Die Erfindung betrifft eine Nähmaschine nach dem Oberbegriff des
Anspruches 1.
Durch die dem Oberbegriff des Anspruches 1 zugrundeliegende
DE 32 16 993 C3 (US-PS 4 495 877) ist es bekannt, die Positioniergenauig
keit der Nadel im Nahtendpunkt dadurch zu erhöhen, daß mit Hilfe einer
auf den Durchlauf der Werkstückkante ansprechenden Abtastvorrichtung
die Differenz zwischen der Soll- und der Istvorschubgröße des Vorschub
mittels ermittelt und bei der Berechnung für die Einstellung der Stichstellvor
richtung berücksichtigt wird. Abgesehen davon, daß eine solche mindestens
zwei gegenseitig beabstandete Sensoren aufweisende Abtastvorrichtung
aufwendig ist, kann es beim Nähen entlang kurvenförmiger Werkstückkanten,
wie z. B. bei Hemdenkrägen, aufgrund der Drehbewegung des Werkstückes
Ungenauigkeiten beim Abtastvorgang geben, die das Meßergebnis verfälschen.
Es hat sich herausgestellt, daß eine ganz wesentliche Ursache für die
beobachteten Abweichungen zwischen der eingestellten Vorschubgröße und
dem tatsächlichen Vorschubbetrag des Werkstückes darin besteht, daß mit
zunehmender Maschinendrehzahl der Vorschubbetrag des Werkstückes pro
Stichbildevorgang generell stetig zunimmt, so daß die Stichlänge immer
größer wird.
Diesem Vorschubverhalten wird bei der aus der US-PS 4 548 143 bekannten
Nähmaschine dadurch Rechnung getragen, daß die Anzahl der Restnahtstiche
in Abhängigkeit von der zum Zeitpunkt des Kantenerkennens herrschenden
Maschinendrehzahl berechnet wird. Durch diese Maßnahme sollen die
drehzahlabhängigen Stichlängenveränderungen nicht mehr zu ungenauen
Ergebnissen führen können. Allerdings ist diese Art der Kompensation dreh
zahlabhängiger Stichlängenveränderungen nur bei solchen Verfahren zum
Ansteuern eines vorbestimmten Endpunktes einer Naht anwendbar, bei denen
ein Stichlängenteilbetrag ausschließlich beim letzten Stich berücksichtigt wird.
Durch die DE 36 17 204 C1 ist eine Nähmaschine mit einer Vorrichtung zum
Messen der tatsächlichen Vorschublänge des Stoffschiebers bekannt.
Abgesehen davon, daß eine solche Meßvorrichtung und die zugeordnete
Signalverarbeitungseinrichtung vergleichsweise aufwendig sind und
Störeinflüsse wie z. B. Vibrationen die Meßergebnisse verfälschen können,
ergibt sich zusätzlich noch eine prinzipbedingte Stichlängenabweichung
dadurch, daß die Messung der tatsächlichen Stichlänge bei einer deutlich
höheren Drehzahl und somit bei einer höheren Soll-Istwert-Abweichung der
Stichlänge durchgeführt wird als anschließend die Bildung der letzten Stiche.
Die bekannten Lösungen beziehen sich alle auf Maßnahmen zur Erhöhung der
Genauigkeit beim Nähen des letzten Stiches einer nach dem Kantenerkennen
zu bildenden Restnahtstrecke. Sie geben keine Hinweise, wie beim Nähen
beliebiger, vor allem auch längerer Nähte eine genauere Nahtlängensteuerung
ermöglicht wird. Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, eine Näh
maschine zu schaffen, bei der beim Bilden beliebig langer Nähte eine genauere
Nahtlängensteuerung ermöglicht wird. Die Aufgabe wird durch das kenn
zeichnende Merkmal des Anspruches 1 gelöst.
Die Erfindung beruht im wesentlichen auf dem Gedanken, den sich bei
höheren Drehzahlen ergebenden Veränderungen der effektiven Stichlänge
gegenüber der eingestellten Stichlänge durch eine entsprechende Korrektur
der Einstellung der Stichstellvorrichtung unmittelbar entgegenzuwirken, so daß
die Stichlängenveränderungen erst gar nicht in Erscheinung treten und deshalb
auch nicht durch nachträglich zu treffende Maßnahmen wieder ausgeglichen
werden müssen. Dies ermöglicht es, bei all denjenigen Nahtstrecken, bei denen
mit Stichzählung gearbeitet wird, ein genaueres Ergebnis zu erzielen.
Durch die Maßnahme nach Anspruch 3 wird die Genauigkeit einer
Nahtlängensteuerung noch weiter gesteigert, indem die im allgemeinen
nichtlineare Stellcharakteristik der Stichstellvorrichtung wertemäßig erfaßt
und als stichlängenbezogene Korrekturwerte mit berücksichtigt werden.
Die Erfindung ist anhand eines in der Zeichnung dargestellten Ausführungs
beispieles erläutert. Es zeigen:
Fig. 1 ein Diagramm mit einer drehzahlabhängigen Stichlängenkennlinie
und
Fig. 2 eine Nähmaschine mit einem schematischen Blockschaltbild der
Steuereinrichtung.
Bei der Nähmaschine 1 ist die Grundplatte mit 2 und das Obergehäuse mit
3 bezeichnet. Im Kopf des Obergehäuses 3 ist eine auf- und abbewegbare
Nadelstange 4 mit einer Nadel 5 gelagert. Mit der Nadel 5 arbeitet in bekannter
Weise ein nicht dargestellter Greifer zusammen.
In der Grundplatte 2 ist ein Stoffschieber 6 angeordnet. Der Stoffschieber 6
entspricht bei der in der eingangs genannten DE 32 16 993 C3
geoffenbarten Nähmaschine dem dort mit 25 bezeichneten Stoffschieber.
Ebenso entspricht die Antriebsvorrichtung des Stoffschiebers 6 derjenigen
des Stoffschiebers 25 aus der DE-C3 und enthält somit eine Stichstell
vorrichtung 7, die wie bei der bekannten Nähmaschine als Gelenkstichsteller
ausgebildet ist. Der Stichstellvorrichtung 7 ist eine Stellwelle 8 zugeordnet,
die bei der bekannten Nähmaschine der Stellwelle 42 entspricht.
Die Stellwelle 8 ist direkt mit einem als Stellmittel dienenden Schrittmotor 9
verbunden.
Zum Antrieb der Nähmaschine dient ein in der Grundplatte 2 angeordneter
Positioniermotor 10 mit einer Steuerung 11. Der Positioniermotor 10 treibt
u. a. in nicht näher bezeichneter Weise eine Antriebswelle 12 für den Stoff
schieber 6 an. Am Positioniermotor 10 ist ein Impulsgeber 13 angeordnet, der
zur Ermittlung der Drehzahl der Nähmaschine 1 und der Winkelstellung der
Antriebswelle 12 dient, wenn eine Werkstückkante durch den Lichtstrahl einer
Lichtschranke hindurchläuft, von der nur ein am Kopf des Obergehäuses 3
angeordneter Sensor 14 dargestellt ist. Der Impulsgeber 13 dient ferner in
bekannter Weise durch Ermittlung der kompletten Umdrehungen der
Antriebswelle 12 zur Durchführung einer Stichzählung.
Die Steuerungseinrichtung enthält einen Rechner 15, der im wesentlichen
aus einem Prozessor 16, einem I/O-Glied 17 und zumindest einem EPROM 18
besteht. Der Rechner 15 ist mit einem Bedienfeld 19 verbunden.
Im Diagramm der Fig. 1 ist dargestellt, wie die Stichlänge S in mm bei
unveränderter Einstellung der Stichstellvorrichtung 7 mit zunehmender
Drehzahl n in min-1 der Nähmaschine immer größer wird und von z. B. 2 mm
im unteren Drehzahlbereich von 1 bis 500 min-1 bis zu ca. 2,5 mm bei
n = 6.000 min-1 anwächst. Dieses Transportverhalten tritt generell bei
allen Nähmaschinen auf, kann jedoch von Maschinentyp zu Maschinentyp
unterschiedlich sein.
Zur Kompensation dieser in der Istwertkurve Si dargestellten drehzahl
abhängigen Stichlängenveränderung wird für jeden Maschinentyp und jede
Maschinenbaureihe durch Messungen der bei jeder Stichlänge S und jeder
Drehzahl n erforderliche Korrekturwert K1 ermittelt, mit dem die Stichstell
vorrichtung 7 verändert eingestellt werden muß, um eine korrigierte Sollwert
kurve Ss zu erhalten, bei der die tatsächlich ausgeführte Stichlänge St über
dem gesamten Drehzahlbereich stets der eingestellten Stichlänge Se
entspricht. Diese Korrekturwerte K1 werden im EPROM 18 in Tabellenform
abgelegt.
Ferner wird für jede Maschinenbaureihe durch Messungen die drehzahlunab
hängige Stellcharakteristik der Stichstellvorrichtung 7 ermittelt, d. h. die sich
bei konstanten Verstellwinkelschritten der Stellwelle 8 ergebenden Stichlängen
einstellwerte der Stichstellvorrichtung 7, die im allgemeinen nicht linear sind
und insbesondere beim Wechsel der Vorschubrichtung in größerem Umfang
unterschiedlich groß sein können. Zur Kompensation dieser Nichtlinearität
wird für jeden Stichlängeneinstellwert ein Korrekturwert K2 ermittelt, mit dem
die Stichstellvorrichtung 7 verändert eingestellt werden muß, um bei jeder
gleichgroßen Winkelverstellung der Stellwelle 8, d. h. für jeden vom Schritt
motor 9 ausführbaren Winkelschritt eine gleichmäßige Veränderung der
eingestellten Stichlänge S zu erhalten. Diese drehzahlunabhängigen
Korrekturwerte K2 werden ebenfalls im EPROM 18 in Tabellenform abgelegt.
Beim Betrieb der Nähmaschine 1 liest der Rechner 15 den der eingestellten
Stichlänge S zugeordneten Korrekturwert K2 sowie den der aktuellen Dreh
zahl n zugeordneten Korrekturwert K1 aus dem EPROM 18 und berechnet aus
ihnen eine Korrekturstellgröße für den Schrittmotor 9, mit der dieser die
Stichstellvorrichtung 7 so verstellt, daß bei jeder beliebigen Drehzahl die
tatsächlich ausgeführte Stichlänge St der eingestellten Stichlänge Se entspricht.
Aufgrund dieser Kompensation der sonst auftretenden drehzahlabhängigen
Stichlängenveränderungen kann nunmehr jede Naht mit stets gleichlangen
Stichlängen gebildet werden. Ferner kann mit Hilfe der durch den Impulsgeber
13 erfolgenden Stichzählung auch bei langen Nahtstrecken eine sehr genaue
Nahtlängensteuerung durchgeführt werden.