DE3308030C2 - Tierische Interferone - Google Patents
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Description
Die Erfindung betrifft tierische Interferone, ein Verfahren zur
Identifizierung und Isolierung von DNA, die für tierisches
Interferon kodiert, die auf diese Weise erhältliche DNA und
deren Verwendung zur Herstellung von tierischem Interferon durch
rekombinante DNA-Technik.
Die Erfindung beruht zum Teil auf der Ermittlung der eine Reihe
von Rinder-α-Interferonen kodierenden DNA-Sequenz und der davon
abgeleiteten Aminosäuresequenz. Diese DNA-Sequenz schließt die
entsprechenden 3′- und 5′-flankierenden Sequenzen ein, die die
in vitro-Verknüpfung in Expressionsträgern erleichtert. Diese
Befunde ermöglichen wiederum die Entwicklung von Mitteln zur
Herstellung von ausreichenden Mengen an tierischen Interferonen
mittels rekombinanter DNA-Technik, so daß die Bestimmung von
deren biochemischen Eigenschaften und biologischen Aktivitäten
möglich wird und diese Produkte großtechnisch und biologisch
angewandt werden können.
In der WO 80/02375 werden tierische Interferone aus induzierten
Leukocyten angereichert und soweit gereinigt, daß das Inter
feronpräparat beim Menschen keine Antigenreaktion hervorruft.
Die US-PS 4 262 090 offenbart die Gewinnung angereicherter mRNA
für die Herstellung verschiedener Interferone von tierischer
oder menschlicher Herkunft.
Druckschriftliche Veröffentlichungen und andere Materialien, die
den technischen Hintergrund der Erfindung erläutern und in
speziellen Fällen auch zusätzliche Einzelheiten bezüglich der
praktischen Durchführung der Erfindung liefern, sind am Ende der
Beschreibung aufgelistet. In der Beschreibung selbst wird auf
die Nummern dieser Druckschriftenliste verwiesen.
Interferonkomponenten wurden aus Geweben verschiedener Spezies
gewonnen, die stammesgeschichtlich niedriger als der Mensch ein
zuordnen sind (1, 2, 3). Durch Aktivitätsuntersuchungen an diesen
Interferonen ließen sich unterschiedliche Grade an antiviraler
Wirksamkeit beim jeweiligen Wirtstiernachweisen (3, 4, 5, 6).
Es wurde auch nachgewiesen, daß diese Interferone nicht immer
speziesspezifisch sind. Beispielsweise weisen Präparate von aus
Geweben isolierten Rinderinterferonen eine antivirale Wirkung
beim Affen und bei menschlichen Zellen auf (7). In ähnlicher
Weise haben sich Humaninterferone als aktiv in verschiedenen
Zellen von stammesgeschichtlich niedrigeren Spezies erwiesen (7).
Diese Speziesinteraktivität ist zweifellos darauf zurückzufüh
ren, daß unter den Interferonen sowohl in bezug auf Amino
säurezusammensetzung als auch Aminosäuresequenz ein hohes Maß
an homologer Konservierung besteht. Jedoch blieb diese Er
klärung bisher rein theoretisch, da Mengen und Reinheitsgrade
von zur Verfügung stehenden tierischen Interferonen nicht aus
reichten, jeden Zweifel ausschließende Versuche in bezug auf
die Charakterisierung und biologischen Eigenschaften der ge
reinigten Komponenten im Vergleich zu verschiedenen mensch
lichen Gegenstücken durchzuführen (8, 9, 10, 11, 12).
Trotz dieser geringen Mengen und Reinheitsgrade wurde ein
kausaler Zusammenhang zwischen Interferon und der antiviralen
Aktivität beim erforderlichen Wirtstier festgestellt. Somit
besteht ein Bedarf an der Herstellung von tierischen Interfero
nen in hohen Ausbeuten und Reinheitsgraden, um biologische Tier
versuche einzuleiten und erfolgreich durchzuführen, die das
Ziel haben, die Behandlung von Tieren gegen virale Infektionen
und gegen maligne oder durch eine Immunosuppression oder ein
Immunodefizit geprägte Zustände zu ermöglichen. Ferner ist
durch die Herstellung von isolierten tierischen Interferonen
eine Charakterisierung der physikalischen und biologischen
Eigenschaften dieser Produkte möglich, was eine Grundlage zu
ihrer Einordnung und anschließende vergleichende Untersuchungen
mit den menschlichen Gegenstücken bietet (8 bis 20).
Die bisher mit tierischen Interferonen durchgeführten Unter
suchungen waren aufgrund der zur Verfügung stehenden, sehr ge
ringen Substanzmengen auf relativ unreine Präparate beschränkt.
Jedoch lassen diese Untersuchungen Schlüsse auf wichtige bio
logische Funktionen zu. Diese Klasse von tierischen Interferonen
besitzt nicht nur eine starke therapeutische antivirale Wirkung, sondern wirkt
vermutlich auch als prophylaktischer Hilfsstoff bei der Verab
reichung von Vaccinen und/oder bei antibiotischer Behandlung,
wodurch es zu einem vielversprechenden potentiellen Wirkstoff
für klinische Zwecke wird.
Man nahm an, daß die Anwendung der rekombinanten DNA-Technik
einen sehr wirksamen Weg zur Bereitstellung der erforderlichen
größeren Mengen an tierischen Interferonen darstellt. Unabhängig
davon, ob die auf diese Weise hergestellten Materialien die
Glycosylierung, die als charakteristisch für natives Material
gilt, umfaßt oder nicht, ist anzunehmen, daß diese Materi
alien biologisch aktiv sind und klinisch bei der Behandlung
verschiedenster viraler, neoplastischer und immunosuppressiver
Zustände oder Krankheiten eingesetzt werden können.
Die rekombinante DNA-Technik hat in letzter Zeit eine erhebliche
Verfeinerung erfahren. Die Molekularbiologen sind in der Lage,
verschiedene DNA-Sequenzen relativ leicht zu rekombinieren und
neue DNA-Einheiten zu schaffen, die zur Bildung von erheblichen
Mengen an exogenen Proteinprodukten in transformierten Mikroben
fähig sind. Es stehen allgemeine Mittel und Verfahren zur in
vitro-Verknüpfung von verschiedenen DNA-Fragmenten mit stumpfen
oder kohäsiven Enden zur Verfügung, die zur Bildung von lei
stungsfähigen Expressionsträgern führen, mit denen spezielle
Organismen transformiert werden können, so daß deren Synthese
leistung in wirksamer Weise auf das gewünschte exogene Produkt
gerichtet wird. Bei einzelnen Produkten ist dieser Weg jedoch
recht umständlich. Die Kenntnisse sind noch nicht so weit fort
geschritten, daß regelmäßig Vorhersagen über die Erfolgsaus
sichten gemacht werden können. Versucht man, Erfolge ohne ent
sprechende experimentelle Basis vorherzusagen, so läuft man
Gefahr zu scheitern.
Plasmide, d. h. außerchromosomale Schleifen von doppelsträngiger
DNA in Bakterien und anderen Mikroben, die häufig in mehreren
Kopien pro Zelle vorkommen, stellen ein Grundelement der re
kombinanten DNA-Technik dar. Die in die Plasmid-DNA einkodierte
Information umfaßt die Information, die erforderlich ist, das
Plasmid in Tochterzellen zu reproduzieren (d. h. Ursprung der
Replikation = origin) und im allgemeinen eine oder mehrere
phenotypische Selektionseigenschaften, wie im Fall von Bak
terienresistenz gegenüber Antibiotika, die die Erkennung und
bevorzugte Züchtung in selektiven Medien von Klonen der das
betreffende Plasmid enthaltenden Wirtszelle erlauben. Der
Wert von Plasmiden liegt darin, daß sie spezifisch durch die
eine oder andere Restriktionsendonuclease oder "Restriktions
enzym", die jeweils unterschiedliche Stellen der Plasmid-DNA
erkennen, gespalten werden können. Anschließend können heterolo
ge Gene oder Genfragmente in das Plasmid eingesetzt werden, indem
man eine Endenverbindung an der Spaltungsstelle oder an rekon
struierten Enden nahe der Spaltungsstelle durchführt. Somit
werden sogenannte replizierbare Expressionsträger gebildet.
Die DNA-Rekombination wird außerhalb der Zelle durchgeführt,
aber der entstandene "rekombinante" replizierbare Expressions
träger oder Plasmid können in die Zellen nach einem als Trans
formation bekannten Verfahren eingeführt werden und es lassen
sich große Mengen des rekombinanten Trägers durch Züchtung
des Transformanten erhalten. Wird ferner das Gen in geeigneter
Weise in bezug auf die Bereiche des Plasmids eingesetzt, die die Trans
kription oder Translation der einkodierten DNA-Botschaft steuern,
so kann der erhaltene Expressionsträger zur tatsächlichen Bil
dung der Polypeptidsequenz, die durch das eingesetzte Gen ko
diert wird, verwendet werden; ein Vorgang, der als Expression
bezeichnet wird.
Die Expression wird in einem als Promotor bekannten Bereich,
der durch RNA-Polymerase erkannt und gebunden wird, initiiert.
In der Transkriptionsphase der Expression erfolgt eine Ent
windung der DNA, wobei sie eine Schablone für die initiierte
Synthese von messenger-RNA aus der DNA-Sequenz wird. Die
messenger-RNA wird wiederum in ein Polypeptid mit der durch
die mRNA kodierten Aminosäuresequenz übersetzt. Jede Amino
säure wird durch ein Nucleotidtriplett oder "codon" kodiert,
die zusammen das "Strukturgen" bilden, d. h. den Teil, der die
Aminosäuresequenz des exprimierten Polypeptidprodukts kodiert.
Die Translation wird durch ein Startsignal (im allgemeinen
ATG, das in der erhaltenen messenger-RNA zu AUG wird) initi
iert. Sogenannte Stop-Kodons definieren das Ende der Trans
lation und daher der Bildung von weiteren Aminosäureeinheiten.
Das erhaltene Produkt kann gegebenenfalls durch Lysis der
Wirtszelle in mikrobiellen Systemen und Gewinnung des Pro
dukts durch entsprechende Reinigung von anderen Proteinen er
halten werden.
In der Praxis kann die Verwendung der rekombinanten DNA-Technik
zur Expression von vollkommen heterologen Polypeptiden -
sogenannte direkte Expression - oder zur Expression eines hete
rologen Polypeptids führen, das mit einem Teil der Aminosäure
sequenz eines homologen Polypeptids verschmolzen ist. In den
letztgenannten Fällen wird das gewünschte bioaktive Produkt
gelegentlich innerhalb des verschmolzenen homolog/heterologen
Polypeptids biologisch inaktiv, bis es in einer extrazellulären
Umgebung gespalten wird (21, 22).
Zell- oder Gewebekulturen sind für kinetische und zellphysio
logische Untersuchungen gut eingeführt. Mittel und Methoden
zur Erhaltung von permanenten Zellinien, die durch successive
Serienübertragungen von isolierten normalen Zellen hergestellt
werden, stehen zur Verfügung. Für Forschungszwecke werden der
artige Zellinien auf einem festen Träger in einem flüssigen Me
dium gehalten oder in Suspensionen mit einem Gehalt an unter
stützenden Nährstoffen gezüchtet. Eine Vergrößerung des Her
stellungsmaßstabs zur Herstellung von großen Präparatemengen
scheint nur eine Frage der mechanischen Möglichkeiten zu sein
(vgl. 23, 24).
Aufgabe der Erfindung ist es, Peptide mit der Aminosäuresequenz
von tierischen Interferonen und dafür kodierende DNA zur Ver
fügung zu stellen.
Die Erfindung beruht auf dem Befund, daß die rekombinante
DNA-Technik mit Erfolg zur Herstellung von tierischen Inter
feronen verwendet werden kann, vorzugsweise in direkter Form
und in Mengen, die ausreichen, klinische Untersuchungen, die
Vorbedingungen für eine Marktzulassung sind, zu initiieren und
durchzuführen. Das Produkt eignet sich für alle Formen der
prophylaktischen oder therapeutischen Behandlung von Tieren,
insbesondere bei viralen Infektionen und malignen Zuständen
sowie Zuständen mit Immunosuppression oder Immunodefizit. Seine
Formen umfassen verschiedene mögliche oligomere Formen, die
assoziierte Glycosylierung einschließen können, sowie allele
Variationen von individuellen Bestandteilen oder Familienein
heiten. Die Produkte werden durch gentechnisch manipulierte
Mikroorganismen oder Zellkultursysteme gebildet. Somit besteht
nun die Möglichkeit, tierische Interferone wirkungsvoller als
bisher herzustellen und zu isolieren. Ein wesentlicher Faktor
der bevorzugten Ausführungsformen der Erfindung besteht darin,
daß es gelungen ist, einen Mikroorganismus oder eine Zell
kultur genetisch so zu dirigieren, daß sie veranlaßt werden,
tierisches Interferon, insbesondere Rinderinterferon, die von
der Wirtszelle in reifer Form ausgeschieden werden, in iso
lierbaren Mengen zu bilden.
In bestimmten Wirtssystemen können Vektoren zur Bildung des
gewünschten tierischen Interferons, das aus der Wirtszelle in
reifer Form sekretiert wird, gebildet werden. Interferon, das
die vom 5′-flankierenden Bereich des entsprechenden Gens abge
leitete Signalsequenz enthält, wird vermutlich zur Zellwand des
Wirtsorganismus transportiert, wo zur Unterstützung dieses
Transports das Signalprotein während des Sekretionsvorgangs des
reifen Interferonprodukts abgespalten wird. Dies ermöglicht die
Isolierung und Reinigung des gewünschten reifen Interferons,
ohne daß man Verfahren zu Hilfe nehmen muß, die dazu bestimmt
sind, Verunreinigungen an intrazellulärem Wirtsprotein oder
Zellbruchstücken zu beseitigen.
Gegenstand der Erfindung sind:
- - das in Anspruch 1 gekennzeichnete Verfahren zur Identifi zierung und Isolierung von DNA, die für ein Interferon einer Tierspezies kodiert, oder Fragmenten davon;
- - die nach diesem Verfahren erhältliche DNA (Anspruch 3);
- - deren Verwendung zur Herstellung eines tierischen Inter ferons durch rekombinante DNA-Technik gemäß Anspruch 4;
- - die tierischen Interferone gemäß Anspruch 6.
Ein bevorzugter Gegenstand der Erfindung ist die Herstellung von
Rinderinterferon, das für die Klasse der hier in Betracht kommen
den tierischen Interferone repräsentativ ist. Vorzugsweise wird
dieses Rinderinterferon durch direkte Expression in reifer Form
gebildet.
Der hier verwendete Ausdruck "reifes tierisches Interferon"
bezieht sich auf die durch Mikroorganismen oder Zellkulturen
bewerkstelligte Herstellung von tierischen Interferonen, die
nicht vom Signalpeptid oder Präsequenzpeptid, das unmittelbar
für die Translation der tierischen Interferon-mRNA sorgt, be
gleitet ist. Somit wird erfindungsgemäß reifes tierisches
Interferon zur Verfügung gestellt, das Methionin als erste
Aminosäure (vorhanden aufgrund der Insertion des ATG-Startsig
nalkodons vor dem Strukturgen) oder, wenn das Methionin intra-
oder extrazellulär abgespalten ist, seine üblicherweise erste
Aminosäure aufweist. Demgemäß kann reifes tierisches Inter
feron auch zusammen mit einem konjugierten Protein, das sich
vom herkömmlichen Signalpolypeptid unterscheidet, hergestellt
werden, wobei das Konjugat spezifisch in einer intra- oder
extrazellulären Umgebung abspaltbar ist (21). Schließlich kann
das reife tierische Interferon durch direkte Expression ohne
die Notwendigkeit einer Abspaltung von fremden, überflüssigen
Polypeptiden hergestellt werden. Dies ist von besonderer Be
deutung, wenn ein bestimmter Wirt ein Signalpeptid nicht oder
nicht wirksam genug entfernen kann, sofern der Expressions
träger so gebaut ist, daß er die Expression von reifem Human
interferon zusammen mit dessen Signalpeptid bewirkt. Das auf
diese Weise hergestellte reife Interferon wird gewonnen und
so weit gereinigt, daß es als Wirkstoff bei der Behandlung
von viralen und malignen Zuständen sowie bei Zuständen mit
Immunosuppression oder Immunodefizit geeignet ist.
Abgesehen von der Tatsache, daß tierische Interferone endogene
Produkte des tierischen Organismus sind, ist ihre Nomenklatur
analog zu Humaninterferonen; man unterscheidet also tierisches
α-Interferon (Leukozyteninterferon), β-Interferon (Fibroblasten
interferon) und γ-Interferon (Immuninterferon). Alle diese
3 Interferonarten sind im Tierversuch identifiziert worden.
Ferner weiß man ausgehend vom Beispiel des Rinds, daß die
tierischen α-Interferone wie bei Humaninterferon aus einer
Familie von Proteinen zusammengesetzt sind. Die bisher unter
suchten Produkte weisen zu den entsprechenden Human-α-inter
feronen einen niedrigeren Homologiegrad auf als diese tieri
schen Interferone untereinander oder die Human-α-interferone
untereinander. Ferner ist die Rinder-β-Reihe aus einer Pro
teinfamilie zusammengesetzt, die sich vom menschlichen Produkt
unterscheidet. Ferner werden erfindungsgemäß Interspezies- und
Interfamilien-Hybridinterferone bereitgestellt, wobei man die
gemeinsamen Restriktionsstellen innerhalb der Gene von ver
schiedenen tierischen Interferonen ausnützt und die entspre
chenden Bereiche nach bekannten Methoden rekombiniert (57).
Auf jeden Fall umfassen die tierischen Interferone der Erfin
dung die Interferone, die normalerweise bei Tieren der Familien
der Vögel, Rinder, Hunde, Pferde, Katzen, Ziegen, Schafe, Fische
und Schweine endogen sind. Insbesondere betrifft die Erfindung
Interferone von Paarhufern, wie Rinder, Schafe und Ziegen.
Die erfindungsgemäß bereitgestellten Interferone finden Anwen
dung als Antivirus- und Antitumormittel bei den entsprechenden
Wirtstieren. Beispielsweise können Rinderinterferone prak
tische Anwendung bei der Behandlung des Atmungskomplexes bei
Rindern entweder zusammen mit an sich bekannten Antibiotika
als therapeutische Komponente oder zusammen mit Vaccinen als
prophylaktische Komponente finden. Die auf die vor
stehende Weise demonstrierte Klassenverwertbarkeit erstreckt
sich auch auf andere Rinder sowie Ziegen, Schafe, Schweine, Pfer
de, Hunde, Katzen, Vögel und Fische. Bei Pferden, Hunden,
Katzen und Vögeln läßt sich die Antitumorwirkung der ent
sprechenden Interferone vermutlich besonders gut gewerblich
ausnutzen.
Das folgende, anhand von Rinderinterferon als repräsentativer
Klasse beschriebene Grundprinzip kann zur Herstellung der er
findungsgemäßen tierischen Interferone angewandt werden:
- 1. Rindergewebe, beispielsweise Rinderpankreasgewebe, wird zu einem gefrorenem Pulver zerkleinert und zur Verdauung von RNA und Proteinmaterialien behandelt. Nach Fällung erhält man hochmolekulare Rinder-DNA.
- 2. Die hochmolekulare DNA wird teilweise verdaut, um sie in bezug auf die Genstelle willkürlich zu zerschneiden.
- 3. Die erhaltenen DNA-Fragmente werden der Größenfraktionierung unter Bildung von Fragmenten mit 15 bis 20 Kilo basenpaaren (kbp) unterworfen.
- 4. Die in Stufe 3 erhaltenen Fragmente werden unter Verwen dung eines λ-Charon 30-Phagenvektors geklont.
- 5. Die auf diese Weise hergestellten Vektoren werden in vitro auf infektiöse Phagenteilchen mit einem Gehalt an rDNA unter Bildung einer Phagenbibliothek gepackt. Diese wurde durch Vermehrung auf Bakterienzellen auf das etwa 10⁶-fache vergrößert. Die Phagen wurden bis zur praktischen Konfluenz auf einem Bakterienrasen ausgestrichen und zur Hybridisie rung mit einem radioaktiven Humaninterferon-Marker einem Screening unterworfen.
- 6. Aus den geeigneten Klonen wurde die entsprechende DNA iso
liert. Von dieser wurde eine Restriktionskarte erstellt und
eine Analyse durch Southern-Hybridisierung durchgeführt.
Restriktionsfragmente mit einem Gehalt an Rinderinterferon genen wurden der Subklonierung in Plasmidträger unterworfen und sodann sequenziert. - 7. Die sequenzierte DNA wurde dann in vitro zur Insertion in einen entsprechenden Expressionsträger zugeschnitten, der zur Transformierung einer entsprechenden Wirtszelle ver wendet wurde, die wiederum in einer Kultur gezüchtet wurde und die Expression des gewünschten Rinderinterferonprodukts durchführte.
- 8. Das auf diese Weise hergestellte Rinderinterferon weist in seiner reifen Form 166 Aminosäuren auf, wobei am Beginn Cystein steht und in der Präsequenz 23 Aminosäuren vorhan den sind. Es weist einen stark hydrophoben Charakter auf. Sein monomeres Molekulargewicht wurde mit etwa 21 409 be rechnet. Es weist ähnliche Eigenschaften wie Humanleuko zyteninterferone (8, 9, 10, 11) auf. Es wurde festgestellt, daß es zu etwa 60 Prozent homolog mit humanem Leukozyten interferon ist.
Die hier wiedergegebenen Versuche bedienen sich unter anderem
des Mikroorganismus E. coli K-12 Stamm 294 (end A, thi⁻, hsr⁻,
khsm⁺) (25). Dieser Stamm erhielt bei der American Type Culture
Collection die Hinterlegungsnummer ATCC 31446. Jedoch eignen
sich auch verschiedene andere Mikroorganismenstämme, darunter
bekannte E. coli-Stämme, wie E. coli B, E. coli X 1776
(ATCC 31 537) E. coli W 3110 (F⁻, λ⁻, prototroph) (ATCC 27325),
E. coli DP 50 SuPF (ATCC 39061, hinterlegt am 5. März 1982),
E. coli JM83 (ATCC 39062, hinterlegt am 5. März 1982), sowie
andere Mikroorganismenstämme, von denen viele bei anerkannten
Hinterlegungsstellen hinterlegt und dort erhältlich sind, bei
spielsweise bei der American Type Culture Collection (ATCC);
vgl. den ATCC-Katalog und (26, 26a). Beispiele für andere Mikro
organismen sind Bazillen, wie Bacillus subtilis, und andere
Enterobacteriaceae, von denen zum Beispiel Salmonella typhi
murium und Serratia marcescens erwähnt seien, wobei Plasmide
verwendet werden, die die darin enthaltenen heterologen Gen
sequenzen replizieren und exprimieren können.
Zum Beispiel wurden β-Lactamase und Lactose-Promotorsysteme
mit Erfolg zur Initiierung und Aufrechterhaltung der mikro
biellen Bildung von heterologen Polypeptiden verwendet. Ein
zelheiten zum Aufbau und zur Herstellung dieser Promotor
systeme gehen aus (27) und (28) hervor. Kürzlich wurde ein
System auf der Basis des Tryptophan-Operons entwickelt, das
sogenannte trp-Promotorsystem. Einzelheiten bezüglich des
Aufbaus und der Herstellung dieses Systems wurden von Goeddel
et al., (12) und Kleid et al., (29) beschrieben. Es wurden
zahlreiche andere mikrobielle Promotoren entdeckt und einge
setzt. Einzelheiten über deren Nucleotidsequenzen, die es dem
Fachmann ermöglichen, sie funktionell mit Plasmidvektoren zu
verknüpfen, wurden veröffentlicht (30).
Das Expressionssystem kann auch das Plasmid YRp7 (31, 32, 33)
verwenden, welches zur Selektion und Replikation sowohl in
E. coli als auch in der Hefe Saccharomyces cerevisiae fähig
ist. Für die Selektion in Hefe erhält das Plasmid das TRP1-Gen
(31, 32, 33), das eine Komplementation (Ermöglichung des Wachs
tums in Abwesenheit von Tryptophan) von Hefe ermöglicht, die
Mutationen in diesem am Chromosom IV der Hefe gefundenen Gen
enthält (34). Ein geeigneter Stamm ist der Stamm RH218 (35),
der bei der American Type Culture Collection ohne Einschrän
kungen hinterlegt ist (ATCC 44076). Es wird jedoch darauf ver
wiesen, daß beliebige Stämme von Saccharomyces cerevisiae,
die eine Mutation aufweisen, durch die die Zelle die Eigen
schaft trp1 erhält, eine wirksame Umgebung zur Expression des
das Expressionssystem enthaltenden Plasmids ist. Ein Beispiel
für einen weiteren verwendbaren Stamm ist pep4-1 (36). Dieser
tryptophan-auxotrophe Stamm weist eine Punktmutation im Gen
TRP1 auf.
Wird an der 5′-Stelle eines Nicht-Hefegens die 5′-flankierende
DNA-Sequenz (Promotor) aus einem Hefegen (für Alkoholdehydro
genase 1) angebracht, so kann sie die Expression eines fremden
Gens in der Hefe, wenn sie in ein Plasmid zur Transformation
von Hefe gebracht wird, fördern. Neben einem Promotor ist für
die einwandfreie Expression eines Nicht-Hefegens in Hefe eine
zweite Hefesequenz am 3′-Ende des Nicht-Hefegens am Plasmid
erforderlich, so daß eine einwandfreie Termination der Trans
kription und Polyadenylierung in der Hefe möglich ist. Dieser
Promotor kann im Rahmen der Erfindung ebenso wie andere Pro
motoren verwendet werden (vgl. unten). Bei bevorzugten Aus
führungsformen wird die 5′-flankierende Sequenz des Hefe-3-
Phosphoglycerat-kinase-Gens (37) aufwärts vom Strukturgen an
geordnet, wiederum gefolgt von DNA mit einem Gehalt an Termina
tions-Polyadenylierungs-Signalen, beispielsweise TRP1- (31, 32,
33) -Gen oder PGK- (37) -Gen.
Da Hefe-5′-Flankensequenz (in Konjunktion mit 3′-Hefe-Termi
nations-DNA) (vgl. unten) die Expression von fremden Genen in
Hefe fördern kann, scheint es wahrscheinlich, daß die 5′-
flankierenden Sequenzen von beliebigen hochexprimierten Hefe
genen zur Expression von wichtigen Genprodukten verwendet
werden können. Da unter diesen Umständen Hefe bis zu 65 Prozent
ihres löslichen Proteins als glykolytische Enzyme (38) expri
mierte und da dieser hohe Anteil auf die Bildung von hohen
Anteilen an individuellen mRNAs zurückzuführen zu sein scheint
(39), sollte es möglich sein, die 5′-flankierenden Sequenzen
von beliebigen anderen glykolytischen Genen für derartige Ex
pressionszwecke zu verwenden, beispielsweise Enolase, Glycerin
aldehyd-3-phosphat-dehydrogenase, Hexokinase, Pyruvatdecarboxy
lase, Phosphofructokinase, Glucose-6-phosphat-isomerase, 3-
Phosphoglycerat-mutase, Pyruvat-kinase, Triosephosphat-iso
merase, Phosphoglucose-isomerase und Glucokinase. Beliebige
3′-flankierende Sequenzen dieser Gene können auch für eine
geeignete Termination und mRNA-Polyadenylierung in einem der
artigen Expressionssystem verwendet werden; vgl. oben. Bei
spiele für einige andere hochexprimierte Gene sind die für
saure Phosphatasen (40) und diejenigen, die aufgrund von Muta
tionen in den 5′-flankierenden Bereichen (expressionssteigernde
Mutanten) - im allgemeinen aufgrund der Anwesenheit eines TY1-
transponierbaren Elements (41) - hohe Produktionsmengen expri
mieren.
Von sämtlichen vorerwähnten Genen wird angenommen, daß sie
durch Hefe-RNA-Polymerase II transkribiert werden (41). Es
ist möglich, daß die Promotoren für die RNA-Polymerase I und
III, die Gene für ribosomale RNA, 5S RNA und tRNA transkri
bieren (41, 42), auch für derartige Expressionskonstruktionen
wertvoll sind.
Schließlich können viele Hefepromotoren auch eine transkriptio
nale Steuerung enthalten, so daß sie bei einer Veränderung
der Wachstumsbedingungen ab- oder angestellt werden können.
Beispiele für derartige Hefepromotoren sind die Gene, die die
folgenden Proteine bilden: Alkohol-dehydrogenase II, Isocyto
chrom-c, saure Phosphatase, mit dem Stickstoff-Stoffwechsel
assoziierte abbauende Enzyme, Glycerinaldehyd-3-phosphat-dehydro
genase und für die Maltose-und Galactoseverwertung verantwort
liche Enzyme (39). Ein derartiger Steuerungsbereich ist für die
Steuerung der Expression von Proteinprodukten, insbesondere
wenn ihre Bildung für die Hefe toxisch ist, sehr wertvoll. Es
dürfte auch möglich sein, den Steuerungsbereich einer 5′-flan
kierenden Sequenz mit einer 5′-flankierenden Sequenz, die einen
Promotor von einem hochexprimierten Gen enthält, zusammenzu
bringen. Dies würde zu einem Hybridpromotor führen und sollte
möglich sein, da es sich beim Steuerungsbereich und dem Pro
motor offensichtlich um physikalisch unterschiedliche DNA-
Sequenzen handelt.
Die Vermehrung von Wirbeltierzellen in Kulturen (Gewebekultur)
wurde in den letzten Jahren zu einem Routineverfahren (43).
Die COS-7-Linie von Affennierenfibroblasten kann als Wirt für
die Herstellung von tierischen Interferonen verwendet werden
(44). Jedoch können die hier geschilderten Experimente in be
liebigen Zellinien durchgeführt werden, die zur Replikation
und Expression eines kompatiblen Vektors fähig sind, zum Bei
spiel WI38-, BHK-, 3T3-, CHO-, VERO- und HeLa-Zellinien. Fer
ner sind für den Expressionsvektor ein Replikationsursprung
und ein Promotor, angeordnet vor dem zu exprimierenden Gen,
zusammen mit allen erforderlichen Ribosomen-Bindungsstellen,
RNA-Spleisstellen, Polyadenylierungsstellen und transkrip
tionalen Terminatorsequenzen erforderlich. Während im Rahmen
dieser Beschreibung diese wesentlichen Elemente von SV40 ge
nutzt werden, ist darauf hinzuweisen, daß es sich hierbei
nur um bevorzugte Ausführungsformen handelt und die Erfindung
keineswegs auf diese Sequenzen beschränkt ist. Beispielsweise
können die Replikationsursprungsstellen von anderen viralen
(z. B. Polyoma, Adeno, VSV, BPV und dergleichen) Vektoren, sowie
jede zelluläre Ursprungsstelle der DNA-Replikation, die in
einem nicht-integrierten Zustand funktioniert, verwendet werden.
Bei dem Verfahren, das zur direkten Expression von Rinderinter
feron in E. coli als reifem Interferon-Polypeptid (minus die
Signalsequenz) verwendet wurde, handelte es sich um eine Kom
bination eines Plasmids mit einem Gehalt an einem Promotor
fragment und einem translationalen Startsignal mit einem Zuge
schnittenen Fragment von tierischer Genom-DNA, die den kodie
renden Bereich für das reife Interferon enthielt.
Um ein heterologes Gen, wie die DNA für tierisches Interferon
in Hefe zu exprimieren, war es notwendig, einen Plasmidvektor
mit einem Gehalt an 4 Komponenten aufzubauen. Bei der ersten
Komponente handelte es sich um den Teil, der die Transforma
tion von E. coli und Hefe ermöglicht und der somit ein selek
tierbares Gen von beiden Organismen enthalten muß, beispiels
weise das Gen für Ampicillinresistenz aus E. coli und das Gen
TRP1 aus Hefe. Diese Komponente benötigt auch eine Replikations
ursprungsstelle von beiden Organismen, die als Plasmid-DNA in
beiden Organismen aufrecht zu erhalten ist. In diesem Fall
handelt es sich um die E. coli-Ursprungsstelle aus pBR322 und
die ars1-Ursprungsstelle aus dem Chromosom III von Hefe.
Bei der zweiten Komponente des Plasmids handelt es sich um
eine 5′-flankierende Sequenz eines hochexprimierten Hefegens,
um die Transkription eines abwärts plazierten Strukturgens zu
fördern. In diesem Fall wird als 5′-flankierende Sequenz die
Sequenz aus dem Hefe-3-Phosphoglycerat-kinase (PGK)-Gen ver
wendet.
Bei der dritten Komponente des Systems handelt es sich um ein
Strukturgen, das so aufgebaut ist, daß es sowohl ATG-Trans
lations-Start- als auch Translations-Stopsignale enthält. Die
Isolierung und der Aufbau eines derartigen Gens ist weiter
unten beschrieben.
Bei der vierten Komponente handelt es sich um eine Hefe-DNA-
Sequenz, die die 3′-flankierende Sequenz eines Hefegens ent
hält, welches die geeigneten Signale zur Beendigung der Trans
kription und zur Polyadenylierung enthält.
Die Strategie zur Synthese von Immuninterferon in Säugetier-
Zellkulturen beruht auf der Entwicklung eines Vektors der
sowohl zur autonomen Replikation als auch Expression eines
fremden Gens unter Steuerung einer heterologen Transkriptions
einheit fähig ist. Die Replikation dieses Vektors in Gewebe
kultur kann erreicht werden, indem man eine DNA-Replikations
ursprungsstelle (abgeleitet vom SV40-Virus) sowie eine Hilfs
funktion (T-Antigen) durch Einführung des Vektors in eine
Zellinie, die dieses Antigen endogen exprimiert (46, 47),
bereitstellt. Der späte Promotor von SV40-Virus geht dem Struk
turgen von Interferon voran und gewährleistet die Transkrip
tion des Gens.
Der zur Erzielung der Expression geeignete Vektor besteht aus
pBR322-Sequenzen, die einen selektierbaren Marker für die
Selektion in E. coli (Ampicillinresistenz) und eine E. coli-
Ursprungsstelle für die DNA-Replikation bereitstellen. Diese
Sequenzen sind aus dem Plasmid pML-1 (46) abgeleitet und um
fassen den Bereich von der EcoRI-Restriktionsstelle bis zur
BamHI-Restriktionsstelle. Die SV40-Ursprungsstelle leitet sich
von einem 342-Basenpaar-PvuII-HindIII-Fragment ab, das diesen
Bereich umfaßte (48, 49) (beide Enden waren in EcoRI-Enden um
gewandelt). Diese Sequenzen kodieren abgesehen davon, daß sie
den viralen Ursprung der DNA-Replikation enthalten, den Promotor
sowohl für die frühe als auch für die späte Transkriptions
einheit. Die Orientierung des SV40-Ursprungsbereichs ist so
beschaffen, daß sich der Promotor für die späte Transkriptions
einheit proximal zu dem Interferon kodierenden Gen befindet.
Fig. 1 zeigt eine Southern-Hybridisierung von (a) Human-,
(b) Rinder- und (c) Schweinegenom-DNAs, die mit EcoRI ver
daut und bei unterschiedlichen Formamidkonzentrationen mit
einem 32P-markierten 570-Basenpaar-EcoRI-Fragment, das den
kodierenden Bereich des Humanleukozyteninterferon-A/D-Hybrids
enthält, hybridisiert sind. Die Hybridisierung bei einer Form
amidkonzentration von 20 Prozent ergibt das klarste Muster der
multigenen Rinder- und Schweineleukozyteninterferon-Genfamilien.
Fig. 2 zeigt eine Southern-Hybridisierung von 4 unterschiedli
chen Rindergenom-DNA-Phagenrekombinanten, die mit EcoRI, BamHI
oder HindIII verdaut und mit einem ³²P-markierten Humanleuko
zytengenmarker hybridisiert sind. Klon 83 ergibt mit jedem
Restriktionsenzym 2 hybridisierende Fragmente.
Fig. 3A zeigt einen Teil der Nucleotidsequenz aus dem Plasmid
Subklon p83BamHI 1,9 kb sowie die abgeleitete Aminosäure
sequenz des darin kodierten Rinderleukozyteninterferons. Das
Signalpeptid wird durch die Aminosäurereste S1 bis S23 wieder
gegeben.
Fig. 3B zeigt die Nucleotidsequenz und abgeleitete Aminosäure
sequenz für ein zweites Rinderleukozyteninterferon (α2) aus
dem Plasmidsubklon p67EcoRI 3,2 kb.
Fig. 3C zeigt die vollständige reife Nucleotidsequenz und die
abgeleitete Aminosäuresequenz für ein drittes Rinderleukozyten
interferon (α3) aus dem Plasmidsubklon p35EcoRI-BamHI 3,5 kb.
Fig. 3D zeigt die Nucleotidsequenz und abgeleitete Aminosäure
sequenz eines vierten Rinderleukozyteninterferons aus dem Plas
midsubklon p83EcoRI-BamHI 2,9 kb. Das Signal wird durch die
Aminosäurereste S1 bis S23 wiedergegeben. Das reife Protein
umfaßt 172 Aminosäurereste. Es ist festzustellen, daß der
letzte Bereich von 6 Aminosäureresten einer Nucleotidbasen
änderung in Position 511 zuzuschreiben ist, die 6 zusätzliche
translatierbare Kodons vor dem nächsten Stopsignal in Phase
ermöglicht.
Fig. 4 vergleicht die Aminosäuresequenzen von BoIFN-α1,α2,
α3 und α4 (Bo = Rind) mit den Sequenzen für 11 bekannte Human
leukozyteninterferone. Ferner sind die Aminosäuren angegeben,
die bei allen Human- und allen Rinderleukozyteninterferonen konserviert
sind. Für Rinderleukozyteninterferon α1 und α4 sind die Posi
tionen angegeben, bei denen Homologie mit dem Großteil der
Humanleukozyteninterferone auftritt.
Fig. 5 ist ein schematisches Diagramm zum Aufbau des Rinder
leukozyteninterferon-Expressionsplasmids pBoIFN-α1trp55. Bei
den Ausgangsmaterialien handelt es sich um den trp-Expressions
vektor pdeltaRIsrc und das BamHI-Fragment des Plasmidsubklons
p83BamHI 1,9 kb.
Fig. 6 zeigt eine Southern-Hybridisierung von Rinder-DNA, die
mit EcoRI, HindlII, BamHI, BgIII und PvuII verdaut ist, mit
einem radioaktiven Marker, der aus BoIFN-α1- oder BoIFN-α4-
Genfragmenten hergestellt ist. Jedes IFN-Gen hybridisiert
bevorzugt mit einer bestimmten Unterfamilie von BoIFN-α-Genen.
Fig. 7 zeigt eine Restriktionskarte der Genomrinder-DNA-Inserts
von 3 Phagenrekombinanten, die den Humanfibroblasten-Humaninter
ferongen-Marker hybridisieren. Die Stellung und Orientierung
von BoIFN-β ist jeweils durch ein geschwärztes Rechteck ange
geben. Die mit einem Stern gekennzeichneten Restriktionsstellen
geben eine partielle Restriktionskarteninformation wieder.
Fig. 8 zeigt eine feiner aufgelöste Restriktionskarte für die
3 in Fig. 7 angegebenen Gene. Der schraffierte Bereich stellt
die Signalsequenz und der gepunktete Bereich die reife Se
quenz dar.
Die Fig. 9a, 9b und 9c zeigen die Nucleotidsequenzen und
abgeleiteten Aminosäuresequenzen für die Gene BoIFN-β 1, 2 und 3.
Fig. 10 vergleicht die Aminosäuresequenzen für die 3 BoIFN-βs
mit HuIFN-β (Hu = human).
Fig. 11 ist ein Southern-Blot von Fig. 6, rehybridisiert mit
einem BoIFN-β1-Genmarker unter Bedingungen, bei denen im all
gemeinen nur ein einziges Hybridisierungsfragment auftritt,
wenn ein analoges Experiment mit Humangenom-DNA und dem HuIFN-
β-Gen durchgeführt wird (9).
Fig. 12 zeigt schematisch die zur Expression aller 3 BuIFN-βs
unter Kontrolle des trp-Operons von E. coli angewandte Strategie.
Fig. 13 zeigt einen Vergleich der abgeleiteten Aminosäurese
quenzen von BoIFN-γ, HuIFN-γ und Mäuse-IFN-γ.
Nachstehend folgt eine ausführliche Beschreibung der Herstellung
von verschiedenen tierischen Interferonen mittels rekombinanter
DNA-Technik, wobei eine allgemein anwendbare Methodik insbe
sondere zur Herstellung von Rinderleukozyteninterferonen be
schrieben wird. Dieses Verfahren wird in bezug auf ein bak
terielles System beschrieben.
Zum Aufbau einer Tiergenbibliothek wurde hochmolekulare DNA aus
tierischem Gewebe nach einem modifizierten Verfahren gemäß
Blin und Stafford (50) isoliert, willkürlich in bezug auf den
Genort fragmentiert und der Größenfraktionierung zur Bil
dung von 15 bis 20 kb-Fragmenten für die Klonierung in einem
λ Phagenvektor (51) unterworfen.
Gefrorenes Gewebe, beispielsweise Rinderpankreas, wurde in
flüssigem Stickstoff zu einem feinen Pulver zermahlen und in
0,25 m EDTA, 1 Prozent Sarkosyl, 0,1 mg/ml Proteinase K (25 ml/
g Gewebe) 3 Stunden bei 50°C in Lösung gebracht. Die erhaltene
viskose Lösung wurde durch 3 Phenolextraktionen und eine Chlo
roformextraktion entproteinisiert, gegen 50 millimolar Tris-
HCl (pH-Wert 8), 10 millimolar EDTA, 10 millimolar NaCl dia
lysiert und mit wärmebehandelter pankreatischer Ribonuclease
(0,1 mg/ml) 2 Stunden bei 37°C verdaut. Nach Extraktion mit
Phenol und Äther wurde die DNA mit 2 Volumina Äthanol ge
fällt, in 95-prozentigem Äthanol gewaschen, lyophilisiert und
in TE-Puffer (10 millimolar Tris-HCl, pH-Wert 7,5, 1 milli
molar EDTA) über Nacht bei 4°C wieder in Lösung gebracht, wo
bei die endgültige Konzentration 1 bis 2 mg/ml betrug. Das
fertige DNA-Präparat war länger als 100 kb, bestimmt durch
Elektrophorese an einem 0,5-prozentigen neutralen Agarosegel.
Aliquotanteile (0,1 mg) von Rinder-DNA wurden mit 1,25, 2,5,
5 und 10 Einheiten an Sau3A 60 Minuten bei 37°C in 1 ml Reak
tionsmedium mit 10 millimolar Tris-HCl (pH-Wert 7,5), 10 milli
molar MgCl₂ und 2 millimolar Dithiothreit verdaut. Die Inku
bationen wurden durch Zusatz von EDTA in einer Konzentration
von 25 millimolar gestoppt. Sodann wurde mit Phenol und Äther
extrahiert, mit Natriumacetat auf eine Konzentration von 0,3 m
gebracht (pH-Wert 5,2) und mit 3 Volumina Äthanol gefällt.
Die DNA wurde in TE-Puffer bei 68°C wieder in Lösung gebracht
und in einem 10- bis 40-prozentigen linearen Saccharosegradien
ten (51) in einem Beckman SW 27 Rotor 22 Stunden bei 27 000
U/min und 20°C sedimentiert. Die Fraktionen (0,5 ml) wurden
an einem 0,5-prozentigen Gel unter Verwendung von EcoRI-ver
dauter Charon 4A (51a)-DNA als Molekulargewichtsstandard
analysiert. Die Fraktionen mit einem Gehalt an 15 bis 20 kb-
DNA-Fragmenten wurden vereinigt, mit Äthanol gefällt und wie
der in TE-Puffer in Lösung gebracht.
Das 15 bis 20 kb-Rinder-DNA-nonlimit-Digestionsprodukt wurde
in einem λ-Charon 30A-Vektor (52) mit G-A-T-C-kohäsiven Enden,
erzeugt durch Entfernung der beiden internen BamHI-Fragmente
der Phage, geklont. Charon 30A wurde in E. coli Stamm DP 50
SupF (ATCC 39061, hinterlegt am 5. März 1982) in NZYDT-Brühe
gezüchtet, durch Fällung mit Polyäthylenglykol konzentriert
und durch Zentrifugation im CsCl-Dichtegradienten (53) ge
reinigt. Phagen-DNA wurde hergestellt durch 2-malige Extrak
tion der Phage mit Phenol und 1-malige Extraktion mit Phenol
und Äther und Konzentrieren der DNA durch Äthanolfällung.
Zur Herstellung der Endfragmente von Charon 30A wurden 50 µg
der Phagen DNA 2-Stunden bei 42°C in 0,25 ml 50 millimolar
Tris-HCl (pH-Wert 8), 10 millimolar MgCl₂ und 0,15 m NaCl
getempert, vollständig mit BamHI verdaut, mit Phenol und Äther
extrahiert und in einem 10- bis 40-prozentigen Saccharosegra
dienten entsprechend den vorstehenden Angaben sedimentiert.
Fraktionen mit einem Gehalt an 32 kb getemperten Armen der
Phage wurden vereinigt und mit Äthanol gefällt.
Die gereinigten Charon 30A-Arme (6 µg) wurden wiederum 2 Stun
den bei 42°C getempert, mit 0,3 µg 15 bis 20 kb-Rinder-DNA
und 400 Einheiten Phagen-T4-Polynucleotid-ligase vereinigt
und über Nacht bei 12°C in 0,075 ml Reaktionsmedium mit einem
Gehalt an 50 millimolar Tris-HCl (pH-Wert 7,5), 10 millimolar
MgCl₂, 20 millimolar Dithiothreit und 50 µg/ml Rinderserum
albumin inkubiert. Das der Ligation unterworfene DNA-Gemisch
wurde sodann in reife λ-Phagenteilchen unter Verwendung eines
in vitro-λ-Packungssystems (54) gepackt.
Die Komponenten dieses Systems, d. h. Ultraschallextrakt (SE)
Gefrier-Auftau-Lysat (FTL), Protein A und Puffer A und M1,
wurden gemäß (54) hergestellt. 3 µl-Aliquotanteile des ver
knüpften DNA-Gemisches wurden 45 Minuten bei 27°C mit 15 µl
Puffer A, 2 µl Puffer M1, 10 µl SE und 1 µl Protein A inku
biert. Das FTL wurde 45 Minuten auf Eis aufgetaut, mit 0,1
Volumina Puffer M1 vereinigt und 25 Minuten bei 35 000 U/min
und 4°C zentrifugiert. 0,075 ml des Überstands wurden zum
vorstehenden Reaktionsgemisch gegeben. Nach weiterer 2-stündi
ger Inkubation bei 27° wurde ein kleiner Aliquotanteil der
Packung am vorstehenden Stamm DP 50 SupF titriert.
Dieses Verfahren ergab insgesamt etwa 1,1 × 10⁶ unbhängige
Rinder-DNA-Rekombinanten. Der Rest des Packungsgemisches
wurde gemäß einem Platten-Lysat-Verfahren (52) durch Ausstreichen
der Rekombinanten auf DP 50 SupF in einer Dichte von 10 000
plaquebildenden Einheiten pro 15 cm NZYDT-Agarplatte ver
stärkt.
Die zur Identifizierung der Phagenrekombinanten, die Rinder
interferongene tragen, angewandte Strategie bestand darin,
die Nucleotidhomologie mit radioaktiven Markern, die aus
geklonten Humanleukozyten- (8, 9), Humanfibroblasten- (12) und Hu
manimmuninterferongenen (55) hergestellt waren, nachzuweisen.
Die Hybridisierungsbedingungen wurden mit Southern-Blots (56)
von genomischer tierischer DNA festgestellt. Jeweils 5 µg
hochmolekulare DNA (auf die vorstehend beschriebene Weise
hergestellt aus Humanplazenta, Rinderpankreas und G. sub
maxillaris vom Schwein wurden vollständig mit EcoRI verdaut,
der Elektrophorese auf 0,5 Prozent Agarosegel unterworfen und
auf Nitrocellulosepapier übertragen (56). Ein ³²P-markierter
DNA-Marker wurde aus einem 570 bp-EcoRI-Fragment, das den
proteinkodierenden Bereich für reifes Humanleukozyteninter
feron A/D-Hybrid an der BGL II-Restriktionsstelle (57) ent
hielt, nach üblichen Verfahren (58) hergestellt. Die Nitro
cellulosefilter wurden jeweils über Nacht bei 42°C in 5xSSC
(56), 50 millimolar Natriumphosphat (pH-Wert 6,5), 0,1 mg/ml
ultraschallbehandelter Lachssperma-DNA, 5x-Denhardt-Lösung (5), 0,1
Prozent Natriumdodecylsulfat, 0,1 Prozent Natriumpyrophos
phat mit einem Gehalt an entweder 10, 20 oder 30 Prozent Form
amid prähybridisiert und sodann mit 100 × 10⁶ cpm der mar
kierten Probe in der gleichen Lösung mit einem Gehalt an
10 Prozent Natriumdextransulfat (60) hybridisiert. Nach Inkuba
tion bei 42°C über Nacht wurden die Filter 4mal in 2xSSC,
0,1 Prozent SDS bei Raumtemperatur und 1mal in 2xSSC ge
waschen und sodann über Nacht Kodak-XR-5-Röntgenfilm mit
Dupont Cronex-Verstärkungsfiltern ausgesetzt. Wie aus Fig. 1
hervorgeht, läßt sich eine Anzahl von hybridisierenden Ban
den sehr leicht in den Rinder- und Schweine-DNA-Verdauungs
produkten nachweisen, wenn bei der Hybridisierung 20 Prozent
Formamid vorhanden sind. Dieses Ergebnis beweist eine multi
gene Familie von Leukozyteninterferongenen bei Rindern und
Schweinen analog dem früher geführten Nachweis beim Menschen (12,
61). Die gleichen Hybridisierungsbedingungen wurden daher
für das Screening der Interferongene in der Rinder-DNA-Biblio
thek angewandt.
500 000 Rekombinantenphagen wurden auf DP 50 SupF in einer
Dichte von 10 000 plaquebildenden Einheiten (pfu)/15 cm-Platte
ausgestrichen. Doppelte Nitrocellulosefilter-Replicas wurden
von jeder Platte nach dem Verfahren von Benton und Davis (62)
hergestellt. Die Filter wurden auf die vorstehend beschriebene
Weise mit dem Human-LeIF-Genmarker hybridisiert. 96 Duplikat
hybridisierungsplaques wurden erhalten, die bei wiederholtem
Screening starke Signale ergaben.
Die Rinderbibliothek wurde ferner einem Screening auf Fibro
blasten und Immuninterferongene unterzogen. Marker wurden aus
502 bp Xba I-Bgl III-Fragmenten mit einem Gehalt am gesamten
reifen Humanfibroblasteninterferongen (12), einem 318 bp Alu I-
Fragment (enthaltend die Aminosäuren 12 bis 116) und einem
190 bp Mbo II-Fragment (enthaltend die Aminosäuren 69 bis 162)
aus dem reifen kodierenden Bereich von Humanimmuninterferon
gen (55) hergestellt. Die Hybridisierung von 1,2 × 10⁶ re
kombinanten Phagen ergab insgesamt 26 Rinderfibroblasten-
und 10 Immuninterferonklone.
Phagen-DNA wurde auf die vorstehend beschriebene Weise von
12 Rekombinanten, die mit dem Humanleukozyteninterferon
marker hybridisierten, hergestellt. Die DNAs wurden einzeln
und kombiniert mit EcoRI, BamHI und HindIII verdaut und der
Elektrophorese an einem 0,5-prozentigen Agarosegel unter
worfen. Die Position der hybridisierenden Sequenzen wurde
nach dem Southern-Verfahren (56) ermittelt. Ein Vergleich
von einzeln verdauter DNA der Klone 10, 35, 78 und 83 ist
in Fig. 2 gegeben. Für jede Phage sind die Größen der Re
striktionsfragmente und das entsprechende Hybridisierungs
muster verschieden und nicht-überlappend, was darauf hinweist,
daß diese 4 Phagen unterschiedliche Rinderinterferongene
tragen. Zusätzlich ergibt eine Verdauung des Klons 83 mit
jedem der 3 Enzyme in jedem Fall 2 diskrete hybridisierende
Banden, was anzeigt, daß diese Rekombinante 2 eng verknüpfte
Interferongene trägt.
Restriktionsfragmente von 3 der rekombinanten Phagen, die mit
dem Humanleukozytengenmarker hybridisiert waren, wurden der
Subklonierung in die Mehrfachrestriktrionsenzym-Klonierungs
stelle des pBR322-Derivats pUC9 unterworfen. Das Plasmid pUC9
war von pBR322 abgeleitet, indem man zunächst das 2067 bp-
EcoRI-PvuII-Fragment mit einem Gehalt am Tetracyclinresistenz
gen entfernte und dann ein 425 bp-HaeII-Fragment aus dem Pha
gen-M13-Derivat mP9 (62a) in die HaeII-Stelle des erhaltenen
Plasmids in Stellung 2352 (relativ zur pBR322-Zählung) ein
setzte. Das HaeII-Fragment von mP9 enthält den N-terminalen
kodierenden Bereich des E. coli lacZ-Gens, in das eine Multi
restriktionsenzym-Klonierungsstelle der Sequenz CCA AGC TTG
GCT GCA GGT CGA CGG ATC CCC GGG zwischen dem 4. und 5. Amino
säurerest von β-Galactosidase eingesetzt war. Die Insertion
eines fremden DNA-Fragments in diese klonierenden Stellen
unterbricht die Kontinuität zwischen dem lac-Promotor und dem
lacZ-Gen, wodurch der Phänotyp des mit dem Plasmid transfor
mierten JM83 von lac⁺ zu lac⁻ geändert wird.
Bei den vorstehend genannten Fragmenten handelte es sich um
folgende: (a) ein 1,9 kb BamHi-Fragment und 3,7 kb EcoRI-Frag
ment aus dem Klon 83 (entsprechend den nicht-überlappenden
Segmenten der gleichen Rekombinante), (b) ein 3,5 kb BamHI-
EcoRI-Fragment vom Klon 35 und (c) ein 3,2 kb EcoRI-Fragment
vom Klon 67. In jedem Fall wurden 0,1 µg des entsprechend ver
dauten Vektors mit einem 10-fachen molaren Überschuß des ge
reinigten Fragments verknüpft, transformiert in E.coli JM83 (ATCC
39062, hinterlegt am 5. März 1982) und auf M9-Platten (63)
mit einem Gehalt an 0,04 mg/ml 5-Brom-4-chlor-3-indolyl-β-
D-galactosid und 0,2 mg/ml Ampicillin ausgestrichen. Weiße
Kolonien, die vermutlich einen DNA-Insert an der Restriktions
stelle unter Unterbrechung des kodierenden Bereichs des lacZ-
Gens an pUC9 trugen, wurden in 5 ml LB-Brühe mit einem Gehalt
an 0,02 mg/ml Ampicillin aufgenommen, mehrere Stunden bei 37 °C
gezüchtet und dem Screening auf das eingesetzte Fragment nach
einem Plasmid-DNA-Minipräparationsverfahren (64) unterworfen.
Die sich von der BamHI-Stelle von p83BamHI 1,9 kb (der 1,9
kb Fragment-Subklon von Klon 83) erstreckende DNA-Sequenz
wurde nach dem chemischen Verfahren von Maxam-Gilbert (65)
bestimmt. Das Ergebnis ist in Fig. 3 dargestellt. Der längste
offene Ableseraster kodiert ein Polypeptid mit 189 Aminosäuren
mit signifikanter Homologie zu den Humanleukozyteninterferonen
(Fig. 4). Analog mit den Humanproteinen besteht Rinderleuko
zyteninterferon aus einem hydrophoben Signalpeptid mit 23
Aminosäuren, das einem reifen Protein mit 166 Aminosäuren bei
identischer Sequenz, ser-leu-gly-cys, vorausgeht. 4 Cystein
reste in den Stellen 1, 29, 99 und 139 waren zwischen den
Spezies exakt erhalten. Ein paarweiser Homologievergleich
zwischen den Rinder- und Humaninterferonen ist in Tabelle I
angegeben. Wie zu erwarten, ist das Rinderprotein in bezug
zu den Humanproteinen beträchtlich weniger homolog (etwa 60
Prozent) als die letztgenannten Proteine untereinander (mehr
als 80 Prozent).
Für 3 weitere Rinderleukozyteninterferongene, die an den
Plasmidsubklonen p67EcoRI 3,2 kb, p35EcoRI-BamHI 3,5 kb und
p83EcoRI 3,7 kb auftreten, sind in den Fig. 3B, 3C und
3D die DNA-Sequenz und die abgeleitete Aminosäuresequenz an
gegeben.
Wie in Tabelle I zusammengestellt, kodieren die BoIFN-α2 und
-3-Gene Peptide mit nur geringen Unterschieden zu BoIFN-α1,
während das BoIFNα4-Protein sich von den anderen Rinderpeptiden
so stark unterscheidet, wie ein beliebiges Paar von Rinder-
und Humanleukozyteninterferonen.
Um festzustellen, ob das α4-Gen sich wie die anderen BoIFN-αs
von einer breiten Klasse von zellulären Proteinen ableitet,
wurde genomische Rinder-DNA mit verschiedenen Restriktions
endonucleasen verdaut und mit radioaktiven DNA-Fragmenten,
die die kodierenden Bereiche der α1- (612 bp AvaII-Fragment,
Fig. 6) und α4- (EcoRI-XmnI-Fragment von pBoIFN-α4trp15)-
Gene repräsentieren, unter drastischen Bedingungen (50 Prozent
Formamid), die keine Kreuzhybridisierung der beiden Gene
erlauben, hybridisiert. Wie aus Fig. 6 ersichtlich, hybridi
siert jedes Gen vorwiegend mit einem bestimmten Satz von
Rinder-DNA-Fragmenten. Diese Ergebnisse geben insgesamt einen
klaren Hinweis auf die Existenz von 2 unterschiedlichen Fa
milien an Rinderleukozyten-IFN-peptiden, von denen die α1-
und α4-Proteine als repräsentative Mitglieder angesehen werden
können.
Der Aufbau des direkten Expressionsplasmids ist in Fig. 5
zusammengestellt. Der Plasmidsubklon p83BamHI 1,9 kb wurde
vollständig mit Ava II verdaut. Das 612 bp-Fragment mit einem
Gehalt an Rinderleukozyteninterferongen wurde elektrophore
tisch an einem 6-prozentigen Polyacrylamidgel isoliert und
durch Elektroelution gewonnen. Etwa 1,5 µg dieses Fragments
wurden mit Fnu4H verdaut, mit Phenol und Äther extrahiert
und mit Äthanol gefällt. Die erhaltenen Fnu4H-kohäsiven Enden
wurden 30 Minuten bei 12°C in 20 µl 20 millimolar Tris-HCl
(pH-Wert 7,5), 10 millimolar MgCl₂, 4 millimolar Dithiothreit
und jeweils 0,1 millimolar dATP, dGTP, dCTP und dTTP mit
6 Einheiten DNA-Polymerase I (Klenow-Fragment) zu stumpfen
Enden erweitert. Nach Extraktion mit Phenol und Äther wurde
die DNA mit Pst I verdaut und der Elektrophorese an einem
6-prozentigen Gel unterworfen. Das erhaltene 92 bp stumpf
endige Pst I-Fragment, das sich vom ersten Nucleotid des
kodierenden Bereichs für reifes Rinderleukozyteninterferon
erstreckt, wurde aus dem Gel durch Elektroelution gewonnen.
Der Rest des reifen kodierenden Bereichs wurde folgendermaßen
isoliert. 3 µg des BamHI-Inserts von p83BamHI 1,9 kb wurde
partiell 10 Minuten bei 37°C in 45 µl Reaktionsgemisch mit
einem Gehalt an 10 millimolar Tris-HCl (pH-Wert 7,5), 10
millimolar MgCl₂ und 2 millimolar Dithiothreit mit 14 Ein
heiten Pst I verdaut und mit Phenol und Äther extrahiert.
Das gewünschte 144b bp partielle Pst I-BamHI-Fragment, das
sich vom Nucleotid 93 des reifen kodierenden Bereichs er
streckte, wurde von einem 6-prozentigen Polyacrylamidgel
isoliert.
Das Plasmid pdeltaRIsrc ist ein Derivat des Plasmids pSRCex16
(66), bei dem die EcoRI-Stellen proximal zum trp-Promotor und
distal zum src-Gen durch Reparatur mit DNA-Polymerase I (67)
entfernt sind. Das selbst-komplementäre Oligodesoxynucleotid
AATTATGAATTCAT (synthetisiert nach dem Phosphotriesterver
fahren (68) wurde in die restliche EcoRI-Stelle unmittelbar
neben der Xba I-Stelle eingesetzt. 20 µg pdeltaRIsrc wurden
vollständig mit EcoRI verdaut, mit Phenol und Äther extra
hiert und mit Äthanol gefällt. Das Plasmid wurde sodann 30
Minuten bei 16°C in 25 millimolar Natriumacetat (pH-Wert 4,6),
1 millimolar ZnCl₂ und 0,3 m NaCl mit 100 Einheiten Nuclease
S1 verdaut, um ein stumpfes Ende mit der Sequenz ATG zu schaf
fen. Nach Extraktion mit Phenol und Äther und Äthanolfällung
wurde die DNA mit BamHI verdaut und der Elektrophorese an
einem 6-prozentigen Polyacrylamidgel unterworfen. Das große
(4300 bp) Vektorfragment wurde durch Elektroelution gewonnen.
Das Expressionsplasmid wurde durch Verknüpfen von 0,2 µg
Vektor, 0,02 µg des 92 bp stumpfendigen Pst I-Fragments und
0,25 µg des 1400 bp partiellen Pst I-BamHI-Fragments mit
400 Einheiten T4 DNA-Ligase zusammengebaut und zur Trans
formation von E. coli Stamm 294 (ATCC 31446) zur Verleihung
von Ampicillinresistenz verwendet. Plasmid-DNA wurde aus 96
der Kolonien hergestellt und mit Xba I und Pst I verdaut.
19 dieser Plasmide enthielten die gewünschten 103 bp Xba I-
Pst I und 1050 bp Pst I-Fragmente. Die DNA-Sequenzanalyse
bestätigte, daß mehrere dieser Plasmide ein korrekt am Start
des Rinderinterferon kodierenden Bereichs befindliches ATG-
Initiationskodon aufwiesen. Eines dieser Plasmide, pBoIFN-α1-
trp55 wurde zur weiteren Untersuchung ausgewählt.
Ein ATG-Initiationskodon wurde durch enzymatische Erweiterung
eines synthetischen DNA-Primers, CATGTGTGACTTGTCT, gesetzt.
Das Heptadecamer wurde mit T4-Polynucleotid-kinase und γ-32P
ATP phosphoryliert, wie vorstehend beschrieben (12). 250 pMol
des Primers wurden mit etwa 1 µg 319 bp HindII-Fragment mit
einem Gehalt an den Aminosäureresten S20 bis 102 in 30 µl H₂O
vereinigt, 5 Minuten gekocht und 3 Stunden bei 37°C mit 25
Einheiten E. coli-DNA-Polymerase I-Klenow-Fragment erweitert.
Das Produkt dieser Reaktion wurde mit HgiAI verdaut. Das er
haltene 181 bp stumpfendige HgiAI-Fragment wurde aus einem
6-prozentigen Polyacrylamidgel isoliert.
Das gesamte Gen für das reife Peptid wurde hinter dem trp-
Promotor durch enzymatische Verknüpfung des vorstehenden
Fragments mit einem 508 bp HgiA-PstI-Fragment mit einem Ge
halt am carboxy-terminalen Bereich des Peptids und dem HuIFN-γ-
Expressionsplasmid, pIFN-γ trp48-13 (55), das mit EcoRI ver
daut, auf glatte Enden mit Klenow-DNA-Polymerase erweitert,
mit PstI verdaut und schließlich an einem 6-prozentigen Poly
acrylamidgel isoliert war, aufgebaut. Nach Transformation des
erhaltenen Gemisches in E. coli 294 wurden verschiedene Klone
identifiziert, bei denen die EcoRI-Erkennungsstelle zwischen
dem trp-Promotor-Ribosomenbindungsstellenbereich des ursprüng
lichen Expressionsvektors und der gesamte kodierende Bereich
des reifen Rinder-IFN (pBoIFN-α4trp15) wieder hergestellt war.
6 der Phagenrekombinanten, die mit dem Human-IFN-β-DNA-Marker
hybridisiert waren, wurden gereinigt. Ihre DNA wurde zur wei
teren Analyse gemäß den vorstehenden Angaben isoliert. Die
Restriktionskarte kombiniert mit Southern Hybridisierungs
analyse zeigte, daß die 6 Isolate 3 gesonderte Bereiche des
Rindergenoms umfaßten,was für eine multigene BoIFN-β-Familie
spricht. Diese Ergebnisse sind anhand der in Fig. 7 gezeigten
Restriktionskarten zusammengestellt. Zur Erstellung einer
genaueren Restriktionskarte und einer Nucleotidsequenz für
die einzelnen Klassen von Rekombinanten, wurden hybridisierende
Fragmente der Subklonierung in Plasmidvektoren unterzogen.
Insbesondere wurden das 5kb BglII-Fragment der Phage λβ1 und
das 5 kb BamHI-Fragment der Phage λβ2 einzeln in pBR322 an
der BamHI-Stelle geklont. Das überlappende 4,5 kb EcoRI-XhoI-
und 1,4 kb PstI-HpaI-Fragment der Phage λβ3 wurden in pUC9
(befreit von EcoRI-SalI-Stellen) bzw. pLeIF87 (10) (befreit
von HpaI-PstI) eingesetzt.
Fig. 8 zeigt Restriktionskarten für die 3 Typen von Rinder-IFN-
β-Genen, die subkloniert wurden. Diese sind leicht unterscheid
bar durch die Anwesenheit von jeweils charakteristischen Spal
tungsstellen. Die peptidkodierenden Bereiche sowie die Se
quenzen unmittelbar oberhalb und unterhalb der jeweiligen Gene
wurden nach dem chemischen Verfahren gemäß Maxam-Gilbert
bestimmt. Sie sind in den Fig. 9a, 9b und 9c wiedergegeben.
Die Nucleotidhomologie mit der für das Humanfibroblasten
interferongen bestimmten Sequenz (12) läßt den korrekten Ab
leseraster und gesamte Aminosäuresequenz für jedes Rindergen
produkt, das ein hydrophobes Signalpeptid mit 21 Aminosäuren,
gefolgt von reifem Protein mit 185 Aminosäuren einschließt,
vorhersagen. Die Rinderproteine sind untereinander recht unter
schiedlich (Tabelle II, Fig. 10), zeigen aber noch größere
Unterschiede (etwa 60 Prozent) zum humanen Peptid.
Die multigene Natur von Rinderfibroblasteninterferon wurde
ferner durch Rehybridisierung des in Fig. 11 gezeigten Southern-
Blots mit einem radioaktiver Marker, der aus einem von pBoIFN-
β-trp (Beschreibung weiter unten) abgeleiteten 415 bp EcoRI-
PvuI-Fragment hergestellt war, nachgewiesen. Wie aus Fig. 11
ersichtlich, liefert dieser Versuch den Beweis für die Existenz
von weiteren, homologen IFN-β-Genen. Die weniger hybridisieren
den Bereiche können tatsächlich weiter entfernte verwandte Gene
repräsentieren, die wiederum stärker unterschiedliche β-IFNs
kodieren.
Die Anzahl der identischen Aminosäuren in jedem Paar kodieren
der Sequenzen sind angegeben. Der Vergleich des Signalpeptids
mit 21 Aminosäuren findet sich in der linken unteren Hälfte
und der Vergleich der reifen IFN-βs mit 166 Aminosäuren fin
det sich in der rechten oberen Hälfte der Tabelle. Die Gesamt
zahl der in jedem Paar identischen Aminosäuren ist zuerst
angegeben. In Klammern ist der prozentuale Homologiegrad
aufgeführt.
Da die 3 Rinder-IFN-β-Gene viele DNA-Sequenzen und Restrik
tionsstellen gemeinsam haben (vgl. Fig. 8), ist ein allgemeines
Schema für die Expression aller 3 Gene denkbar. Da die die
ersten 5 Aminosäuren kodierende DNA-Sequenz, die 2 AluI-Stellen
enthält, in allen Fällen identisch ist, wurden 2 komplementäre
synthetische Oligonucleotide aufgebaut, die ein ATG-transla
tionales Initiationskodon einverleiben, die Kodons für die
ersten 4 Aminosäuren von reifem Rinder-IFN-β wieder herstellen
und ein für die Insertion nach einer trp-Promotorsequenz ko
häsives EcoRI schaffen. Der Aufbau der Expressionsplasmide
ist schematisch in Fig. 12 dargestellt. Eine Ligation der
synthetischen Oligomeren an das von den BoIFN-β-Subklonplas
miden abgeleitete 85 bp AluI-XhoI-Fragment, gefolgt von einer
Digestion mit EcoRI und XhoI erzeugt ein 104 bp-Fragment,
flankiert durch EcoRI und XhoI-kohäsive Enden. Die gesamte
Kodierung wurde sodann in den trp-Expressionsvektor eingebaut,
indem man das 104 bp-Fragment zusammen mit dem etwa 700 bp XhoI-PstI-
Fragment, das den Rest der einzelnen BoIFN-β-Proteine ko
diert, und das Plasmid pIFN-γtr48-13 (55), von dem das interne
EcoRI-PstI-Fragment entfernt war, verknüpfte. Die erhaltenen
Plasmide, nämlich pBoIFN-β1trp, pBoIFN-β2trp und pBoIFN-β3trp,
führen unter der Kontrolle des E. coli trp-Operons sämtlich
die exakte Transkription und Translation der IFN-β-Gene durch.
Die 10 mit dem Human-IFN- γ-Marker hybridisierten Phagenre
kombinanten wurden gereinigt. DNA wurde auf die vorstehend
beschriebene Weise hergestellt. Alle 10 DNA-Proben ergaben
bei der Southern-Blotanalyse spezifische Hybridisierungsbanden.
Die Klone λγ5 und λγ7 wurden für die weitere Analyse ausge
wählt, da sie unterschiedliche Hybridisierungsbandenmuster
aufweisen. Die Restriktionskarten dieser beiden Klone zeigen,
daß sich ihre DNA-Sequenzen überlappen. Der überlappende
Bereich enthält die Restriktionsstellen XbaI, EcoRV und NcoI.
Die DNA-Sequenzanalyse dieser beiden Klone ergibt eine ins
gesamt ähnliche Genstruktur mit dem Humanimmuninterferongen
(70) und zeigt ferner, daß λγ7 die für das 4. Exon kodierende
Sequenz und λγ4 die für die ersten 3 Exons von Rinder-IFN-γ-
Gen kodierende Sequenz enthält, was auf der DNA-Sequenzhomo
logie mit dem Human-IFN-γ-Gen beruht. Die für BoIFN-γ abge
leitete Aminosäuresequenz wird in Fig. 13 mit der von HuIFN-γ-
(55) und Mäuse-IFN-γ verglichen.
Um das gesamte Rinder-IFN-γ-Gen auf einem kontinuierlichen
DNA-Segment zusammenzubauen, wurden das 3000 bp BamHI-NcoI-
Fragment, das die ersten 3 Exons von Rinder-IFN-γ-Gen (abge
leitet von λγ4) umspannt, und das 2500 bp NcoI-HindIII-Frag
ment, das das letzte Exon (abgeleitet von λγ7) umfaßt, iso
liert. Diese beiden DNA-Fragmente würden sodann in einen BamHI-
HindIII-Vektor, abgeleitet von pBR322, über eine dreiteilige
Ligation geklont.
Zum Zweck der Herstellung einer intronlosen Version von
BiIFN-γ um dieses Gen in einem prokaryontischen System,
wie E. coli, exprimierbar zu machen, wurde das Gen für einen
hohen Expressionsgrad in einem tierischen Zellexpressions
system geschnitten, um erhebliche Mengen an spezifischer mRNA
zu erhalten. Das 5500 bp BamHI-HindIII-Fragment, das das ge
samte Rinder-IFN-γ-Gen umspannt, wurde in einen SV40-Vektor
zur Expression in COS-Zellen (44) eingesetzt. Speziell wurde
das BamHI-HindIII-Rinder-IFN-γ-Genfragment in einen 2800 bp
SV40-Plasmidvektor pDLΔR1 (abgeleitet vom HBV-Antigenex
pressionsplasmid pHBs348-L durch enzymatische Beseitigung der
EcoRI-Stelle oberhalb des SV40-Replikationsursprungs selektiv
zur Richtung der späten Transkription). Das Ex
pressionsplasmid pHBs348-L wurde aufgebaut, indem man das
1986 bp-Fragment, das durch EcoRI- und BglII-Verdauung von
HBV (71) erhalten wurde (das das HBsAg kodierende Gen umspannt)
in das Plasmid pML (72) an den EcoRI- und BamHI-Stellen klonte.
pML ist ein Derivat von pBR322, bei dem Sequenzen, die die
Plasmidreplikation in Affenzellen hemmen, beseitigt worden sind
(72). Das erhaltene Plasmid (pRI-Bgl) wurde sodann mit EcoRI
linearisiert. Das 348 bp-Fragment, das den SV40-Ursprungsbe
reich repräsentiert, wurde in die EcoRI-Stelle von pRI-Bg1
eingeführt. Das Ursprungsfragment kann in beiden Orientie
rungen eingesetzt werden. Da dieses Fragment sowohl den frühen
als auch den späten SV40-Promotor zusätzlich zum Replikations
ursprung kodiert, konnten HBV-Gene unter der Kontrolle beider
Promotoren je nach dieser Orientierung (pHBs 348-L repräsentiert HBs
exprimiert unter Kontrolle des späten Promotors) exprimiert werden zwischen
der BamHI-und der Sal I-Stelle über eine dreiteilige Ver
knüpfung in Gegenwart eines 600 bp HindIII-Sal I-Konverter
fragments, das von pBR322 abgeleitet ist. Die Transfektion des
erhaltenen Plasmids in COS-Zellen führt zur wirksamen Ex
pression von Rinder-IFN-γ unter der Kontrolle des späten
SV40-Promotors.
Poly A plus mRNA wurden aus transfektierten COS-Zellen herge
stellt und wiederum zur Herstellung von cDNA nach üblichen
Verfahren (55) verwendet. Mit Rinder-IFN-γ-Genmarker hybri
disierende cDNA-Klone wurden isoliert. Der cDNA-Klon mit dem
längsten PstI-Insert wurde zur weiteren Analyse ausgewählt.
Die DNA-Sequenzanalyse dieses cDNA-Klons zeigt, daß sämtliche
aus dem Rinder-IFN-γ-Genomklon vorhergesagten Intronsequenzen
korrekt entfernt sind.
Die cDNA wurde zur Expression in E. coli gemäß dem vorstehend
erläuterten Primerreparaturverfahren geschnitten.
Über Nacht in LB-Brühe mit einem Gehalt an entweder 0,02 mg/ml
Ampicillin oder 0,005 mg/ml Tetracyclin gezüchtete Kulturen
wurden in einer Verdünnung von 1 : 100 auf 50 ml M9-Medium (63)
mit einem Gehalt an 0,2 Prozent Glucose, 0,5 Prozent Casamin
säuren und dem entsprechenden Arzneistoff überimpft und unter
Schütteln bei 37°C bis zu einem A₅₅₀-Wert von 1,0 gezüchtet.
Proben von 10 ml wurden durch Zentrifugation geerntet und in
einem Trockeneis/Äthanol-Bad schnell gefroren. Die gefrorenen
Pellets wurden in 1 ml 7 m Guanidin resuspendiert, 5 Minuten
auf Eis inkubiert und zur Bestimmung in PBS verdünnt. Alter
nativ wurden die gefrorenen Pellets durch Zusatz von 0,2 ml
20% Saccharose, 100 millimolar Tris-HCl (pH-Wert 8,0), 20 mil
limolar EDTA und 5 mg/ml Lysozym der Lysis unterworfen. Nach
20 Minuten auf Eis wurden 0,8 ml 0,3-prozentiges Triton X-100,
0,15 m Tris-HCl (pH-Wert 8,0), 0,2 m EDTA und 0,1 millimolar
PMSF zugesetzt. Das Lysat wurde durch 15-minütige Zentrifu
gation bei 19 000 U/min geklärt. Im Überstand wurde nach Ver
dünnung in PBS eine Bestimmung durchgeführt.
Die Aktivität von Rinderinterferon wurde mittels eines Hemm
tests auf der Basis des zytopathischen Effekts (CPE) in Mikro
titerplatten mit 96 Vertiefungen folgendermaßen durchgeführt:
- 1. In jede Vertiefung einer Mikrotiterplatte mit 96 Vertiefungen (8 Reihen mal 12 Spalten) wurden 100 µl einer Suspension von Zellen mit einem Gehalt an 10 Prozent fötalem Kälber serum gegeben. Die Konzentration wurde so eingestellt, daß sich am nächsten Tag eine konfluente Zellschicht (monolayer) ergab.
- 2. Die Platten wurden zur gleichmäßigen Verteilung der Zellen 10 Minuten auf einer Rüttelplatte gerüttelt. Nächster Tag:
- 3. In jede Vertiefung der ersten Spalte wurden 80 µl zusätz liches Medium gegeben.
- 4. Eine Vertiefung in der ersten Spalte wurde mit 20 µl einer Probe, in der die Interferonaktivität bestimmt werden sollte, versetzt.
- 5. Probe und Medium in der Vertiefung wurden vermischt, indem man mit einer 100 µl-Pipette mehrmals 100 µl des Inhalts entfernte und wieder einspritzte.
- 6. 100 µl Inhalt einer Vertiefung in der ersten Spalte wurden (horizontal) in eine Vertiefung in der zweiten Spalte übertragen.
- 7. Es wurde wie in Stufe 3 gemischt.
- 8. Mit der Übertragung von 100 µl des Inhalts einer Vertiefung einer Spalte auf die folgende Spalte wurde fortgefahren, bis insgesamt 11 Übertragungen durchgeführt waren.
- 9. 100 µl des Inhalts der Vertiefung in der 12. Spalte wurden entfernt und verworfen. Durch dieses Verfahren erhält man Zweifach-Serienverdünnungen.
- 10. Die Bestimmungsplatten umfaßten entsprechende NIH-Standards.
- 11. Die Platten wurden 24 Stunden bei 37 °C unter CO₂ inkubiert.
- 12. Jede Bestimmungsplatte enthielt Vertiefungen, in die 100 µl Zellsuspension und 100 µl Medium als Kontrollen für das Zellwachstum gegeben wurden, sowie Vertiefungen, in die 100 µl Zellsuspension, 100 µl Medium und 50 µl Virussus pension als virus-induzierte zytopathogene Kontrollen ge geben wurden.
- 13. Die Vertiefungen mit Ausnahme der Zellkontrollen wurden mit jeweils 50 µl Virussuspension infiziert. Die verwendete Infektionsmultiplizität war die Virusmenge, die innerhalb von 24 Stunden bei der speziellen Zellinie 100 Prozent zytopathischen Effekt hervorrief.
- 14. Die Platten wurden 24 Stunden bei 37°C unter CO₂ reinkubiert.
- 15. Die Flüssigkeit wurde von den Platten entfernt. Die Zellen wurden mit 0,5 Prozent Kristallviolett gefärbt. Die Färbung wurde 2 bis 5 Minuten durchgeführt.
- 16. Die Platten wurden in Leitungswasser gespült und zum Trock nen aufgestellt.
- 17. Der Interferontiter der Probe ist reziprok zu der Ver dünnung, bei der 50 Prozent lebensfähige Zellen erhalten bleiben.
- 18. Die Aktivität sämtlicher Proben wurde mit Hilfe eines folgendermaßen berechneten Umrechnungsfaktors (Reference Units Conversion Factor) normalisiert.
Diesbezüglich wird auf (69) verwiesen. Extrakte aus E. coli
Stamm 294 (ATCC 31446), die mit pBoIFN-α 1trp55 transformiert
waren, zeigten eine signifikante Aktivität bei mit VS-Virus
(Indiana-Stamm) infizierten Rindernieren-Zellinien (MDBK),
jedoch nicht bei auf gleiche Weise infizierten Zellinien von
Affennieren (VERO), Humanzervikalkarzinom (HeLa), Kaninchen
nieren (Rk-13) oder Mäusen (L929). Kontrollextrakte, die aus
dem mit pBR322 transformierten Stamm 294 hergestellt waren, zeigten
keine Aktivität gegenüber MDBK-Zellen. In Tabelle III ist die
in vitro-antivirale Aktivität von BoIFN-α 1 gegenüber ver
schiedenen infizierten tierischen und menschlichen Zellinien
zusammengestellt. BoIFN-α 1 läßt sich von Humanleukozyten
IFNs leicht aufgrund eines offensichtlichen Mangels an anti
viraler Aktivität gegenüber menschlichen Zellen relativ zu
seiner Aktivität gegenüber Rinderzellen unter Verwendung von
VS-Virus als infizierendem Agens unterscheiden. Tabelle IV
zeigt den Grad der Interferonaktivität, die in Extrakten er
halten wurde, die aus E. coli W3110, das mit den Expressions
plasmiden pBoIFN-α 4trp15, pBoIFN-β1trp, pBoIFN-β2trp und
pBoIFN-β3trp, hergestellt wurden. Von besonderer Bedeutung
ist die Beobachtung, daß Rinderfibroblasteninterferone an
Rindernieren-Zellinien etwa 30-fach aktiver sind als an
Humanamnion-Zellinien, während sich für Humanfibroblasten IFN
eine umgekehrte Beziehung ergab. (12)
Bakterielle Extrakte wurden hergestellt und ihre Inter
feronaktivität bestimmt, wobei man die Rindernieren-MDBK-Zell
linie und die Humanamnion-WISH-Zellinie und VSV zur Infektion
gemäß Weck et al., 1981, verwendete.
Die Verbindungen der Erfindung können nach üblichen Verfahren
zu Arzneipräparaten verarbeitet werden, wobei die tierischen
Interferonprodukte mit einem oder mehreren verträglichen Trä
gerstoffen kombiniert werden. Entsprechende Trägerstoffe und
deren Formulierung sind bekannt. Diese Arzneipräparate ent
halten eine wirksame Menge Interferonprotein zusammen mit ei
ner geeigneten Menge an Träger, so daß pharmakologisch ver
trägliche Arzneipräparate, die sich zur Verabreichung an den
Wirt auf üblichen Verabreichungswegen, beispielsweise paren
teral, eignen, erhalten werden.
Die erfindungsgemäßen tierischen Interferone existieren in
natürlichen allelen Variationen. Diese Variationen können
sich durch Unterschiede in bezug auf eine oder mehrere Amino
säuren in der Gesamtsequenz oder durch Deletionen, Substitu
tionen, Insertionen, Inversionen oder Additionen von einer
oder mehreren Aminosäuren in dieser Sequenz bemerkbar machen.
Sämtliche derartigen allelen Variationen fallen unter den
Gegenstand der Erfindung.
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Claims (6)
1. Verfahren zur Identifizierung und Isolierung von DNA,
die für ein Interferon einer Tierspezies kodiert, oder
Fragmenten davon, dadurch gekennzeichnet, daß man
- a) eine genomische DNA-Bibliothek der Tierspezies erstellt,
- b) die DNA-Bibliothek einem Hybridisierungs- Screening mit einer DNA-Sonde unterwirft, die Human-Interferon-DNA enthält, und
- c) diejenigen Klone, die ein positives Hybridi sierungssignal ergeben, isoliert und die DNA gewinnt.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß
man die DNA der zu untersuchenden Tierspezies zuerst
mittels Elektrophorese auftrennt und unter unter
schiedlichen Hybridisierungsbedingungen gegen die
Interferon-DNA der anderen Spezies hybridisiert, um
geeignete Hybridisierungsbedingungen für das Screening
der DNA-Bibliothek zu bestimmen.
3. Für ein Interferon einer Tierspezies kodierende DNA,
erhältlich nach dem Verfahren von Anspruch 1 oder 2.
4. Verwendung der DNA nach Anspruch 3 zur Herstellung
eines tierischen Interferons durch rekombinante DNA-
Technik, wobei man in einem transformanten
Mikroorganismus oder einer transformanten Zellkultur
eine Expression der DNA durchführt und das
entsprechende tierische Interferon gewinnt.
5. Verwendung nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet,
daß man ein tierisches Interferon aus der Gruppe der
Rinder-Leukozyten-, -Fibroblasten- und -Immun
interferone herstellt.
6. Tierisches Interferon mit einer in den Fig. 3a-d,
9a-c oder 13 dargestellten Aminosäuresequenz und
dessen Allelvariationen mit Interferon-Aktivität,
wobei die Figuren Bestandteil dieses Anspruchs sind.
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