DE753048C - Verfahren zur Foerderung von Melamin - Google Patents
Verfahren zur Foerderung von MelaminInfo
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- C07—ORGANIC CHEMISTRY
- C07D—HETEROCYCLIC COMPOUNDS
- C07D251/00—Heterocyclic compounds containing 1,3,5-triazine rings
- C07D251/02—Heterocyclic compounds containing 1,3,5-triazine rings not condensed with other rings
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Description
AUSGEGEiBENAM
21. AUGUST 1952
21. AUGUST 1952
RE ICHS PATE NTAMT
PATENTSCHRIFT
KLASSE 12p GRUPPE
G 96186IV c j 12 ρ
Dr. Willi Fisch, Binningen b. Basel (Schweiz) ist als Erfinder genannt worden
Verfahren zur Förderung von Melamin
Patentiert im Deutschen Reich vom 7. September 1937 an
Bei den bekannten Herstellungsverfahren des Melamine fällt das. genannte Produkt
stets in festem Zustande in der Form von Kristallen, Pulver oder als zusammenhängender
Kuchen an. Um dieses Material, wie es in der Technik meist üblich ist, durch Rohre·
und Ventile aus dem Reaktionsraum zu entfernen, muß es entweder in die Form einer
Lösung'oder in diejenige einer Suspension
übergeführt werden. Für die erstgenannte Arbeitsweise fehlt bis heute noch ein geeignetes
Lösungsmittel, welches das Melamin ohne Zersetzung in genügender Menge löst. Die Suspensionsmethode1 gelingt auch nur,
„wenn das Produkt in feinkörniger Form vorliegt, und selbst dann bietet die Förderung
von Suspensionen durch Rohre und besonders durch Ventile Schwierigkeiten. Dia Förderung
das Umsetzungsgutes wird besonders schwierig, wenn die Herstellung des Melamins
aus den Tnelaiminbildenden' Substanzen kontinuierlich
in Reaktionsröhren vorgenommen wird. In diesem Falle ist die Gefahr des Verstopfens
der Rohre und Ventile besonders schwer zu vermeiden. Die Verwendung einer Lösung oder einer Suspension zwecks Förderung
des Materials hat außerdem noch den Nachteil, daß nachträglich das Lösungs^- bzw.
Suspensionsmittel wieder von dem zu fördernden Material getrennt werden muß.
Diese Nachteile werden gemäß vorliegender Erfindung dadurch überwunden, daß das
Melamin in geschmolzenem Zustande gefördert wird.
Es hat sich gezeigt, daß es möglich ist, Melamin aus melaminbildenden Substanzen
in geschmolzenem Zustande ohne Zersetzung ίο herzustellen und in dieser Form aus dem
Reaktionsraum zu entfernen, wenn der Vorgang in Gegenwart von Ammoniak ausgeführt
wird. Es ist natürlich auch möglich, das Melamin zuerst bei tieferen Temperaturen herzustellen
und dann auf die Schmelztemperatur zu erhitzen. Da,s unter Ammoniakdruck stehende
flüssige Melamin kann durch eine kleine öffnung in eine Vorlage abgeblasen und rasch
gekühlt werden, wobei es als feines Pulver ausfällt, oder es kann auch in flüssiger Form
in einer Vorlage aufgefangen und dort durch Kühlung zur Erstarrung gebracht werden.
Auf diese Weise ist es möglich, je nach den Ausgangsstoffen und nach dem Ammoniakdruck
Auebeuten bis zu 100 °/o zu erreichen.
Die Schmelztemperatur des- Umsetzungsgutes ist natürlich abhängig von der. jeweiligen
Zusammensetzung des Gemisches und liegt im Bereich von etwa 3500. Wird das Melamin enthaltende Reaktionsgemisch längere Zeit auf oder über der
Schmelztemperatur gehalten, so liegt die untere Grenze des Ammoniakdruckes, der die
Zersetzung des Melamins verhindert, bei etwa 100 Atmosphären. Erfolgt jedoch der
Durchgang durch den hohen Temperaturbereich innerhalb kurzer Zeit, z. B. in. Reaktionsröhren,
derart, daß die Durchgangsgeschwindigkeit wesentlich höher ist als die Zersetzungsgeschwindigkeit, so tritt auch
bei sehr wesentlich geringeren Ammoniakdrucken keine merkliche Zersetzung des
Melamins ein.
Es war keineswegs vorauszusehen, daß es gelingt, Melamin ohne Zersetzung zu schmelzen,
oder daß es möglich ist, melaminbildende Substanzen in guter Ausbeute in geschmolzenes Melamin überzuführen und
letzteres in dieser Form zu fördern, da gemäß Literaturangaben das Melamin beim Erhitzen sublimiert und sich unter Ammoniakbildung
zersetzt (vgl. Richter-Anschütz,
Chemie der Kohlenstoffverbindungen, 12. Aufl., [1928], Bd. i, S. 5S4, 2. Abschnitt
unter Melamin, ferner Beilsteins Handbuch der organ. Chemie, III. Aufl., Bd. i, S. 1443, Zeile 5 von unten). A. Os tr ogovich
(Chemisches Zentralblatt, 1936, I, S. 554, Zeile 21 von unten) stellt zwar für
reines Melamin einen Schmelzpunkt fest j (354° karr.), erwähnt aber, daß das Schmel- ]
: zen unter Gasentwicklung erfolge. In Liebigs Annalen, Bd. 10, S. 19, Zeilen 3/10 [1834],
ist zwar angegeben, daß Melaminkristalle zu ! einer durchsichtigen Flüssigkeit schmelzen
, und daß sich die Flüssigkeit an den glühenden Glaswänden heraufziehe, ohne zu sublimieren.
Diese Angabe beruht jedoch auf einer j irrtümlichen Beobachtung, wie aus der oben
angeführten späteren Literatur (Richter-Anschütz,
Beilstein a.a.O.) hervorgeht (vgl. auch Drechsel, J. pr. Ch. (2), 13,
S. 331, Zeilen 3 ff. und S. 332, Zeilen 12 ff.
[1876]). Außerdem ist selbst dort, wo die Schmelzharkeit des Melamins angegeben
wird, an keiner Stelle eine Untersuchung der wiedererstarrten Schmelze vorgenommen
worden, während Versuche des Erfinders gezeigt haben, daß selbst bei ganz kleinen
Mengen und nach äußerst kurzer Schmelzdauer die erstarrte Schmelze nicht mehr aus
reinem Melamin besteht. Dieser Befund wird durch die bereits oben erwähnte Anga1>e von
Ostrogovich (a.a.O.) überzeugend l>estätigt. Der im Industrial & Engineering
Chemistry, Bd. 29, S. 202, erwähnte Anteil an geschmolzenem Material kann unmöglich
Melamin darstellen, da die bei den dort beschriebenen Versuchen verwendeten Temperaturen
weit unterhalb des Schmelzpunktes des Melamins liegen. Die Tatsache, daß bei den bekannten Verfahren zur Herstellung
von Melamin letzteres in der Form von zusammenhängenden Kuchen oder Krusten anfallen kann, besagt nicht, daß dasselbe
hierbei aus dem Schmelzfluß erstarrt sei. Solche Krusten oder Kuchen können sich
auch bei der Abscheidung einer Substanz aus ihrer gesättigten Lösung bilden (Kesselstein).
Ferner kann das Melamin aus dem Schmelz- too
fluß des tiefer schmelzenden Ausgangsmaterials, d.h. des Dicyandiamid« (Fp.2100)
entstanden sein, ohne daß letzteres den Schmelzpunkt des Melamins erreicht. Letztere
Annahme wird dadurch bekräftigt, daß bei den bekannten Verfahren zur Herstellung von
Melamin aus Dicyandiamid Temperaturen wesentlich unterhalb 300° verwendet werden.
Ob ein hoher Ammoniakdruck ein Schmelzen des Melamins ohne Zersetzung ermögliehen
werde, war ebenfalls nicht vorauszusehen. Die Tatsache, daß Melamin bei der Zersetzung Ammoniak abspaltet, spricht nicht
eindeutig dafür, daß Ammoniakdruck das Fördern von Melamin in geschmolzenem Zustände
ohne Zersetzung ermöglichen werde. Dicyandiamid, das ebenfalls bei der thermischen
Zersetzung Ammoniak abspaltet, verhält sich gerade umgekehrt, indem Ammoniakdruck
dessen Wärmeunbeständigkeit stark erhöht. Auch aus den bekannten Verfahren zur Herstellung von Melamin aus Dicyan-
diamid, soweit sie unter hohem Ammoniakdruck arbeiten, war das vorliegende Verfahren
nicht abzuleiten, da gerade dort, wo höchste Ausbeuten an Melamin erzielt wurden,
Temperaturen zur Anwendung kamen, bei denen da® Melamin auch ohne Ammoniakdruck nicht die geringsten Anzeichen einer
Zersetzung aufweist.
Beispiel ι
ioo Gewichtsteile Dicyandiamid werden zusammen mit etwa 8 Gewichtsteilen Ammoniak
in einem Druckgefäß auf etwa 3700 erhitzt, wobei in bekannter Weise Melamin
entsteht. Hierauf wird der Inhalt in eine gekühlte Vorlage abgeblasen. Das Gefäß entleert
sich dabei vollständig. Das entweichende Ammoniak wird aufgefangen, und in der
Vorlage befindet sich ein feinpulveriges Erzeugmis. Die Analyse ergibt, daß es zu 100%
aus Melamin besteht.
Ein Druckgefäß wird vollständig mit Dicyandiamid gefüllt und hierauf bis auf 37'5°
aufgeheizt. Hierbei verwandelt sich das Dicyandiamid in bekannter Weise in Melamin.
Dann wird der Inhalt wie im Beispiel 1 abgeblasen. Es entweicht Ammoniak, das bei
der Umsetzung als Nebenerzeugnis entsteht, und man erhält in der Vorlage ein Gut, das
nahezu 90% Melamin neben einigen. Prozent Melam enthält. Das Dicyandiamid kann auch
kontinuierlich unter hohem Druck in ein auf etwa 350° geheiztes Reaktionsrohr gepreßt
werden, wobei am Ende das· flüssige Melamin zusammen mit einer geringen Menge abgespaltenen
Ammoniaks so· abgelassen wird, daß im Innern des Rohres ein hoher Druck
erhalten bleibt.
ι Gewichtsteil Dicyandiamid wird in einem Niederdruckgefäß in 1,5 Gewichtsteilei Ammoniak
gelöst. Die so erhaltene Lösung wird mit einer Hochdruckpumpe in ein auf 3800
geheiztes Reaktionsrohr befördert. Unter diesen Bedingungen entsteht Melamin. Das
Rohr beisitzt als Abschluß ein Ventil, mit
So dessen Hilfe der Druck auf etwa 200 Atm.
gehalten werden kann, und mündet in eine Vorlage. Es können Ablaßventile verschiedenster
Art Verwendung finden, wie z. B* regelbare Ventile oder Federventile, die sich
beim gewünschten Druck automatisch öffnen. Es hat sich auch als günstig erwiesen, als
Verschluß eine Düse von geeigneter Öffnung zu verwenden:, wobei der Druck mit Hilfe
der Fördermenge der Pumpe eingestellt wird.
Das· Umsetzungsgemisch wird in eine gekühlte Vorlage abgeblasen. Dort kann die
feste Masse vom gasförmigen Ammoniak getrennt werden, oder es können geschlossene
Niedardruckvoriagen verwendet werden, wobei eine Mischung von flüssigem Ammoniak
und Melamin entsteht, die nachträglich getrennt wird. Das Erzeugnis besteht aus nahezu reinem Melamin.
3 Gewichtsteile Cyanamid werden zusammen mit ι Gewichtsteil Ammoniak in einem
Druckgefäß auf 370 bis 3750 erhitzt, wobei Melamin entsteht. Hierauf wird das Umsetzungsgemiisch,
wie in Beispiel 1 beschrieben, abgeblasen. Das Erzeugnis besteht zu 98%
aus Melamin. Cyanamid gibt schon mit geringen Mengen Ammoniak, z.B. mit 10%
seines Gewichtes, homogene Lösungen. Es ist zur kontinuierlichen Umwandlung in Melamin deshalb besonders geeignet.
Claims (1)
- Patentanspruch:Verfahren zur Förderung von Melamin, dadurch gekennzeichnet, daß man das in bekannter Weise hergestellte Melamin in - geschmolzenem Zustand unter einem so· hohen Ammoniakdtruck aus dem Reiaktionsraum entfernt, daß keine merkliche Zersetzung- des Melamins eintritt.Zur Abgrenzung des Erfindüngsgegenstandis vom Stand der Technik sind im Erteilungsverfahren folgende Druckschriften in Betracht gezogen worden:Französische Patentschrift Nr. 814 761;schweizerische Patentschrift Nr. 189406;Journal für praktische Chemie, 13 (1876), S. 331/332. "ο1 5364 8.
Applications Claiming Priority (1)
| Application Number | Priority Date | Filing Date | Title |
|---|---|---|---|
| CH753048X | 1937-09-03 |
Publications (1)
| Publication Number | Publication Date |
|---|---|
| DE753048C true DE753048C (de) | 1952-08-21 |
Family
ID=4534053
Family Applications (1)
| Application Number | Title | Priority Date | Filing Date |
|---|---|---|---|
| DEG96186D Expired DE753048C (de) | 1937-09-03 | 1937-09-07 | Verfahren zur Foerderung von Melamin |
Country Status (1)
| Country | Link |
|---|---|
| DE (1) | DE753048C (de) |
Citations (1)
| Publication number | Priority date | Publication date | Assignee | Title |
|---|---|---|---|---|
| CH189406A (de) * | 1937-06-05 | 1937-02-28 | Chem Ind Basel | Verfahren zur Herstellung von 2.4.6-Triamino-1.3.5-triazin (Melamin). |
-
1937
- 1937-09-07 DE DEG96186D patent/DE753048C/de not_active Expired
Patent Citations (1)
| Publication number | Priority date | Publication date | Assignee | Title |
|---|---|---|---|---|
| CH189406A (de) * | 1937-06-05 | 1937-02-28 | Chem Ind Basel | Verfahren zur Herstellung von 2.4.6-Triamino-1.3.5-triazin (Melamin). |
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