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GEBIET DER ERFINDUNG
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Die
vorliegende Erfindung betrifft Materialien und Verfahren, die für die Erzeugung
rekombinanter Proteine in transformierten Bakterien nützlich sind.
Bei einer wichtigen Ausführungsform
betrifft die vorliegende Erfindung Materialien und Verfahren, die
für die
Verringerung der Retention von N-Formyl-Gruppen an den N-terminalen
Methionin-Resten rekombinanter Proteine, welche in großen Mengen
in transformierten Bakterien-Wirtszellen
erzeugt wurden, geeignet sind. Bei einer anderen Ausführungsform
sind neue Verfahren zur Erhöhung
der Peptid-Deformylase-Mengen in transformierten Bakterien-Wirtszellen
geoffenbart.
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HINTERGRUND
DER ERFINDUNG
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Methionin
ist der universelle Start-Aminosäurenrest
für das
Wachsen von Peptidketten (z. B. Proteinsynthese) bei den meisten
lebenden Systemen. Damit Methionin als initiierende Aminosäure für die naszente Peptidsynthese
in Bakterien funktioniert, muss es eine Reihe von Transformationen
durchmachen, und zwar sowohl vor der Initiierung der Proteinsynthese
als auch nachdem das Protein erzeugt wurde (vgl. Überblick
von Meinnel, T., Mechulam, Y. und Blanquet, S.; 1993). In E. coli
wurden alle an diesen Transformationen beteiligten Enzyme und ihre
jeweiligen Gene isoliert und/oder sequenziert (Meinnel, T. und Blanquet,
S., 1994).
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Zwei
der bemerkenswertesten Transformationen bei der initiierenden Aminosäure Methionin
umfassen die Zugabe einer N-Formyl-Gruppe zu Methionin-Molekülen vor
der Initiierung einer Messenger-RNA(mRNA)-Translation und das nachfolgende
Entfernen der N-Formyl-Gruppe vom Amino(N-)-terminalen Methionin
des naszenten Peptids. Das Entfernen der N-Formyl-Gruppe wird vom
Enzym Peptid-Deformylase (EC 3.5.1.27 gemäß der IUB-Nomenklatur, wie
in „Enzyme
Nomenclature Recommendations" (1992)
Academic Press, San Diego, veröffentlicht)
bewerkstelligt. Die Peptid-Deformylase (PDF) spaltet die Formyl-Gruppe
von den meisten naszenten Formyl-Methionin-Peptiden in einer Substrat-spezifischen
Reaktion ab. Es gibt jedoch Ausnahmen zur Routine-Wirkung von PDF.
Beispielsweise bleiben einige E. coli-Proteine entweder ganz oder
teilweise formyliert. (Hauschild-Rogat, P., 1968; Marasco, W. A.,
et al., 1984; und Milligan, D. L. und Koshland, Jr., D. E., 1990).
Es wurde auch beobachtet, dass mehrere rekombinante Proteine, die
normalerweise frei von N-Formyl-Methionin (f-Met) sind, eine signifikante
f-Met-Retention aufweisen, wenn sie in rekombinanten E. coli-Stämmen überproduziert
werden. Zu den Beispielen für
dieses Phänomen
gehören
die E. coli-Tryptophan-Synthase-alpha- und -beta-Untereinheiten
(Sugino, Y., et al., 1980; Tsunasawa, S., et al., 1983); bovines
Somatotropin (BST) (Bogosian, G., et al., 1989); Aal-Wachstumshormon
(Sugimoto, Y., et al., 1990); E. coli-1-Acyl-sn-glycerin-3-phosphat-acyltransferase
(Coleman, J., 1992); humaner Granulozyten-Kolonie-stimulierender
Faktor (Clogston, C. L., et al., 1992); bovines Fettsäuren-Bindungs-Protein
(Specht, B., et al., 1994); bovines Cytochrom P450 (Dong, M. S.,
et al., 1995); Methanothermus-fervidus-Histon A (Sandman, K., et
al., 1995); humanes Interleukin-5 (Rose, K., et al., 1992); humanes
Parathyroid-Hormon (Rabbani, S., et al., 1988; Hogset, A., et al.,
1990); humanes Gamma-Interferon (Honda, S., et al., 1989); E. coli-Threonin-Deaminase
(Eisenstein, 1991); und E. coli Tol Q-Membran-Protein (Vianney,
A., et al., 1994).
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Die
Retention der Formyl-Gruppe an einem Protein, das in Bakterien-Expressionssystemen
exprimiert und daraus gereinigt wurde, ist bei der Herstellung rekombinanter
Pharmazeutika unerwünscht.
Infolgedessen sind komplexe und teure Reinigungsverfahren notwendig,
um das deformylierte Protein, an dem ein Interesse besteht, bis
zu einem Grad zu reinigen, der ausreicht, um es für die pharmazeutische
Verwendung zu qualifizieren. Außerdem
müssen
häufig
teure Analyseverfahren zur Quantifizierung der formylierten Isoform
entwickelt werden, um zu gewährleisten,
dass die Menge einer solchen Isoform im Endprodukt unter einer gewünschten
Menge liegt. Daher ist es notwendig, eine effiziente Entfernung
unerwünschter
Weise zurückbehaltener
N-Formyl-Gruppen an rekombinianten Proteinen zu erreichen, ohne
die Produktionsmenge des rekombinanten Proteins in Bakterien-Expressionssystemen
zu stören.
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ZUSAMMENFASSUNG DER ERFINDUNG
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Die
vorliegende Erfindung betrifft die Entdeckung von verfahren und
Materialien, die nützlich
sind bei der Entfernung zurückgehaltener
N-Formyl-Gruppen von naszenten rekombinanten N-Formyl-Methionin-Peptiden, die in transformierten
Bakterien-Wirten
(z. B. E. coli) erzeugt wurden. Im Allgemeinen und insgesamt sieht
die Erfindung Verfahren vor, die das Vorkommen zu rückbehaltener
N-formyl-Gruppen an rekombinanten, bakteriell exprimiert rekombinanten
Peptiden oder Proteinen (kollektiv als „rekombinante Proteine" bezeichnet) verringern
können,
ohne die Produktionsmenge an rekombinantem Protein im Wesentlichen
zu verringern, indem die Bakterien-wirtszellen veranlasst werden,
die Expression und/oder die Aktivität von PDF zu erhöhen, beispielsweise
durch genetische oder epigenetische Manipulationen. Vorzugsweise
wird dieses Ergebnis erreicht, indem ein exprimierbares PDF-Gen
in geeignete Bakterien-Wirtszellen transformiert wird, so dass die Menge
an PDF in den Bakterien-Wirtszellen erhöht wird. Ebenso in der Erfindung
inkludiert sind die so transformierten Wirtszellen.
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Bei
einer bevorzugten Ausführungsform
sieht die vorliegende Erfindung ein Verfahren zur Erzeugung rekombinanten
Proteins mit einer verringerten Retention von N-Formyl-Methionin
in transformierten Bakterien-Wirtszellen vor. Dieses Verfahren inkludiert
den Schritt des Transformierens von Bakterien-Wirtszellen mit DNA,
umfassend eine erste exprimierbare DNA-Sequenz, die für ein Peptid-Deformylase-Enzym
codiert, das auch funktionell mit einem Promotor verknüpft ist,
der in Bakterien-Wirtszellen funktionell ist, und eine zweite exprimierbare
DNA-Sequenz, die für
ein rekombinantes Protein codiert, das ebenfalls mit einem Promotor funktionell
verknüpft
ist, der in den Bakterien-Wirtszellen funktionell ist. Die exprimierbaren
DNA-Sequenzen können
auf einem einzigen DNA-Segment vorhanden sein, oder alternativ auf
verschiedenen Segmenten, die in die Bakterien-Wirtszellen co-transformiert
werden können.
Man kann dann transformierte Bakterien-Wirtszellen identifizieren,
die sowohl die erste als auch die zweite exprimierbare Sequenz aufweisen,
und die transformierten Bakterien-Wirtszellen unter Bedingungen
züchten,
die die Coexpression des rekombinanten Proteins und des PDF-Enzyms
bewirken, was zu einer wesentlichen Deformylierung des coexprimierten
rekombinanten Proteins führt.
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Bei
einer mehr bevorzugten Ausführungsform
befindet sich jede exprimierbare DNA-Sequenz auf einem DNA-Molekül, das ein
Marker-Gen enthält,
so dass transformierte Bakterien-Wirtszellen durch Auswahl von Bakterien
mit einem Marker-Merkmal, das durch das Marker-Gen übertragen
wird, identifiziert werden können.
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Bei
einer anderen bevorzugten Ausführungsform
hat das in der transformierten Wirtszelle erzeugte rekombinante
Protein sowohl eine verminderte Retention von N-Formyl-Methionin
als auch eine Menge der rekombinanten Protein-Produktion, die im
Wesentlichen gleich (d. h., mindestens etwa 80%) ist wie jene von
ansonsten identischen Wirtszellen, die nur mit einem DNA-Molekül transformiert
wurden, das das für
das rekombinante Protein codierende Gen aufweist.
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Bei
einer bevorzugten Ausführungsform
enthält
die zur Transformation verwendete DNA auch ein Marker-Gen. Die transformierten
Wirtszellen können
dann dadurch identifiziert werden, dass sie ein vom Marker-Gen vermitteltes
Marker-Merkmal aufweisen. Der transformierte Wirt kann als universelles
Expressionssystem zur Expression von Proteinen, für welche
erwünscht
ist, dass die Retention von N-Formyl-Methionin verringert ist, verwendet
werden.
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Zusätzliche
Ausführungsformen
betreffen Zellen, die Gene, welche für PDF codieren, und das interessierende
rekombinante Protein coexprimieren, und Vektoren, die für PDF und
das interessierende rekombinante Protein codieren.
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BESCHREIBUNG DER FIGUREN
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1 Plasmide pBGH1 und pXT179
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2 RP-HPLC-Analysen von BST,
isoliert aus induzierten Kulturen von W3110G[pBGH1] (A) und W3110G[pXT179]
(B). Die Absorption wurde auf Millivolt umgewandelt, um die Fläche unter
den Peaks zu bestimmen. Die beiden beobachtbaren Komponenten sind:
1. normales BST; und 2. BST, das eine Formylgruppe am N-terminalen Methionin
enthält.
Die letztere Sorte wurde sowohl durch Massenspektrometrie als auch durch
Hydrolyse zur Entfernung der Formylgruppe vom Protein, gefolgt von
RP-HPLC, identifiziert. Die Stämme
W3110G[pBGH1] und W3110G[pXT179] wurden in 10 l-Fermentationsgefäßen gezüchtet und
mit Indol-Acrylsäure
induziert (Bogosian, G., et al., 1989). Einschlusskörper, die
BST enthielten, wurden aus den Kulturen durch Homogenisieren und
Zentrifugieren isoliert, und das BST wurde aufgelöst und wieder
gefaltet (Bogosian, G., et al., 1989). Das BST wurde durch DEAE-Cellulose-Ionenaustausch-Chromatographie
weiter gereinigt (Wood, D. C., et al., 1989). Von diesem Material
wurde formyliertes BST vom Gesamt-BST mit einem RP-HPLC-System von
Perkin Elmer, Series 4, unter Verwendung einer Vydac C-18-Säule abgetrennt.
Die Chromatographiebedingungen waren: Fließgeschwindigkeit 1,5 ml/min,
mit konstanter 40 mM Trifluoressigsäure, und 54–60% Acetonitril während 24
min, gefolgt von 60–75%
Acetonitril während
6 min. Die untere Nachweisgrenze für das formylierte BST ist etwa
0,5% des Gesamt-BST.
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BESCHREIBUNG
ILLUSTRATIVER AUSFÜHRUNGSFORMEN
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Einer
der Hauptnachteile der Expression pharmazeutisch nützlicher
rekombinanter Proteine in prokaryontischen Expressionssystemen ist
die unerwünschte
Retention formylierter Isoformen, was dazu führt, dass großtechnische
Produktionssysteme teurer und weniger effizient sind, als sie sollten.
Daher ist es ein Ziel der vorliegenden Erfindung, eine effiziente
Entfernung zurückgehaltener
N-Formyl-Gruppen an rekombinanten Proteinen ohne beträchtliche
Verringerung der Produktionsmenge solcher Proteine in prokaryontischen
Expressionssystemen zu erreichen.
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Bei
einer Ausführungsform
werden die Bakterien-Wirtszellen, die ein rekombinantes Protein,
an dem ein Interesse besteht, exprimieren, mit einem Gen transformiert,
das für
ein PDF-Enzym codiert, so dass die PDF-Expressionsmenge in der Zelle
im Vergleich zur Menge seiner ursprünglichen Expression erhöht wird. Für den Zweck
der vorliegenden Erfindung ist die Retention von N-Formyl-Methionin
verringert, wenn das rekombinante Protein-Produkt, an dem ein Interesse besteht,
weniger formyliert ist als wenn es in einer Bakterien-Wirtszelle
erzeugt worden wäre,
die – ansonsten
identisch – nicht
mit einem für
das PDF-Enzym codierenden Gen transformiert wurde.
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Das
genetische Material, das für
das PDF-Enzym codiert, kann unter Verwendung einer Vielzahl von Techniken,
die dem Fachmann bekannt sind, hergestellt werden, einschließlich – ohne jedoch
darauf eingeschränkt
zu sein – PCT-Technologie,
Klonieren aus genomischen DNA-Bibliotheken oder cDNA-Klonierung aus
Messenger-RNA, unter
Verwendung einer Vielzahl von anwendbaren Screening-Verfahren, die dem
Fachmann bekannt sind, zur Identifizierung von Klonen, die das PDR-Gen
aufweisen. Die PCR-Technologie ist in Ronald M. Atlas und S. Asimk
Bej, Polymerase Chain Reaction, S. 418–435 in Methods for General
and Molecular Biology, Philipp Gerhardt American Society of Microbiology,
Wash. D. C. 1994 beschrieben, und andere Klonierungstechniken sind
in Sambrook, et al. Molecular Cloning Manual, 2. Ausgabe, 1989.
beschrieben, von welchen jedes durch Hinweis darauf hierin mit einbezogen
ist.
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Eine
Vielfalt induzierbarer Kontroll-Systeme kann verwendet werden, um
die Menge an PDF zu variieren, und jedes beliebige ist zur Verwendung
bei dieser Erfindung geeignet. Bei einer bevorzugten Ausführungsform
ist der Promotor, mit welchem die PDF verbunden ist, chemisch induzierbar
und wird die transformierte E. coli in Anwesenheit einer Menge einer
Inducer-Verbindung gezüchtet,
die ausreicht, um die PDF-Produktion auf eine gewünschte Menge
zu steigern. Bei der am meisten bevorzugten Ausführungsform ist der Promotor
ein durch Indolacrylsäure
induzierbarer trp-Promotor, und die Inducer-Verbindung ist Indol-acrylsäure. Die
gewünschte
Menge an PDF, die je nach dem verwendeten Kontrollsystem variiert,
liegt zwischen der Produktionsmenge von nicht-transformierter E.
coli und der maximalen Produktionsmenge der transformierten E. coli.
Ein Fachmann kann bestimmen, welche besondere PDF-Menge erwünscht ist
und welches Kontrollsystem verwendet werden sollte, um den spezifischen
Anforderungen des Fachmanns zu entsprechen. Eine Anzahl von Promotoren,
die den Fachleuten bekannt sind, kann bei der vorliegenden Erfindung
verwendet werden, einschließlich
lac, tac, rec A, ara und lambda p1.
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Die
vorliegende Erfindung ist auch auf die transformierten Bakterien-Wirtszellen
gerichtet, die erhöhte Mengen
an PDF erzeugen. Der verwendete Bakterienstamm kann von jeglicher
transformierbarer Spezies sein. Vorgzusweise ist das Bakterium ein
Mitglied der Enterobacteriaceae-Familie. Bei einer bevorzugten Ausführungsform
ist das Bakterium E. coli, am meisten bevorzugt ein E. coli K12-Stamm.
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Bei
einer anderen Ausführungsform
sieht die vorliegende Erfindung ein Verfahren zur Deformylierung von
rekombinantem, in Bakterien erzeugtem Protein vor, welches die Steigerung
der Produktion eines PDF-Enzyms in den Bakterien, in welchen das
rekombinante Protein ebenfalls erzeugt wird, umfasst. Mit diesem
Verfahren kann man die transformierten Bakterien unter Bedingungen
züchten,
die eine Koexpression des rekombinanten Proteins und des PDF-Enzyms
bewirken. Das PDF-Gen und das für
das rekombinante Protein, an dem ein Interesse besteht, codierende
Gen sind jeweils so gestaltet, dass sie funktionell verknüpft sind
mit einem geeigneten Promotor, an dem ein Interesse besteht, welcher
die Expression der PDF und des rekombinanten Proteins, an dem ein
Interesse besteht, lenken kann. Bei einer bevorzugten Ausführungsform
befinden sich die DNA-Sequenzen, die für das rekombinante Protein
und für
das PDF-Enzym co dieren, auf dem selben DNA-Molekül und sind mit demselben Promotor
funktionell verknüpft.
Vorzugsweise stehen diese beiden Sequenzen unter der Kontrolle des
durch die Indolacrylsäure
induzierbaren trp-Promotors, ohne Transkriptions-Terminator zwischen
den beiden Genen, obwohl andere Promotoren und Konfigurationen bestimmt
und von den Fachleuten verwendet werden könnten. Bei einer anderen Ausführungsform
befinden sich die beiden Sequenzen auf demselben Molekül, sind
jedoch mit getrennten Promotoren funktionell verknüpft, die
von der gleichen oder von verschiedener Art sein können.
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Bei
noch einer anderen Ausführungsform
liegen die beiden Sequenzen auf zwei verschiedenen DNA-Molekülen vor
und stehen unter der Kontrolle separater Promotoren, die auch von
der gleichen oder von verschiedener Art sein können. Daher ist es, obwohl
der trp-Promotor bei der bevorzugten Ausführungsform zum Treiben der
Expression sowohl des PDF-Gens als auch jenes Gens, das für das gewünschte Polypeptid, an
dem ein Interesse besteht, codiert, verwendet wird, nicht notwendig,
dass der trp-Promotor verwendet wird oder dass sogar beide Gene
vom selben Promotor getrieben werden. Alternative Ausführungsformen
ermöglichen
die Wahl eines Promotors, um die gewünschte Expressionsmenge in
einem bestimmten Zelltyp zu erreichen.
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Es
ist wichtig, ein PDF-Gen zu wählen,
welches mit dem Bakterien-Wirt kompatibel ist, so dass es funktionell
im Bakterien-Wirt
exprimiert wird. Vorzugsweise ist daher die DNA-Sequenz, die für die PDF
codiert, im Wesentlichen dieselbe wie die DNA-Sequenz, die für das PDF-Enzym codiert, welches
für den
verwendeten Bakterienstamm endogen ist. Bei einer bevorzugten Ausführungsform
sind der Stamm und das PDF-Enzym von E. coli, und in einer noch
mehr bevorzugten Ausführungsform
ist das Gen von einem E. coli-K12-Stamm und in einen Stamm desselben
Genotyps eingeführt.
Für die
Zwecke dieser Erfindung ist ein E. coli-PDF-Gen ein solches, welches
für ein
PDF-Enzym codiert, dessen Aminosäuresequenz
im Wesentlichen ähnlich
der Aminosäuresequenz
des E. coli-PDF-Enzyms ist und welches im E. coli-Wirt exprimierbar
und funktionsfähig ist.
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Das
für das
Protein, an dem ein Interesse besteht, codierende „Gen" kann aus einer beliebigen
Anzahl heterologer Gene oder cDNAs, die für die Protein-Produktion in
einem prokaryontischen Wirt ausgelegt sind, ausgewählt werden.
Da die proka ryontische Transkriptions/Translations-Maschinerie die
häufig
in nicht-verarbeiteter eukaryontischer RNA vorhandenen Introns nicht
erkennen und entfernen kann, wird, wenn das Gen, an dem ein Interesse
besteht, in der vorliegenden Erfindung ein eukaryontisches Gen ist,
welches Introns enthält,
die entsprechende cDNA anstelle des Gens selbst als Quelle für die DNA
verwendet, die in den Bakterien-Stamm eingeführt wird, welcher zur Produktion
des rekombinanten Proteins benützt
wird. Bei der am meisten bevorzugten Ausführungsform codiert das Gen,
an dem ein Interesse besteht, für
Somatotropin. Bei einer anderen bevorzugten Ausführungsform codiert das Gen,
an dem ein Interesse besteht, für
humanen Granulozyten-Kolonie-stimulierenden Faktor. Es sind jedoch
auch andere Gene, die für
rekombinante Proteine codieren, welche einen inakzeptablen Anteil
der formylierten N-terminalen Methionin-Isoformen zurückhalten,
geeignet, einschließlich
humanes Interleukin 5 (IL-5), humanes Parathyroidhormon, Aalwachstumshormon, 1-Acyl-sn-glycerin-3-phosphat-acetyltransferase,
bovines Fettsäure-Bindungsprotein,
bovines Cytochrom p450 und humanes gamma-Interferon.
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Optimalerweise
sollte das System so konstruiert sein, dass es eine verstärkte PDF-Expressionsmenge ermöglicht,
die nicht auf Kosten der Menge der Expression des Proteins, an dem
ein Interesse besteht, geht. Bei einer am meisten bevorzugten Ausführungsform
sieht die vorliegende Erfindung ein Verfahren zur wesentlichen Verringerung
der Retention von N-Formyl-Methionin ohne wesentliche Verringerung
der Menge an erzeugtem rekombinantem Protein vor. Demgemäß erzeugen
die transformierten Bakterien am meisten bevorzugt das rekombinante
Protein in einer Menge, die größer als
etwa 80% jener Menge ist, die von Bakterien erzeugt wird, welche – ansonsten
identisch – die
für ein
PDF-Enzym codierende
DNA-Sequenz nicht enthalten.
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Vor
der Transformation in den Bakterien-Wirt können die für die PDF codierenden DNA-Segmente
und das für
das Protein, an dem ein Interesse besteht, codierende Gen in jeden
aus einer beliebigen Anzahl geeigneter Vektoren für die Transformation
in den Bakterien-Wirt inkorporiert werden. Zu den geeigneten Vektoren
zählen
Plasmid-Vektoren, Cosmid-Vektoren und Phagen-Vektoren, die alle
dem Fachmann bekannt sind, beispielsweise wie von Sambrook et al.
beschrieben. Das PDF-Gen und das für das Protein, an dem ein Interesse
besteht, codierende Gen können
auf dem selben oder auf separaten Molekülen vorhanden sein, wobei vorzugsweise
jedes DNA-Molekül
ein Marker-Gen enthält,
so dass transformierte Bakterien-Wirtszellen identifiziert werden
können.
Wenn die Gene auf separaten Molekülen vorgesehen sind, kann der
Bakterien-Wirt mit beiden DNA-Molekülen gleichzeitig oder zu verschiedenen
Zeiten transformiert werden. Beispielsweise werden bei einer Ausführungsform
die Bakterien mit einem Vektor transformiert, der das für die PDF
codierende Gen enthält,
welches dann stabil in das Chromosom integriert werden kann. Die
resultierenden transformierten Bakterien können dann nach Belieben beibehalten
und mit dem zweiten Vektor transformiert werden, der für ein Protein,
an dem ein Interesse besteht, codiert. Das Transformationsverfahren
ist nicht von kritischer Bedeutung, obwohl es bevorzugt sein kann,
dass die Zellen unter Verwendung eines Vektors transformiert werden,
der stabil in das Chromosom integriert wird. Ein Vektor dieses Typs
ist Bakteriophage lambda. Ein anderes Beispiel ist der Bakteriophage
Mu-Vektor, der im US-Patent 5,395.763 geoffenbart ist. Dieser Mu-Vektor wäre bei Verwendung
in der vorliegenden Erfindung wegen seiner größeren Stabilität im Vergleich
zu Plasmid-Vektoren, seiner kleineren Größe im Vergleich zum Bakteriophagen
lambda, und seiner Fähigkeit
zu einer strikten Regulierung der rekombinanten Protein-Gen-Expression
besonders vorteilhaft. Es wurde auch ein anderer Ansatz zur Konstruktion
von E. coli-Stämmen
mit zahlreichen, stabilen chromosomalen Insertionen beschrieben,
welcher auf Modul-Elementen für
die stellen-spezifische Rekombination von Tn1545 und Phage lambda
basiert (Peredelchuk, M. und Bennet, G., 1997).
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Ein
Fachmann würde
erkennen und verstehen, dass zahlreiche alternative Ausführungsformen
dieser Erfindung Ansätze
zur Manipulation endogener PDF-Expression und/oder Aktivität umfassen
könnten.
Beispielsweise wurden eine Vielfalt von Strategien für gezieltes
Ersetzen oder Modifizieren von endogenen Bakterien-Chromosomen-Regionen
beschrieben (vgl. z. B. Gutterson, N. I. und Koshland, D., 1983;
Hamilton, C., et al., 1989; Moskovitz, J., et al., 1995). Man könnte einen
solchen Ansatz verwenden, um genetische Modifizierungen in E. coli
einzuführen,
die zu einer erhöhten
PDF-Expression/Aktivität
führen
würden.
Beispielsweise könnte
der endogene PDF-Promotor durch einen starken Promotor, wie den
trp-Promotor ersetzt werden, welcher größere Mengen der PDF-Expression
ermöglichen
würde.
Außerdem
könnte
der endogene PDF-Promotor auf eine Weise modifiziert werden, die
entweder ein negatives Transkriptions-Regulations-Element entfernen
oder ein Regulations-Element einführen würde, das die Transkription
verbessert. Als zusätzliches
Mittel, mit welchem die PDF-Expression verstärkt werden könnte, könnte ein
rekombinantes DNA-Molekül
in die Bakterienzellen eingeführt
werden, welches die Erzeugung eines Proteins bewirken würde, das
die endogene PDF-Aktivität
verstärken
kann, wie ein Transkriptionsfaktor, ein Protein, das mit PDF als
positivem Regulator physikalisch interagiert, oder ein Protein,
das als positiver stromaufwärts-Regulator
von PDF wirkt. Alternativ könnte
man ein Protein entfernen oder eliminieren, welches normalerweise
auf irgendeine Art als negativer Regulator der PDF-Expression und/oder
Aktvität
wirkt. Dies könnte
beispielsweise erreicht werden, indem man eine genetische Modifikations-Strategie,
wie oben erwähnt,
anwendet, um das für
den negativen Regulator codierende Gen zu eliminieren oder zu beeinträchtigen,
oder indem man eine Antisense-Inhibierung der Gen-Expression verwendet,
um die Produktion des negativen Regulators zu inhibieren.
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Die
folgenden Beispiele sollen eine bevorzugte Ausführungsform der vorliegenden
Erfindung veranschaulichen, diese jedoch nicht einschränken.
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Die
Herstellung von Expressionssystemen, bei welchen die Retention verschiedener
N-formylierter Proteine verringert wurde durch Transformation von
Bakterien-Wirten mit DNA-Vektoren, die für Peptid-Deformylase und das
interessierende rekombinante Protein codieren, ist dargelegt.
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Beispiel 1: Klonierung
des E. coli-PDF-Gens
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Bei
diesem Beispiel führte
die Einführung
der PDF- und boviner Somatotropin-Gene unter der Kontrolle eines
trp-Promotors zu einer Verringerung des N-formylierten BST von einer
Menge von etwa fünf
Prozent Gesamt-BST in einem Kontroll-Stamm, der das BST-Gen, jedoch
nicht das PDF-Gen auf dem Plasmid enthielt, bis zu einer nicht nachweisbaren
Menge bei Stämmen,
die beide Gene enthalten.
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Primer,
die beide Enden des E. coli-PDF-Gens flankierten, basierten auf
der veröffentlichten
Nukleotid(nt)-Sequenz für
diese Region (Guillon, J. M., et al., 1992). Der Vorwärts-(Initiierungs-Ende
des Gens)-Primer hatte die Sequenz 5'-GCAT- GAGTCGCATGCATTAAGTCTGGAGATT TATGTCAGTT-3' (SEQ. ID Nr. 1), welche
die Erkennungsstelle für
die Restriktions-Endonuklease SphI (GCATGC) beinhaltet. Der Revers-(Terminations-Ende
des Gens)-Primer
hatte die Sequenz 5'-GCAGAGTATGCGTCGACTTAAGCCCGGGCTTTCAGACG-3' (SEQ. ID. Nr. 2),
welche eine Erkennungsstelle für
die Restriktions-Endonuklease SalI (GTCGAC) beinhaltet. Bei einer
PCR-Reaktion begrenzen diese Primer ein amplifiziertes Produkt,
welches das gesamte PDF-Struktur-Gen, einschließlich der nativen Ribosomen-Bindungsstelle,
jedoch ohne jegliche zugehörigen
Promotoren oder andere regulierenden Sequenzen inkludiert (Guillon,
J. M., et al., 1992). Die PCR wurde unter Verwendung von chromosomaler
DNA aus E. coli K-12 Stamm W3110G (Bogosian, G. et al., 1989) als Matrize
durchgeführt,
was zum vorausgesagten 500 Basenpaar-Produkt führte, welches dann kloniert
und nt-sequenziert wurde. Die so erhaltene PDF-Nukleotid-Sequenz
war in jeder Hinsicht mit der zuvor veröffentlichen (Guillon, J. M.,
et al., 1992; Mazel, D., et al., 1994) identisch.
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Beispiel 2: Konstruktion
und Eigenschaften von pXT179
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Das
500 bp-PCR-Produkt, welches das PDF-Gen enthielt, wurde mit SphI
und SalI verdaut und in die SphI- und SalI-Stellen an pBGH1 subkloniert,
einem Plasmid-Vektor, der für
die Überproduktion
von bovinem Somatotropin (BST) verwendet werden kann und bereits
früher
beschrieben wurde (Seeburg, P. H., et al., 1983; Calcott, P. H.,
et al., 1988; Bogosian, G., et al., 1989, 1990; Kane, J. F., et
al., 1990). Das resultierende Konstrukt wurde als pXT179 bezeichnet,
ein Plasmid, bei welchem die BST- und PDF-Gene unter der Kontrolle des trp-Promotors
stehen. Es gibt keinen Transkriptions-Terminator zwischen den BST-
und PDF-Genen im Vektor. Eine Synthese von Proteinen auf hohem Niveau,
die von Genen unter der Kontrolle des trp-Promotors codiert werden,
auf solchen Plasmiden kann durch Züchten eines mit pXT179 transformierten
Stammes ohne Tryptophan in Anwesenheit des Inducers Indolacrylsäure (IAA)
erreicht werden (Calcott, P. H., et al., 1988; Bogosian, G., et
al., 1989; Kane, J. F., et al., 1990). Um die Auswirkung des PDF-Gens
auf die Menge des zurückgehaltenen
formylierten BST zu bestimmen, wurde E. coli K-12 Stamm W3110G sowohl
mit pBGH1 als auch mit pXT179 transformiert, was zu zwei Stämmen führte, die
mit W3110G[pBGH1] bzw. W3110G[pXT179] bezeichnet wurden. Beide Stämme erzeugten
BST zu etwa 30% des gesamten Zellproteins.
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Beispiel 3: PDF-Produktion
und die Deformylierung von BST
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Rohextrakte,
hergestellt aus mit IAA induzierten Kulturen der beiden transformierten
Stämme
wurden mittels des Verfahrens von Adams (1968) auf PDF-Aktivität untersucht.
Jeder Test wurde an drei unabhängigen
Kulturen jedes Stammes dreifach durchgeführt. Der rohe Zellextrakt des
Stammes W3110G[pXT179] hatte mehr als 40mal so viel PDF-Aktivität wie der
Extrakt aus dem Stamm W3110G[pGH1] (110 ± 10 im Vergleich zu 2,6 ± 0,8 Einheiten).
BST wurde aus beiden Stämmen
isoliert und RP-HPLC-Analysen unterzogen, um die f-Met-Retention
abzuschätzen.
Jede dieser Analysen wurde an jeder Probe zweifach durchgeführt. Aus
dem Stamm W3110G[pBGH1] gereinigtes BST weist unter solchen Bedingungen
zwei Peaks auf. Ein repräsentatives
RP-HPLC-Profil ist in 2 gezeigt.
Der größere Peak
ist Met-BST, und der kleinere Peak ist f-Met-BST (Bogosian, G.,
et al., 1989), was etwa 5% des gesamten, erzeugten BST darstellt.
Der kleinere zweite Peak im RP-HPLC-Profil für BST, das aus Stamm W3110G[pXT179]
gereinigt worden war, schien kein f-Met-BST zu enthalten, da der
f-Met-BST-Peak eine Retentionszeit von etwa 18,4 min und der kleinere
zweite Peak eine Retentionszeit von etwa 18,8 min hatte. Um jedoch
diese Möglichkeit
auszuschließen,
wurde das Material, welches den kleineren Peak aufwies, isoliert
und einer Elektrospray-Massenspektrometrie unterzogen, welche das
Fehlen von f-Met-BST bestätigte.
Das BST aus diesem kleineren Peak hatte eine Masse, die 42–46 Dalton größer als
Met-BST war, jedoch würde
die Zugabe einer Formylgruppe zu Met-BST die Masse nur um 28 Dalton
erhöhen.
Das Material des kleineren Peak ist höchstwahrscheinlich BST, das
an einem Lysin-Rest carbamyliert ist, was die Masse um 43 Dalton
erhöhen
würde.
Man weiß,
dass die Verwendung von Harnstoff zum Auflösen von BST-Einschlusskörpern beim
hier verwendeten Reinigungsverfahren (Bogosian, G., et al., 1989) zur
Carbamylierung von Lysin in einer sehr kleinen Fraktion des BST
führt (unveröffentlichte
Beobachtungen). So war, während
die f-Met-BST-Isoform in einer Menge von etwa 5% des gesamten, im W3110G[pBGH1]-Stamm
erzeugten BST vorhanden war, dieses auf nicht nachweisbare Mengen
im Stamm mit den erhöhten
PDF-Mengen (d. h., W3110G[pXT179]) reduziert.
-
Die
obigen Daten ergeben drei bedeutende Beobachtungen. Erstens ist
das aus E. coli K12-Stamm W3110G erhaltene und in den obigen Beispielen
verwendete PDF-Gen mit dem PDF-Gen aus anderen E. coli-Stämmen identisch.
Zweitens hatte ein E. coli-Stamm,
der das PDF-Gen unter der Kontrolle des trp-Promotors auf einem
Plasmid mit hoher Kopienanzahl exprimierte, Mengen an PDF, die um
mehr als das 40-fache höher
waren als beim entsprechenden Stamm mit einer einzigen Chromosomen-Kopie
des PDF-Gens. Drittens führte
die Expression der BST- und PDF-Gene auf hohem Niveau zur Eliminierung
von nachweisbarem f-Met-BST. Diese Vorgangsweise sollte allgemein
zur Verhinderung der f-Met-Retention in in E. coli oder anderen
Organismen exprimierten Proteinen anwendbar sein. Diese Daten veranschaulichen
die Nützlichkeit
der Überexpression
von PDF als Mittel zum Entfernen zurückgehaltener Formyl-Gruppen
von bakteriell exprimierten rekombinanten Proteinen.
-
Beispiel 4: Erzeugung
von deformyliertem humanen Granulozyten-Kolonie-stimulierenden Faktor
(GCSF)
-
PCR-Primer
sind auf Basis der veröffentlichten
GCSF-cDNA-Sequenz (Tsuchiya, N., et al., 1986) entworfen, die ein
amplifiziertes Produkt begrenzen, welches die gesamte GCSF-Struktur-Codierregion einschließlich der
nativen Ribosomen-Bindungsstelle beinhaltet. Die PCR wird unter
Verwendung eines Plasmids, das die GCSF-cDNA enthält, als
Matrize durchgeführt,
und das resultierende Produkt wird sequenziert, um zu verifizieren,
dass es mit der entsprechenden veröffentlichten Sequenz identisch
ist.
-
Unter
Verwendung molekular-biologischer Standard-Techniken (wie beispielsweise
in Sambrook, 1989, beschrieben), wird das PCR-Produkt mit dem (den)
entsprechenden Restriktions-Enzym(en) verdaut und in pBGHI an die
Stelle der für
BST codierenden Sequenzen subkloniert. Das resultierende Plasmid
enthält daher
das GCSF-Gen unter der Steuerung des trp-Promotors. Das 500 bp-PCR-Produkt, welches
die PDF (wie in Beispiel 1 beschrieben) enthält, wird einem Restriktions-Verdau
unterzogen und in das trp-GCSF-Plasmid
subkloniert, so dass ein neues Plasmid geschaffen wird, bei welchem
sowohl die PDF als auch das GCSF unter der Kontrolle des trp-Promotors
stehen.
-
Um
die Auswirkung des PDF-Gens auf die Menge des zurückgehaltenen
formylierten GCSF zu bestimmen, wird E. coli K-12 Stamm W3110G transformiert,
um zwei transformierte Stämme
zu erzeugen, einen mit dem Plasmid, das PDF und GCSF enthält, und
einen mit dem Plasmid, das nur GCSF enthält. Große Synthesemengen der Proteine
werden durch Züchten
von W3110G in Anwesenheit von IAA, wie beschrieben, erreicht. Aus
mit IAA induzierten Kulturen der beiden transformierten Stämme hergestellte
Rohextrakte werden mit dem Verfahren von Adams (1968) auf PDF-Aktivität untersucht,
und rekombinanter GCSF wird aus beiden Stämmen isoliert und mittels RP-HPLC
analysiert, um die f-Met-Retention zu evaluieren. Unter Verwendung dieser
Vorgangsweise würden
Ergebnisse erhalten, die ähnlich
jenen sind, die für
BST in Beispiel 3 beschrieben wurden. Somit würden die Mengen an nachweisbarem
f-Met-GCSF vorteilhaft
eliminiert.
-
Beispiel 5: Herstellung
von deformyliertem humanem Interleukin-5 (IL-5)
-
PCR-Primer
auf Basis der veröffentlichten
IL-5-cDNA-Sequenz (Azuma, C., et al., 1986) werden entworfen, die
ein amplifiziertes Produkt begrenzen, welches die gesamte IL-5-Struktur-Codier-Region
einschließlich
der nativen Ribosomen-Bindungsstelle enthält. PCR wird unter Verwendung
von IL-5-cDNA enthaltendem Plasmid als Matrize durchgeführt, und
das resultierende Produkt wird sequenziert, um zu verifizieren, dass
es mit der entsprechenden veröffentlichten
Sequenz identisch ist.
-
Unter
Verwendung von molekular-biologischen Standard-Techniken (beispielsweise wie in Sambrook, 1989,
beschrieben) wird das PCR-Produkt mit dem (den) entsprechenden Restriktions-Enzym(en) verdaut
und in pBGH1 an die Stelle der für
BST codierenden Sequenzen subkloniert. Das resultierende Plasmid
enthält daher
das IL-5-Gen unter der Kontrolle des trp-Promotors. Das 500 bp-PCR-Produkt,
welches PDF enthält
(wie in Beispiel 1 beschrieben), wird einem Restriktions-Verdau
unterzogen und in das trp-IL-5-Plasmid subkloniert, so dass ein
neues Plasmid geschaffen wird, bei welchem sowohl PDF als auch IL-5
unter der Kontrolle des trp-Promotors stehen.
-
Um
die Wirkung des PDF-Gens auf die Menge an zurückgehaltenem formyliertem IL-5
zu bestimmen, wurde E. coli K-12 Stamm W3110G transformiert, um
zwei transformierte Stämme
zu erzeugen, einen mit dem Plasmid, das PDF und IL-5 enthält, und
einen mit dem Plasmid, das nur IL-5 enthält. Die Synthese der Proteine auf
hohem Niveau wird erreicht, indem W3110G in Anwesenheit von IAA
wie beschrieben gezüchtet
wird. Die aus mit IAA induzierten Kulturen der beiden transformierten
Stämme
erzeugten Rohextrakte werden mit dem Verfahren von Adams (1968)
auf PDF-Aktivität
un tersucht, und rekombinantes IL-5 wird aus beiden Stämmen isoliert
und mittels RP-HPLC analysiert, um die f-Met-Retention zu evaluieren.
Unter Verwendung dieser Vorgangsweise würden Ergebnisse ähnlich jenen,
die für
BST in Beispiel 3 beschrieben wurden, erhalten. Somit würden die
Mengen des detektierbaren f-Met-IL-5
vorteilhaft eliminiert.
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Beispiel 6: Produktion
von deformyliertem humanen gamma-Interferon (IFN-gamma)
-
PCR-Primer
auf Basis der veröffentlichten
IFN-gamma-cDNA-Sequenz (Leung, D., et al., 1982) werden entworfen,
die ein amplifiziertes Produkt begrenzen, welches das gesamte IFN-gamma-Struktur-Gen einschließlich der
nativen Ribosomen-Bindungsstelle enthält. Die PCR wird unter Verwendung
von IFN-gamma-cDNA enthaltendem Plasmid als Matrize durchgeführt, und
das resultierende Produkt wird sequenziert, um zu verifizieren,
dass es mit der entsprechenden veröffentlichten Sequenz identisch
ist.
-
Unter
Verwendung molekular-biologischer Standard-Techniken (wie beispielsweise
in Sambrook, 1989, beschrieben), wird das PCR-Produkt mit dem (den)
entsprechenden Restriktions-Enzym(en) verdaut und in pBGHI an Stelle
der für
BST codierenden Sequenzen subkloniert. Das resultierende Plasmid
enthält daher
das IFN-gamma-Gen
unter der Steuerung des trp-Promotors. Das 500 bp-PCR-Produkt, welches
die PDF (wie in Beispiel 1 beschrieben) enthält, wird einem Restriktions-Verdau
unterzogen und in das trp-IFN-gamma-Plasmid
subkloniert, so dass ein neues Plasmid geschaffen wird, bei welchem
sowohl die PDF als auch das IFN-gamma unter der Kontrolle des trp-Promotors
stehen.
-
Um
die Auswirkung des PDF-Gens auf die Menge des zurückgehaltenen
formylierten IFN-gamma zu bestimmen, wird E. coli K-12 Stamm W3110G
transformiert, um zwei transformierte Stämme zu erzeugen, einen mit
dem Plasmid, das PDF und IFN-gamma enthält, und einen mit dem Plasmid,
das nur IFN-gamma enthält.
Eine hochgradige Synthese der Proteine wird durch Züchten von
W3110G in Anwesenheit von IAA, wie beschrieben, erreicht. Aus mit
IAA induzierten Kulturen der beiden transformierten Stämme hergestellte
Rohextrakte werden mit dem Verfahren von Adams (1968) auf PDF-Aktivität untersucht,
und rekombinantes IFN-gamma wird aus beiden Stämmen isoliert und mittels RP-HPCL
analysiert, um die f-Met-Retention zu evaluieren. Unter Verwendung
dieser Vorgangsweise würden
Ergebnisse erhalten, die ähnlich
jenen sind, die für BST
in Beispiel 3 beschrieben wurden. Somit können die Mengen an nachweisbarem
f-Met-IFN-gamma vorteilhaft eliminiert werden.
-
Der
Fachmann würde
verstehen, dass unter Verwendung dieser Vorgangsweise die f-Met-Retention in
im Wesentlichen jedem rekombinanten Protein, an dem ein Interesse
besteht, welches normalerweise nach mikrobieller Produktion eine
geringfügige
f-Met-Retention
aufweist, minimiert oder eliminiert werden könnte.
-
Die
folgenden Literaturstellen können
zum Verständnis
und zur Ausübung
der Erfindung nützlich
sein. Das Miteinbeziehen einer Literaturstelle in der folgenden
Liste soll jedoch nicht bedeuten, dass zugegeben wird, dass jede
dieser Literaturstellen in Bezug auf die vorliegende Erfindung Stand
der Technik ist.
-
LITERATURSTELLEN
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