsäuren werden solche Phosphorsäuren verstanden, die wasser ärmer sind als Orthophosphorsäure; hierher gehören die Meta-, Pyro- und Polyphosphor säuren.
Man kann auf diese Weise ungerinnbar gemachtes Blut zur Herstellung von Wurst waren, zum Beispiel Blutwurst, verwenden. Es ist auch möglich, das stabilisierte Blut vor seiner Verwendung auf mechanischem Wege, beispielsweise durch Zentrifugieren, in Blutkörperchen oder Dickblut und Plasma, zu trennen;. die abgetrennten Produkte kön nen dann jedes für sich zur Erzeugung von Fleischwaren eingesetzt werden.
Es wurde nun völlig überraschend gefun den, dass die sogenannten Kurrolschen Alkali metaphosphate, die in Wasser schwer oder unlöslich sind und wie im Gmelin, Band Natrium 1J28, S. 924, beschrieben hergestellt werden können, zur Verhütung der Blut gerinnung vorteilhaft eingesetzt werden kön nen.
Dies war zunächst nicht zu erwarten, da diese Salze bekanntlich in Wasser -tinlös- lieh sind und daher für die vorliegende Auf gabe als ungeeignet erscheinen mussten.
Die bisher zur Verhinderung der Blut gerinnung angewandten Salze anhydrischer Phosphorsäuren ergeben ein stabilisiertes Blut von verhältnismässig dünnflüssiger Be schaffenheit. Im Gegensatz dazu kann nach dem erfindungsgemässen Verfahren Blut mit Kurrolschem Alkalimetaphosphat so stabili siert werden, dass das Erzeugnis eine Vis kosität aufweist, welche derjenigen des Blutes im lebenden Organismus weitgehend ent spricht.
Diese Erhaltung der natürlichen, physikalischen Beschaffenheit des Blutes ist vor allem von Bedeutung, wenn das Plasma nach Abtrennung des Dickblutes für die Her stellung von Fleischwaren verwendet werden will, da man so ein Wurstbrät erhalten kann, welches die zum Einfüllen in die Därme er wünschte Konsistenz besitzt, und sich so Wurstwaren ohne Fehlstellen und ohne Hohl räume ergeben.
Die Verwendung von gurrolschem Kalium- metaphosphat zur Herstellung viskoser wässe riger Lösungen für andere technische Ver wendungszwecke, zum Beispiel in der Wasch mittel- und Textilindustrie, ist schon beschrie ben worden. Neu ist dagegen, diese viskose löslichen NIetaphosphate auf dem Gebiet. der Fleischwirtschaft zur Erhaltung der natür lichen Blutviskosität einzusetzen.
Es hat sich gezeigt, dass die Kurrolschen Alkalimetaphosphate ausserdem gute Fett- emulgatoren sind.
Wird nach den älteren Verfahren erhal tenes Blutplasma zur Herstellung heller Wurstwaren benutzt, so kann fettes Fleisch nur in geringen Mengen verwendet werden, da sonst Ansammlungen geschmolzenen Fettes in oder neben der Fleischmasse die Wurst im Schnitt unansehnlich machen.
Verwendet man jedoch Plasma, welches nach dem er findungsgemässen Verfahren durch Zusatz von Kurrolschem Alkalimetaphosphat zum Schlachtblut gewonnen wurde, so kann fettes Fleisch mutverwendet, dadurch die Schmack haftigkeit der Wurst wesentlich verbessert und ein Erzeugnis mit schöner :Schnittfläche erhalten werden.
Das normale technische Kurrolsche Ka- liiunmetaphosphat ergibt in den im folgenden angeführten Konzentrationen eine mittlere Viskosität, die der natürlichen Viskosität des Blutes entspricht.
Seine Viskosität wird wie folgt gemessen: Man löst nach der in der Literatur von Pascal angegebenen Methode (vgl. Gmelins Handbuch der Anorg. Chem. Band Kalium, S. 1007) 0;236 g Kurrolsches Kaliummeta- phosphat in 100 cm3 Wasser, die 1,0:2 g Na- triumhexametaphosphat (Grahamsches Salz) enthalten.
Die Viskosität eines normalen tech nisch reinen Kurrolschen Salzes schwankt zwischen 4 und -6 cp.
An Stelle von Kurrolschen Allialimeta- phosphaten allein können auch Mischungen dieser Salze mit Lösungsvermittlern, zum Bei spiel Kochsalz, angewendet werden.
Zweck mässiger ist es, jedoch, Natriumsalze an derer anhydrischer Phosphorsäuren, wie lösliche Natriiunmetaphosphate, Natriumpyro- phosphate und bzw. oder Natriumpolyphos- phate als Lösungsvermittler zu verwenden, wobei diese Salze etwa bis zur 10fachen Menge des eingesetzten gurrolschen Salzes ange wandt werden können.
Hierbei haben sich Kombinationen mit hTatriumpyrophosphat als besonders vorteilhaft erwiesen. Auch bei die sen Salzmischungen kann die Viskosität der Lösung der Viskosität des Blutes weitgehend angepasst werden.
Eine besonders günstige Mischung besteht aus einem Teil Kurrol- sehem Kaliummetaphosphat mit 4 Teilen Na triumpyrophosphat, wenn die Viskosität des Kurrolschen Salzes, nach der oben angege benen Methode gemessen, zwischen 4 und 6 cp. liegt. Soll die Mischung weniger Kurrolsches Alkalimethaphosphat enthalten, so muss ein solches mit erhöhter Viskosität angewandt werden;
wird umgekehrt ein Kurrolsches Al kalimetaphosphat mit niedrigerer Viskosität verwendet, so muss sein Anteil in der Mischung ein Fünftel übersteigen.
Bei allen bisher üblichen Verfahren zur Verhinderung der Blutgerinnung mit Hilfe anhydrischer Phosphate wird durch die zur Auflösung der P'hoghate notwendige Wasser menge eine Viskositätserniedrigung des Blu tes herbeigeführt; dieser Nachteil wird nach dem vorliegenden Verfahren durch die Ver wendung viskoselöslicher Kurrolscher Alkali metaphosphate ausgeglichen.
Die Kurrolschen Alkalimetaphosphate kön nen selbstverständlich auch mit sonstigen zur Behandlung von Blut üblichen Salzen, bei spielsweise mit Orthophosphaten, Natrium salzen von Genusssäuren, wie Weinsäure, Zi tronensäure, oder dergleichen kombiniert wer den.
Die Zugabemenge an Kurrolschem Alkali- metaphosphat oder dieses enthaltenden Salz gemischen, um eine Verzögerung bzw. Ver- hinderung der Blutgerinnung herbeizufüh ren, liegt zweckmässig bei etwa 0,1 bis 2 1/a. Im allgemeinen verwendet man 0,2 bis 1 O/u, bezogen auf die zu behandelnde Blutmenge. Das nach dem beschriebenen Verfahren be handelte Blut ist bei genügender Kühlhal- tung bis zu mehreren Wochen lagerfähig.
<I>Beispiel Z:</I> 20 g Kurrolsches Kaliummetaphosphat werden in einem Blutauffanggefäss mit 100 bis 200 cm3 Wasser angerührt. Man lässt 15 Liter Schlachttierblut zufliessen, wobei zweckmässig einige Male gerührt wird. Das Blut ist nunmehr vor der Gerinnung be wahrt, mehrere Tage lagerfähig und lässt sich im Separator vorzüglich in Dickblut und hellgefärbtes Plasma trennen.
<I>Beispiel 2:</I> 70 g krist. Tetranatriumpyrophosphat und 20 g Kurrolsches Kaliummetaphosphat wer den gut gemischt und mit etwas Wasser in ein Blutauffanggefäss hineingegeben. Es ist dabei nicht notwendig, dass eine völlige Lö sung des Gemisches eintritt. Das gesamte Blut eines frisch geschlachteten Ochsens wird nunmehr hinzugegeben, worauf sich das Salz gemisch sofort auflöst. Gegebenenfalls kann einige Male gerührt werden.
Das so behan delte Blut ist-bis zu einer Woche lagerfähig. <I>Beispiel 3:</I> 100 g eines Gemisches, welches 20g Kur- rolsches Kaliummetaphosphat, 70 g Natrium- pyrophosphat (Dekahydrat) und 10g Koch salz enthält, werden in 1 Liter Wasser auf gelöst bzw. suspendiert, wobei das Kurrol- sche Salz in feinsten Flocken in der Schwebe gehalten ist.
Diese. wässerige Suspension wird mit 10 bis 15 Liter frischem Schlachtblut vermischt. Die wässerige Blut-Phosphat-Mi- schung hält sich ohne Gerinnen mehrere Tage lang. Beispiel <I>4:</I> 10 Teile Dinatriumorthophosphat Na2HP04, 30 Teile Natriumpyrophosphat Na2P207 # 10 H20, 20 Teile Kurrolsches Kaliummetaphosphat und 40 Teile Kochsalz werden miteinander gemischt.
Von dieser Mischung werden 150 g zur Verhütung der Blutgerinnung auf etwa 15 Liter Schlachttierblut, wie vorstehend be schrieben, eingesetzt.