DER0015766MA - - Google Patents
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Description
BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND
Tag der Anmeldung: 8. Januar 1955 Bekanntgemacht am 9. Februar 1956
DEUTSCHES PATENTAMT
Die aus der Bauchspeicheldrüse gewonnenen und zum Beizen tierischer Blößen benutzten proteolytischen
Enzyme konnten bisher durch die von Mikroorganismen gebildeten proteolytischen Enzyme
nicht vollwertig ersetzt werden. Die Unterlegenheit der von Bakterien oder Schimmelpilzen gebildeten
proteolytischen Enzyme gegenüber den proteolytischen Wirkstoffen der Pankreasdrüse zeigt
sich am deutlichsten in einem schlechten Lösevermögen für den Grund oder Gneist der Blöße.
Es wurde nun gefunden, daß die Beizwirkung der von Mikroorganismen erzeugten proteolytischen
Enzyme in überraschender Weise verbessert werden kann, wenn gleichzeitig mit diesen proteolytischen
Enzymen Carbohydrasen mitverwendet werden, und zwar vor allem solche, die — ebenso
wie die proteolytischen Enzyme — von Mikroorganismen gebildet wurden. ■
Unter proteolytischen Enzymen werden solche verstanden, die die Peptidbindungen in den
Proteinen zu spalten vermögen. Carbohydrasen hingegen sind solche Enzyme, die auf die glykosidischen
Bindungen einwirken, wie dies z. B. in · »Gerbereichemie und Gerbereitechnologie« von
F. Stather, 1948, S. 175, angegeben ist.
Bei einer Kombination von aus Schimmelpilzen oder Bakterien gewonnenen proteolytischen Enzymen
mit Carbohydrasen — die zweckmäßiger-
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weise auch von Mikroorganismen gebildet sind ■— erzielt man einen Beizeffekt, vornehmlich eine
Lösung des Grundes, der den.mit proteolytischen Enzymen allein erreichten Effekt weit übertrifft
,5 und der einer mit Pankreastryptase erzielbaren
Beizwirkung gleichkommt und diese in manchen Fällen sogar noch, vor allem hinsichtlich der
Narbenfestigkeit des erhaltenen Leders, übertrifft. Dieser mit der gleichzeitigen Mitverwendung von
ίο Carbohydrasen erzielte Fortschritt muß als überraschend
bezeichnet werden, da — wie aus der angegebenen Literaturstelle zu ersehen ist — die
Carbohydrasen bisher als für den Beizprozeß unerheblich galten.
Eine weitere Steigerung des.κ durch die Mitverwendung
von Carbohydrasen erzielten Beizeffekts, vornehmlich der Grundlösung, kann durch
die gleichzeitige Mitverwendung von pflanzlichen, tierischen, mineralischen oder synthetischen
Ölen bzw. von bei der Arbeitstemperatur flüssigen Fettstoffen erzielt werden. Diese Öle bzw. Fettstoffe
können in emulgierter Form zur Anwendung kommen.
Der Zusatz solcher Emulgatoren zur Beizflotte, die die beiden gleichzeitig zur Anwendung kommenden
Enzymarten nicht schädigen, verbessert die Wirksamkeit des Verfahrens weiterhin. Die Wirkung
dieser Zusatzstoffe beruht vermutlich darauf, daß sich der fetthaltige Grund oder Gneist der Blöße
leichter herauslöst. Zusätze, die zur Erzielung dieser Wirkung verwendet werden können, die also
einerseits das Herauslösen des Grundes fördern und andererseits die Enzyme nicht schädigen, sind
kationaktive und nichtionogene Emulgatoren.
Neben den von Mikroorganismen gebildeten . proteolytischen Enzymen können auch proteolytische
Enzyme anderer Herkunft wie Papain, Kathepsin, in erster Linie aber die von der Bauchspeicheldrüse
erzeugten proteolytischen Enzyme mitverwendet werden.
1. Ziegenblößen werden bei pH 8,5 gebeizt mit
300% Wasser von 30 bis 320C, 0,5% Schimmelpilztryptase,
0,5% aus Aspergillus orycae gewonnener Carbohydrase, 0,5 % Ammonlactat.
2. Rindsblößen für Vachetten werden bei pH 8,3
bis 8,5 gebeizt mit 300% Wasser von 35 bis 360 C, 0,5% Schimmelpilztryptase, 0,25% aus Äspergillus
parasiticus oder flavus gewonnener Carbohydrase, 0,25 % aus nichtpathogenen Bakterien gewonnener
Carbohydrase, 0,5% Ammonsulfat.
3. Kalbsblößen für Boxcalf werden bei pH 7 bis
7,5 gebeizt mit 0,3% Bakterienprotease, o,3°/o aus B. mesentericus gewonnener Carbohydrase, 0,5%
Ammonsulfat.
■4. Zickelblößen für Handschuhleder werden bei pH 8 bis 9 gebeizt mit 300% Wasser von 35"bis
C, 0,5 % aus Bakterien gewonnener Carbohydrase, 0,5 °/o Ammonsulfat. Nach 1 Stunde werden
zugegeben 0,5 °/o Schimmelpilztryptase, 0,2% Pankreastryptase.
5. Ziegenblößen werden bei pH 6 bis 6,5 gebeizt t.
mit 300% Wasser von 32 bis 340 C, 0,4% Schimmelpilztryptase,
ο,ι °/o Papain, 0,5 °/o aus Schimmelpilzen'
gewonnener Carbohydrase, 0,4 °/o Ammoniumchlorid.
Der Beize selbst oder der Brühe zum Walken der Blößen nach beendeter Beize können mit Vorteil
noch 1% Spindelölraffmat, 0,5% eines wasserlöslichen Äthylenoxydkondensationsproduktes
zugesetzt werden.
Claims (5)
1. Verfahren zum Beizen tierischer Blößen 75 ' mit aus Bakterien oder Schimmelpilzen gebildeten
proteolytischen Enzymen bei pH 6 bis 9, dadurch gekennzeichnet, daß die Behandlung in
Gegenwart von Carbohydrasen erfolgt.
2. Verfahren zum Beizen tierischer Blößen nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß
die Behandlung mit proteolytischen Enzymen und Carbohydrasen gleichzeitig oder nacheinander
erfolgt.
3. Verfahren nach Anspruch 1 bis 2, dadurch
gekennzeichnet, daß die Behandlung in Gegenwart pflanzlicher, tierischer, mineralischer oder
synthetischer flüssiger Fettstoffe bzw. Öle, gegebenenfalls in Form ihrer wäßrigen Emulsion,
erfolgt. , ,90
4. Verfahren nach Anspruch 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß bekannte kationaktiye
oder/und nichtionogene Emulgatoren mitverwendet werden.
5. Verfahren nach Anspruch 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß neben von Mikroorganis- L
men gebildeten proteolytischen Enzymen solche w anderer Herkunft, wie Papain, Kathepsin, vornehmlich
aber die proteolytischen Enzyme der t Bauchspeicheldrüse, mitverwendet werden. ιοΐ
I 509 657/181 1.56
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