DE3301287C2 - Verfahren zur Unterdrückung des Geräteklingens bei NMR-Messungen - Google Patents
Verfahren zur Unterdrückung des Geräteklingens bei NMR-MessungenInfo
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Description
Die Erfindung betrifft Verfahren zur
gyromagnetischen Kernresonanzspektroskopie, wie sie in den
Ansprüchen 1, 2 und 3 beansprucht werden.
Bei der modernen Kernresonanzspektroskopie wird mit
Impulserregung der Resonanzsysteme gearbeitet, auf die das
Erfassen der Reaktion im Zeitbereich, d. h. eines
Spannungsverlaufs, erfolgt. Die im Spannungsverlauf
enthaltenen Informationen ergeben nach entsprechender Fourier-Trans
formation ein Frequenzspektrum. Bei Anwendung der
Fourier-Transformation-magnetischen Kernresonanz (FT-NMR)
stellt sich eine Reihe parasitärer Effekte ein, und die daraus
resultierenden Artefakte im Spektrum können durch
entsprechende Maßnahmen, die auf die Ursache abgestellt sind,
auf ein Minimum eingeschränkt werden, oder in vielen Fällen
kann das Artefakt durch Ausnutzen der unterschiedlichen
Kohärenzeigenschaften zwischen dem Kernresonanzsignal und dem
Artefakt beseitigt werden.
Es ist bekannt, daß Hochfrequenzströme in Leitern, die
in statischen Magnetfeldern angeordnet sind, zu stehenden
Ultraschallwellen führen können, die aufgrund eines
Umkehrmechanismus ein resonanzartiges Signal erzeugen. Die
parasitäre Wirkung ist oft beobachtet und ausführlich
beschrieben worden von Fukushima et al. "Journal of Magnetic
Resonance", Band 33, Seiten 199-203 (1979), wobei die Autoren
auch Maßnahmen besprechen, mit denen die genannte Wirkung
durch entsprechende Wahl von Werkstoffen und
Konstruktionsmerkmalen der benutzten Einrichtungen auf ein
Minimum eingeschränkt werden kann.
Beim Klingen oder gedämpften Schallschwingungen handelt
es sich um eine weitgefaßte resonanzartige Erscheinung, die
die starke Kopplung des hochfrequenten Stroms mit einem
Kristallgitter im statischen Feld reflektiert. Die
resultierende Stehwelle zeichnet sich deshalb durch
verhältnismäßig kurze Zerfallzeiten aus. Trotzdem ist die
Amplitude groß, und NMR-Signale von kurzer Dauer können im
Vergleich zu diesem Ausgleichs-(Einschwing-)Vorgang
vollkommen verloren gehen.
Es ist bereits erkannt worden, daß kurzlebige Resonanzen
aus Spektren ganz einfach dadurch entfernt werden können, daß
zwischen Erregung und Detektieren der Resonanz eine
Verzögerung vorgesehen wird. Verhältnismäßig lange NMR-Signale
werden ohne Schwierigkeit in Gegenwart des kurzen Klingens
beobachtet, wenn die Erfassung entsprechend lange verzögert
wird, damit sich das Klingen abschwächen kann. Leider wird
durch dieses Verfahren eine frequenzabhängige
Phasenverschiebung eingeführt, die schließlich kompensiert
werden muß, und außerdem wird getrennt davon der Rauschabstand
durch das Zerfallen der Signalstärke während der
Verzögerungsdauer reduziert.
Bei einer weiterentwickelten Lösung des Problems durch
Verzögerung wird eine Spinechomessung angewandt, um das
Resonanzsignal während des Zerfallens des Geräteklingens im
wesentlichen zu erhalten. Zwar wird mit der Spinechomessung
die durch das einfache Verzögerungs- und Erfassungsverfahren
eingeführte Phasenverschiebung aufgehoben, aber dafür muß ein
Abschwächungsfaktor e-2 τ /T2 hingenommen werden. Außerdem wird
bei Spinechomessungen Klingen nicht nur mit dem Umkehrimpuls,
sondern auch mit dem Beobachtungsimpuls eingeführt, und die
Wahl der Refokussierzeit ist notwendigerweise so lang, daß das
Klingen aufgrund des Inversionsimpulses sich abschwächen kann.
Aus der DE-Z: Z. Naturforsch. 34a, 950-953 (1979) ist
bekannt, ein unerwünschtes magneto-akustisches Klingen dadurch
zu beseitigen, daß man ein sogenanntes Phasenabwechslungs-Ver
fahren anwendet. Zu diesem Zweck wird nur ein 90°-De
tektionsimpuls verwendet, der in der Phase abwechselnd
zwischen +X und -X umgesetzt wird und dem ein sogenannter
Spin-Locking-Impuls in der Y-Richtung des Drehbezugssystems
folgt. Die beiden Signale werden abwechselnd addiert und
subtrahiert, um das Klingen zu reduzieren. Wie in dem Aufsatz
allerdings selbst zugegeben wird, führt dieses Verfahren zu
keinem befriedigenden Ergebnis.
In der DE-AS 21 26 743 ist ein Verfahren beschrieben,
nach dem die durch HF-Impulse und das Ein- und Ausschalten des
Empfängersystems bedingten Störungen im wesentlichen
ausgeschaltet werden. Dies wird erreicht, indem zur Anregung
der Spins mindestens ein erster HF-Impuls mit vorbestimmter
Phasenlage und mindestens ein zweiter HF-Impuls verwendet
werden, die jeweils in der Phasenlage um 180° zueinander
verschoben sind. Die mit den um 180° phasenverschobenen
HF-Impulsen angeregten Interferometer werden mit umgekehrten
Vorzeichen addiert, wodurch die hervorgerufenen Störungen zum
größten Teil beseitigt werden. Darüber hinausgehende
Informationen, insbesondere über das Kompensieren von
Klingerscheinungen, finden sich in dieser Schrift nicht.
Aufgabe der Erfindung ist es, Klingen zu kompensieren,
das durch Impulserregung erzeugten NMR-Signalen überlagert
ist.
Dieses Problem wird jeweils durch die in den Patentansprüchen 1, 2
oder 3 aufgeführten Merkmale gelöst. Vorteilhafte
Weiterbildungen sind in den Unteransprüchen 4 bis 6
umschrieben.
Gemäß einem Merkmal eines ersten Ausführungsbeispiels
wird ein Satz von Spinechomessungen erhalten, wobei die
relative Phase entsprechender Umkehrimpulse in bezug auf jeden
von vier 90°-Impulsen (die in einer gegebenen Z-X-Ebene in
Phase sind) zwischen X-, -X-, Y- und -Y-Halbebenen zyklisch
wiederholt wird, welche die gemeinsame Polarisationsachse Z
enthalten. Dabei ist die Signalakkumulation entsprechend
zunehmend (additiv), zunehmend, abnehmend (subtraktiv) und
erneut abnehmend, wodurch die Klingen-Komponenten gelöscht
werden.
Gemäß einem Merkmal eines weiteren Ausführungsbeispiels
der Erfindung werden Magnetisierungsvektoren gegenüber dem
Polarisationsfeld um einen gewählten Winkel θ gekippt, und
während des Intervalls zwischen dem anfänglichen Kippen der
Magnetisierungsvektoren und der Datenerfassung sind der Reihe
nach folgende Maßnahmen vorgesehen: Eine Verzögerungseinheit
zum Außer-Phase-Bringen, gefolgt von einem 180°-Impuls, auf
den seinerseits zwei Verzögerungseinheiten zum progressiven
In-Phase- und Außer-Phase-Bringen folgen, wiederum gefolgt von
einem weiteren 180°-Impuls und einer weiteren
Verzögerungseinheit zur progressiven Phasenwiederherstellung,
wodurch das Signal als ein Doppelspinecho während der ganzen
Zeitspanne zwischen dem anfänglichen Kippen und der
Beobachtung erhalten bleibt, während die Klingen-Komponente
während dieser Zeitspanne abklingt und das System in seiner
ursprünglichen Orientierung wiederhergestellt wird.
Gemäß einem weiteren Merkmal bei Doppelspinechomessungen
zur Kompensation des Klingens werden aufeinanderfolgende
Doppelspinechomessungen angewandt, bei denen die
entsprechenden Umkehrimpulse phasenmäßig zyklisch sind
gegenüber den Erregungsimpulsen konstanter Phase, und zwar um
0° und 180° unter additiver Speicherung der entsprechenden
Signale und um 90° und 270° unter Akkumulierung der
Komplemente der entsprechenden resultierenden Signale.
Gemäß einem Merkmal noch eines weiteren
Ausführungsbeispiels
der Erfindung wird der Magnetisierungsvektor um einen gewähl
ten Winkel θ gegenüber dem Polarisationsfeld gekippt und die
Aufnahme des Resonanzsignals bei einer ersten Phase ausgelöst,
auf die eine konstante Verzögerungsperiode folgt. Dann wird
die Umkehr der Resonanz durch einen 180°-Impuls und eine ge
wählte Verzögerung dadurch beendet, daß die Magnetisierung er
neut längs der ersten Achse gekippt wird und das Signal bei
einer der ersten Phase entgegengesetzten Phase erfaßt wird,
wodurch die abklingende Schwingung jede s der beiden Kippim
pulse auf gehoben wird, während das Resonanzsignal der Kipp
impulse der Wirkung nach additiv ist.
Gemäß einem weiteren Merkmal des letzten Ausführungs
beispiels wird die Ebene, in der die Resonatoren gegenüber der
Z-Achse gekippt werden, um diese Z-Achse gedreht, um den
Magnetisierungsvektor der Reihe nach in Ebenen zu projizie
ren, die die Achsen X und -X (oder Y und -Y) enthalten,
wodurch das Klingen auf Grund der 180°-Im
pulse in den entsprechenden Ebenen gleichfalls über eine Se
quenz von vier Erregungen aufgehoben wird.
Im folgenden ist die Erfindung mit weiteren vorteilhaften Ein
zelheiten anhand schematisch dargestellter Ausführungsbeispiele
näher erläutert. In den Zeichnungen zeigt:
Fig. 1 eine einfache Spinechofolge gemäß dem Stand der Tech
nik;
Fig. 2A-2D eine Phasenzyklus-Spinechofolge gemäß der
Erfindung;
Fig. 3 eine Doppelspinechoimpulsfolge gemäß der Erfindung;
Fig. 4 eine Vergleichsdarstellung von gemäß der in Fig. 3 ge
zeigten Sequenz erhaltenen Spektren mit einem bekannten
Spektrum;
Fig. 5 eine Phasenzyklus-Doppelspinechofolge gemäß der
Erfindung;
Fig. 6 ein weiteres Ausführungsbeispiel der Erfindung;
Fig. 7 eine Abwandlung des Ausführungsbeispiels gemäß Fig. 6
zur Unterdrückung des Klingens
von 180°-Impulsen;
Fig. 8 eine Vergleichsdarstellung von Spektren, die gemäß dem
in Fig. 7 gezeigten Verfahren, einem bekannten Verfahren
und einem Doppelspinechoverfahren erhalten wurden.
Die in Fig. 1 gezeigte Folge wird angewandt, um die bekannte
Spinechomessung gemäß dem Stand der Technik durchzuführen. Ein
90°-Impuls 10 dreht die Z-Magnetisierungskomponente in die
X-Y-Ebene. In Übereinstimmung mit üblichem Gebrauch wird die
Z-Achse parallel zum Polarisationsmagnetfeld angenommen. Die
Präzessions-Frequenz des Magnetisierungsvektors ist über das
Frequenzspektrum in einem durch chemische Shifts der
Probe bestimmten Frequenzintervall verteilt. Nach einer Periode
12 der Länge τ, während der die Präzessionsfrequenzverteilung
sich über das durch die chemischen Shifts bestimmte
Frequenzintervall verteilt, wird ein 180°-Impuls 14 angelegt,
um die Magnetisierung in der Z-Achse umzukehren. Dies ent
spricht betriebsmäßig einer Umkehr der Phasendispersion aller
präzessierenden Vektoren. Nach einer Refokussierperiode 16,
die wiederum die Länge τ hat, wird das Signal 18 beobachtet.
Während dieses Prozesses zerfällt das Signal exponentiell
mit der Zeitkonstante 2τ/T₂, wobei T₂ die Querrelaxations
zeit ist. Wenn das Klingen mit einer Zeit
konstante Tr«T₂ zerfällt, ist das erhaltene Signal im wesent
lichen frei von Artefakten. Wenn andererseits Tr≈T₂, wird
das Spektrum dadurch beeinflußt. Ein Klingen
wird durch beide Impulse 10 und 14 eingeführt, und die
Zeitspanne der Refokussierung wird hierdurch bestimmt. Abgese
hen von der Einschränkung hinsichtlich der Relaxationszeiten T₂,
die für die beobachteten Resonanzen charakteristisch sind, sind
bei diesem Verfahren 90°-Impulse nötig, um die gesamte Magne
tisierung in die X-Y-Ebene zu drehen. Die remanente Magneti
sierung längs der Z-Achse bleibt bei Beendigung der Elemen
tarmessung umgekehrt.
Einfache Spinechomessungen der vorstehend beschriebenen Art
können nach der relativen Phase des 90°-Kippimpulses und des
180°-Refokussierimpulses eingeteilt werden. Bei Anwendung der
üblichen Bezeichnung dreht ein 90°X-Impuls die Magnetisierung
um 90° gegenüber der Z-Achse, wobei die Drehung um die X-Achse
erfolgt. Eine Drehung um die -X-Achse hat die entgegengesetzte
Richtung, d. h. sie erfolgt in der entgegengesetzten Halbebene.
Die Meiboom-Gill-Folge wird durch die Impulse 90°X-τ-180°Y-τ-Er
fassung wiedergegeben, während die Carr-Purcell-Folge durch
das Impulsprogramm 90°X-τ-180°X-τ-Erfassung wiederge
geben wird. Sowohl die 90°- als auch die 180°-Impulse einer
einfachen Spinechomessung sind Quellen für
Klingen. Ein Beispiel eines bevorzugten Verfahrens zur
Kompensation des Klingens bei einer einfachen
Spinechomessung ist in den Fig. 2A bis 2D gezeigt. Die Subse
quenz gemäß Fig. 2A beschreibt eine typische Carr-Purcell-Mes
sung. Hierauf folgt eine zweite Subsequenz (Fig. 2B),
wiederum von Carr-Purcell-Art, die durch eine entgegen
gesetzte Phasenbeziehung für den 180°-Impuls 14 -X gegenüber
dem entsprechenden 180°-Impuls 14 X gemäß Fig. 2A gekennzeichnet ist.
Kumulative Zeitbereichsignale für diese beiden Subsequenzen
addieren das Klingen aufgrund der 90°-Impulse
10 X und heben das Klingen auf
grund der 180°-Impulse 14 X und 14-X auf. Die Subsequenzen ge
mäß Fig. 2C und 2D, die der Meiboom-Gill-Folge entsprechen,
dienen der gleichen Aufhebung zwischen den entsprechenden
180°-Impulsen 14 Y und 14-Y, während wiederum
das Klingen aufgrund der entsprechenden 90°-Impulse 10 X
addiert wird. Da die Signalerfassungen bzw. Aufnahmen für die
Subsequenzen gemäß Fig. 2C und 2D vom kumulierten Signal effektiv
subtrahiert werden, heben die summierten 90°-Klingen-Kom
ponenten gemäß Fig. 2A und 2B gemeinsam die summierte 90°-Klin
gen-Komponenten der Subsequenzen gemäß Fig. 2C und 2D
auf. Die effektive Subtraktion kann durch eine Änderung der
Empfängerphase durchgeführt werden, wie gezeigt, oder durch
Subtraktion des jeweils erfaßten digitalisierten Signals vom
kumulierten gespeicherten Signal mit Hilfe einfacher digitaler
Mittel. Das Signal, dessen Phase für die beiden letzten
Subsequenzen umgekehrt wurde, wird nunmehr verstärkt, und
alles Klingen ist ausgelöscht. Am linken Ende
in den Fig. 2A bis 2D zeigt das Vektordiagramm die
90°X-Drehung, das Kippen der Magnetisierung aus der Z- in die
X-Y-Ebene durch Anlegen eines Impulses 10, der längs der
+X-Achse gerichtet ist, wobei in allen vier Subsequenzen die
Quermagnetisierung Mt präzessierend bleibt und dann einen 180°-Impuls
erfährt, der längs der +X-, -X-, +Y-, -Y-Achse ausge
richtet ist und Drehungen um die entsprechenden Achsen erzeugt,
wie gezeigt.
Die vorstehend beschriebenen Spinechoverfahren arbeiten mit
90°-Impulsen, während allgemein bekannt ist, daß die ex
perimentelle Empfindlichkeit durch Verwendung kleinerer Kipp
winkel mit größerer Wiederholungsgeschwindigkeit optimal ge
staltet werden kann. Dies kann gemäß dem in Fig. 3 gezeigten
Verfahren in die Praxis umgesetzt werden, d. h. gemäß einem
weiteren Ausführungsbeispiel der Erfindung, welches mit θX-Im
pulsen 60 arbeitet, um eine Projektion des Magnetisierungs
vektors in die X-Y-Ebene zu erzielen, die ausreicht, um die
gewünschten Rauschabstandskriterien zu erfüllen. Die präze
dierenden Komponenten in der X-Y-Ebene dispergieren während
des Intervalles 62, und eine Umkehr in der Z-Achse wird durch
einen 180°-Impuls 64 erreicht. Die präzedierenden Vektorkom
ponenten in der X-Y-Ebene werden während des Intervalles 66A
refokussiert. Falls an diesem Punkt mit der Erfassung begonnen
würde (einfaches Spinecho), käme man bei diesem Experiment
auf eine große (umgekehrte) -Z-Magnetisierungskomponente. In
folgedessen läßt man die präzedierenden Vektoren erneut
während des Intervalls 66B dispergieren, und danach stellt
ein reinvertierender Impuls 68 die Z-Magnetisierungskomponente
in ihrer ursprünglichen Richtung wieder her, wobei die Phase
der präzedierenden Komponenten in der X-Y-Ebene noch einmal
umgekehrt wird. Während des Intervalls 70 erfolgt wiederum
eine Refokussierung und dann beginnt das Erfassen des Sig
nals 72.
In den Fig. 4A und 4B ist ein Spektrum durch bekannte Verzöge
rung und Erfassung mit einem Doppelspinechospektrum verglichen.
Die Spitze rührt von ¹⁵N her, erhalten aus einer 90%igen
Lösung CHONH₂ unter Verwendung eines Varian XL-200 Spektro
meters, das bei 20,3 MHz und mit einer spektralen Breite von
10 kHz betrieben wird. Bei dem in Fig. 4A gezeigten Spektrum
ist eine Verzögerung von 20 Mikrosekunden zwischen dem Impuls
und der Datenerfassung eingeschaltet, während bei dem in Fig.
4B gezeigten Doppelspinechospektrum eine charakteristische
Zeit τ=500 Mikrosekunden für ein Gesamtintervall von 2 Milli
sekunden zwischen Erregung und Erfassung vorgesehen ist.
Die Spektren sind nach Mittelwertsbildung über 512 An
regungen im gleichen Maßstab eingetragen. Die Beobachtungsim
pulse sind 8°, und es wird eine 20 Hz-Zeilenverbreiterung ange
wandt, um Basislinienrollen zu betonen. In diesem Ver
gleich übersteigt T₂ für die untersuchte Probe die Dauer des
Klingen-Signal s sehr stark.
Das vorstehend beschriebene Doppelspinecho unterliegt immer
noch Einschränkungen insofern, als das zu den
180°-Impulsen gehörende Klingen sich in einer Zeit
Tr«T abschwächt (die Evolutions/Refokussier-Intervalle).
Diese Einschränkung läßt sich bei einer Weiterentwicklung des
Ausführungsbeispiels des Doppelspinechos abschwächen, bei dem
die Impulsfolge gemäß Fig. 3 ihrerseits in einem Phasen
zyklus in einer Groß-Folge von vier Doppelspinechomessungen ge
mäß Fig. 5A bis 5D wiederholt wird. Die Notation mit
Suffixen ist eine offenkundige Erweiterung der Erläuterung zu
Fig. 2. Wie bei jenem Ausführungsbeispiel so werden auch hier
die einzelnen entsprechenden 180°-Impulse der Subsequenzen in
der Phase als +X, -X, +Y, -Y (oder die Umkehr derselben) zyk
lisch wiederholt. Die reinvertierenden Impulse 68 sind mit den
Suffixen ±p, ±q versehen, um den bei diesen Impulsen gesondert
angewandten Phasenzyklus zu unterstreichen. Das
einzige Erfordernis für die Beziehung dieser Phasen ist fol
gendes: |p-q| = π/2. Die Evolutions/Refokussier-Intervalle
können nun außerordentlich kurz gewählt sein, ohne daß die re
lativen Längen der Zerfallzeiten des Klingens
und die charakteristischen Querrelaxationszeiten der be
obachteten Resonanzen irgendwelche Einschränkungen auferlegen.
Bei der in Fig. 6 gezeigten Impulsfolge des bevorzugten Aus
führungsbeispiels wird ein θX-Impuls 80 und sofortige Signal
erfassung 82 angewandt. Das Signal wird in einem Speicher zu
nehmend akkumuliert, was durch das Symbol "+" gekennzeichnet
ist. Während einer festen Verzögerungsperiode 84 kann sich das
Signal auf ein akzeptables Niveau erholen, wonach durch das An
legen eines 180°-Impulses 86 die Magnetisierung in der Z-Achse
umgekehrt wird und ein weiteres Intervall 88 der Länge τ
das Abklingen des durch den 180°-Impuls 86
verursachten Klingens erlaubt. Ein mit dem Impuls 80
identischer θX-Impuls 90 wird angelegt, und eine weitere vorzeichen
behaftete Erfassung 92 ausgelöst und von dem kumulierten
Signal im Speicher abgezogen, was symbolisch durch "-" gekenn
zeichnet ist, d. h. entgegengesetzt zum Vorzeichen des ersten
Erfassungspaares. Das gemeinsame Ergebnis der 180°-Umkehr und
der entgegengesetzten Akkumulierungsphasen besteht darin, daß
die erfaßten Signale sich addieren, während das zu den
θX-Signalen gehörende Klingen trotz Kohärenz durch
die räumliche Umkehr unverändert bleibt, so daß der
Beitrag des Klingens zwischen Paaren von θX-Erregungen
gelöscht wird.
Für eine andere Verwirklichung des vorstehend beschriebenen
Ausführungsbeispiels zeigen die Fig. 7A und 7B einen
Phasenzyklus in Anwendung auf die in Fig. 6 gezeigten Folge,
um den Beitrag des Klingens auf Grund der In
versionsimpulse 86 zu kompensieren. Auf die Sequenz gemäß Fig. 6
folgt eine zweite ähnliche Sequenz, in der die 180°-Impulse
zyklisch zwischen +X und -X (oder +Y und -Y)
abwechseln. Infolgedessen wird die Beschränkung hin
sichtlich τ und Tr (aus dem vorhergehenden 180°-Impuls) abge
schwächt, so daß z. B. τ ziemlich kurz und/oder Tr ziemlich lang
sein kann, ohne daß dies eine nachteilige Wirkung hat.
In der vorstehend beschriebenen Form besteht ein klarer Vorbehalt
in der Beobachtung, daß die Z-Magnetisierung nach Abschluß
einer einfachen Folge von zwei Erregungen umgekehrt ist. Wenn
die Verzögerungsperiode 84 im Vergleich zu T₁ ausreichend lang
ist, sind die beiden Erregungen einer elementaren Sequenz im
wesentlichen unabhängig insofern, als die verbleibende umge
kehrte Z-Magnetisierung ihren Gleichgewichtswert wiederer
reicht, ehe die anschließende Erregung erfolgt. Diese Einschrän
kung läßt sich abschwächen, wenn ein zusätzlicher 180°-Impuls
in irgendeiner Sequenz vorgesehen wird, um die umgekehrte Mag
netisierung wieder herzustellen. Dies kann in Form des Ein
schubes eines zusätzlichen Umkehrimpulses 94 bei Beendigung der
Erfassung 92 erfolgen. Jedoch wird ein Phasenzyklus
des reinvertierenden Impulses 94 bevorzugt. Das Einschieben in
vertierender Impulse 94 im Phasenzyklus stellt
also sicher, daß die Effekte der remanenten Magnetisierung
und des Klingens auf Grund derartiger Impulse aufge
hoben werden. Durch die reinvertierenden Impulse 94
eingeführtes Klingen kann kompensiert werden, ohne
daß das Signal beeinflußt wird, wenn die relativen Phasen der
abwechselnden Reinversionsimpulse π/2 sind. Die relative Phase
dieser Impulse ist willkürlich, wenn entweder T₁ oder T₂ ver
hältnismäßig kurz ist, und die Reinversionsimpulse sind natür
lich unnötig, wenn sowohl T₁ als auch T₂ verhältnismäßig kurz
sind.
In Fig. 8 sind Beispiele von Spektren gezeigt, die nach dem Ver
zögerungsverfahren gemäß dem Stand der Technik und mit den
Sequenzen gemäß Fig. 3 und 6 erhalten wurden. Hierzu wurde
Lösung aus 25% D₂ O und 75% Azeton in einem Varian XL-200
Spektrometer bei einer Frequenz von 27,1 MHz untersucht. Die
spektrale Breite betrug 30,030 kHz, und die resultierenden
Spektren sind Mittelwerte über 1024 Anregungen mit einer
Wiederholungsrate von 20 ms. Die beiden
Spitzen beruhen auf den ¹⁷0-Komponenten des schweren Wassers
und Azetons. Ein Beispiel für die mit dem Ausführungsbeispiel
gemäß Fig. 6 erhaltenen Spektren geht aus Fig. 8C hervor. Das
Beispiel für das bekannte Verfahren mit verzögerter Erfassung
ist in Fig. 8A für eine Reihe von zwischen Beobachtungs
impuls und Erfassung geschalteten Verzögerungszeiten ge
zeigt. Außer für die längste Verzögerungszeit herrschen wesent
liche spektrale Artefakte vor. Die Parameter der sechs
Spektren in gleichem Maßstab sind aufeinanderfolgende Werte für
die Verzögerungszeiten oder Refokussierzeiten. Der Unterschied
zwischen den Spektren für die jeweiligen Werte von τ ist
minimal, während der Kontrast zu den Spektren gemäß Fig. 8A
und 8B hinsichtlich der Abwesenheit von spektralen Artefakten
für die kürzeren Werte von τ bzw. der Verzögerungszeit klar
ist. Im Gegensatz zum Beispiel gemäß Fig. 4B, bei dem T₂»Tr,
ist die Doppelspinechomessung gemäß Fig. 8B ein Beispiel, bei
dem T₂ im Vergleich zu Tr nicht mehr so groß ist. In Fig.
8B und 8C haben der Beobachtungsimpuls und die Empfängerphase
einen 90° Phasenzyklus, zusätzlich zum Phasenzyklus,
der Gegenstand der vorliegenden Anmeldung ist. In
Übereinstimmung mit dem Stand der Technik sind die 180°-Impulse
zusammengesetzt, um die Auswirkungen von Fehleichungen und
außerresonanten Kopplungen auf ein Minimum reduzieren sollen.
Für den Fachmann ist klar, daß trotz der Bezugnahme auf einen
bestimmten parasitären Effekt die hier offenbarten Verfahren
zur Kompensation jeder beliebigen ähnlichen Ausgleichs-(Ein
schwing-)erscheinung angewandt werden können, die ihren
Ursprung im Gerät hat.
Claims (6)
1. Verfahren zur gyromagnetischen
Kernresonanzspektroskopie, das auf ein Ensemble von
gyromagnetischen Resonatoren mit magnetischen Momenten
angewandt wird, die in ein längs einer ersten Achse
(Z-Achse) ausgerichtetes Polarisationsmagnetfeld
eingetaucht sind, wobei die magnetischen Momente, die in
ihrer Summe einen Magnetisierungsvektor bilden, um das
Polarisationsmagnetfeld präzedieren, mit folgenden
Merkmalen:
- a) der Magnetisierungsvektor wird durch Anlegen eines 90°-Im pulses (10 X) um 90° in die X-Y-Ebene gekippt,
- b) nach einer Zeitspanne (τ) werden die magnetischen Momente mittels eines 180°-Impulses (14 X) in einem ersten Drehsinn um die X-Achse gedreht,
- c) ein Spinechoresonanzsignal der Resonatoren wird detektiert, das durch Einschwingvorgänge gerätebedingten Ursprungs, die in den Schritten a) und b) entstehen, gestört ist,
- d) das Spinechoresonanzsignal wird gespeichert,
- e) der Schritt a) wird wiederholt und nach einer Zeitspanne (τ) werden die magnetischen Momente mittels eines 180° Impulses (14 -X) in einem zweiten Drehsinn um die X-Achse gedreht und Schritt c) wird wiederholt,
- f) das in Schritt d) gespeicherte Signal wird zu dem in Schritt e) detektierten Signal zur Bildung eines ersten Summensignals addiert, das frei von Einschwingvorgängen ist, die sich bei den Schritten b) und e) ergeben,
- g) der Schritt a) wird wiederholt und nach einer Zeitspanne (τ) wird der Magnetisierungsvektor mittels eines 180°-Im pulses (14 Y) in einem ersten Drehsinn um die Y-Achse gedreht und Schritt c) wird wiederholt,
- h) das in Schritt g) detektierte Signal wird von den in Schritt f) erhaltenen ersten Summensignal zur Bildung eines zweiten Summensignals abgezogen und gespeichert,
- i) der Schritt a) wird wiederholt und nach einer Zeitspanne (τ) wird der Magnetisierungsvektor mittels eines 180°-Im pulses (14 -Y) in einem zweiten Drehsinn um die Y-Achse gedreht und Schritt c) wird wiederholt,
- j) das in Schritt i) detektierte Signal wird von dem im Schritt h) erhaltenen und gespeicherten zweiten Summensignal abgezogen und gespeichert, wodurch das in den Schritten a), b) und e) auftretende Klingen gegen das Klingen aufgehoben wird, das in den Schritten g) und i) auftritt.
2. Verfahren zur gyromagnetischen Kernresonanzspek
troskopie, das auf ein Ensemble von gyromagnetischen
Resonatoren mit magnetischen Momenten angewandt wird,
die in ein längs einer ersten Achse (Z-Achse)
ausgerichtetes Polarisationsmagnetfeld eingetaucht sind,
wobei die magnetischen Momente, die in ihrer Summe
einen Magnetisierungsvektor bilden, um das Polarisa
tionsmagnetfeld präzedieren, mit folgenden Schritten:
- a) der Magnetisierungsvektor wird um einen Winkel (θ) aus der ersten Achse (Z-Achse) gedreht (Puls 60), wobei die Drehung in einer gewählten Drehrichtung um eine zur ersten Achse orthogonale zweite Achse durchgeführt wird,
- b) nach einer Zeitspanne (τ) wird der Magnetisierungsvektor mittels eines 180°-Impulses (64) um eine zur ersten Achse orthogonale Achse gedreht, wobei unerwünschtes Klingen auftritt,
- c) nach einer weiteren Zeitspanne (τ+Δ) wird der Magnetisierungsvektor durch Anlegen eines 180°-Impuls (68) erneut in seiner Richtung umgedreht,
- d) das sich hiernach ergebende Doppelspinechoresonanzsignal (72) wird detektiert, wobei die Magnetisierungskomponente, die nach dem Schritt a) längs der ersten Achse verblieben und durch Schritt c) umgekehrt wurde, in ihrer ursprünglichen Ausrichtung wiederhergestellt wird und
- e) die Schritte a) bis d) werden wiederholt, wobei bei der ersten Wiederholung in Schritt b) der Magnetisierungsvektor durch Anlegen eines 180°-Impulses (64 X) in einem ersten Drehsinn um eine zweite, zur ersten Achse orthogonalen Achse (X-Achse) gedreht wird, und bei der zweiten Wiederholung im Schritt b) der Magnetisierungsvektor nach Anlegen eines 180°-Impulses (64 -X) in einem zweiten Drehsinn um die zweite Achse gedreht wird, bei der dritten Wiederholung in Schritt b) der Magnetisierungsvektor durch Anlegen eines 180°-Im pulses (64 Y) in einem ersten Drehsinn um eine dritte, zur ersten Achse orthogonalen Achse (Y-Achse) gedreht wird und bei der vierten Wiederholung in Schritt b) der Magnetisierungsvektor durch Anlegen eines 180°-Impulses (64 -Y) in einem zweiten Drehsinn um die dritte Achse gedreht wird.
3. Verfahren zur gyromagnetischen Kernresonanz
spektroskopie, das auf ein Ensemble von gyromagnetischen
Resonatoren mit magnetischen Momenten angewandt wird,
die in Richtung einer Polarisationsachse polarisiert werden, wobei
die magnetischen Momente, die in ihrer Summe einen
Magnetisierungsvektor bilden, um die Polarisationsachse
präzedieren, mit folgenden Verfahrensschritten:
- a) der Magnetisierungsvektor wird um einen gewünschten Winkel (θX) gegenüber der Polarisationsachse kohärent gekippt (Puls 80)
- b) ein resultierendes erstes Signal (82) wird detektiert und gespeichert (+),
- c) Verzögerung um eine erste Zeitspanne (84), d) der Magnetisierungsvektor wird um 180° bezüglich der Polarisationsachse umgekehrt (Puls 86),
- e) der Magnetisierungsvektor wird nach einer zweiten Zeitspanne (88) erneut um den gewünschten Winkel (θX) gegenüber der Polarisationsachse kohärent gekippt (Puls 90) und ein zweites Signal wird erhalten (92),
- f) das zweite Signal (92) wird vom ersten Signal (82) abgezogen (-) und das derart gebildete dritte Signal wird gespeichert, wodurch die durch Klingen verursachten Störungsbeiträge der Signale (82, 92), die in den Schritten a), d) und e) erzeugt werden, einander aufheben, während die ungestörten Signalanteile der Signale (82, 92) addiert werden.
4. Verfahren nach Anspruch 3, wobei die Schritte a) bis f)
wiederholt werden und in Schritt d) der
Magnetisierungsvektor in aufeinander folgenden
Wiederholungen abwechselnd durch einen 180°-Impuls (86 X)
in einem ersten Drehsinn und durch einen 180°-Impuls
(86 -X) in einem zweiten Drehsinn um eine zur
Polarisationsachse orthogonale Achse (X-Achse) gedreht
wird.
5. Verfahren nach Anspruch 3 oder 4, wobei nach Beendigung
der Erfassung gemäß Schritt e) ein 180°-Impuls (94) den
präzedierenden Magnetisierungsvektor umkehrt.
6. Verfahren nach Anspruch 5, wobei bei der ersten
Wiederholung ein 180°-Impuls (94) den
Magnetisierungsvektor in einem ersten Drehsinn um die
erste Achse und bei der zweiten Wiederholung ein 180°-Im
puls (94) den Magnetisierungsvektor in dem ersten
Drehsinn um die zweite Achse dreht.
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