Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung neuer bakterizid wirksamer Kohlensäure-bis-(phenoxyphenyl)-ester und die Verwendung dieser Ester als Komponente von desinfizierenden Reinigungsmitteln.
Das erfindungsgemässe Verfahren zur Herstellung von neuen bakterizid wirksamen Kohlensäure-bis-(phenoxyphenyl)-estern der allgemeinen Formel I:
EMI1.1
in der
R1, R'1, R2, R'2, R3 und R'3 unabhängig voneinander je Wasserstoff oder ein Halogenatom bis Atomnummer 35 bedeuten und die Benzolringe B und B' unabhängig voneinander je unsubstituiert oder durch Halogen bis Atomnummer 35, niedere Alkyl-, Halogenalkyl-, Phenyl- und halogenierte Phenylreste ein- bis dreifach substituiert sind.
ist dadurch gekennzeichnet, dass man ein Äquivalent eines Hydroxydiphenyläthers der Formel II
EMI1.2
mit einem Äquivalent eines Chlorkohlensäure-(phenoxyphenyl)-esters der Formel III
EMI1.3
in welchen Formeln R1, R'1, R2, R'2, R3 und R'3 die unter
Formel I angegebenen Bedeutungen haben und für die Ben zolringe B und B' die obenangegebenen Bestimmungen gel ten, vorzugsweise in Gegenwart eines säurebindenden Mittels umsetzt.
In der Formel list unter Halogen bis Atomnummer 35 insbesondere Chlor und Brom zu verstehen. Als Halogen alkylrest ist der Trifluormethylrest und als halogenierter Phe nylrest einer, der durch Chlor und/oder Brom substituiert ist, bevorzugt. Niedere Alkylreste weisen 1-4 Kohlenstoff atome auf, wie zum Beispiel der Methyl-, Äthyl-, die Propyl oder Butylreste.
Zur Herstellung der neuen Kohlensäureester der Formel I kommen als Hydroxydiphenyläther der Formel II (Ausgangs stoffe) beispielsweise die folgenden in Betracht:
3',4'-Dichlor-2-hydroxy-diphenyläther 3' ,4' -Dichlor-2 -hydroxy-diphenyläther
2',4'Dibrom4-chlor-2hydroxy-diphenyläther 4-Chlor-2 -hydroxy-diphenyläther 4,4' -Dichlor-2-hydroxy-diphenyläther
4-Chlor4'-brom-2-hydrnxy-diphenyläther 4-Chlor-5'-methyl-2',4'-di-tert.-butyl-2-hydroxy- diphenyläther 4-Chlor-2'-phenyl-4-chlor-2-hydroxy-diphenyläther 4'-Methyl-4-chlor-2-hydroxy-diphenyläther 4,4'-Dichlor-5 -brom--2-hydroxy-diphenyläther 4,2' ,2',4-Tilchlor-5-brom-2-hydroxy-diphenyläther 4,2,4' -TncMor-2-hydroxyrdiphenyläther 4-Brom4' -chlor-2-hydroxy-diphenyläther 2',4',5',4-Tetrachlor-2-hydroxy-diphenyläther
4,2',4'-Tribrom-2-hydroxy-diphenyläther 4-Brom-2' ,4'-dichlor-2-hydroxy-diphenyläther 4,4'-Dibrom-2-hydroxy-diphenyläther 4'-Chlor-2-hydroxy-diphenyläther und 4 ,4'-Dichlor-3'-trifluormethyl-2 -hydroxy-diphenyläther.
Bevorzugt sind die 2-Hydroxy-diphenyläther, die durch mindestens eines und höchstens 3 Halogenatome oder durch 1 oder 2 Halogenatome und/oder einen niederen Alkyl- oder Trifluormethylrest substituiert sind.
Für das erfindungsgemässe Verfahren kommen als säurebindende Mittel organische Basen, wie tertiäre Amine, zum Beispiel Pyridin, Triäthylamin, usw. und anorganische Basen, wie die Hydroxide und Oxide von Alkali- und Erdalkalimetallen in Betracht. Als Lösungs- oder Verdünnungsmittel kommen für das genannte Verfahren Kohlenwasserstoffe, halogenierte Kohlenwasserstoffe, Amide, Äther und ätherartige Verbindungen in Betracht.
Die Hydroxy-diphenyläther der Formel II sind bekannte Ausgangsstoffe oder können gemäss dem Verfahren des belgischen Patentes Nr. 659 636 erhalten werden. Chlorkohlensäureester der Formel III gehören ebenfalls in eine bekannte Klasse von Verbindungen, die in an sich bekannter Weise durch Umsetzung eines Hydroxydiphenyläthers der Formel II mit Phosgen hergestellt werden können.
Die neuen Kohlensäureester der Formel I zeigen gute bakterizide und bakteriostatische Eigenschaften gegenüber grampositiven und gramnegativen Bakterien, und sie besitzen ferner eine geringe Warmblütertoxizität und üben keinerlei Reizwirkung auf Haut und Schleimhäute aus. Aufgrund dieser guten Eigenschaften lassen sich die neuen Ester der Formel I auf den verschiedensten Anwendungsgebieten, zum Beispiel zum Schützen von nicht-textilen organischen Materialien und Gebrauchsgegenständen, als desinfizierende Zusätze zu Reini gungsmitteln aller Art, wie Seifen und Waschmitteln verwenden.
Im nachstehenden Beispiel wird die Herstellung von Koh lensäure-bis-(phenoxyphenyl)-estern der Formel I beschrieben. Die Temperaturen sind in Celsiusgraden angegeben und Teile sind als Gewichtsteile zu verstehen, falls nichts anderes ausdrücklich vermerkt ist.
Beispiel 1 A. Herstellung von Chlorkohlensäure-[2-(2' ,4'-dichlor- phenoxy) -5 -chlor]-phenylester.
435 Teile 3-(2' ,4'-Dichlorphenoxy)-5-chlorphenol werden in 900 Volumteilen absolutem Toluol vorgelegt und bei 5-10" werden 210 Teile Phosgen eingeleitet. Anschliessend werden bei 0-5", 166 Teile Triäthylamin in 300 Volumteilen absolutem Toluol zugetropft und 4 Stunden bei Zimmertemperatur reagieren gelassen. Das überschüssige Phosgen wird dann entfernt, indem man Stickstoffgas durch das Gemisch leitet. Das ausgefallene Triäthylamin-Hydrochlorid wird abfiltriert und das Filtrat am Vakuum destilliert. Der Chlorkohlensäure-[2-(2' ,4'-dichlorphenoxy) -5-chlor]-phenylester siedet bei 160-162 /0,05 Torr.
B. Herstellung von Kohlensäure-O,O'-bis-[2-(2',4'dichlorphenoxy)-5 -chlorphenyl]-ester.
11,9 Teile 4,2',4'-Trichlor-2-hydroxy-diphenyläther und 3,24 Teile Pyridin werden in 50 Volumteilen Methylenchlorid gelöst. Diese Lösung wird bei einer Temperatur zwischen 0 und 5 tropfenweise mit einer Lösung von 14,8 Teilen Chlorkohlensäure-[2-(2' ,4'-dichlorphenoxy)-5-chlor] phenylester in 50 Volumteilen Methylenchlorid, versetzt. Das Reaktionsgemisch wird 2 Stunden lang bei Zimmertemperatur gerührt. Der entstandene Niederschlag wird abfiltriert und mit Methylenchlorid gewaschen. Das Filtrat wird mehrmals mit Wasser gewaschen und über Natriumsulfat getrocknet.
Nach dem Abdestillieren des Methylenchlorids erhält man den Kohlensäure 0,0' -bis-[2-(2' ,4'-dichlorphenoxy)-5 chlorphenyl]-ester als hochviskoses Öl, das nach Animpfen kristallisiert. Aus Isopropyläther umkristallisiert, hat der Diester den Fp. 128-130".
Auf die im Beispiel 1 beschriebene Weise werden aus 1 Mol des entsprechenden 2-Hydroxy-diphenyläthers und 1 Mol des entsprechenden Chlorkohlensäure-(phenoxy- phenyl)-esters die folgenden Kohlensäureester der Formel I erhalten:
Verbindungen Schmelzpunkt Kohlensäure-O,O'-bis-[2-(2',4',6'-trichlor- phenoxy)-5-chlo,rphenyl]-ester 143-145 Kohlensäure-O,O'-bis-[2-(4'-chlorphonoxy)-
5-chlorphenyl]-ester 84-860 Kohlensäure-O ,O'-bis-[2-(4'-bromphenoxy)-
5-chlorphenyl]-ester 68-70 Kohlensäure-O,O'-Ns42-(2"4'-dichlor- phenoxy)-5-bromphenyl] -ester 116-1180 Kohlensäure-O,O'-bis-[2-(4'-chlor- phenoxy)-5-bromphenyl]-ester 77-780 Kohlensäure-O,O'-bis l[2-(2',4'-dichlor- phenoxy)-4-brom-5-chlorphenyl]-ester 171-172 Kohlensäure-O,O'-bis-[2-(4'-chlorphenoxy) 4-brom-5-chlorphenyl]
-ester 152-154 Kohlensäure-O,O'-bis-[2-(4'-bromphenoxy)
5-bromphenyl]-ester 103-105 Kohlensäure-O,O'-bis-[2-(2',4'-brom- phenoxy)-5-chlorphenyl]-ester 160-162 Kohlensäure-O,O'-bis[2-(4'-methyl- phenoxy)-5-chlorphenyl]-ester 1041050 Kohlensäure-O,O'-bis-[2-(3'-trifluormethyl-
4'-chlorphenoxy)-5-chlorphenyl]-ester 98-100
Die Kohlensäureester der Formel I zeigen in verschiedenen Versuchsanordnungen, wie dem von X. Bühlmann, W. A.
Vischer und H. Bruhin [Zbl. Bakt. Abteilung I, Originale, 180, 327-334 (1960)] beschriebenen Incorporations-Test (Prüfung des Bakterien- bzw. Pilzwachstums auf Nährböden, denen verschiedene Konzentrationen der Wirkstoffe einverleibt sind) und dem von H. Bruhin und X. Bühlmann ath.
Micro-biol. 26, 108-123 (1963)] beschriebenen Diffusionstest (Messung der Breite von Hemmzonen) gegenüber grampositiven und gramnegativen Bakterien, wie zum Beispiel Staphylococcus aureus, Escherichia coli, Klebsiella pneumoniae, Salmonella typhi, eine vorzügliche wachstumshemmende Wirkung.
Bakteriostatische Wirksamkeit in vitro (Diffusionstest)
Die Testsubstanz wird in einem geeigneten Lösungsmittel in einer Konzentration von 5000 y/cm3 gelöst.
Sterile Filterpapierstreifen (5 x85 mm, Flüssigkeitsaufnahme pro Filterpapierstreifen beträgt etwa 0,1 cm3) werden in die Testsubstanzlösung eingetaucht und nachher zum Trocknen aufgehängt. Dann werden die Streifen auf je 1 Platte (Petrischale von 85 mm Innendurchmesser, gefüllt mit 20 cm3 Nährmedium) gelegt und mit dem unbeimpften Medium 16 Stunden in den Brutschrank gestellt, um die Testsubstanzen diffundieren zu lassen. Erst dann wird das Medium streifenförmig mit den Testkeimen beimpft und anschliessend bei 37" C 24 Stunden lang bebrütet.
Als Resultat wird die Grösse der Hemmzone in mm einschliesslich der Breite des Filterpapierstreifens angegeben.
Wirkstoff Bakterien
Esch. coli Klebs. pneu. Salm. typhi Staph. aureus
NCTC 86 NCTC 7242 NCTC 8384 NCTC 7447 Kohlensäure-O,O'-bis-[2-(4'-chlorplienoxy)
5-chlorphenyl]-ester 45 47 45 55 Kohlensäure-O,O'-bis-[2-(2',4'-dichlor- phenoxy)-5-chlorphenyl]-ester 45 47 46 55
Bakteriostatische Wirksamkeit in vitro (Incorporations-Test)
Der zu prüfende Wirkstoff wird in einem geeigneten Lösungsmittel gelöst und wenn möglich in dem gleichen Lösungsmittel weiterverdünnt. Die Konzentration der Wirkstofflösun- gen wird so gewählt, dass nach Zusatz des Nährbodens die gewünschte Endkonzentration erreicht wird. Bei Wasser als Lösungsmittel soll das Verhältnis Lösung: Nährboden etwa 1:10, bei einem organischen Lösungsmittel in der Regel 1:100 betragen.
Um eine bakteriostatische Wirkung des verwendeten Lösungsmittels selbst auszuschliessen, wird eine Lösungsmittelkontrolle mit durchgeführt.
Die Wirkstofflösung wird dem noch flüssigen Nähragar zugesetzt und zu 20 cm3 in Petrischalen ausgegossen. Nach dem Erstarren werden die Nährböden mit geeigneten Bakteriensuspensionen beimpft. Die beimpften Nährböden werden dann 24 Stunden bei 37 C bebrütet. Zur Auswertung wird die niedrigste Konzentration bestimmt, bei der das Bakterienwachstum vollständig gehemmt wird.
Die in der folgenden Tabelle aufgeführten Zahlen bezeichnen die minimale Hemmungskonzentration in ppm (Teile Wirkstoff pro 106 Teile Verdünnungsmittel), was der Menge von 1 y pro rm8 entspricht.
Wirkstoff Bakterien
Esch. coli Klebs. pneu. Salm. typhi Staph. aureus
NCTC 86 NCTC 7242 NCTC 8384 NCTC 7447 Kohlensäure-O,O'-bis2-(4'-chlorphenoxy)-
5-chlorphenyl]-ester < 1 < 1 < 1 < 1 Kohlensäure-O,O'-bis¯[2-(2',4'-dichlor- phenoxy)-5-chlorphenyl]-ester < 1 < 1 < 1 < 1
Die bakteriostatische Wirkung einiger erfindungsgemässer Verbindungen wurde an den nachstehenden Bakterienstämmen getestet: Staphylococcus aureus SG 511, Escherichia coli 8196, Bacillus pumilus J. R. G. 132, Sarcina ureae J. R. G.
822.
Als Testmethode diente der Agar Incorporation Test nach Leonard und Blackford: Nutrient Agar-Platten mit 100, 30, 10 und 3 ppm Wirksubstanz werden mit Lösungen der obengenannten Stämme beimpft und 2x24 Stunden bei 37 C bebrütet. In der folgenden Tabelle sind die das Wachstum der einzelnen Stämme hemmenden Grenzkonzentrationen auf gefüirt:
: Verbindung Staph. aureus Bac. pumilus Sar. ureae Esch. coli Sog 511 J.R.G.132 J.R.G.822 8196 Kohlensäure-O,O'-bis-[2-(4'-chlorphenoxy)
4-brom-5-chlorphenyl]-ester 30 30 30 30 Kohlensäure-O,O'-bis-[2-(2',4'-dichlor- phenoxy)-4-brom-5-chlorphenyl]-ester 3 3 3
Die erfindungsgemäss hergestellten Kohlensäureester der Formel I verleihen in Konzentrationen von etwa 1-200 ppm (ppm bedeutet Teile Wirkstoff pro 106 Teile Verdünnungsmittel) dem damit behandelten nicht-textile Substrat eine weitgehende und remanente Keimfreiheit gegen Staphylocokken- und Coliformen, die selbst nach Belichten des Wirkstoffes bzw. der damit behandelten Ware bestehen bleibt.
Sie unterscheiden sich von vorbekannten Verbindungen durch ihre Lichtbeständigkeit auf dem damit behandelten nichttextilen Substrat, sowie durch ihre hohe Aktivität und Wirkungsbreite gegen grampositive und gramnegative Mikroorganismen.
Gegen Schweissgeruch erzeugende Bakterienflora sind die neuen Kohlensäureester ebenfalls sehr wirksam und daher als desodorierende Mittel für Wäsche- und Kleidungsstücke und zur Einverleibung in Reinigungsmittel, wie in Seifen oder in Haarwaschmittel geeignet.
Ferner können die Kohlensäureester der Formel I direkt in das zu schützende nicht-textile Material eingearbeitet werden, beispielsweise in Material auf Kunstharzbasis, wie Polyamide und Polyvinylchlorid, in Papierbehandlungsflotten, in Druckverdicker aus Stärke oder Celluloseabkömmlingen, in Lacke und Anstrichfarben, welche zum Beispiel Casein enthalten, in Papier, in tierische Schleime oder Öle, in Permanentschlichten auf Basis von Polyvinylalkohol, in kosmetische Artikel. wie in Seifen, zum Beispiel in Hand- oder Toiletten seiten. in Salben oder Puder. Ferner kann man sie auch Zubereitungen anorganischer oder organischer Pigmente für das Malergewerbe, Weichmachern usw. beigeben.
Ferner kann man die Kohlensäureester der Formel I in Form ihrer organischen Lösungen, z. B. als sogenannte Sprays oder als Trockenreiniger für Wäsche- und Kleidungsstücke oder zum Imprägnieren von Holz verwenden, wobei als organische Lösungsmittel vorzugsweise mit Wasser nicht mischbare Lösungsmittel, insbesondere Petrolfraktionen, aber auch mit Wasser mischbare Lösungsmittel, wie niedere Alkohole, zum Beispiel Methanol oder Äthanol oder Äthylenglykolmonomethyl- oder monoäthyläther in Frage kommen. Zusammen mit Netz- oder Dispergiermitteln können die Kohlensäureester der Formel I in Form ihrer wässrigen Dispersionen angewendet werden, zum Beispiel zum Schützen von nichttextilen Stoffen, die zum Verrotten neigen, wie von Leder, Papier usw.
Die erfindungsgemässen bakteriziden Kohlensäureester der Formel I können ferner als Wirkstoffe in desinfizierenden Zubereitungen dienen. Die Art der Trägerstoffe richtet sich weitgehend nach dem Anwendungsgebiet. Zur Desinfektion der gesunden Haut, wie auch zur Munddesinfektion kommen insbesondere Salben, Puder und Tinkturen in Betracht. Salbengrundlagen können wasserfrei sein, zum Beispiel aus Mischungen von Wollfett und Vaselin bestehen, oder es kann sich auch um wässrige Dispersionen handeln, in denen der Wirkstoff dispergiert ist. Als Trägerstoffe für Puder eignen sich Stärken, wie Reisstärke, die gewünschtenfalls durch Zu satz hochdisperser Kieselsäure spezifisch leicht oder durch Zusatz von Talk schwerer gemacht werden können.
Tinkturen enthalten den oder die Wirkstoffe der Formel 1 in wässrigem, insbesondere 45-75 %igem Äthanol, dem gegebenenfalls 10-20% Glycerin beigefügt ist. Zur Desinfektion der gesunden Haut kommen auch Lösungen in Betracht, die mit Hilfe üblicher Lösungsmittel, wie zum Beispiel Polyäthylenglykol, sowie Dispergatoren bereitet sind. Der Wirkstoffgehalt in den vorgenannten Anwendungsformen liegt vorzugsweise zwischen 0,1 und 5 %.
In allen Anwendungsformen, seien sie nun für technische, kosmetische oder hygienische Anwendungsbereiche bestimmt, können die neuen Kohlensäureester der Formel I als alleinige Wirkstoffe anwesend sein oder aber mit anderen bekannten antimikrobiellen, insbesondere antibakteriellen und/oder antimykotischen Wirkstoffen kombiniert sein. Sie können zum Beispiel mit halogenierten und/oder halogenalkylsubstituierten Salicylsäurealkylamiden und -aniliden, mit halogenierten und/oder durch Halogenalkyl substituierten Diphenylharnstoffen, gegebenenfalls halogenierten Benzoxazolonen, mit Polychlorhydroxydiphenylmethanen, mit Halogenhydroxy diphenylsulfiden, halogenierten Hydroxydiphenyläthern, mit bakteriziden 2-Imino-imidazolidinen oder mit bakteriziden quaternären Verbindungen, Dithiocarbaminsäurederivaten, oder mit Tetramethylthiuramdisulfid kombinert werden.
Bei einigen der erwähnten Kombinationen der erfindungsgemäss anwendbaren Kohlensäureester mit anderen antimikrobischen Wirkstoffen zeigt sich eine Verbreiterung des Wirkungsspek trums und/oder Synergismus.
Im folgenden werden einige typische Anwendungsformen, die für die Behandlung der gesunden Haut geeignet sind, beschrieben. Für diese können als Wirkstoffe zum Beispiel die folgenden Kohlensäureester der Formel I eingesetzt werden: Kohlensäure-O,O'-bis-[2-(2' ,4',6' -trichlorphenoxy)
5-chlorphenyl]-ester Kohlensäure-O,O'-bis-[2-(4' -bromphenoxy)-5-chlor phenyl]-ester Kohlensäure-O,O' -bis-[2-(2' ,4' -dichlorphenoxy)
5-bromphenyl]-ester Kohlensäure-O,
O'-bis-[2-(4' -chlorphenoxy)-5 bromphenyl]-ester Kohlensäure-O,O' -bis- [2-(2' ,4' -dichlorphenoxy)-4-brom
5 -chlorphenyl] -ester Kohlensäure-O,O' bis-[2-(4'-chlorphenoxy4-brom-5 - chlorphenyl]-ester Kohlensäure-O,O' -bis-[2-(4' -bromphenoxy)-5-brom- phenyl]-ester Kohlensäure-O,O' -bis-[2-(2' ,4' -bromphenoxy)-5 chlorphenyl]-ester Kohlensäure-O,O'-bis-[2-(4' -methyl-phenoxy)-5 chlorphenyl] -ester
Kohlensäure-O,O' -bis-[2-(3 ' -trifluormethyl-4' -chlor phenoxy)-5 -chlorphenyl]-ester
Beispiel 2
Händedesinfektionsmittel Flüssigkeit
Man bereitet eine Lösung von 3 Teilen Wirkstoff und
3 Teilen Natriumsulforicinoleat in 47 Teilen Polyäthylen glykol 400 und eine Lösung von 7 Teilen Natriumdodecyl sulfat in 39,85 Teilen Wasser,
mischt die beiden Lösungen und versetzt das Gemisch mit 0,15 Teile Parfüm. Die erhal tene Flüssigkeit wird auf die feuchte Haut getropft oder ge spritzt und verrieben.
Puder
3 Teile Wirkstoff werden mit 5 Teilen Zinkoxyd, 41,9
Teilen Reisstärke und 50 Teilen Talk, der seinerseits mit 0,1 Teile Parfüm imprägniert ist, gründlich gemischt, durch ein passendes, feines Sieb gesiebt und nochmals gut gemischt.
Salbe
3 Teile Wirkstoff werden mit 3 Teilen Paraffinöl angerieben und in die bei mässiger Temperatur geschmolzene Mischung von 10 Teilen Wollfett und 84 Teilen weissem Vaselin eingetragen und die Mischung unter Rühren erkalten gelassen.
Die keimstörende Wirkung erfindungsgemäss hergestellter Kohlensäureester der Formel I wurde anhand folgender Versuche bestimmt:
Beispiel 3
Handwaschtest
1. Die Versuchspersonen tauchten 15 Sekunden lang die Hände in 2 Liter entkeimtes Brunnenwasser und seiften dann während 15 Sekunden die Hände mit wirkstofffreier Seife ein.
Anschliessend werden die eingeseiften Hände 45 Sekunden lang massiert, dann 30 Sekunden in dem zum Benetzen verwendeten 2 Liter entkeimten Brunnenwasser gespült und hierauf mit einem sterilen Handtuch abgetrocknet. Diese Waschung wurde 5 x mit je 2 Liter keimfreiem Brunnenwasser wiederholt. Nach der 5. Handwäsche wurden die von der Haut abgegebenen Keime bestimmt. Dazu wurde 1 cm3 Spülwasser mit 10 cm3 geschmolzenem Nähragar versetzt, in Petrischalen ausgeplattet, 24 Stunden bei 37 bebrütet und die Bakterienkolonie ausgezählt (Ausgangspunkt).
2. Die Handwaschungen mit wirkstoffhaltiger Seife wurden dann 4x täglich, über 10 Stunden verteilt, durchgeführt.
(Morgens, vor und nach dem Mittagessen, abends):
Befeuchten der Hände mit
Brunnenwasser 15 Sekunden
Einseifen 30 Sekunden
Massieren 90 Sekunden
Spülen 30 Sekunden
Nach der 10. Waschung (d. h. nach 2,5 Tagen) wurde der Versuch für einen halben Tag unterbrochen und dann durch 5 Waschungen gemäss 1. mit wirkstofffreier Seife weitergeführt. Danach wurde wiederum die Keimzahl des 5. Spülwassers bestimmt. (2. Kontrollwaschung) Am nächsten Tag folgten 6 weitere Waschungen mit wirkstoffhaltiger Seife nach obenstehendem Zeitplan 2. und anschliessend wiederum die Smalige Waschung mit wirkstofffreier Seife gemäss 1., bei der wiederum das 5. und letzte Spülwasser zur Bestimmung der Keimzahl verwendet wurde. (3. Kontrollwaschung) Aus dem Vergleich zwischen Ausgangswerten und den Werten der 2. und 3.
Kontrollwaschung liess sich ein wesentlicher Rückgang der Anzahl Hautkeime im Verlauf von 5 Tagen ermitteln.
Beispiel 4
Handschuhtragtest
Die Hände mehrerer Versuchspersonen wurden mit wirkstoffhaltiger Seife nach folgendem Schema behandelt:
Befeuchten in 1,5 Liter keimfreiem
Brunnenwasser 15 Sekunden
Einseifen 30 Sekunden
Massieren 90 Sekunden
Spülen 30 Sekunden
Diese Behandlungen erfolgten alle 3 Stunden während des Tages. Zur Kontrolle wird die linke Hand, mit 1 cm3 physiologischer Kochsalzlösung benetzt, in einem sterilen Einmalhandschuh eingeführt, der dann zugebunden wird. Der Handschuh wird dann zu normaler Tätigkeit eine halbe Stunde lang getragen, dann abgestreift und mit 9 cm3 steriler physiologischer Kochsalzlösung ausgespült. 1 cm3 dieser Lösung wird dann mit einer Mischung aus Nutrient-Agar, Serum und Kaliumtellurit in Petrischalen ausgeplattet.
Die Schalen werden 24 Stunden lang bei 37" bebrütet. Dann werden die Keime ausgezählt.
Diese Kontrollen wurden nach der 3. 7. und 11. Waschung vorgenommen. Dabei zeigte es sich, dass Seifen, die in einer Konzentration von 0,5% einen der im vorangehenden aufgeführten Wirkstoffe enthielten, einen starken Rückgang der Anzahl Hautkeime innerhalb von 3 Tagen bewirkten.