DE69102764T2 - Azoische derivate, pharmazeutische und desinfektierende zusammensetzungen diese substanzen enthaltend, und deren verwendung gegen aids. - Google Patents

Azoische derivate, pharmazeutische und desinfektierende zusammensetzungen diese substanzen enthaltend, und deren verwendung gegen aids.

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Description

  • Die vorliegende Erfindung betrifft Azoderivate und diese Derivate enthaltende pharmazeutische und desinfizierende Zusammensetzungen.
  • Erfindungsgemäß werden Retroviren als Viren definiert, deren von einer Ribonucleinsäurekette getragenes genetisches Material im Inneren einer Zielzelle durch ein Enzym mit der Bezeichung reverse Transkriptase in Desoxyribonucleinsäure umgeschrieben wird.
  • Diese Viren sind für Krankheitszustände bei Pflanzen und Tieren verantwortlich. Eine nichterschöpfende Liste dieser Viren findet sich im J.M. HURAUX und Mitarbeiter, Virologie, Flammarion Médicine Sciences, 1985, Paris.
  • Wenn das Stadium der Integration in die Chromosomen der Zielzelle erreicht ist, sind die Chancen auf Heilung (Rückkehr zum vorherigen Zustand) gering. In der Tat infizieren diese Viren Zellinien verschiedener Typen und gegenwärtig erscheint ein Medikament, das das virale genetische Material aus den infizierten Zellen entfernen kann, wenig wahrscheinlich.
  • Außerdem besizten diese Viren die Eigenschaften zur Mutation, und sie sind von tierischen Reservoirs umgeben, die ihnen erlauben, sich in neuen antigenen Formen zu präsentieren (beispielsweise durch Verwendung von zellulären Fragmenten der Wirtszelle), was eine Impfung kompliziert macht.
  • Bis zum gegenwärtigen Tag ist nur eine einzige Behandlung bekannt, die das Überleben der Patienten verlängert, ohne jedoch eine Heilung zu ermöglichen. Diese Behandlung umfaßt die Verabreichung von 3'-Azido-3'-desoxythymidin (vergleiche EP-A-196 185). Diese Substanz wirkt durch die Hemmung der reversen Transkriptase.
  • Andere Substanzen zur Hemmung der Replikation des HIV-Virus durch ihre Wirkung auf die reverse Transkriptase sind bekannt. Es sind beispielsweise bestimmte Didesoxynucleotide zu nennen (siehe EP-A-307 914).
  • Es wurde auch entdeckt, daß bestimmte Substanzen die Wirkung besitzen, das Eindringen des Virus in die Zellen zu blockieren. Als Substanzen mit dieser Wirkung sind beispielsweise Oligosaccharide oder Polysaccharide (siehe EP- A-240 098) oder auch das Castonospermin (B.D. WALKER, Inhibition of human Immunodeficiency virus syncytium formation and virus replication by castonospermine, Proc. Natl. Acad. Sci. USA, Bd. 84, S. 8120-8124, November 1987) zu nennen.
  • Entsprechend all diesen Behandlungen kann man hoffen, daß das Virus, das einen Patienten infiziert hat, seine Entwicklung und seine Fortpflanzung nicht fortsetzen kann. Man kehrt jedoch niemals in den Zustand vor dem Befall zurück, weil das Provirus nicht erreicht wird und es in der zuvor befallenen Zelle weiterlebt. Die Behandlung ist somit eine palliative und keine kurative.
  • Dieser Typ von Behandlung birgt die große Gefahr, zum Auftreten von Resistenzen des Virus gegenüber den Verbindungen zu führen. Es scheint schon als erhärtet, daß das Virus gegenüber 3'-Azido-3'-desoxythymidin über mehr oder weniger lange Zeit, insbesondere nach etwa 12 bis 18 Monaten resistent wird (SCHULHAFER E. und Mitarbeiter, Acquired immunodeficiency syndrome....In Vivo 3(2): 61-78 (1989)).
  • Als Medikament zur Bekämpfung von Retroviren wurden bereits Benzidinderivate ins Auge gefaßt, die unter anderem Azogruppen tragen (siehe FR-A-2 612 515). Aus dieser Druckschrift folgt jedoch nur eine einfache Bestätigung bezüglich der Wirkung dieser Verbindungen.
  • Die Übertragungswege der Viren wurden festgestellt, nämlich, wenn direkter Kontakt mit Blut oder Kontakt über Wunden durch infiziertes Material stattgefunden hat. Das Übertragungsrisiko durch Gegenstände und insbesondere durch infiziertes medizinisches Material ist nicht zu vernachlässigen.
  • Außerdem wurde der sexuelle Übertragungsweg und die Übertragung an Kinder durch infizierte Muttermilch ebenfalls festgestellt, was die mögliche Passage von infektiösen Teilchen über gesunde Schleimhäute anzeigt (P. LEPAGE und Mitarbeiter, Postnatal Transmission of HIV from Mother to Child, The Lancet, 15. August 1987, S. 400; C.J. MILLER und Mitarbeiter, Genital Mucosal Transmission ofr Simian Immunodeficiency Virus, Journal of Virology, Oktober 1989, S. 4277-4284).
  • Es erscheint immer wahrscheinlicher, daß es eine Übertragung des Virus durch einfachen Kontakt, d.h. über die Haut oder eine Schleimhaut, geben kann. Bestimmte Forscher haben die Meinung geäußert, daß die übertragenen Viren eine Replikationsphase zu kennen scheinen, während derer sie im Bereich der Schleimhaut oder der Haut des Trägers bleiben. Diese Phase könnte sich über mehrere Monate hinziehen. Erst in einer zweiten Phase verbreiten sich die Viren und/oder ihre Bestandteile ausgehend von der Schleimhaut (R. ZITTOUN, Syndrome Immuno Déficitaire Acquis, Hrsg. Doins, Paris 1986, S. 183-184).
  • So erwies sich der Einsatz von Molekülen, die die Desinfektion von Oberflächen und unbelebten Gegenständen sowie von Materialien und Produkten, die Kontakt mit Schleimhäuten und Haut hatten, als notwendig, um die Krankheit auszurotten. Es erschien in der Tat unverzichtbar, die Übertragung des Retrovirus von einem Träger auf eine gesunde Person soweit als möglich zu verhindern.
  • Zu diesem Zweck kennt man bereits Zusammensetzungen und ein Verfahren zur Desinfektion auf der Basis von natürlichen oder synthetischen Oligosacchariden oder Polysacchariden, die mindestens eine S-Oxosäuregruppe tragen (siehe EP-A-285 357). Es folgt jedenfalls jedoch klar aus den angegebenen Beispielen, daß selbst wenn diese Zusammensetzungen gegen die Retroviren aktiv sind, sie immer noch einen Teil der vorhandenen Viren überleben lassen, was zu diesem Zeitpunkt eine enorme Gefahr hinsichtlich des Auftretens einer Population resistenter Viren, die noch gefährlicher sind, in sich birgt.
  • In der Internationalen Patentanmeldung WO-A-90/01935 wurden bereits Produkte vorgesehen, die lokal in Kontakt mit der Haut, den Schleimhäuten oder den Körpersekreten treten können, wobei diese Produkte einen Wirkstoff umfassen, um die Viren der Gruppe der Retroviren zu bekämpfen, beispielsweise Natriumsuramin, sowie einige komplexe Azoderivate, wie Pyridium, Neotropin, Kongorot, Trypanblau, Trypanrot und Trypanviolett.
  • Außerdem wurde die Wirkung von gängigen chemischen Desinfektionsmitteln, wie unter anderem Ethanol, Glutaraldehyd, Natriumhypochlorit, Formalin, &beta;-Propiolacton, denaturiertem Alkohol, gegenüber Retroviren untersucht (V.B. SPIRE und Mitarbeiter, Inactivation of Lymphadenopathy associated virus by chemical disinfectants, The Lancet, 20. Oktober 1984, S. 899-901; L. RESNICK und Mitarbeiter, Stability and inactivation of HTLV-III/LAV under clinical and laboratory environments, JAMA, 11. April 1986, Bd. 255, Nr. 14; L.S. MARTIN und Mitarbeiter, Disinfection and Inactivation of the human T lymphotropic Virus type III/lymphadenopathy-associated virus, The Journal of Infectious Diseases, Bd. 152, Nr. 2, August 1985; P.J.V. HANSON und Mitarbeiter, Chemical inactivation of HIV on surfaces, Br. Med. J., 1989, Nr. 298: 862-4).
  • Aus diesen Untersuchungen folgt, daß die Mehrzahl der im Krankhausmilieu verwendeten Desinfektionsmittel ineffektiv oder wenig effektiv gegenüber den HIV-Retroviren ist und somit potentiell gefährlich ist. Diejenigen, die sich als am wirksamsten erwiesen, benötigen ziemlich lange Kontaktzeiten, manchmal 10 Minuten und darüber, was in der Tat im Falle der Reinigung von beispielsweisen Böden und Tischen schwierig ist. Schließlich scheinen bestimmte dieser Desinfektionsmittel ihre Wirksamkeit in Gegenwart von proteinhaltigen Medien zu verlieren oder sind nicht anwendbar, wenn sie mit der Haut oder der Schleimhaut eines lebenden Körpers in Kontakt kommen müssen, weil sie chemisch aggressiv oder zelltoxisch sind.
  • Der vorliegenden Erfindung liegt folglich die Aufgabe zugrunde, einen Wirkstoff zur Bekämpfung von Viren, insbesondere der Gruppe der Retroviren, insbesondere der menschlichen Immunschwächeviren HIV bereitzustellen, der radikal auf diese Viren einwirken kann, bevorzugt unter eine vollständigen Eliminierung dieser und unter Beibehaltung seiner Aktivität in sehr geringen Konzentrationen. Vorteilhafterweise behält dieses Mittel sein Wirkpotential in zellulärem Medium, in wäßrigem Medium sowie in Gegenwart von organischen Medien, insbesondere von Proteinen bei. Seine Toxizität ist bevorzugt gering. Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform setzt die viruzide Wirkung sehr rasch gegen die HIV-Viren ein.
  • Der Erfindung liegt ebenso die Aufgabe zugrunde, eine pharmazeutische Zusammensetzung bereitzustellen, die die Behandlung oder Prophylaxe von viralen Erkrankungen erlaubt.
  • Der Erfindung liegt auch die Aufgabe zugrunde, eine Zusammensetzung zur Desinfektion von unbelebten Gegenständen gegen Viren bereitzustellen.
  • Es ist offensichtlich, daß gemäß ihren Anwendungen entweder als Wirkstoff in einer pharmazeutischen Zusammensetzung oder als Desinfektionsmittel in einem Reinigungsprodukt, einer kosmetischen Zusammensetzung oder anderen Produkten dieser Art der Wirkstoff verschiedenen Bedürfnissen der Solubilität, der Toxizität oder der Stabilität entsprechen muß. Dies gilt ebenso, wenn die Anwendung der pharmazeutischen Zusammensetzung auf oralem, parenteralem, intravenösem, lokalem oder sonstigem Weg erfolgen muß, oder wenn die Desinfektion unbelebte Gegenstände vom Typ der Instrumente oder Böden oder im Gegensatz dazu organische Abfälle oder aufzunehmende Flüssigkeiten betrifft.
  • Es wurde nun überraschenderweise entdeckt, daß bestimmte Azoverbindungen besonders wirksam und radikal die Rolle des gewünschten Wirkstoffs spielen können.
  • Als Lösung der gestellten Probleme betrifft die vorliegende Erfindung Azoderivate der allgemeinen Formel
  • in der R&sub1; bis R&sub4; gleich oder verschieden sind, und jeweils ein Wasserstoff- oder Halogenatom oder einen gegebenenfalls substituierten aliphatischen oder aromatischen Kohlenwasserstoffreut mit 1 bis 6 Kohlenstoffatomen darstellen, X&sub1; und X&sub2; gleich oder verschieden sind und jeweils ein Sauerstoff oder den Rest NR&sub5; darstellen, wobei R&sub5; ein Wasserstoff- oder Halogenatom, einen aliphatischen oder aromatischen Kohlenwasserstoffrest mit 1 bis 6 Kohlenstoffatomen oder eine Nitrogruppe darstellt, wobei in Gegenwart zweier NR&sub5;-Reste die jeweiligen Reste R&sub5; gleiche oder verschiedene Bedeutung haben können, und R&sub5; nicht gleichzeitig jeweils ein Chloratom in beiden NR&sub5;-Resten bedeutet, wenn R&sub1; bis R&sub4; ein Wasserstoffatom darstellen, sowie deren Isomere, mit Ausnahme von 1,1'-Azobisdimethylformamid, zur Verwendung als therapeutisch wirksame Substanzen.
  • Erfindungsgemäß können in diesen Derivaten R&sub1; bis R&sub5; vorteilhafterweise und unabhängig voneinander für einen niederen aliphatischen Kohlenwasserstoffrest, insbesondere eine Methyl-, Ethyl-, Propyl- oder Butylgruppe stehen. Es können auch Benzylgruppen vorgesehen sein. In den Verbindungen der allgemeinen Formel sind die Halogenatome insbesondere Chlor-, Brom-, Iod- oder Fluoratome.
  • Als erfindungsgemäße Azoderivate sind insbesondere 1,1'- Azobisformamid, 1,1'-Azobisformamidin und 1,1'-Azobisnitroformamidin zu nennen.
  • Wie aus den folgenden Ausführungen hervorgeht, ist 1,1'- Azobisdimethylformamid von der Erfindung nicht ausgeschlossen, wenn die Verwendung der Derivate der allgemeinen Formel betroffen ist.
  • Es ist selbstverständlich, daß die Erfindung nicht auf die 1,1'- Derivate beschränkt ist, und daß diejenigen in Position 2,2' ebenfalls von der Erfindung umfaßt werden, sowie alle Isomeren und Gemische davon.
  • Die Herstellung von 1,1'-Azobisformamidin und 1,1'-Azobisformamid wurde bereits Ende des vergangenen Jahrhunderts von J. THIELE (s. The Merck Index, 10. Ausg., 919, Rahway, 1983; F.C. SCHMELKES und Mitarbeiter, N,N'-Dichloroazodicarbonamidine(azochloramid), a N-chloro derivative of the oxidant in an oxidation-reduction system, Journal of American Chemical Society, 56, 1610, 1934; FR-B-2 056 874; US-A-3 225 026; US-A-3 684 713) durchgeführt. Das 1,1'-Azobisformamid ist als Adjuvans in Speisemehlen bekannt. Das 1,1'-Azobisdimethylformamid ist ebenfalls seit langem durch seine intrazelluläre Oxidationswirkung auf das Glutathion der Zellen des menschlichen Bluts bekannt (N.S. KOSOWER und Mitarbeiter, Diamide, a new reagent for the intracellular oxidation of glutathione to the disulfide, Biochemical and Biophysical Research Communications, Bd. 37, Nr. 4, 1969) sowie durch seine Initiierung eines zusätzlichen Ca²&spplus;-Effluxes in die perfundierte Leber von Ratten (H. SIES und Mitarbeiter, Hepatic calcium efflux during cytochrome P-450-dependent drug oxidations at the endoplasmic reticulum in intact liver, Proc. Natl. Acad. Sci. USA, Bd. 78, Nr. 6, S.3358- 3362). Man kennt ebenso seit langem das 1,1'-Azobisnitroformamidin (W.D. KUMLER, the Dipole Moments, Ultraviolet spectra and structure of azo-bis-(chloroformamidine) and azo-bis-(nitroformamidine), Journal of American Chemical Society, 75, 3092, 1953). Aus diesem bekannten Stand der Technik folgt klar, daß es vollkommen überraschend war, die gewünschte Wirkung, ausgehend von diesen relativ einfachen, billig herzustellenden und seit sehr langem bekannten Substanzen zu erhalten.
  • Eine noch überraschendere Wirkung konnte beobachtet werden. Es scheint, daß diese Derivate eine selektive Toxizität gegenüber von durch das HIV-Virus infizierten Zellen zeigen, während die Supt-1-Zellen und die Lymphozyten des menschlichen Körpers nicht oder nur gering durch die getesteten Verbindungen verändert werden. Diese Beobachtungen erlauben das Inbetrachtziehen der Möglichkeit einer Chemotherapie, die selektiv die infizierten Zellen zerstört, wobei die gesunden Zellen des Patienten ausgespart werden. Man kann somit eine Rückkehr zum Zustand des Patienten vor der Infektion, d.h. eine Heilung des letzteren in Betracht ziehen.
  • Die Erfindung betrifft somit eine pharmazeutische Zusammensetzung, die als Wirkstoff mindestens ein Azoderivat der allgemeinen Formel nach Anspruch 1 oder ein pharmazeutisches verträgliches Isomeres dieser Derivate und mindestens ein pharmazeutisch verträgliches Exzipiens sowie gegebenenfalls ein oder mehrere in der Pharmazie geläufige Adjuvantien umfaßt. Diese Zusammensetzung kann in beliebiger Form entweder oral oder sublingual, rektal oder vaginal durch Injektion oder Perfusion, lokal, transkutan oder durch die Schleimhaut oder in jeder anderen in der therapeutischen Medizin oder der Veterinärmedizin geläufigen Form verabreicht werden. Das Exzipiens und die gegebenenfalls vorhandenen geläufigen Adjuvantien werden als Funktion des gewählten Verabreichungswegs ausgewählt. Vorteilhafterweise können Konservierungsstoffe oder Solubilisierungsstoffe, Stoffe zur Neutralisation des pH-Werts, zum Erhalt der Isotonie, zur Pufferung oder andere der Zusammensetzung zugesetzt werden.
  • Das gewählte Exzipiens oder der gewählte Träger können fest oder flüssig sein. Die Zusammensetzung liegt je nach Wahl in Form eines Pulvers, einer Salbe, Tabletten, Gelatinekapseln, Kapseln, Aerosolen, einer Injektionsflüssigkeit etc. vor.
  • Man kann ebenfalls Formulierungen vorsehen, die die Wirksubstanz mit Verzögerung freisetzen.
  • Gemäß einer vorteilhaften Ausführungsform der Erfindung umfaßt die erfindungsgemäße pharmazeutische Zusammensetzung zusätzlich ein Desinfektionsmittel. In der Tat kann es, abgesehen von seiner kurativen Wirkung, vorteilhaft für den Virusträger sein, wenn die Zusammensetzung ihn vor äußeren Angriffen schützt, die, indem sie sein verteidigendes Immunsystem stimulieren, die Proliferation der HIV-Viren, die er trägt, begünstigen.
  • Ebenso betrifft die Erfindung die Verwendung der gleichen Azoderivate der vorstehend genannten Formel einschließlich 1,1'-Azobisdimethylformamid zur Bekämpfung der Viren, insbesondere der Gruppe der Retroviren, insbesondere der menschlichen Immunschwächeviren HIV auf und/oder in unbelebten Gegenständen.
  • Ebenso betrifft die Erfindung die Verwendung von Desinfektionszusammensetzungen für unbelebte Gegenstände im Rahmen dieser Verwendung, enthaltend mindestens eines dieser wirksamem Azoderivate, sowie einen geeigneten Träger. Als Träger können vorteilhafterweise Wasser oder irgendein anderes geeignetes Lösungsmittel als Vehikel verwendet werden, in dem der Wirkstoff in Lösung vorliegt. Andere Desinfektionsmittel oder geläufige Adjuvantien können gegebenenfalls zusätzlich vorhanden sein.
  • Erfindungsgemäß betrifft die Verwendung der wirksamen Azoderivate oder der vorstehend genannten Desinfektionszusammensetzungen die Desinfektion von unbelebten Gegenständen gegen Viren, insbesondere der Gruppe der Retroviren, insbesondere der menschlichen Immunschwächeviren HIV.
  • Als unbelebte Gegenstände, die desinfiziert werden sollen, können im Rahmen der erfindungsgemäßen Verwendung beispielsweise vorgesehen sein:
  • - sanitäre Materialien aus Kunststoff, Textil oder Gummi: Watte, Baumwolle zur Absorption, Gaze, Bandagen, Hygienepapier, Verpackungsfilme etc.
  • - medizinische, veterinärmedizinische und zahnmedizinische Instrumente und Geräte: Spritzen, Kanülen, Sonden, Pinzetten, Scheren, Magenspülvorrichtungen, Operationstische, Schüsseln etc.
  • - medizinische, veterinärmedizinische oder zahnmedizinische Kleidungsstücke: Handschuhe, Hemden, Handtücher etc.
  • - im Lebensmittelbereich zu behandelnde Gegenstände: Becher, Kasserollen, Flaschen oder Behältnisse, insbesondere für Getränke etc.
  • - kosmetische Instrumente: Material und Ausrüstung für den Friseur, die Maniküre, Pediküre, dekorative Kosmetik etc.
  • - sanitäre Wägen: Krankenwägen, Serviertische etc.
  • - Oberflächen von Boden und Wänden: Räumlichkeiten, insbesondere im Krankenhausmilieu etc.
  • - sanitäre und hygienische Gegenstände: Waschbecken, Wannen, Schüsseln, Badewannen etc.
  • - Getränke: Wasser, das für Getränke notwendig ist, Milch etc..
  • - Schwimmbadwasser.
  • Man kann ebenso die Desinfektion von Exkrementen, von Resten der Laboratoriumsanalyse und insbesondere Proben, die dem menschlichen oder tierischen Körper, beispielsweise im Hinblick auf eine Analyse, entnommen wurden, vorsehen.
  • Es ist vorteilhaft, erfindungsgemäß vorzusehen, daß bestimmte kosmetische Zusammensetzungen ebenso mindestens ein erfindungsgemäßes wirksames Azoderivat enthalten können. In diesem Fall können offensichtlich verschiedene Träger und auf diesem Gebiet geläufige Adjuvantien angewandt werden.
  • Erfindungsgemäß ist eine besondere Verwendung eines Wirkstoffs oder einer wirksamen Zusammensetzung gemäß der Erfindung in oder an Produkten, die mit der Haut oder den Schleimhäuten eines menschlichen oder tierischen Körpers, der gegebenenfalls Virusträger ist, in Kontakt kommen können, vorgesehen. In oder auf bestimmten dieser Produkte, wie den Handschuhen des Chirurgen oder des Zahnarzts, Pessaren, Kondomen etc., kann der Wirkstoff oder die wirksame Zusammensetzung, abgesehen von der desinfizierenden Wirkung vorteilhafterweise ein Barrierenmedium gegen die Übertragung des Retrovirus vom Träger auf eine gesunde Person bilden. Beispielsweise kann vorgesehen sein, ein Kondom aus Gummi mit Hilfe einer Vaseline, die einen erfindungsgemäßen Wirkstoff umfaßt, gleitfähig zu machen. Man kann ebenso für die Handschuhe des Chirurgen zwei Gummihüllen vorsehen, zwischen denen beispielsweise ein Amylase-Amylopectin-Pulver, das einen erfindungsgemäßen Wirkstoff enthält, eingeschlossen ist. Im zuletzt genannten Fall dient das desinfizierende Pulver als Barriere, ist jedoch als solches nicht in direktem Kontakt mit der Haut.
  • Die erfindungsgemäße Desinfektionszusammensetzung kann auch gegebenenfalls zusätzlich ein Desinfektionsmittel, bevorzugt mit einem breiten keimtötenden Wirkungsspektrum, enthalten. Die erhaltene Zusammensetzung bietet so eine zu schätzende Verteidigung gegen das Vorhandensein von Pathogenen und Allogenen außer den HIV-Retroviren.
  • Diese zuletzt genannte Eigenschaft ist sehr wichtig, nicht nur durch die große erhaltene Desinfektionswirkung, sondern auch weil sie für den Virusträger selbst nützlich sein kann. In der Tat muß dieser, soweit möglich, jede Aktivierung seiner Lymphozytenzellen vermeiden. Diese Aktivierung führt bei dem HIV-Träger zur Replikation und Proliferation des Virus in seinen Zellen. Ein HIV-Träger muß vor allem die Gewohnheiten des hygienischen Lebens einhalten, die maximal jede Gefahr der Aktivierung der infizierten Zellen und folglich eine Immunreaktion seines Organismus vermeiden.
  • Die Verwendung der erfindungsgemäßen Mittel und Zusammensetzung bietet ihm die Möglichkeit, sich zu desinfizieren, aber auch außerdem sich vor Immunreaktionen anderen Ursprungs zu schützen. Die Erfindung betrifft auch die Verwendung von Azoderivaten der allgemeinen Formel einschließlich 1,1'-Azobisdimethylformamid zur Herstellung von Medikamenten zur Behandlung und/oder Prophylaxe von viralen Erkrankungen, insbesondere Retrovirusinfektionen.
  • Die Erfindung wird anhand einiger nichtbegrenzender Ausführungsbeispiele näher erläutert.
  • Beispiel 1 Tabletten
  • 1,1'-Azobisdimethylformamid 200 bis 300 mg
  • mikrokristalline Cellulose (Avicel PH 101) 60 mg
  • Povidon BP 15 mg
  • Natriumstärkeglycollat 20 mg
  • Magnesiumstearat 5 mg
  • Lactose q.s. auf 500 mg
  • Beispiel 2 Kapseln
  • 1,1'-Azobisformamid 400 bis 600 mg
  • mikrokristalline Cellulose (Avicel) 50 mg
  • für eine Kapsel
  • Beispiel 3
  • Formulierung mit verzögerter Abgabe über 6 bis 8 Stunden 1,1'-Azobisdimethylformamid 400 bis 600 mg
  • Hydroxypropylmethylcellulose 111 mg
  • Lactose 53 mg
  • Povidon BP 28 mg
  • Magnesiumstearat 7 mg.
  • Hydroxypropylmethylcellulose wird mit 1,1'-Azobisdimethylformamid zuerst vermischt, und dann werden die anderen Bestandteile hinzugefügt.
  • Beispiel 4 Injektionsform
  • 1,1'-Azobisformamid 10 bis 30 mg
  • Salzsäure 0,1 M
  • Natriumhydroxid 0,1 M
  • Der pH-Wert wird auf einen Wert von 4 bis 7 mit Hilfe entweder einer Säure oder einer Base eingestellt. Dann wird das Produkt in der Hitze aufgelöst und über Mikroporen steril filtriert. Die Flüssigkeit wird dann in sterile braune Ampullen eingefüllt.
  • Beispiel 5 Injektionsform
  • 1,1'-Azobisformamidin 50 bis 150 mg
  • Benzylalkohol 10 mg
  • Glycofuran 75 mg
  • Wasser zur Injektion 3 ml
  • Das Produkt wird durch Auflösen des Wirkstoffs in dem Glycofuran und anschließendes Vermischen der erhaltenen Lösung mit filtriertem Wasser und mit Benzylalkohol hergestellt. Das Ganze wird in eine braune sterile Ampulle gefüllt.
  • Beispiel 6 Form zur intravenösen Injektion
  • 1,1'-Azobisnitroformamidin 50 bis 150 mg
  • Dieser Bestandteil wird mit sterilem pyrogenfreiem Wasser versetzt und mit einem Phosphatpuffer bei pH 7 gepuffert. Es werden 25 ml erhalten.
  • Beispiel 7 Suppositorium
  • Zu 150 bis 250 g mikronisiertem 1,1'-Azobisformamidinpulver werden 2 g Glycerin unter Bildung eines Suppositoriums zugesetzt.
  • Experimentelle Versuche wurden vom Laboratorium des Pasteur- Instituts von Brabant durchgeführt, um die Wirksamkeit der erfindungsgemäßen Azoderivate zu untersuchen.
  • Beispiel 8 Ausgangsmaterial des Versuchs:
  • - 1,1'-Azobisformamidin mit einem Reinheitsgrad von 98%. Die Reinheit wurde durch einen Kohlenwasserstofftest untersucht.
  • - Ein Kulturüberstand von Zellen (Molt-3), die kontinuierlich das HIV-1-Virus produzieren. Der verwendete virale Überstand besitzt eine Aktivität an reverser Transkriptase von 1 x 10&sup6; cpm/ml.
  • - Zellen einer kontinuierlichen menschlichen T-Zellinie vom Phänotyp T&sub4; (Supt-1), gezüchtet in einem RPMI-Medium, das mit 10% fötalem Kälberserum und 1% Glutamin versetzt war.
  • Die Wirksamkeit von 1,1'-Azobisformamidin wurde in zweierlei Hinsicht untersucht.
  • - Toxizität gegenüber gesunden Zellen
  • - Wirkung auf die Infektiosität des HIV-1-Virus gegenüber der Supt-1-Linie.
  • a) Untersuchung der Toxizität gegenüber gesunden Zellen.
  • Die zelluläre Sterblichkeit durch Ausschluß von Trypanblau wurde bestimmt. In Verdünnungen von 1/500, 1/1500 und 1/3000 vermindert 1,1'-Azobisformamidin nicht die zelluläre Lebensfähigkeit der Supt-1-Zellen.
  • b) Untersuchung der Infektiosität
  • Virale HIV-1-Präparate mit einem hohem Titer werden in Gegenwart von 1/500-, 1/1500- und 1/3000-Verdünnungen an 1,1'-Azobisformamidin und während verschiedener Inkubationszeiten inkubiert: 1 Minute, 10 Minuten und 30 Minuten.
  • Für die Inkubation werden 0,3 ml des Viruskonzentrats und die Wirksubstanz in einer doppelten Konzentration (einmal pro Virusvolumen und einmal pro Produktvolumen) eingesetzt. Während 30 Minuten bei 37ºC werden zuvor die Supt-1-Zellen mit 10 ug/ml Polybren behandelt, und dann werden sie mit Präparaten des behandelten Virus inokuliert. Als Kontrolle werden nichtinokulierte Zellen und Zellen, die mit einem Präparat nichtbehandelter Viren inokuliert wurden, verwendet.
  • Anschließend wird die Infektiosität bei jeder zellulären Passage dieser Präparate unter Verfolgung der viralen Produktion (Messung des exprimierten Antigens p24) in zellulären solubilisierten Lysaten der untersuchten Supt-1-Zellen bestimmt.
  • Die Messung des infektiösen Potentials des HIV-1-Virus nach Inkubation mit 1,1'-Azobisformamidin folgt aus der nachstehenden Tabelle 1 im Vergleich mit einer nichtinfizierten Kontrolle und einer durch unbehandelte Viren infizierten Kontrolle.
  • Beispiel 9
  • Das Ausgangsmaterial des Versuchs unterscheidet sich von demjenigen des Beispiels 8 durch Verwendung von 1,1'-Azobisdimethylformamid anstelle von 1,1'-Azobisformamidin.
  • a) Untersuchung der Toxizität
  • In Verdünnungen von 1/500, 1/1500 und 1/3000 vermindert 1,1'-Azobisdimethylformamid nicht die zelluläre Lebensfähigkeit der Supt-1-Zellen.
  • b) Untersuchung der Infektiosität
  • Es wird wie in Beispiel 8b vorgegangen.
  • Die Messungen des infektiösen Potentials des HIV-1-Virus nach Inkubation mit 1,1'-Azobisdimethylformamid folgt aus der nachstehenden Tabelle 1. Tabelle 1 Messung der Infektiosität des HIV-1-Virus am 14. Tag nach der Inokulation von Supt-1-Zellen. Wirkstoff (Verdünnung) 1,1'-Azobisformamidin Dauer der Behandlung der Viren 1,1'-Azobisdimethylformamid Kontrollvirus Kontrollzelle (optische Dichte bei 492 nm).
  • Aus dieser Tabelle folgt klar, daß bei einer Verdünnung von 1/500 1,1'-Azobisformamidin die Supt-1-Zellen nach einer Behandlung der Viren von nur 1 Minute schützt. 1,1'-Azobisdimethylformamid besitzt die Wirkung selbst bei Verdünnungen von 1/3000. Für diese zuletzt genannte Substanz wurde der Test bis zum 25. Tag verlängert. Die Wirksamkeit dieser Wirksubstanz wird für alle Verdünnungen beibehalten, wenn die Viren 30 Minuten lang behandelt wurden.
  • Im Phasenkontrastmikroskop wurde außerdem keine zytopathogene Wirkung für die mit dem 1,1'-Azobisdimethylformamid- und 1,1'-Azobisformamidin-vorbehandelten Virus inokulierten Zellen beobachtet. Im Gegensatz dazu erschienen Synzytien ab dem 14. Tag nach der Infektion bei einem viralen Kontrollpräparat.
  • c) 1,1'-Azobisdimethylformamid wurde außerdem bezüglich seiner Toxizität gegenüber virusinfizierten Zellen untersucht.
  • Dazu wurde die zelluläre Sterblichkeit durch Ausschluß von Trypanblau bestimmt.
  • Diese Untersuchung wurde an durch HTLVIII-B infizierten Molt-3-Zellen, die das HIV-1-Virus produzieren, durchgeführt. Tabelle 2 Molt-3-Zellen (HIV-1) Anzahl der lebenden Zellen Anzahl der abgestorbenen Zellen % der abgestorbenen Zellen Kontrolle mit 1,1'-Azobisdimethylformamidbehandelte Zellen Verdünnung Dauer (Min.)
  • Aus Tabelle 2 folgt sehr klar, daß die Sterblichkeit der infizierten Zellen in Gegenwart von 1,1'-Azobisdimethylformamid nach 30-minütiger Wirkung selbst bei einer Verdünnung von 1/3000 verdoppelt ist, während dieses Molekül keine Toxizität gegenüber den Supt-1-Zellinien und den menschlichen Lymphozyten, selbst nach 24 Stunden, zeigt.
  • Beispiel 10
  • Das Versuchsmaterial unterscheidet sich von dem von Beispiel 9 darin, daß 1,1'-Azobisdimethylformamid in einer Verdünnung von 1/100 (10 mg/ml) verwendet wird.
  • a) Untersuchung der zellulären Toxizität gegenüber normalen Zellen, d.h. nichtinfizierten Zellen (Linie Supt-1).
  • Die zelluläre Mortilität wird durch Ausschluß von Trypanblau bestimmt. Tabelle 3 Subt-1-Zellen Dauer (Stunden) Anzahl der lebenden Zellen Anzahl der abgestorbenen Zellen % der abgestorbenen Zellen Kontrolle mit 1,1'-Azobisdimethylformamidbehandelte Zellen (Verdünnung: 1/100)
  • Diese Ergebnisse sind bezogen auf einen Milliliter der entnommenen Kultur angegeben.
  • Aus der Tabelle folgt klar, daß selbst in einer relativ hohen Konzentration 1,1'-Azobisdimethylformamid keine Toxizität gegenüber gesunden Supt-1-Zellen zeigt.
  • b) Untersuchung der Infektiosität des HIV-1-Virus
  • Es wird wie in Beispiel 8b) vorgegangen, wobei das Virus 30 Minuten lang mit 1,1'-Azobisdimethylformamid in einer Verdünnung von 1/100 behandelt wird. Nach Inokulation der Supt-1-Zellen durch dieses virale Präparat werden die exprimierten Antigene p24 durch ihre optische Dichte nach 14, 18 und 21 Tagen bestimmt. Tabelle 4 Exprimierte Antigene p24 gemäß optischer Dichte Kontrollzellen durch HIV infizierte Kontrollzellen HIV-1-Zellen, die durch die Wirksubstanz behandelt wurden
  • Aus diesem Versuch folgt, daß durch 1,1'-Azobisdimethylformamid behandeltes HIV die gesunden Supt-1-Zellen nicht infizieren kann.
  • c) Untersuchung der Integration des viralen Genoms in die chromosomale DNA der Supt-1-Zellen.
  • Durch eine genetische Amplifikation mit einer thermostabilen Polymerase wird das Vorhandensein der Gene "GAG", "LTR" und "ENV" des Provirus HIV-1 nachgewiesen. Dieses Verfahren wird als PCR (Polymerase Chain Reaction) (Chin . Yih Ou und Mitarbeiter, Sciences 239, 295-297, 1988) bezeichnet.
  • Dieses Verfahren wird angewendet, um die HIV-1-Proviren im Genom von Supt-1-Zellen nachzuweisen, die mit den HIV-1- Viren inokuliert wurden, die mit 1,1'-Azobisdimethylformamid (Verdünnung 1/100), wie in Beispiel 8 beschrieben, inkubiert worden waren.
  • Amplifizierte Oligonukleotide, die im UV-Licht mit Hilfe von Ethidiumbromid sichtbar sind, erschienen nur in den Reagensgläsern, die einer Inokulation mit den HIV-Viren, die nicht mit der Wirksubstanz behandelt worden waren, entsprachen.
  • Außerdem ist es nach der Hybridisierung mit mit ³²P markierten spezifischen Sonden für die drei gewünschten Gene möglich, zu folgern, daß das HIV-1-Provirus im Inneren der Supt-1-Zellen total fehlt, die Inokulate von HIV-1- Virionen, die mit einer Verdünnung von 1/100 der Wirksubstanz behandelt wurden, erhalten hatten.
  • Man kann nun folgern, daß diese Wirksubstanz die Zellen vor einer Infektion durch HIV-1 schützt.
  • Beispiel 11
  • Das Versuchsmaterial unterscheidet sich von dem von Beispiel 8 darin, daß die verwendete Substanz 1,1'-Azobisformamid in einer Konzentration von 35 mg/l entsprechend 35 ug/ml, d.h. in einer extrem geringen Konzentration, ist (erhalten aus dem Überstand einer Suspension von 0,5 g/l in RPMI).
  • a) Untersuchung der zellulären Toxizität gegenüber gesunden Zellen.
  • Keine toxische Wirkung wurde für die Supt-1-Zellen selbst nach 24stündiger Inkubation beobachtet.
  • b) Untersuchung der Infektiosität
  • Es wird wie in Beispiel 8b) mit Inkubationszeiten dieses Virus von 15 Minuten, 30 Minuten, 60 Minuten und 120 Minuten vorgegangen. Keine zytopathogene Wirkung wurde beobachtet (keine Bildung von Synzytien). Tabelle 5 Exprimierte Antigene p24 (optische Dichte) Tag Kontrollzellen Infizierte Kontrollzellen HIV-1-Zellen Minuten behandelt
  • Man kann nun folgern, daß 1,1'-Azobisformamid die Zellen vor der Infektiosität des HIV-1-Virus schützt.
  • c) Untersuchung der Integration des viralen Genoms in die chromosomale DNA von Supt-1-Zellen.
  • Es wird wie in Beispiel 10c) vorgegangen. Die Suche der Gene "GAG", "LTR" und "ENV" wurde an Zellkulturen, die mit dem Virus inokuliert worden waren und 15 Minuten lang mit Wirksubstanz inkubiert worden waren, durchgeführt. Diese Suche erwies sich als negativ, und man kann nun daraus folgern, daß 1,1'-Azobisformamid in einer Konzentration von 35 ug/ml die Zellen vor der Infektion durch HIV-1 schützt.
  • Beispiel 12
  • Das Fehlen der Toxizität von Azobisformamid für den Menschen wurde bereits von B.L. OSER und Mitarbeiter, Studies of the Safety oder Azodicarbonamide as a Fluor-Maturing agent. Toxicology and applied Pharmacology 7, 445-472 (1965) beschrieben.
  • Drei gesunde Freiwillige wurden 30 Tage lang mit 1500 g der Wirksubstanz in drei Dosen von 500 mg pro Tag behandelt.
  • Keine Sekundärwirkung zeichnete sich ab, und die hämatologischen Parameter blieben während der 30tägigen experimentellen Behandlung vollkommmen normal.
  • Außerdem wurden drei Patienten, die verschiedene AIDS-Stadien zeigten, ebenfalls behandelt.
  • Der erste Kranke in der terminalen Phase besaß weniger als 30 T&sub4;-Lymphozyten pro mm³, ausgeprägte Diarrhoe und eine völlige räumlich-zeitliche Desorientierung.
  • Der zweite Kranke befand sich in der Phase des "ARC" und besaß eine T&sub4;-Lymphozytenpopulation von 190 pro mm³ mit konstanter Senkung sowie gelegentlich Diarrhoe und einen Analherpes.
  • Der dritte Patient war seropositiv gesund, besaß eine T&sub4;- Lymphozytenpopulation von 350 pro mm³ und zeigte kein pathologisches Zeichen.
  • Der erste Patient zeigte am Tag 0 der Behandlung 1850 Leukozyten, davon 17% Lymphozyten, von denen 5% T&sub4;-Rezeptoren (entspricht 24 Zellen) besaßen. Am Tag 30 der Behandlung betrugen die Leukozyten 2600, davon 20% Lymphozyten, von denen 9% T&sub4;-Rezeptoren besaßen (entspricht 49 Zellen pro mm³), was einer 100%igen Verbesserung entspricht. Außerdem kam die Diarrhoe zum Stillstand, der Patient erlangte eine Möglichkeit zum zusammenhängenden Dialog mit seinen Nachbarn sowie eine begrenzte Autonomie beim Gehen.
  • Der zweite Patient hatte am Tag 30 280 T&sub4;-Lymphozyten pro mm³, die Diarrhoe war vollständig verschwunden, ebenso der Analherpes.
  • Der dritte Patient besaß am Tag 30 440 T&sub4;-Lymphozyten pro mm³.
  • Diese Ergebnisse sind, obwohl sie sich auf eine begrenzte Probe beziehen, beachtlich und überraschend und waren für einen Fachmann in keiner Weise zu erwarten.
  • Beispiel 13 Desinfizierende Brausetablette für 100 cm³ Wasser.
  • 1,1'-Azobisdimethylformamid 33 mg
  • Zitronensäure 15 mg
  • Weinsäure 17,5 mg
  • NaHCO&sub3; 37,5 mg
  • Avicel PH 1C&sub2; 27 mg
  • Lactose EFK 45 mg
  • Für eine Tablette: 175 mg
  • Beispiel 14 Desinfizierende Brausetablette für 1000 cm³ Wasser.
  • 2,2'-Azobismethylformamidin 330 mg
  • Zitronensäure 150 mg
  • Weinsäure 175 mg
  • NaHCO&sub3; 375 mg
  • Avicel PH 1C&sub2; 180 mg
  • Lactose EFK 522,2 mg
  • Natriumlaurylsulfat 64 mg
  • Aerosil 200 3,8 mg
  • Für eine Tablette: 1800 mg
  • Beispiel 15 Zahnpasta
  • 100 g einer Zahnpasta umfassend 4% Ricinilat werden mit 30 mg 1,1'-Azobisfluorformamidin vermischt (für 30 Tage).
  • Beispiel 16 Mundspülung
  • Natriumperfluorat 8 g
  • Borax 32 g
  • Natriumchlorid 20 g
  • Natriumbicarbonat 40 g
  • 1,1'-Azobisfluorformamidin 30 g
  • Pfefferminzessenz 3 Tropfen
  • 1 Kaffeelöffel auf 1 Tasse lauwarmes Wasser
  • Beispiel 17 Creme.
  • 1,1'-Azobisformamid 1 g
  • Triethanolamin 1 g
  • Glycerin 2,5 g
  • weißes Wachs 2,5 g
  • Stearinsäure 6 g
  • Mandelöl 7,5 g
  • Lavendelessenz 2 Tropfen
  • Agua conservans ad 50 g FMS
  • für 50 g Creme
  • Beispiel 18 Körperpuder
  • 1,1'-Azobisformamid 2g
  • Lavendelessenz 5 Tropfen
  • Talkum ad 100 g
  • auf 100 g Körperpuder
  • Beispiel 19 Flüssigseife
  • 1-Monochlorazobisformamidin 3 g
  • Kaliseife 60 g
  • Lavendelessenz 10 Tropfen
  • antiseptische Lösung ad 100 g
  • auf 100 g Seife
  • Beispiel 20
  • Toilettenpapier, Bandagen und Hygienebinden, Watte etc. Es wird ein zu pulversierendes Pulver hergestellt, dessen Zusammensetzung beispielsweise wie folgt lautet:
  • 1,1'-Azobisdimethylformamid 20 mg
  • basisches Wismutgallat 50 g
  • Zinkperoxid 100 g
  • Talkum 840 g
  • auf 1 kg zu pulverisierendes Pulver.
  • Anschließend wird fortlaufend dieses Pulver pulverisiert, das an den Fasern der behandelten Produkte haftet.
  • Beispiel 21 Öl für Kondome.
  • Silikonöl 100 g
  • 1,1'-Azobisformamid 1 g
  • Die Kondome werden mit dem Präparat sowohl auf der inneren als auch auf der äußeren Oberfläche benetzt.
  • Es ist selbstverständiich, daß die vorliegende Erfindung in keiner Weise auf die vorstehend beschriebenen Ausführungsformen beschränkt ist, und daß Modifikationen, ohne vom Umfang der Erfindung abzuweichen, durchgeführt werden können.
  • Zahlreiche andere Desinfektionszusammensetzungen oder pharmazeutische Zusammensetzungen können, ausgehend von den als Beispiel angegebenen, hergestellt werden, indem ausschließlich den allgemein auf dem betroffenen Gebiet verwendeten Formulierungen gefolgt wird, unabhängig davon, ob es sich um Reinigungsprodukte, kosmetische Zusammensetzungen, Medikamente oder andere handelt.

Claims (24)

1. Azoderivate der allgemeinen Formel
in der R&sub1; bis R&sub4; gleich oder verschieden sind und jeweils ein Wasserstoff- oder Halogenatom oder einen gegebenenfalls substituierten aliphatischen oder aromatischen Kohlenwasserstoffrest mit 1 bis 6 Kohlenstoffatomen darstellen, X&sub1; und X&sub2; gleich oder verschieden sind und jeweils ein Sauerstoffatom oder den Rest NR&sub5; darstellen, wobei R&sub5; ein Wasserstoff- oder Halogenatom, ein aliphatischer oder aromatischer Kohlenwasserstoffrest mit 1 bis 6 Kohlenstoffatomen oder eine Nitrogruppe darstellt, wobei in Gegenwart zweier NR&sub5;-Reste die jeweiligen Reste R&sub5; gleiche oder verschiedene Bedeutung haben und R&sub5; nicht gleichzeitig jeweils ein Chloratom in beiden NR&sub5;-Resten bedeutet, wenn R&sub1; bis R&sub4; ein Wasserstoffatom darstellen, sowie deren Isomere, mit Ausnahme von 1,1'-Azobisdimethylformamid, zur Verwendung als Arzneimittel.
2. Azoderivate nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß sie Azobisformamidin- oder Azobisformamid-Derivate sind.
3. Azoderivate nach Anspruch 1, gewählt aus der Gruppe bestehend aus 1,1'-Azobisformamid, 1,1'-Azobisformamidin, 1,1'-Azobisnitroformamidin, 2,2'-Azobismethylformamidin, 1,1'-Azobisfluorformamidin und 1-Monochlor-azobisformamidin.
4. Azoderivate nach einem der Ansprüche 1 bis 3 zur Verwendung bei der Behandlung von oder Vorbeugung gegen Viruserkrankungen.
5. Azoderivate nach Anspruch 4 zur Verwendung bei der Behandlung von oder Vorbeugung gegen Infektionen durch Viren vom Retrovirustyp, insbesondere durch humane Immunschwächeviren HIV.
6. Arzneimittel, umfassend als therapeutischen Wirkstoff mindestens ein Azoderivat nach einem der Ansprüche 1 bis 5 und mindestens einen pharmazeutisch verträglichen Exzipienten, sowie gegebenenfalls einen oder mehrere in der Pharmazie übliche Zusätze.
7. Zusammensetzung nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, daß sie als Wirkstoff 1,1'-Azobisformamid, 1,1'-Azobisformamidin, 1,1'-Azobisnitroformamidin, 2,2'-Azobismethylformamidin, 1,1'-Azobisfluorformamidin oder 1-Monochlor-azobisformamidin umfaßt.
8. Zusammensetzung nach einem der Ansprüche 6 oder 7, dadurch gekennzeichnet, daß sie zusätzlich ein Desinfektionsmittel umfaßt.
9. Zusammensetzung nach einem der Ansprüche 6 bis 8 zur oralen oder sublingualen Verabreichung.
10. Zusammensetzung nach einem der Ansprüche 6 bis 8 zur rektalen oder vaginalen Verabreichung.
11. Zusammensetzung nach einem der Ansprüche 6 bis 8 zur Verabreichung durch Injektion oder Perfusion.
12. Zusammensetzung nach einem der Ansprüche 6 bis 8 zur lokalen, transkutanen oder intramuskulären Verabreichung.
13. Zusammensetzung nach einem der Ansprüche 6 bis 12, dadurch gekennzeichnet, daß der Wirkstoff in einer Menge im Bereich von 2 mg bis 35 ug/ml, insbesondere von 660 ug bis 330 ug/ml, vorliegt.
14. Verfahren zur Herstellung eines Arzneimittels nach einem der Ansprüche 6 bis 13, umfassend das Vermischen mindestens eines der vorstehenden therapeutischen Wirkstoffe mit einem pharmazeutisch verträglichen Exzipienten.
15. Verwendung der Azoderivate der allgemeinen Formel
in der R&sub1; bis R&sub4; gleich oder verschieden sind und jeweils ein Wasserstoff- oder Halogenatom oder einen gegebenenfalls substituierten aliphatischen oder aromatischen Kohlenwasserstoffrest mit 1 bis 6 Kohlenstoffatomen darstellen, X&sub1; und X&sub2; gleich oder verschieden sind und jeweils ein Sauerstoffatom oder den Rest NR&sub5; darstellen, wobei R&sub5; ein Wasserstoff- oder Halogenatom, ein aliphatischer oder aromatischer Kohlenwasserstoffrest mit 1 bis 6 Kohlenstoffatomen oder eine Nitrogruppe darstellt, wobei in Gegenwart zweier NR&sub5;-Reste die jeweiligen Reste R&sub5; gleiche oder verschiedene Bedeutung haben und R&sub5; nicht gleichzeitig jeweils ein Chloratom in beiden NR&sub5;-Resten bedeutet, wenn R&sub1; bis R&sub4; ein Wasserstoffatom darstellen, sowie deren Isomere zur Bekämpfung von Viren, nämlich vom Retrovirustyp, insbesondere von humanen Immunschwächeviren HIV, auf und/oder in unbelebten Gegenständen.
16. Verwendung nach Anspruch 15, wobei die Derivate aus der Gruppe bestehend aus 1,1'-Azobisformamid, 1,1'-Azobisformamidin, 1,1'-Azobisdimethylformamid, 1,1'-Azobisnitroformamidin, 1,1'-Azobisfluorformamidin und 1-Monochlor-azobisformamidin gewählt werden.
17. Verwendung nach einem der Ansprüche 15 oder 16, wobei man eine Zusammensetzung zur Desinfektion von unbelebten Gegenständen einsetzt, enthaltend mindestens einen Wirkstoff nach einem der Ansprüche 15 oder 16, sowie einen geeigneten Träger und gegebenenfalls weitere Desinfektionsmittel oder gängige Zusätze.
18. Verwendung eines Wirkstoffs nach einem der Ansprüche 15 oder 16 bzw. einer Zusammensetzung nach Anspruch 17 zur Desinfektion von unbelebten Gegenständen gegenüber Viren, nämlich vom Retrovirus-Typ, insbesondere humanen Immunschwächeviren HIV.
19. Verwendung nach Anspruch 18, wobei die zu desinfizierenden unbelebten Gegenstände sanitäre Materialien aus Kunststoff, Textil oder Gummi, medizinische und veterinärmedizinische Instrumente, Apparate und Kleidungsstücke, im Lebensmittelbereich zu behandelnde Gegenstände, kosmetische Instrumente, sanitäre Gegenstände, Wand- und Bodenflächen, Vorrichtungen im Gesundheits- und Hygienewesen, Schwimmbadwasser, Getränke und analoge Gegenstände sind.
20. Verwendung nach Anspruch 18, wobei die zu desinfizierenden unbelebten Gegenstände kosmetische Zusammensetzungen sind.
21. Verwendung nach Anspruch 18, wobei die zu desinfizierenden unbelebten Gegenstände Exkremente, Rückstände aus Laboranalysen, aus menschlichem oder tierischem Körper entnommene Proben oder analoge Gegenstände sind.
22. Verwendung nach Anspruch 18, wobei die zu desinfizierenden unbelebten Gegenstände Produkte sind, geeignet dazu, mit der Haut oder den Schleimhäuten eines menschlichen oder tierischen Körpers, die gegebenenfalls Virusträger sind, in Kontakt zu treten, und Produkte, in oder auf denen die wirksame Substanz oder das Desinfektionsmittel gleichzeitig eine Schutzschicht gegen das Eindringen vorstehend erwähnter Viren bilden.
23. Verwendung nach Anspruch 22, wobei die für den Kontakt mit der Haut oder den Schleimhäuten geeigneten Produkte, Handschuhe für Chirurgen und Zahnärzte, Pessare, Kondome oder analoge Gegenstände sind.
24. Verwendung von Azoderivaten der allgemeinen Formel
in der R&sub1; bis R&sub4; gleich oder verschieden sind und jeweils ein Wasserstoff- oder Halogenatom oder einen gegebenenfalls substituierten aliphatischen oder aromatischen Kohlenwasserstoffrest mit 1 bis 6 Kohlenstoffatomen darstellen, X&sub1; und X&sub2; gleich oder verschieden sind und jeweils ein Sauerstoffatom oder den Rest NR&sub5; darstellen, wobei R&sub5; ein Wasserstoff- oder Halogenatom, ein aliphatischer oder aromatischer Kohlenwasserstoffrest mit 1 bis 6 Kohlenstoffatomen oder eine Nitrogruppe darstellt, wobei in Gegenwart zweier NR&sub5;-Reste die jeweiligen Reste R&sub5; gleiche oder verschiedene Bedeutung haben und R&sub5; nicht gleichzeitig jeweils ein Chloratom in beiden NR&sub5;-Resten bedeutet, wenn R&sub1; bis R&sub4; ein Wasserstoffatom darstellen, sowie deren Isomere zur Herstellung von Arzneimitteln zur Verwendung bei der Behandlung von oder Vorbeugung gegen Viruserkrankungen, nämlich Infektionen durch Viren vom Retrovirus-Typ, insbesondere Infektionen durch den humanen Immunschwächevirus HIV.
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