DE19708774A1 - Nucleinsäuremoleküle codierend Enzyme die Fructosylpolymeraseaktivität besitzen - Google Patents
Nucleinsäuremoleküle codierend Enzyme die Fructosylpolymeraseaktivität besitzenInfo
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Description
Die vorliegende Erfindung betrifft Nucleinsäuremoleküle, die saccharose abhängige
Saccharose-Fructosyltransferasen (SST) Enzyme codieren. Weiterhin betrifft diese
Erfindung Vektoren und Wirte, die derartige Nucleinsäuremoleküle enthalten, sowie
mit den beschriebenen Nucleinsäuremolekülen transformierte Pflanzenzellen und
Pflanzen. Ferner werden Verfahren zur Herstellung transgener Pflanzen be
schrieben, die aufgrund der Einführung von DNA-Molekülen, die eine SST aus
Artischocke codieren, kurzkettige Fructosylpolymere synthetisieren. Die vorliegende
Erfindung betrifft ebenfalls Verfahren zur Herstellung von SST zur Produktion von
kurzkettigen Fructosylpolymeren in verschiedenen Wirtsorganismen sowie die SST,
mit deren Hilfe kurzkettige Fructosylpolymere unter Nutzung verschiedener,
beispielsweise auch fermentativer oder anderer biotechnologischer, Verfahren
erzeugt werden können.
Wasserlösliche, lineare Polymere besitzen vielfältigen Anwendungen, beispielsweise
zur Viskositätserhöhung von wäßrigen Systemen, als Detergenzien, als
suspendierendes Agens oder zur Sedimentationsbeschleunigung und
Komplexierung, aber auch zur Wasserbindung. Polymere auf der Basis von
Sacchariden, beispielsweise Fructosylpolysaccharide, sind besonders interessante
Rohstoffe, da sie biologisch abbaubar sind.
Neben einem Einsatz als nachwachsende Rohstoffe für industrielle Fertigung und
Verarbeitung sind Fructosylpolymere aber auch als Lebensmittelzusatzstoffe,
beispielsweise als Süßstoffe interessant. Hierfür kommen insbesondere Polymere
mit geringen Polymerisationsgraden in Frage.
Bisher sind lediglich Verfahren zur Produktion von langkettigen
Fructanpolysacchariden in Pflanzen durch Expression von Enzymen bakteriellen
Ursprungs sowie ein Verfahren zur Herstellung transgener Pflanzen, die
Fructosyltransferasen aus Helianthus tuberosus exprimieren, beschrieben worden.
Verfahren zur Herstellung von Enzymen für die Produktion von kurzkettigen
Fructosylpolymeren sind nicht bekannt. In der PCT/USA89/02729 wird die
Möglichkeit der Erzeugung von Kohlenhydratpolymeren, insbesondere Dextran oder
Polyfructose, in transgenen Pflanzen, und zwar speziell den Früchten transgener
Pflanzen, beschrieben. Zur Erzeugung solcherart veränderter Pflanzen wird die
Verwendung von Levansucrasen aus Mikroorganismen, insbesondere aus
Aerobacter levanicum, Streptococcus salivarius und Bacillus subtilis, oder von
Dextransucrasen aus Leuconostoc mesenteroides vorgeschlagen. Weder die
Bildung der aktiven Enzyme, noch die von Levan oder Dextran sowie die Herstellung
transgener Pflanzen wird beschrieben. Die PCT/EP93/02110 offenbart ein Verfahren
zur Herstellung transgener Pflanzen, die das Isc Gen der Levansucrase aus dem
gram-negativen Bakterium Erwinia amylovora exprimieren. In der PCT/NL93/00279
wird die Transformation von Pflanzen mit chimären Genen beschrieben, die das
sacB Gen aus Bacillus subtilis oder das ftf Gen aus Streptococcus mutans enthalten.
Im Falle des sacB Gens wird zur Erhöhung des Expressionsniveaus in transgenen
Pflanzen eine Modifikation im 5'-untranslatierten Bereich des Gens empfohlen. Die
PCT/NL96/00012 offenbart DNA Sequenzen, die Kohlenhydratpolymer
synthetisierende Enzyme codieren, und die Herstellung von transgenen Pflanzen mit
Hilfe dieser DNA-Sequenzen. Die offenbarten Sequenzen stammen aus Helianthus
tuberosus. Entsprechend PCT/NL96/00012 sollen die offenbarten Sequenzen
geeignet sein, das Fruktanprofil von z. B. Petunie und Kartoffel, aber auch von
Helianthus tuberosus selbst zu verändern. So werden in der PCT/NL96/00012 unter
anderem transgene Kartoffelpflanzen beschrieben, die eine SST aus Helianthus
tuberosus exprimieren. Obwohl die enzymatische Aktivität der in den transgenen
Pflanzen exprimierten SST nachgewiesen werden konnte, wurde jedoch nur eine
geringe Umsetzung des Substrats Saccharose zu kurzkettigen Fructosylpolymeren
erreicht. Dies mag auf verschiedene Faktoren zurückzuführen sein, wie z. B. eine
geringe Affinität des Enzyms zu dessen Substrat oder möglicher Hemmung des
Enzyms durch das gebildete Produkt.
Der vorliegenden Erfindung liegt somit die Aufgabe zugrunde, Nucleinsäuremoleküle
zur Verfügung zu stellen, die eine Saccharose abhängige Saccharose-
Fructosyltransferase (SST codieren, mit deren Hilfe es möglich ist, gentechnisch
veränderte Organismen herzustellen, die kurzkettige Fructosylpolymere bilden
können.
Diese Aufgabe wird durch die Bereitstellung der in den Patentansprüchen
gekennzeichneten Ausführungsform gelöst.
Somit betrifft die vorliegende Erfindung Nukleinsäuremoleküle, die Proteine mit der
biologischen Aktivität einer SST codieren, und ausgewählt sind aus der Gruppe
bestehend aus
- (a) Nucleinsäuremolekülen, die ein Protein codieren, das die unter SEQ ID No. 2 und SEQ ID No. 4 angegebene Aminosäuresequenz umfaßt;
- (b) Nucleinsäuremolekülen, die die unter SEQ ID No. 1 dargestellte Nucleotidsequenz umfassen oder eine korrespondierende Ribonucleotidsequenz;
- (c) Nucleinsäuremolekülen, die die unter SEQ ID No. 3 dargestellte Nucleotidsequenz umfassen oder eine korrespondierende Ribonucleotidsequenz;
- (d) Nucleinsäuremolekülen, die mit den unter (a) oder (b) genannten Nucleinsäuremolekülen hybridisieren und eine SST codieren, deren Aminosäuresequenz zu mindestens 90% identisch zu der in SEQ ID No. 2 angegebenen Aminosäuresequenz ist; und
- (e) Nucleinsäuremolekülen, deren Nucleotidsequenz aufgrund der Degeneration des genetischen Codes von der Sequenz der unter (a), (b) oder (c) genannten Nucleinsäuremoleküle abweicht.
Im Zusammenhang mit der vorliegenden Erfindung wird unter einem Enzym mit
Fructosylpolymeraseaktivität ein Protein verstanden, das in der Lage ist, die
Knüpfung von β-2,1-glycosidischen oder β-2,6-glycosidischen Bindungen zwischen
Fructoseeinheiten zu katalysieren. Dabei kann ein zu übertragender Fructosylrest
aus Saccharose oder aus einem Fructanpolymer stammen.
Unter einem kurzkettigen Fructosylpolymer wird ein Molekül verstanden, das
zumindest zwei, aber nicht mehr als 100 Fructosylreste enthält, die entweder β-2,1- oder
β-2,6 glycosidisch verknüpft sind. Das Fructosylpolymer kann endständig einen
Glucoserest tragen, der über die C-1 OH-Gruppe der Glucose und die C-1 OH-
Gruppe eines Fructosylrests verknüpft ist. In diesem Fall ist also ein Molekül
Saccharose im Fructosylpolymer enthalten.
In einer bevorzugten Ausführungsform sind die erfindungsgemäßen
Nucleinsäuresequenzen abgeleitet von der Artischocke.
Überraschenderweise ergeben sich bei der Expression der erfindungsgemäßen
Nucleinsäuremoleküle große Mengen an Fructosylpolymeren gebildet. Entgegen in
der PCT/NL96/0012 beschriebenen Kartoffeln werden bei der Verwendung
erfindungsgemäßer Nucleinsäuremoleküle hohe Ausbeuten an Oligofructan erreicht,
die den zellulären Gehalt des Substrats Saccharose noch übersteigen.
Bei den erfindungsgemäßen Nucleinsäuremolekülen kann es sich sowohl um DNA- als
auch RNA-Moleküle handeln. Entsprechende DNA-Moleküle sind beispielsweise
genomische oder cDNA-Moleküle. Die erfindungsgemäßen Nucleinsäuremoleküle
können aus natürlichen Quellen isoliert werden, vorzugsweise Artischocke, oder
können nach bekannten Verfahren synthetisiert werden.
Mittels gängiger molekularbiologischer Techniken ist es möglich (siehe z. B.
Sambrook et al., 1989, Molecular Cloning, A Laboratory Manual, 2. Aufl. Cold Spring
Harbor Laboratory Press, Cold Spring Harbor, NY) verschiedenartige Mutationen in
die erfindungsgemäßen Nucleinsäuremoleküle einzuführen, wodurch es zur
Synthese von Proteinen mit eventuell veränderten biologischen Eigenschaften
kommt. Hierbei ist zum einen die Erzeugung von Deletionsmutanten möglich, bei
denen durch fortschreitende Deletionen vom 5'- oder vom 3'- Ende der codierenden
DNA-Sequenz Nucleinsäuremoleküle erzeugt werden, die zur Synthese
entsprechend verkürzter Proteine führen. Durch derartige Deletionen am 5'-Ende der
Nucleotidsequenz ist es beispielsweise möglich, Aminosäuresequenzen zu
identifizieren, die für die Translokation des Enzyms in die Plastiden verantwortlich
sind (Transitpeptide). Dies erlaubt es, gezielt Enzyme herzustellen, die durch
Entfernen der entsprechenden Sequenzen nicht mehr in den Plastiden, sondern im
Cytosol lokalisiert sind, oder aufgrund der Addition von anderen Signalsequenzen in
anderen Kompartimenten lokalisiert sind.
Andererseits ist auch die Einführung von Punktmutationen denkbar an Positionen,
bei denen eine Veränderung der Aminosäuresequenz einen Einfluß beispielweise
auf die Enzymaktivität oder die Regulierung des Enzyms hat. Auf diese Weise
können z. B. Mutanten hergestellt werden, die einen veränderten Km-Wert besitzen
oder nicht mehr den normalerweise in der Zelle vorliegenden
Regulationsmechanismen über allosterische Regulation oder kovalente
Modifizierung unterliegen.
Des weiteren können Mutanten hergestellt werden, die eine veränderte Substrat- oder
Produktspezifität aufweisen. Weiterhin können Mutanten hergestellt werden, die
ein verändertes Aktivitäts-Temperatur-Profil aufweisen.
Für die gentechnische Manipulation in prokaryontischen Zellen können die
erfindungsgemäßen Nucleinsäuremoleküle oder Teile dieser Moleküle in Plasmide
eingebracht werden, die eine Mutagenese oder eine Sequenzveränderung durch
Rekombination von DNA-Sequenzen erlauben. Mit Hilfe von Standardverfahren (vgl.
Sambrook et al., 1989, Molecular Cloning: A laboratory manual, 2. Aufl., Cold Spring
Harbor Laboratory Press, NY, USA) können Basenaustausche vorgenommen oder
natürliche oder synthetische Sequenzen hinzugefügt werden. Für die Verbindung der
DNA-Fragmente untereinander können an die Fragmente Adaptoren oder Linker
angesetzt werden. Ferner können Manipulationen, die passende
Restriktionsschnittstellen zur Verfügung stellen oder die überflüssige DNA oder
Restriktionsschnittstellen entfernen, eingesetzt werden. Wo Insertionen, Deletionen
oder Substitutionen in Frage kommen, können in vitro-Mutagenese, "primer repair",
Restriktion oder Ligation verwendet werden. Als Analysemethode werden im
allgemeinen eine Sequenzanalyse, eine Restriktionsanalyse und weitere
biochemisch-molekularbiologische Methoden durchgeführt.
Der Begriff "Hybridisierung" bedeutet im Rahmen dieser Erfindung eine
Hybridisierung unter konventionellen Hybridisierungsbedingungen, vorzugsweise
unter stringenten Bedingungen, wie sie beispielsweise in Sambrook et al., Molecular
Cloning, A Laboratory Manual, 2. Aufl. (1989) Cold Spring Harbor Laboratory Press,
Cold Spring Harbor, NY) beschrieben sind.
Nucleinsäuremoleküle, die mit den erfindungsgemäßen Molekülen hybridisieren,
können z. B. aus genomischen oder aus cDNA-Bibliotheken isoliert werden, die aus
Artischocke hergestellt wurden.
Die Identifizierung und Isolierung derartiger Nucleinsäuremoleküle kann dabei unter
Verwendung der erfindungsgemäßen Moleküle oder Teile dieser Moleküle bzw. der
reversen Komplemente dieser Moleküle erfolgen, z. B. mittels Hybridisierung nach
Standardverfahren (siehe z. B. Sambrook et al., 1989, Molecular Cloning, A
Laboratory Manual, 2. Aufl. Cold Spring Harbor Laboratory Press, Cold Spring
Harbor, NY).
Als Hybridisierungsprobe können z. B. Nucleinsäuremoleküle verwendet werden, die
exakt die oder im wesentlichen die unter Seq ID No. 1 angegebene
Nucleotidsequenz oder Teile dieser Sequenzen aufweisen. Bei den als Hybridi
sierungsprobe verwendeten Fragmenten kann es sich auch um synthetische
Fragmente handeln, die mit Hilfe üblicher Synthesetechniken hergestellt wurden und
deren Sequenz im wesentlichen mit der eines erfindungsgemäßen
Nucleinsäuremoleküls übereinstimmt.
Die mit den erfindungsgemäßen Nucleinsäuremolekülen hybridisierenden Moleküle
umfassen auch Fragmente, Derivate und allelische Varianten der oben
beschriebenen Nucleinsäuremoleküle, die ein erfindungsgemäßes Protein codieren.
Unter "Fragmenten" werden dabei Teile der Nucleinsäuremoleküle verstanden, die
lang genug sind, um eines der beschriebenen Proteine zu codieren. Der Ausdruck
"Derivat" bedeutet in diesem Zusammenhang, daß die Sequenzen dieser Moleküle
sich von den Sequenzen der oben beschriebenen Nucleinsäuremoleküle an einer
oder mehreren Positionen unterscheiden aber einen hohen Grad an Homologie zu
diesen Sequenzen aufweisen. Homologie bedeutet dabei eine Sequenzidentität von
mindestens 40%, insbesondere eine Identität von mindestens 60%, vorzugsweise
über 80% und besonders bevorzugt über 90%. Dabei weisen die durch diese
Nucleinsäuremoleküle codierten Proteine eine Sequenzidentität zu der in SEQ ID
No. 2 angegebenen Aminosäuresequenz von mindestens 80%, vorzugsweise 85%
und besonders bevorzugt über 90%, 95%, 97% und 99% auf. Die Abweichungen zu
den oben beschriebenen Nucleinsäuremolekülen können dabei beispielsweise durch
Deletion, Substitution, Insertion oder Rekombination entstanden sein.
Bei den Nucleinsäuremolekülen, die homolog zu den oben beschriebenen Molekülen
sind und Derivate dieser Moleküle darstellen, handelt es sich in der Regel um
Variationen dieser Moleküle, die Modifikationen darstellen, die dieselbe biologische
Funktion ausüben. Es kann sich dabei sowohl um natürlicherweise auftretende
Variationen handeln, beispielsweise um Sequenzen aus anderen Organismen, oder
um Mutationen, wobei diese Mutationen auf natürliche Weise aufgetreten sein
können oder durch gezielte Mutagenese eingeführt wurden. Ferner kann es sich bei
den Variationen um synthetisch hergestellte Sequenzen handeln. Bei den allelischen
Varianten kann es sich sowohl um natürlich auftretende Varianten handeln, als auch
um synthetisch hergestellte oder durch rekombinante DNA-Techniken erzeugte
Varianten.
Die von den verschiedenen Varianten der erfindungsgemäßen Nucleinsäuremoleküle
codierten Proteine weisen bestimmte gemeinsame Charakteristika auf, wie
Enzymaktivität, Molekulargewicht, immunologische Reaktivität oder Konformation
oder physikalische Eigenschaften, wie das Laufverhalten in Gelelektrophoresen,
chromatographisches Verhalten, Sedimentationskoeffizienten, Löslichkeit,
spektroskopische Eigenschaften, Stabilität; pH-Optimum, Temperatur-Optimum.
In einer anderen bevorzugten Ausführungsform betrifft die Erfindung
Nucleinsäuremoleküle, die spezifisch mit Transkripten der erfindungsgemäßen
Nucleinsäuremolekülen oder Transkripten davon hybridisieren. Dabei handelt es sich
vorzugsweise um Oligonucleotide mit einer Länge von mindestens 10, insbesondere
von mindestens 15 und besonders bevorzugt von mindestens 50 Nucleotiden. Die
erfindungsgemäßen Oligonucleotide können beispielsweise als Primer für eine PCR-
Reaktion verwendet werden. Ebenso können sie Bestandteile von antisense-
Konstrukten sein oder von DNA-Molekülen, die geeignete Ribozyme codieren.
Die Erfindung betrifft ferner Vektoren, die erfindungsgemäße Nucleinsäuremoleküle
enthalten. Vorzugsweise handelt es sich dabei Plasmide, Cosmide, Viren,
Bacteriophagen und andere in der Gentechnik übliche Vektoren.
Vorzugsweise ist die erfindungsgemäße Nucleinsäuresequenz im
erfindungsgemäßen Vektor mit regulatorischen Elementen operativ verbunden, die
die Transkription und Synthese einer translatierbaren RNA in pro- und/oder
eukaryontischen Zellen gewährleisten.
Die erfindungsgemäßen Expressionsvektoren gestatten die Herstellung von
kurzkettigen Fructosylpolymeren in verschiedenen. Die codierten Enzyme können
auch außerhalb der Wirtsorganismen zur Produktion von kurzkettigen
Fructosylpolymeren eingesetzt werden. Damit können fermentative u. a.
biotechnologische Verfahren zur Produktion von kurzkettigen Fructosylpolymeren
genutzt werden. Beispielsweise ist es denkbar, Fructosylpolymere mit immobilisierten
Enzymen herzustellen.
Erfindungsgemäß werden die regulatorischen Elemente des Patatin B33 Promotors
bevorzugt. Andere bevorzugte Promotoren sind der 35S CaMV-Promotor und der
Promotor des Alkoholdehydrogenasegens aus Saccharomyces cerevisiae.
Die erfindungsgemäßen Vektoren können weitere Funktionseinheiten besitzen, die
eine Stabilisierung des Vektors im Wirtsorganismus bewirken, wie einen bakteriellen
Replikationsursprung oder die 2-Mikron-DNA zur Stabilisation in Saccharomyces
cerevisiae. Ferner können "left border"- und "right border"-sequenzen
agrobakterieller T-DNA enthalten sein wodurch eine stabile Integration in das Erbgut
von Pflanzen ermöglicht wird.
Ferner können die erfindungsgemäßen Vektoren funktionelle Terminatoren
enthalten, wie den Terminator des Octopinsynthasegens aus Agrobakterien.
In einer anderen Ausführungsform ist die erfindungsgemäße Nucleinsäuremolekül in
den erfindungsgemäßen Vektoren verknüpft mit einem Nucleinsäuremolekül das,
eine funktionale Signalsequenz zur Weiterleitung des Enzyms an unterschiedliche
Zellkompartimente codiert. Diese Modifikation kann beispielsweise in einer Addition
einer N-terminalen Signalsequenz zur Sekretion in den Zellwandraum höherer
Pflanzen bestehen, aber auch jede andere Modifikation, die zur Fusion einer
Signalsequenz an die kodierte Fructosyltransferase führt, ist Gegenstand der
Erfindung.
In einer besonders bevorzugten Ausführungsform betrifft die Erfindung das Plasmid
pB33-cySST, dessen Konstruktion in den Ausführungsbeispielen beschrieben ist
(Fig. 1).
Die Expression der erfindungsgemäßen Nucleinsäuremoleküle in prokaryontischen
Zellen, beispielsweise in Escherichia coli, ist insofern interessant, als daß auf diese
Weise eine genauere Charakterisierung der enzymatischen Aktivitäten der Enzyme,
die diese Moleküle codieren, ermöglicht wird.
In einer weiteren Ausführungsform betrifft die Erfindung Wirtszellen, die die
erfindungsgemäßen Nucleinsäuremoleküle oder Vektoren transienmt oder stabil
enthalten. Unter einer Wirtszelle wird ein Organismus verstanden, der in der Lage ist,
in vitro rekombinierte DNA aufzunehmen und gegebenenfalls die von der
erfindungsgemäßen Nucleinsäuremolekülen codierten Proteine zu synthetisieren.
Vorzugsweise sind dies prokaryontische oder eukaryontische Zellen. Insbesondere
betrifft die Erfindung Pflanzenzellen, die die erfindungsgemäßen Vektorsysteme oder
Derivate oder Teile davon enthalten. Diese sind vorzugsweise aufgrund der
Aufnahme der erfindungsgemäßen Vektorsysteme, Derivate oder Teile der
Vektorsysteme zu einer Synthese von Enzymen für die Produktion kurzkettiger
Fructosylpolymere befähigt. Vorzugsweise sind die erfindungsgemäßen Zellen
dadurch gekennzeichnet, daß das eingeführte erfindungsgemäße
Nucleinsäuremolekül entweder heterolog in Bezug auf die transformierte Zelle ist,
d. h. natürlicherweise nicht in diesen Zellen vorkommt, oder an einem anderen Ort im
Genom lokalisiert ist als die entsprechende natürlicherweise auftretende Sequenz.
Eine weitere erfindungsgemäße Ausführungsform sind Proteine, die durch die
erfindungsgemäßen Nucleinsäuremoleküle codiert werden, sowie Verfahren zu
deren Herstellung, wobei eine erfindungsgemäße Wirtszelle unter Bedingungen
kultiviert wird, die die Synthese des Proteins erlauben, und anschließend das Protein
aus den kultivierten Zellen und/oder dem Kulturmedium isoliert wird. Ferner betrifft
die Erfindung die mit den erfindungsgemäßen Pflanzen herstellbaren SSTs.
Durch die Bereitstellung der erfindungsgemäßen Nucleinsäuremoleküle ist es nun
möglich, mit Hilfe gentechnischer Methoden kurzkettige Fructosylpolymere in
beliebigen Organismen herzustellen wie es bisher durch konventionelle, z. B.
züchterische Maßnahmen bei Pflanzen nicht möglich war, und ihn dahingehend zu
verändern, daß es zur Synthese. Durch eine Erhöhung der Aktivität der er
findungsgemäßen Proteine, beispielsweise durch Überexpression entsprechender
Nucleinsäuremoleküle, oder durch die Bereitstellung von Mutanten, die nicht mehr
den zelleigenen Regulationsmechanismen unterliegen und/oder unterschiedliche
Temperaturabhängigkeiten in bezug auf ihre Aktivität besitzen, besteht die
Möglichkeit der Ertragssteigerung in entsprechend gentechnisch veränderten
Pflanzen.
Möglich ist somit die Expression der erfindungsgemäßen Nucleinsäuremoleküle in
pflanzlichen Zellen, um die Aktivität der entsprechenden SST zu erhöhen, oder die
Einführung in Zellen, die dieses Enzym normalerweise nicht exprimieren. Ferner ist
es möglich, die erfindungsgemäßen Nucleinsäuremoleküle nach dem Fachmann
bekannten Methoden zu modifizieren, um erfindungsgemäß SSTs zu erhalten, die
nicht mehr den zelleigenen Regulationsmechanismen unterliegen, bzw. veränderte
Temperaturabhängigkeiten oder Substrat- bzw. Produktspezifitäten aufweisen.
Bei der Expression der erfindungsgemäßen Nucleinsäuremoleküle in Pflanzen
besteht grundsätzlich die Möglichkeit, daß das synthetisierte Protein in jedem
beliebigen Kompartiment der pflanzlichen Zelle lokalisiert sein kann. Um die
Lokalisation in einem bestimmten Kompartiment zu erreichen, muß die die Lo
kalisation in Plastiden gewährleistende Sequenz deletiert werden und die
verbleibende codierende Region gegebenenfalls mit DNA-Sequenzen verknüpft
werden, die die Lokalisierung in dem jeweiligen Kompartiment gewährleisten.
Derartige Sequenzen sind bekannt (siehe beispielsweise Braun et al., EMBO J. 11
(1992), 3219-3227; Wolter et al., Proc. Natl. Acad. Sci. USA 85 (1988), 846-850;
Sonnewald et al., Plant J. 1(1991), 95-106).
Die vorliegende Erfindung betrifft somit auch transgene Pflanzenzellen, die mit einem
oder mehreren erfindungsgemäßen Nucleinsäuremolekül(en) transformiert wurden,
sowie transgene Pflanzenzellen, die von derartig transformierten Zellen abstammen.
Derartige Zellen enthalten ein oder mehrere erfindungsgemäße(s)
Nucleinsäuremolekül(e), wobei diese(s) vorzugsweise mit regulatorischen DNA-
Elementen verknüpft ist/sind, die die Transkription in pflanzlichen Zellen gewährlei
sten, insbesondere mit einem Promotor. Derartige Zellen lassen sich von na
türlicherweise vorkommenden Pflanzenzellen dadurch unterscheiden, daß sie
mindestens ein erfindungsgemäßes Nucleinsäuremolekül enthalten, das
natürlicherweise in diesen Zellen nicht vorkommt, oder dadurch, daß ein solches
Molekül an einem Ort im Genom der Zelle integriert vorliegt, an dem es natürlicher
weise nicht vorkommt, d. h. in einer anderen genomischen Umgebung.
Die transgenen Pflanzenzellen können nach dem Fachmann bekannten Techniken
zu ganzen Pflanzen regeneriert werden. Die durch Regeneration der
erfindungsgemäßen transgenen Pflanzenzellen erhältlichen Pflanzen sind ebenfalls
Gegenstand der vorliegenden Erfindung. Ferner sind Gegenstand der Erfindung
Pflanzen, die die oben beschriebenen transgenen Pflanzenzellen enthalten. Bei den
transgenen Pflanzen kann es sich prinzipiell um Pflanzen jeder beliebigen
Pflanzenspezies handeln, d. h. sowohl monokotyle als auch dikotyle Pflanzen.
Bevorzugt handelt es sich um Nutzpflanzen, insbesondere um stärkesynthetisie
rende bzw. stärkespeichernde Pflanzen, wie z. B. Weizen, Gerste, Reis, Mais,
Zuckerrübe, Zuckerrohr oder Kartoffel.
Die Erfindung betrifft ebenfalls Vermehrungsmaterial und Ernteprodukte der er
findungsgemäßen Pflanzen, beispielsweise Früchte, Samen, Knollen, Wurzelstöcke,
Sämlinge, Stecklinge etc.
Die erfindungsgemäßen transgenen Pflanzenzellen und Pflanzen synthetisieren
aufgrund der Expression bzw. zusätzlichen Expression mindestens eines
erfindungsgemäßen Nucleinsäuremoleküls kurzkettige Fructosylpolymere.
Gegenstand der vorliegenden Erfindung ist somit auch die aus den
erfindungsgemäßen transgenen Pflanzenzellen, Pflanzen sowie dem
Vermehrungsmaterial und Ernteprodukte erhältliche kurzkettige Fructosylpolymer.
Die erfindungsgemäßen transgenen Pflanzenzellen können nach dem Fachmann
bekannten Techniken zu ganzen Pflanzen regeneriert werden. Gegenstand der
Erfindung sind somit auch Pflanzen, die die erfindungsgemäßen transgenen
Pflanzenzellen enthalten. Bei diesen Pflanzen handelt es sich vorzugsweise um
N utzpflanzen, insbesondere stärkesynthetisierende bzw. stärkespeichernde
Pflanzen. Besonders bevorzugt ist hierbei Kartoffel. Die Erfindung betrifft ebenfalls
Vermehrungsmaterial der erfindungsgemäßen Pflanzen, insbesondere Knollen.
Zur Expression der erfindungsgemäßen Nucleinsäuremoleküle in sense- oder
antisense-Orientierung in pflanzlichen Zellen werden diese mit regulatorischen DNA-
Elementen verknüpft, die die Transkription in pflanzlichen Zellen gewährleisten.
Hierzu zählen insbesondere Promotoren. Generell kommt für die Expression jeder in
pflanzlichen Zellen aktive Promotor in Frage.
Der Promotor kann dabei ausgewählt sein, daß die Expression konstitutiv erfolgt oder
nur in einem bestimmten Gewebe, zu einem bestimmten Zeitpunkt der
Pflanzenentwicklung oder zu einem durch äußere Einflüsse determinierten Zeitpunkt.
In Bezug auf die Pflanze kann der Promotor homolog oder heterolog sein. Sinnvolle
Promotoren sind z. B. der Promotor der 35S RNA des Cauliflower Mosaic Virus und
der Ubiquitin-Promotor aus Mais für eine konstitutive Expression, besonders
bevorzugt der Patatingen-Promotor B33 (Rocha-Sosa et al., EMBO J. 8 (1989), 23-
29) für eine knollenspezifische Expression in Kartoffeln oder ein Promotor, der eine
Expression lediglich in photosynthetisch aktiven Geweben sicherstellt, z. B. der ST-
LS1-Promotor (Stockhaus et al., Proc. Natl. Acad. Sci. USA 84 (1987), 7943-7947;
Stockhaus et al., EMBO J. 8 (1989), 2445-2451) oder für eine endosperm-spezifi
sche Expression der HMG-Promotor aus Weizen, der USP-Promotor, der
Phaseolinpromotor oder Promotoren von Zein-Genen aus Mais.
Ferner kann eine Terminationssequenz vorhanden sein, die der korrekten
Beendigung der Transkription dient sowie der Addition eines Poly-A-Schwanzes an
das Transkript, dem eine Funktion bei der Stabilisierung der Transkripte
beigemessen wird. Derartige Elemente sind in der Literatur beschrieben (vgl. Gielen
et al., EMBO J. 8 (1989), 23-29) und sind beliebig austauschbar.
Zur Vorbereitung der Einführung fremder Gene in höhere Pflanzen stehen eine
große Anzahl von Clonierungsvektoren zur Verfügung, die ein Replikationssignal für
E.coli und ein Markergen zur Selektion transformierter Bakterienzellen enthalten.
Beispiele für derartige Vektoren sind pBR322, pUC-Serien, M13mp-Serien,
pACYC184 usw. . Die gewünschte Sequenz kann an einer passenden
Restriktionsschnittstelle in den Vektor eingeführt werden. Das erhaltene Plasmid wird
für die Transformation von E.coli-Zellen verwendet. Transformierte E. coli-Zellen
werden in einem geeigneten Medium gezüchtet, anschließend geerntet und lysiert.
Das Plasmid wird wiedergewonnen. Als Analysemethode zur Charakterisierung der
gewonnenen Plasmid-DNA werden im allgemeinen Restriktionsanalysen,
Gelelektrophoresen und weitere biochemisch-molekularbiologische Methoden einge
setzt. Nach jeder Manipulation kann die Plasmid-DNA gespalten und gewonnene
DNA-Fragmente mit anderen DNA-Sequenzen verknüpft werden. Jede Plasmid-
DNA-Sequenz kann in den gleichen oder anderen Plasmiden cloniert werden.
Für die Einführung von DNA in eine pflanzliche Wirtszelle stehen eine Vielzahl von
Techniken zur Verfügung. Diese Techniken umfassen die Transformation
pflanzlicher Zellen mit T-DNA unter Verwendung von Agrobacterium tumefaciens
oder Agrobacterium rhizogenes als Transformationsmittel, die Fusion von Pro
toplasten, die Injektion, die Elektroporation von DNA, die Einbringung von DNA
mittels der biolistischen Methode sowie weitere Möglichkeiten.
Bei der Injektion und Elektroporation von DNA in Pflanzenzellen werden an sich
keine speziellen Anforderungen an die verwendeten Plasmide gestellt. Es können
einfache Plasmide wie z. B. pUC-Derivate verwendet werden. Sollen aber aus
derartig transformierten Zellen ganze Pflanzen regeneriert werden, sollte eine
selektierbarer Marker vorhanden sein.
Je nach Einführungsmethode gewünschter Gene in die Pflanzenzelle können weitere
DNA-Sequenzen erforderlich sein. Werden z. B. für die Transformation der
Pflanzenzelle das Ti- oder Ri-Plasmid verwendet, so muß mindestens die rechte
Begrenzung, häufig jedoch die rechte und linke Begrenzung der Ti- und Ri-Plasmid
T-DNA als Flankenbereich mit den einzuführenden Genen verbunden werden.
Werden für die Transformation Agrobakterien verwendet, muß die einzuführende
DNA in spezielle Plasmide cloniert werden, und zwar entweder in einen
intermediären Vektor oder in einen binären Vektor. Die intermediären Vektoren
können aufgrund von Sequenzen, die homolog zu Sequenzen in der T-DNA sind,
durch homologe Rekombination in das Ti- oder Ri-Plasmid der Agrobakterien
integriert werden. Dieses enthält außerdem die für den Transfer der T-DNA
notwendige vir-Region. Intermediäre Vektoren können nicht in Agrobakterien
replizieren. Mittels eines Helferplasmids kann der intermediäre Vektor auf
Agrobacterium tumefaciens übertragen werden (Konjugation). Binäre Vektoren
können sowohl in E.coli als auch in Agrobakterien replizieren. Sie enthalten ein
Selektionsmarker-Gen und einen Linker oder Polylinker, welche von der rechten und
linken T-DNA Grenzregion eingerahmt werden. Sie können direkt in die
Agrobakterien transformiert werden (Holsters et al. Mol. Gen. Genet. 163 (1978),
181-187). Das als Wirtszelle dienende Agrobakterium soll ein Plasmid, das eine vir-
Region trägt, enthalten. Die vir-Region ist für den Transfer der T-DNA in die
Pflanzenzelle notwendig. Zusätzliche T-DNA kann vorhanden sein. Das derartig
transformierte Agrobakterium wird zur Transformation von Pflanzenzellen verwendet.
Die Verwendung von T-DNA für die Transformation von Pflanzenzellen ist intensiv
untersucht und beschrieben in EP-A-120 516; Hoekema: The Binary Plant Vector
System, Offsetdrukkerij Kanters B.V., Alblasserdam (1985), Chapter V, Fraley et al.,
Crit. Rev. Plant. Sci., 4, 1-46 und An et al. EMBO J. 4 (1985), 277-287.
Für den Transfer der DNA in die Pflanzenzelle können Pflanzen-Explantate
zweckmäßigerweise mit Agrobacterium tumefaciens oder Agrobacterium rhizogenes
kokultiviert werden. Aus dem infizierten Pflanzenmaterial (z. B. Blattstücke,
Stengelsegmente, Wurzeln, aber auch Protoplasten oder Suspensions-kultivierte
Pflanzenzellen) können dann in einem geeigneten Medium, welches Antibiotika oder
Biozide zur Selektion transformierter Zellen enthalten kann, wieder ganze Pflanzen
regeneriert werden. Die so erhaltenen Pflanzen können dann auf Anwesenheit der
eingeführten DNA untersucht werden. Andere Möglichkeiten der Einführung fremder
DNA unter Verwendung des biolistischen Verfahrens oder durch
Protoplastentransformation sind bekannt (vgl. z. B. Willmitzer, L., 1993 Transgenic
plants. In: Biotechnology, A Multi-Volume Comprehensive Treatise (H.J. Rehm, G.
Reed, A. Pühler, P. Stadler, eds.), Vol. 2, 627-659, VCH Weinheim-New York-Basel-
Cambridge).
Alternative Systeme zur Transformation von monokotylen Pflanzen sind die
Transformation mittels des biolistischen Ansatzes, die elektrisch oder chemisch
induzierte DNA-Aufnahme in Protoplasten, die Elektroporation von partiell
permeabilisierten Zellen, die Makroinjektion von DNA in Blütenstände, die Mi
kroinjektion von DNA in Mikrosporen und Pro-Embryonen, die DNA-Aufnahme durch
keimenden Pollen und die DNA-Aufnahme in Embryonen durch Quellung (zur
Übersicht: Potrykus, Physiol. Plant (1990), 269-273).
Während die Transformation dikotyler Pflanzen über Ti-Plasmid-Vektorsysteme mit
Hilfe von Agrobacterium tumefaciens wohl etabliert ist, weisen neuere Arbeiten
darauf hin, daß auch monokotyle Pflanzen der Transformation mittels Agrobacterium
basierender Vektoren sehr wohl zugänglich sind (Chan et al., Plant Mol. Biol. 22
(1993), 491-506; Hiei et al., Plant J. 6 (1994), 271-282; Bytebier et al., Proc. Natl.
Acad. Sci. USA 84 (1987), 5345-5349; Raineri et al., Bio/Technology 8 (1990), 33-
38; Gould et al., Plant Physiol. 95 (1991), 426-434; Mooney et al., Plant, Cell Tiss.
& Org. Cult. 25 (1991), 209-218; Li et al., Plant Mol. Biol. 20 (1992), 1037- 1048).
Drei der oben genannten Transformationssysteme konnten in der Vergangenheit für
verschiedene Getreide etabliert werden: die Elektroporation von Gewebe, die
Transformation von Protoplasten und der DNA-Transfer durch Partikel-Beschuß in
regenerierbare Gewebe und Zellen (zur Übersicht: Jähne et al., Euphytica 85 (1995),
35-44).
Die Transformation von Weizen wird in der Literatur verschiedentlich beschrieben
(zur Übersicht: Maheshwari et al., Critical Reviews in Plant Science 14 (2) (1995),
149-178).
Die Erfindung betrifft auch Pflanzen, die mindestens eine, bevorzugt jedoch eine
Vielzahl von Zellen enthalten, die die erfindungsgemäßen Vektorsysteme oder
Derivate oder Teile davon enthalten, und die aufgrund der Aufnahme der
erfindungsgemäßen Vektorsysteme, Derivate oder Teile der Vektorsysteme zu einer
Synthese von Enzymen für die Produktion kurzkettiger Fructosylpolymere befähigt
sind. Die Erfindung ermöglicht also die Bereitstellung von Pflanzen der
verschiedensten Arten, Gattungen, Familien, Ordnungen und Klassen, die aufgrund
der eingeführten Vektorsysteme oder Derivate oder Teile davon zu einer Synthese
von Enzymen für die Produktion kurzkettiger Fructosylpolymere befähigt sind. Da die
bekannten Pflanzen nicht in der Lage sind, lediglich kurzkettige Fructosylpolymere zu
produzieren, ist eine erfolgreiche Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens
leicht zu überprüfen, beispielsweise durch chromatographische Analyse der
fructosehaltigen Zucker. Gegenüber den wenigen Pflanzen, die Fructosylpolymere
enthalten, ergibt sich der Vorteil, daß eine definierte Molekülgröße, nämlich die der
kurzkettigen Fructosylpolymere, vorliegt. Zudem ist eine Lokalisation in
unterschiedlichen Zellkompartimenten und unterschiedlichen Organen, sowie eine
Steigerung der Expressionsrate und damit der Produktausbeute möglich.
In einer anderen Ausführungsform betrifft die Erfindung Verfahren zur Herstellung
von kurzkettigen Fructosylpolymeren umfassend:
- (a) Inkontaktbringen von Saccharose oder eines äquivalenten Substrats mit einer erfindungsgemäßen SST unter Bedingungen, die die Umsetzung zu kurzkettigen Fructosylpolymeren erlaubt; und
- (b) Gewinnung der so hergestellten Fructosylpolymere.
Die Natur der gebildeten Fructosylpolymere hängt von der enzymatischen Spezifität
der Fructosyltransferase ab. Bei Verwendung einer erfindungsgemäßen SST wird
vorzugsweise Kestose, aber auch Nystose und Fructosylnystose gebildet.
Ferner betrifft die Erfindung die Fructosylpolymere die aus einer erfindungsgemäßen
Pflanzenzelle, Pflanze oder dem Vermehrungsmaterial oder Ernteprodukt
erfindungsgemäßer Pflanzen und Pflanzenzellen gebildet oder nach dem
vorbeschrieben erfindungsgemäßen Verfahren gewonnen werden. Diese
Fructosylpolymere können vorzugsweise in der Herstellung von Nahrungsmitteln, wie
Back- oder Teigwaren verwendet werden. Vorzugsweise können diese
Fructosylpolymere zur Viskositätserhöhung von wäßrigen Systemen, als
Detergenzien, als suspendierendes Agens oder zur Sedimentationsbeschleunigung
und Komplexierung, aber auch zur Wasserbindung. Polymere auf der Basis von
Sacchariden, beispielsweise Fructosylpolysaccharide benutzt werden.
Die Figuren zeigen:
Fig. 1 stellt die Konstruktion des Plasmids pB33-cySST dar.
Fig. 2 stellt die Analyse der löslichen Zucker in Knollen von transgenen
Pflanzen dar, die unter Einsatz des Vektorsystems pB33-cySST
gewonnen wurden. Die aufgrund der genetischen Veränderung
gebildeten kurzkettigen Fructosylpolymere (insbesondere 1-Kestose)
sind markiert.
Gesamt-RNA wurden aus Blütenstücken der Artischocke isoliert (Sambrook et al,
siehe oben). Poly(A)⁻ mRNA wurde unter Verwendung des mRNA
lsolierungssystems PolyATtract (Promega Corporation, Madison, WI, USA) isoliert.
Komplementäre DNA (cDNA) wurde von 5 ug dieser RNA mit Hilfe des ZAP-cDNA
Synthese Kit von Stratagene nach Herstellerangaben hergestellt und es wurden
2×106 unabhängige rekombinate Phagen erhalten. Die amplifizierte cDNA-Bibliothek
wurde mit einem 32P-markierten DNA-Fragments, das dem 3'-Ende der 6-SFT cDNA
(Sprenger et al., 1995) von 392 bp Länge entspricht nach üblichen
Standardverfahren durchgemustert. Dieses Fragment wurde durch RT-PCR (RT-
PCR Kit, Stratagene, Heidelberg, Germany) von Gesamt-RNA als Matrize aus Licht
induzierten (72 Stunden) Primärblättern der Gerste erhalten. Positive Clone wurden
näher untersucht.
Aus dem Clon pCy21 wurde die Plasmid-DNA isoliert und die Sequenz der cDNA-
Insertion durch Standardverfahren mittels der Didesoxynucleotidmethode (Sanger et
al., Proc. Natl. Acad. Sci USA 74 (1977), 5463-5467) bestimmt.
Die Insertion des Clons pCy21 ist eine DNA mit 2055 bp. Die Nucleotidsequenz ist in
Seq ID No. 1 angegeben. Die korrespondierende Aminosäuresequenz ist unter Seq
ID No. 2 dargestellt.
Eine Sequenzanalyse und ein Vergleich mit bereits publizierten Sequenzen zeigte,
daß die in Seq ID No. 1 dargestellte Sequenz neu ist und eine codierende Region
umfaßt, die Homologien zu SSTs aus anderen Organismen aufweist.
Das Plasmid pB33-cySST enthält die drei Fragmente A, B und C im binären Vektor
pBin19 (Bevan, 1984, Nucl Acids Res 12 : 8711, modifiziert nach Becker, 1990, Nucl
Acids Res 18 : 203) (vgl. Fig. 1). Das Fragment A beinhaltet den B33-Promotor des
Patatin Gens b der Kartoffel. Es enthält ein Dral Fragment (Position .-1512 bis
Position +14) des Patatin Gens b33 (Rocha-Sosa et al., 1989, EMBO J 8 : 23-29 das
zwischen der EcoRI und der Sacl Schnittstelle des Polylinkers von pBin19-Hyg
inseriert ist. Das Fragment B enthält die codierende Region der in SEQ ID No.1
angegebenen Sequenz. Das Fragment B wurde als Notl-Fragment mit glatten Enden
aus dem Vektor pBluescript SK erhalten, in dem es über eine EcoRI/Not I linker
Sequenz in die EcoRI Schnittstelle inseriert ist. Das Fragment C enthält das
Polyadenylierungssignal des Gens 3 der T-DNA des Ti-Plasmids pTi ACH 5 (Gielen
et al (1984); EMBO J. 3, 835-846) Nukleotide 11749-11939, welches als Pvu II-
Hind III Fragment aus dem Plasmid pAGV 40 (Herrera-Estrella et al (1983) Nature
303, 209-213) isoliert worden ist und nach Addition von Sph I Linkern an die Pvu II
Schnittstelle zwischen die Sphl und die Hind III Schnittstelle des Polylinkers von
pBin19-Hyg kloniert worden ist. Das Plasmid pB33-cySST hat eine Größe von ca. 14
kb. Das Plasmid wurde in Agrobakterien eingeführt (Höfgen und Willmitzer, Nucleic
Acids Res. 16 (1988) 9877).
Das Plasmid pB33-cySST wurde über den Agrobacterium vermittelten Gentransfer
nach oben beschrieben Standardverfahren in Kartoffelpflanzen eingeführt. Aus
transformierten Zellen wurden intakte Pflanzen regeneriert. Aus regenerierten
Pflanzen wurden Enzymextrakte gewonnen und auf das Vorhandensein auf
Fructosepolymere untersucht. Die Analyse wurde wie in Röber (Planta 199, 528-536)
beschrieben durch geführt. Die Analyse der Knollen einer Reihe von mit diesem
Vektor transformierten Pflanzen zeigte eindeutig das Vorkommen von kurzkettigen
Fructosylpolymeren, insbesondere 1-Kestose, was auf die Expression des
erfindungsgemäßen SST-Gens zurückzuführen ist (vgl. Abb. 2).
SEQUENZPROTOKOLL
Claims (23)
1. Nucleinsäuremolekül, codierend eine saccharose abhängige Saccharose
Fructosyltransferase (SST) aus Artischocke, ausgewählt aus der Gruppe
bestehend aus
- (a) Nucleinsäuremolekülen, die ein Protein codieren, das die unter SEQ ID No. 2 und SEQ ID No. 4 angegebene Aminosäuresequenz umfaßt;
- (b) Nucleinsäuremolekülen, die die unter SEQ ID No. 1 dargestellte Nucleotidsequenz umfassen oder eine korrespondierende Ribonucleotidsequenz;
- (c) Nucleinsäuremolekülen, die die unter SEQ ID No. 3 dargestellte Nucleotidsequenz umfassen oder eine korrespondierende Ribonucleotidsequenz;
- (d) Nucleinsäuremolekülen, die mit einer der unter (a) bis (c) genannten Nucleinsäuremolekülen hybridisieren und eine SST codieren, deren Aminosäuresequenz zu mindestens 90% identisch zu der in SEQ ID No. 2 und SEQ ID No. 4 angegebenen Aminosäuresequenz ist; und
- (e) Nucleinsäuremolekülen, deren Nucleotidsequenz aufgrund der Degeneration des genetischen Codes von der Sequenz der unter (a), (b), (c) oder (c) genannten Nucleinsäuremoleküle abweicht.
2. Nucleinsäuremolekül nach Anspruch 1, das ein DNA-Molekül ist.
3. DNA-Molekül nach Anspruch 2, das ein cDNA-Molekül ist.
4. Nucleinsäuremolekül nach Anspruch 1, das ein RNA-Molekül ist.
5. Vektor, enthaltend ein Nucleinsäuremolekül nach einem der Ansprüche 1 bis
4.
6. Vektor nach Anspruch 5, wobei das Nucleinsäuremolekül mit regulatorischen
Elementen operativ verknüpft ist, die die Transkription und Synthese einer
translatierbaren RNA in pro- und/oder eukaryontischen Zellen gewährleisten.
7. Vektor nach Anspruch 6, wobei die regulatorischen Elemente aus dem
Papatin B33 Promotor stammen.
8. Wirtszelle, die mit einem Nucleinsäuremolekül nach einem der Ansprüche 1
bis 4 oder einem Vektor nach Anspruch 6 oder 7 transformiert ist oder von
einer solchen Zelle abstammt.
9. Verfahren zur Herstellung einer SST bei dem eine Wirtszelle nach Anspruch 8
unter Bedingungen kultiviert wird, die die Synthese der SST erlauben und die
SST aus den kultivierten Zellen und/oder dem Kulturmedium isoliert wird.
10. SST, codiert durch ein Nucleinsäuremolekül nach einem der Ansprüche 1 bis
4 oder hergestellt nach dem Verfahren nach Anspruch 9.
11. Transgene Pflanzenzelle, die mit einem Nucleinsäuremolekül nach einem der
Ansprüche 1 bis 4 oder einem Vektor nach Anspruch 6 oder 7 transformiert
wurde oder die von einer solchen Zelle abstammt, wobei das
Nucleinsäuremolekül, das eine SST aus Artischocke codiert, unter der
Kontrolle regulatorischer Elemente steht, die die Transkription einer
translatierbaren mRNA in pflanzlichen Zellen erlauben.
12. Pflanze, enthaltend Pflanzenzellen nach Anspruch 11.
13. Pflanze nach Anspruch 12, die eine Nutzpflanze ist.
14. Pflanze nach Anspruch 13, die eine stärkespeichernde Pflanze ist.
15. Pflanze nach Anspruch 14, die eine Kartoffelpflanze ist.
16. Vermehrungsmaterial einer Pflanze nach einem der Ansprüche 12 bis 15,
enthaltend Pflanzenzellen nach Anspruch 11.
17. Ernteprodukte einer Pflanze nach einem der Ansprüche 12 bis 15, enthaltend
Pflanzenzellen nach Anspruch 11.
18. Verfahren zur Herstellung von kurzkettigen Fructosylpolymeren umfassend:
- (a) Kultivierung einer Wirtszelle nach Anspruch 8 oder Pflanzenzelle nach Anspruch 11 unter Bedingungen, die die Produktion von SST und Umsetzung von gegebenenfalls von außen zugeführter Saccharose oder eines äquivalenten Substrats zu kurzkettigen Fructosylpolymeren erlaubt; und
- (b) Gewinnung der so hergestellten Fructosylpolymere aus den kultivierten Zellen oder aus dem Medium.
19. Verfahren zur Herstellung von kurzkettigen Fructosylpolymeren umfassend:
- (a) Inkontaktbringen von Saccharose oder eines äquivalenten Substrats mit einer SST nach Anspruch 10 unter Bedingungen, die die Umsetzung zu kurzkettigen Fructosylpolymeren erlaubt; und
- (b) Gewinnung der so hergestellten Fructosylpolymere.
20. Kurzkettige Fructosylpolymere erhältlich aus einer Pflanzenzelle nach
Anspruch 11, einer Pflanze nach einem der Ansprüche 12 bis 15, aus
Vermehrungsmaterial nach Anspruch 16 oder aus dem Ernteprodukt nach
Anspruch 17 oder hergestellt nach einem Verfahren nach Anspruch 18 oder
19.
21. Verwendung der Fructosylpolymere nach Anspruch 20 zur Herstellung von
Nahrungsmitteln.
22. Verwendung nach Anspruch 21, wobei die Nahrungsmittel Back- oder
Teigwaren sind.
23. Oligonucleotid, das spezifisch mit einem der Nucleinsäuremoleküle nach
einem der Ansprüche 1 bis 4 hybridisiert.
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