Verfahren zur Herstellung eines mikromechanischen
Bauelements
Stand der Technik
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung eines mikromechanischen Bauelements mit einer Membran, mit einer feststehenden Platte, die mindestens eine Durchgangsöffnung aufweist, und mit einem Hohlraum, der zwischen der Membran und der Platte ausgebildet ist. Die Membran dieses Bauelements wird in einem Schichtaufbau über einem Substrat realisiert. Die Platte wird aus dem Substrat herausstrukturiert. Dazu wird von der Rückseite des Bauelements ausgehend eine Kaverne im Substrat erzeugt.
Die Mikromechanik eröffnet die Möglichkeit Mikrofone mit kleinsten Abmessungen herzustellen. Diese Bauelemente umfassen eine Membran, deren Auslenkungen unter Schalleinwirkung erfasst und in elektrische Signale umgewandelt werden. In der europäischen Patentanmeldung EP 1 441 561 A2 wird beschrieben, wie unter einer akustisch aktiven Membran, die gitter- oder netzartig mit Durchgangsöffnungen ausgebildet ist, eine Platte mit Durchgangsöffnungen erzeugt werden kann. Diese Platte dient zum einen als Gegenelektrode, mit deren Hilfe die Auslenkungen der Membran kapazitiv erfasst werden können. Zum anderen kann die Membran über die Durchgangsöffnungen in der Platte und eine Kaverne in der Rückseite des Bauelements von unten/hinten belüftet werden.
Gemäß einer ersten in der EP 1 441 561 A2 beschriebenen Verfahrensvariante wird zunächst eine Kaverne in der
Ruckseite des Substrats erzeugt, um so die Ruckseite der Platte freizulegen. Anschließend wird die Oberseite der Membran im Schichtaufbau über dem Substrat freigelegt. Dabei werden auch bereits die Durchgangsoffnungen in der Membran erzeugt. Die so strukturierte Membran wird dann zum Erzeugen von Durchgangsoffnungen in der Platte maskiert. Das Substratmaterial im Bereich dieser Durchgangsoffnungen wird nämlich in einem anisotropen Atzangriff entfernt, der von der Oberseite des Bauelements ausgehend über die Durchgangsoffnungen der Membran erfolgt. Nachdem die Maskierschicht auf der Membran entfernt worden ist, wird ein Hohlraum unter der Membran erzeugt, wobei die Oberseite der Platte freigelegt wird. Dies erfolgt in einem isotropen Atzschritt, bei dem der Atzangriff ebenfalls von der Oberseite des Bauelements ausgehend über die Durchgangsoffnungen der Membran erfolgt.
Da der Atzangriff zum Erzeugen der Durchgangsoffnungen in der Platte über die Durchgangsoffnungen der Membran erfolgt, ist die Position der Durchgangsoffnungen in der Platte an das Raster der Durchgangsoffnungen in der Membran gebunden.
Gemäß einer zweiten in der EP 1 441 561 A2 offenbarten Verfahrensvariante wird die Ruckseite des Substrats mit einer ersten Maskierschicht versehen, die entsprechend der Anordnung und Geometrie der zu erzeugenden Kaverne strukturiert wird. Über dieser ersten strukturierten Maskierschicht wird eine zweite Maskierschicht aufgebracht, die lediglich im Bereich der zu erzeugenden Kaverne strukturiert wird, und zwar entsprechend der Anordnung und Geometrie der Durchgangsoffnungen in der Platte, deren Ruckseite beim Erzeugen der Kaverne freigelegt werden soll. Die so maskierte Ruckseite des Substrats wird nun einem anisotropen Atzangriff ausgesetzt. Dabei wird zunächst
lediglich im Bereich der zu erzeugenden Durchgangsoffnungen Substratmaterial entfernt, bis die zweite Maskierschicht vollständig weggeatzt worden ist. Dann wird auch Substratmaterial im übrigen Bereich der zu erzeugenden Kaverne weggeatzt, solange bis die Ruckseite der Platte freigelegt worden ist. Nach dieser Strukturierung der Substratruckseite wird die Oberseite der Membran in einem anisotropen Atzschritt freigelegt, wobei auch die Durchgangsoffnungen in der Membran erzeugt werden. Über diese Durchgangsoffnungen in der Membran wird dann mit Hilfe eines isotrop wirkenden Atzmediums das Substratmaterial unter der Membran entfernt. Dabei wird die Oberseite der Platte freigelegt und die bereits in der Platte strukturierten Durchgangsoffnungen werden an den unter der Membran entstehenden Hohlraum angeschlossen.
Gemäß dieser zweiten Verfahrensvariante werden die Kaverne und die Durchgangsoffnungen in der Platte in einem gemeinsamen anisotropen Atzschritt erzeugt, wobei der Atzangriff von der Ruckseite des Bauelements ausgeht. Die hierfür erforderliche Maskierung der Substratruckseite ist relativ aufwandig, da mit den beiden Maskierschichten unterschiedliche Maskenformen realisiert werden müssen, die sehr genau zueinander ausgerichtet werden müssen. Zusatzlich müssen die beiden Maskierschichten jeweils eine definierte Dicke aufweisen, da die Topographie der bei diesem Atzangriff erzeugten Ausnehmung - sowohl im Bereich der Durchgangsoffnungen als auch im übrigen Bereich der Kaverne - einzig von der Dicke der Maskierschichten und der Dauer des Atzangriffs abhangt. Außerdem treten bei längeren Atzangriffen häufig Unregelmäßigkeiten in den Randbereichen der Atzausnehmungen auf, so dass die zweite Verfahrensvariante in der Praxis problembehaftet ist.
Vorteile der Erfindung
Davon ausgehend wird mit der vorliegenden Erfindung eine Verfahrensvariante vorgeschlagen, bei der die Strukturierung der Durchgangsoffnungen in der Platte unabhängig von etwaigen
Durchgangsoffnungen in der Membran erfolgt. Die erfindungsgemaße Verfahrensvariante ermöglicht zudem eine präzise Strukturierung der Durchgangsoffnungen und ist einfach zu realisieren.
Dies wird erfindungsgemaß dadurch erreicht, dass zumindest der die Ruckseite der Platte bildende Boden der Kaverne mit mindestens einer Maskierschicht versehen wird, die zum Erzeugen der mindestens einen Durchgangsoffnung strukturiert wird, und dass das Substratmaterial im Bereich der Durchgangsoffnung dann von der Ruckseite der Platte ausgehend entfernt wird.
Die Durchgangsoffnungen in der Platte werden erfindungsgemaß also von der Ruckseite des Bauelements ausgehend erzeugt, wobei ausgenutzt wird, dass diese Ruckseitenstrukturierung unabhängig ist von der Realisierung der Membran. Im Unterschied zu der zweiten in der EP 1 441 561 A2 beschriebenen Verfahrensvariante wird erfindungsgemaß vorgeschlagen die Ruckseitenstrukturierung zu entzerren, indem in einem ersten Atzschritt nur eine Kaverne erzeugt wird, um die Ruckseite der Platte freizulegen, und indem in einem davon unabhängigen zweiten Atzschritt die Durchgangsoffnungen in der Platte erzeugt werden. In diesem Fall muss die Kaverne nicht unbedingt in einem anisotropen Atzschritt erzeugt werden. Vielmehr kommt auch ein isotropes Atzverfahren für den ersten Atzschritt in Frage. Dasselbe trifft auch für den zweiten Atzschritt zu. Aufgrund dieser
Freiheit bei der Wahl der Atzverfahren kann das erfindungsgemaße Verfahren gut in unterschiedliche Herstellungsprozesse integriert werden. Die erfindungsgemaß vorgeschlagene Entzerrung der Ruckseitenstrukturierung eröffnet zudem eine größere Freiheit bei der Anordnung, Dimensionierung und Geometrie der Durchgangsoffnungen in der Platte.
Gemäß dem erfindungsgemaßen Verfahren muss die im ersten Atzschritt strukturierte Ruckseite des Bauelements maskiert werden. Da sich die Kaverne in der Regel über einen betrachtlichen Teil der Dicke des Substrats erstreckt, muss die Maskierschicht also auf eine Topographie mit relativ großen Niveauunterschieden aufgebracht werden. In diesem Zusammenhang erweist es sich als besonders vorteilhaft eine
Fotolackschicht als Maskierschicht vorzusehen, da sie durch
Spruhbelackung auf die strukturierte Ruckseite des
Bauelements und insbesondere auch auf den Boden und die
Seitenwandung der Kaverne aufgebracht werden kann. Durch Spruhbelackung lassen sich nämlich auch Oberflachen mit großen Niveauunterschieden sehr gleichmaßig beschichten.
Zur Strukturierung wird die so erzeugte Fotolackschicht zunächst zumindest im Bodenbereich der Kaverne belichtet, wozu vorteilhafterweise ein Projektionsbelichter eingesetzt werden kann. Zum anschließenden Entwickeln eignet sich besonders ein Spruhentwicklungsverfahren, weil so das Entwicklungsmedium gut in die Kaverne eingebracht werden kann .
Wie bereits angedeutet, kann das Substratmaterial im Bereich der Durchgangsoffnungen erfindungsgemaß sowohl in einem anisotropen Atzschritt, wie z.B. durch Trenchen, entfernt werden, als auch in einem isotropen Atzschritt, solange der
Atzangriff von der freigelegten Ruckseite der Platte ausgehend erfolgt.
Die Oberseite der Platte wird vorteilhafterweise in einem isotropen Atzschritt freigelegt, bei dem Substratmaterial oberhalb der Platte entfernt wird. Dabei wird im übrigen auch der Hohlraum zwischen der Platte und der Membran erzeugt. Wenn der Atzangriff im Rahmen der Vorderseitenprozessierung von der Oberseite des Bauelements ausgehend über entsprechende Offnungen in der Membran erfolgt, kann der Hohlraum auch vor der Strukturierung der Durchgangsoffnungen in der Platte erzeugt werden. In diesem Fall müssen die Durchgangsoffnungen dann nicht gesondert gegen einen Angriff des isotropen Atzmediums und ein dadurch bedingtes Aufweiten geschützt werden. Alternativ kann der Atzangriff auch von der Ruckseite des Bauelements ausgehend über die Durchgangsoffnungen in der Platte erfolgen. Dies erweist sich insbesondere dann als vorteilhaft, wenn die Durchgangsoffnungen in der Platte zusammen mit dem Hohlraum zwischen der Membran und der Platte in einem gemeinsamen Prozess, d.h. auf einer Anlage, erzeugt werden können. Dies fuhrt zu einer deutlichen Zeitersparnis im Fertigungsprozess und zu einer Reduzierung der Herstellungskosten für das Bauelement nicht zuletzt auch aufgrund einer besseren Anlagennutzung.
Zeichnungen
Wie bereits voranstehend ausfuhrlich erörtert, gibt es verschiedene Möglichkeiten, die Lehre der vorliegenden Erfindung in vorteilhafter Weise auszugestalten und weiterzubilden. Dazu wird einerseits auf die dem
Patentanspruch 1 nachgeordneten Patentansprüche und andererseits auf die nachfolgende Beschreibung von zwei Ausfuhrungsbeispielen der Erfindung anhand der Zeichnungen verwiesen .
Die Figuren Ia bis If zeigen ein mikromechanisches Bauelement in den einzelnen Stadien des erfindungsgemaßen Herstellungsverfahrens .
Die Figuren 2a bis 2c zeigen eine erfindungsgemaße Variante des in den Figuren Ia bis If dargestellten Verfahrens.
Beschreibung der Ausfuhrungsbeispiele
In Fig. Ia ist ein CMOS Wafer 10 dargestellt, der mit Hilfe des erfindungsgemaßen Verfahrens strukturiert werden soll. Der CMOS Wafer 10 umfasst ein Siliziumsubstrat 1, auf dem sich ein Schichtaufbau 2 bestehend aus mehreren metallischen und dielektrischen Schichten befindet, die hier mit Ausnahme der gitterartig ausgebildeten Metallschicht 3 nicht naher erörtert werden sollen. Zwischen der Metallschicht 3 und dem Substrat 1 befindet sich eine dielektrische Schicht 4, durch die die Metallschicht 3 gegenüber dem Substrat 1 elektrisch isoliert ist.
Fig. Ib zeigt den CMOS Wafer 10, nachdem die Ruckseite mit einer Lack- und/oder Oxidmaske 5 zur Durchfuhrung eines Tieftrenchs versehen worden ist. In diesem anisotropen Atzschritt wird eine Kaverne 6 in der Ruckseite des Substrats 1 erzeugt, die sich nur über einen Teil der Dicke des Substrats 1 erstreckt. Der Boden der Kaverne 6 bildet so die Ruckseite einer Platte 7, die im Rahmen des erfindungsgemaßen Verfahrens aus dem Substrat 1 herausstrukturiert werden soll.
Dazu wird die Ruckseite des Substrats 1 mit einer Fotolackschicht 8 versehen, die sich auch über den Boden und die Seitenwandung der Kaverne 6 erstreckt. Dazu wird ein Spruhbelackungsverfahren verwendet, da sich so eine relativ gleichmaßige Bedeckung auch im Bodenbereich der Kaverne 6 erzielen lasst. Wie in Fig. Ic dargestellt, wird die Fotolackschicht 8 im Bodenbereich der Kaverne 6 strukturiert, um in einem anschließenden von der Ruckseite des Substrats 1 ausgehenden anisotropen Atzschritt Durchgangsoffnungen 9 in der Platte 7 zu erzeugen. Zur Strukturierung wird die Fotolackschicht 8 zunächst belichtet. Für die Belichtung im Bodenbereich der Kaverne 6 eignet sich besonders ein Proj ektionsbelichter . Anschließend wird die Fotolackschicht 8 entwickelt, wobei vorteilhafterweise ein Spruhentwickler verwendet wird, da derartige Entwickler auch in der Tiefe der Kaverne 6 angreifen können.
Fig. Id zeigt den CMOS Wafer 10, nachdem die Struktur der Fotolackschicht 8 auf die Platte 7 übertragen worden ist und das Substratmaterial im Bereich der Durchgangsoffnungen 9 mit einem Trencher von der Ruckseite der Platte 7 ausgehend entfernt worden ist. Außerdem wurde die Fotolackschicht von der Wandung der Kaverne 6 entfernt.
Im hier beschriebenen Ausfuhrungsbeispiel erfolgt nun ein Atzangriff von der Oberseite des CMOS Wafers 10 ausgehend, was durch die Pfeile in Fig. Ie angedeutet wird. Dabei wird im Bereich über der Kaverne 6 die Metallschicht 3 freigelegt, die die oberste Schicht einer gitterartigen Membran 11 bildet. Außerdem werden die Durchgangsoffnungen 13 in dieser Membran 11 erzeugt.
Schließlich wird in einem isotropen Atzschritt ein Hohlraum 12 erzeugt, indem Substratmaterial aus dem Bereich zwischen der Membran 11 und der Platte 7 entfernt wird. Dabei werden zum einen die Unterseite der Membran 11 und die Oberseite der Platte 7 freigelegt. Zum anderen wird die Kaverne 6 über die Durchgangsoffnungen 9 an den Hohlraum 12 angeschlossen. Fig. If zeigt den CMOS Wafer 10 nach diesem isotropen Atzangriff, der sowohl von oben, über die Durchgangsoffnungen 13 in der Gitterstruktur der Membran 11 erfolgen kann als auch von der Substratruckseite ausgehend über die Kaverne 6 und die Durchgangsoffnungen 9.
Nachfolgend wird anhand der Figuren 2a bis 2c eine Variante des in den Figuren Ia bis If dargestellten Verfahrens erläutert.
Auch diese Verfahrensvariante geht von einem CMOS Wafer 20 aus, wie er in Fig. Ia dargestellt ist. Analog zu Fig. Ib wird auch hier zunächst die Substratruckseite maskiert, um eine Kaverne 6 in der Ruckseite des Substrats 1 zu erzeugen und so die Ruckseite einer Platte 7 freizulegen. An dieser Stelle sei nochmals angemerkt, dass das Substratmaterial im Bereich der Kaverne 6 sowohl in einem anisotropen als auch in einem isotropen Atzprozess entfernt werden kann. Wie in Fig. Ic dargestellt wird die nun bereits strukturierte Ruckseite des Substrats 1 abermals maskiert, und zwar insbesondere im Bodenbereich der Kaverne 6, wo Durchgangsoffnungen 9 in der Platte 7 erzeugt werden sollen.
Im Unterschied zu der in Verbindung mit den Figuren Ia bis If beschriebenen Verfahrensvariante erfolgt die Strukturierung der Durchgangsoffnungen 9 hier zusammen mit der Ausbildung eines Hohlraums 12 über der Platte 7 in einem Prozessschritt, der in einem Trencher durchgeführt wird. Zunächst werden die
Durchgangsoffnungen 9 als Flachtrench, also in einem anisotropen Atzverfahren, realisiert. Der letzte Atzzyklus im Trencher wird dann allerdings isotrop ausgeführt. Dabei wird auch Substratmaterial aus dem Bereich zwischen dem Schichtaufbau 2 und der Platte 7 entfernt. Fig. 2a zeigt den CMOS Wafer 20 nach diesem Prozessschritt. Insbesondere die Detailansicht von Fig. 2a verdeutlicht, dass neben den Durchgangsoffnungen 9 und einem Hohlraum 12 über der Platte 7 auch eine frei bewegliche Membran 21 im Schichtaufbau 2 entstanden ist. Demnach konnte das in Fig. 2a dargestellte Bauelement schon nach diesem Prozessschritt beispielsweise als Absolutdruck- oder Relativdrucksensor eingesetzt werden.
Fig. 2b zeigt eine Detailansicht des CMOS Wafers 20, nachdem eine Druckausgleichsoffnung 22 in der Membran 21 erzeugt worden ist. Das hier dargestellte Bauelement kann beispielsweise als Mikrofon genutzt werden.
Fig. 2c entspricht im wesentlichen Fig. If und zeigt den in Fig. 2a dargestellten CMOS Wafer 20, nachdem auch die Oberseite der Membran 21 freigelegt worden ist. Dazu wurden die dielektrischen Schichten über der Membran 21 in einem von der Oberseite des Bauelements ausgehenden Trockenatzprozess entfernt .