Beschreibung
Titel
Halbleiter-Schichtmaterial und Heteroüberαanαs-Solarzelle
Die Erfindung betrifft ein Halbleiter-Schichtmaterial, insbesondere zur Verwendung als Emittermaterial für eine Solarzelle, sowie eine Heteroübergangs- Solarzelle. Stand der Technik
Unter den sogenannten regenerativen Energien gewinnt die Sonnenenergie in dem Maße an Bedeutung, wie es gelungen ist, die Kosten der Solarzellenmodule und der gesamten Anlagen zu senken und die energetische Ausbeute zu erhöhen und somit insgesamt die Kosten pro Einheit erzeugter elektrischer Energie an die Werte anzunähern, die bei der Energieerzeugung auf Basis fossiler Energieträger den wirtschaftlichen Maßstab setzen. Die photoelektrische Ausbeute der einzelnen Zelle spielt dabei eine wichtige Rolle. Mit HeteroÜbergang-Solarzellen lassen sich wegen der niedrigeren Sperrsätti- gungsströme der Emitter im Vergleich zu Homo-Übergang-Zellen deutlich höhere Spannungen erzielen. Das Wirkungsgradpotenzial von Heteroüber- gangszellen liegt 1-2% absolut über dem Wirkungsgradpotenzial von Homo- Übergangzellen. Die bisher verfügbaren Heteroübergangs-Solarzellen verfügen über einen dotierten Heteroemitter aus amorphem Silizium (aSi); vgl . M. Tana- ka, M . Taguchi, T. Matsuyama, T. Sawada, S. Tsuda, S. Nakano, H . Hanafusa, Y. Kuwano, "Development of New a-Si/c-Si Heterojunction Solar CeIIs : ACJ-HIT (Artificially Constructed Junction-Heterojunction with Intrinsic Thin-Layer)" Jpn. J. Appl . Phys., 31, 3518-22 (1992) und T. Sawada, N . Terada, S. Tsuge, T. Baba, T. Akahama, K. Wakisaka, S. Tsuda, S. Nakano, "High efficiency a- Si/c-Si heterojunction solar cell". Conference Record of the Ist WCPEC, Hawaii, 1994; 1219-1226.
Die Dotierung des Emitters ermöglicht die Bildung eines pn-Übergangs und damit die Extraktion der durch Sonnenlicht generierten Ladungsträger. Wichtigste Aufgabe der amorphen Siliziumschicht, üblicherweise zwischen 5 nm und 20 nm dick, ist in diesem Fall aber die, die Waferoberfläche der Solarzelle zu passivieren und so die Rekombinationsrate der durch Sonnenlicht erzeugten Ladungsträger zu verringern, wodurch sich die Konzentration der Ladungsträger in der Solarzelle erhöht. Durch die höhere Ladungsträgerkonzentration kommt es zu einer größeren Aufspaltung der Quasi-Ferminiveaus in der Zelle, was gleichbedeutend mit einer höheren erreichbaren elektrischen Spannung an der Solarzelle ist.
Allerdings führt die hohe Dotierung des aSi Emitters dazu, dass im Emitter absorbiertes Licht nicht zur Stromerzeugung in der Solarzelle beiträgt; vgl .
T. Mueller, S. Schwertheim, M. Scherff, W. R. Fahner, "High quality passiva- tion for heterojunction solar cells by hydrogenated amorphous Silicon suboxide films", Appl . Phys. Lett., 92, 033504 (2008). Das im Emitter absorbierte Licht geht für die Energieumwandlung verloren.
Als Alternativmaterialien zum aSi in Heterozellen wurden bereits Passivier- schichten bestehend aus SiC bzw. SiOx getestet, vgl. S. Miyajima, M. Sawa- mura, A. Yamada, M . Konagai, "Properties of n-type hydrogenated nanocrystal- line cubil Silicon carbide films deposited by VH F-PECVD at IowSubstrate temperatures", J. Non cryst. Solids, 354, 2350 (2008). Auch wurde bereits die Möglichkeit untersucht, Materialien bestehend aus mikrokristallinem Silizium, eingebettet in SiO2, in Heteroübergangs-Solarzellen einzusetzen (SIPOS-Kon- zept); vgl. E. Yablonovich, T. Gmitter, R. M. Swanson, Y. H . Kwark, "A 720 mV open circuit voltage SiOx:c-Si :SiOx double heterostructure solar cell", Appl . Phys. Lett, 47, 1211 (1985). Materialien der letztgenannten Art weisen eine relativ geringe elektrische Leitfähigkeit auf, die die Anwendungsmöglichkeiten beschränkt. Dieses Problem
wird bis zu einem gewissen Grad durch ein weiteres relativ neues Material gelöst, welches aus alternierenden, jeweils wenigen Nanometer dicken Schichten aus Silizium und sub-stöchiometrischem SiOx besteht, vgl . R. Rölver, B. Berghoff, D. Bätzner, B. Spangenberg, H . Kurz "Charge transport in Si/SiO2 multiple quantum wells for all Silicon tandem solar cells", Proceedings of the 22nd EU PVSEC, Milano (2007). Weiterhin sind sogenannte Tandem-Solarzellen auf Siliziumbasis bekannt, in denen Stapel aus alternierenden Si- und SiOx- Schichten als lichtabsorbierende und ladungsträgergenerierende Schicht einer Solarzelle eingesetzt werden. Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, eine verbesserte Lösung für die Realisierung der Emitterschicht einer Heteroübergangs-Solarzelle bereitzustellen, welche insbesondere gute Passivierungseigenschaften mit ausreichend hoher Leitfähigkeit sowie einer hohen Transparenz für die Wirkanteile des Sonnenlichts verbindet.
Diese Aufgabe wird durch die Bereitstellung eines Halbleiter-Schichtmaterials mit den Merkmalen des Anspruchs 1 im Sinne der Bereitstellung eines geeigneten Materials sowie durch eine Heteroübergangs-Solarzelle mit den Merkmalen des Anspruchs 9 im Sinne einer Produktlösung gelöst. Zweckmäßige Fortbil- düngen des Erfindungsgedankens sind Gegenstand der abhängigen Ansprüche.
Wichtigster Vorteil des hier vorgeschlagenen Si-basierten Nanostrukturmate- rials als Heteroemitter ist die wesentlich geringere Lichtabsorption im Vergleich zum bisher verwendeten amorphen Silizium, wodurch die Verluste durch Lichtabsorption in der elektrisch„toten" amorphen Si-Schicht deutlich minimiert werden können. Die Erfindung erbringt m. a. W. den Vorteil, den Verlust durch die im Emitter absorbierten Photonen zu verringern, was zu einer verbesserten Stromausbeute in der Solarzelle und damit zu einem größeren erreichbaren Wirkungsgrad führt, wobei das Material vergleichbare elektrische Eigenschaften (Oberflächenpassivierung und elektrische Leitfähigkeit) besitzt.
Ein wesentlicher Gedanke der Erfindung ist es, ein neuartiges Si-Nanostruk- turmaterial bereitzustellen, welches aufgrund seiner nanokristallinen Struktur eine deutlich höhere optische Transparenz als das bisher verwendete amorphe Si aufweist, aber gleichzeitig ähnlich gute Passiviereigenschaften und eine ähnlich gute elektrische Leitfähigkeit zeigt. Überschlagsrechnungen zeigen, dass sich mit dem vorgeschlagenen Si-Nanostrukturemitter aufgrund seiner höheren optischen Transparenz Wirkungsgradverbesserungen von bis zu 2 % absolut im Vergleich zu Heterozellen mit herkömmlichen amorphem Si-Emitter erreichen lassen. Dieses Nanostrukturmaterial entsteht insbesondere durch abwechselnde Abscheidung sub-stöchiometrischer Siliziumoxid(SiOx)-(alternativ auch Silizium- carbid(SiCχ)- oder Siliziumnitrid(SiNx)-)Schichten und Silizium-Schichten im Schichtdickenbereich unter 10 nm. Durch anschließende Temperung, speziell um oder oberhalb von 10000C, kommt es zur Phasenseparation des über- schüssigen Siliziums im SiOx (alternativ SiCx, SiNx) und dadurch zu einem isotropen Wachstum der Si-Schichten auf Kosten der SiOx-Schichten [6] . Es bilden sich Berührungspunkte zwischen benachbarten, polykristallinen-Sili- ziumschichten, wodurch ein elektrisch leitfähiges Netzwerk aus Si-Kristallen entsteht.
Das vorgeschlagene Schichtmaterial ist grundsätzlich auch außerhalb des hier vorgeschlagenen Einsatzes als Emittermaterial einer Heteroübergangs-Solar- zelle einsetzbar. Eine im Rahmen der bestehenden Aufgabe besonders vorteilhafte Ausführung sieht vor, dass eine Begrenzungsschicht des Stapels durch eine zweite Schicht gebildet ist und an deren Außenseite Mikrokontaktbereiche der hierzu benachbarten ersten Schicht freiliegen.
Der hier gebrauchte Begriff „Nanostrukturmaterial" bedeutet, dass mindestens die ersten Schichten eine nanokristalline Struktur aufweisen. In vorteilhaften Ausgestaltungen ist vorgesehen, dass die Dicke der ersten und zweiten Schichten jeweils im Bereich zwischen 1 nm und 20 nm, bevorzugt zwischen 2 nm und 10 nm, liegt. Des weiteren ist vorgesehen, dass insbesondere die Gesamt-
dicke im Bereich zwischen 5 nm und 100 nm, bevorzugt zwischen 10 nm und 60 nm, liegt. Des weiteren wird als vorteilhaft angesehen, dass die Gesamtanzahl der Schichten zwischen 4 und 20, bevorzugt zwischen 8 und 16, liegt.
Dotiert man ein Netzwerk der erwähnten Art, lässt es sich als Emitter in einer Solarzelle einsetzen. Das Halbleitermaterial - hier insbesondere Silizium - ist in einer vorteilhaften Ausgestaltung als p-Material mit Phosphor oder als n-Material mit Bor mit einer Konzentration im Bereich von 1018 bis 1020 cm"3, insbesondere von 5 x 1018 bis 5 x 1019 cm"3, dotiert. Durch die Eigenschaft dieses Netzwerks, nur an einzelnen Punkten einen Kontakt zur benachbarten Schicht zu bilden, kommt es beim Einsatz in der Heteroübergangs-Solarzelle nur zu quasi punktförmigen Übergängen zwischen Emitterschicht und Silizium- wafer, während der Großteil der Waferoberfläche durch SiO2 (alternativ SiC oder SiN) passiviert ist. Dadurch bleibt der auch bei herkömmlichen Heteroso- larzellen ausgenutzte Vorteil einer guten Passivierung der Waferoberfläche erhalten.
Zeichnungen
Vorteile und Zweckmäßigkeiten der Erfindung ergeben sich im übrigen aus der nachfolgenden Erläuterung anhand der Figuren. Von diesen zeigen:
Fig. 1 eine schematische Darstellung des Aufbaus einer Heteroübergangs-Solarzelle, als Querschnittsdarstellung,
Fig. 2A und 2B schematische Querschnittsdarstellungen einer Ausführungs- form des erfindungsgemäßen Halbleiter-Schichtmaterials auf einem Halbleitersubstrat, nach der Abscheidung eines Schichtstapels (Fig. 2A) sowie nach einer anschließenden Temperung (Fig. 2B),
Fig. 3 eine vergleichende grafische Darstellung der Absorptions- Spektren von amorphem Silizium (durchgezogene Linie) und eines erfindungsgemäßen Halbleiter-Schichtmaterials
(gestrichelte Linie) und
Fig. 4 eine vergleichende grafische Darstellung der elektrischen
Leitfähigkeiten verschiedener Ausführungsformen des vorgeschlagenen Halbleiter-Schichtmaterials als Stromdichte- Spannung s- Kennlinien.
Fig. 1 zeigt in schematischer Querschnittsdarstellung den Aufbau einer Hete- roübergangs-Solarzelle 1 auf einem p- oder n-leitenden Si-Halbleitersubstrat 3. Auf dem Si-Substrat 3 ist eine Hetero-Emitterschicht 5 und auf dieser eine TCO-Schicht 7 angeordnet. Vorderseitig wird der Schichtaufbau durch eine lokale Vorderseitenkontaktierung 9 und rückseitig durch eine ganzflächige Rückseitenkontaktierung 11 vervollständigt.
Fig. 2A und 2B zeigen einen Stapel 50' bzw. 50 aus einem Halbleiter-Schichtmaterial, der als Hetero-Emitterschicht 5 beim Solarzellenaufbau nach Fig . 1 eingesetzt werden kann, auf einem Siliziumsubstrat 30. Fig. 2A zeigt den mit der Ziffer 50' bezeichneten Stapel nach einer ersten Verfahrensstufe, und Fig . 2B zeigt den dann mit der Ziffer 50 bezeichneten Stapel nach einer zweiten Verfahrensstufe, und die Bezugsziffern einzelner Schichten des Stapels (siehe weiter unten) sind in Korrespondenz hierzu gebildet.
Der Schichtstapel ist, wie in Fig . 2A gut zu erkennen ist, durch aufeinander folgende, insbesondere aufeinander abgeschiedene, Si-Schichten 51'„erste Schichten" und SiO-Schichten 52' als zweite Schichten gebildet. Es ist zu erkennen, dass die dem Siliziumsubstrat 30 nächst benachbarte Schicht des Stapels eine SiO-Schicht 52', also eine hier auch als„zweite Schicht" bezeichnete Schicht ist. Auch die Deckschicht des Stapels wird durch eine solche zweite Schicht 52' gebildet. Die Si-Schichten 51' sind dotiert, und die SiO- Schichten 52' sind sub-stöchiometrische Schichten, und die Schichtdicken liegen jeweils unter 10 nm.
Fig. 2B zeigt den im Ergebnis einer anschließenden Temperung bei Temperaturen > 1000 0C entstandenen Aufbau 50, bei dem die Grenzflächen zwischen
den ersten und zweiten Schichten derart irregulär strukturiert sind, dass zwischen benachbarten, durch jeweils eine zweite Schicht 52 voneinander getrennten ersten Schichten 51 sowie an der Grenzfläche zum Siliziumsubstrat 30 Mikrokontaktbereiche („Punktkontakte") 50a gebildet sind. Die Ausbildung dieser Struktur mit den für die Funktion der erfindungsgemäßen Schichtstruk- tur wesentlichen Mikrokontaktbereichen ist verknüpft mit einer Entmischung von Si und stöchiometrischem SiO2 beim Tempern, in dessen Rahmen die Si- Saatschichten isotrop wachsen. Eine Kontaktierung der freien Oberfläche des als Hetero-Emitterschicht dienenden Schichtstapels bei einer Solarzelle der in Fig. 1 gezeigten Art erfolgt erst nach dem Tempern.
Fig. 3 zeigt, dass in vorteilhafter Weise der Absorptionskoeffizient von erfindungsgemäß aufgebautem Halbleiter-Schichtmaterial als Emittermaterial (gestrichelte Kurve) im Bereich unterhalb von ca. 680 nm, also im Bereich des sichtbaren Lichts, niedriger als derjenige einer vergleichbaren Schicht aus amophem Silizium (durchgezogene Linie) ist.
Fig. 4 schließlich zeigt Stromdichte-Spannungs-Kennlinien verschieden aufgebauter Halbleiter-Schichtstapel aus Si und SiOx mit einer Gesamtdicke von jeweils 60 nm und übereinstimmender Dicke der ersten Schichten (3 nm) sowie unterschiedlichen Dicken der zweiten Schichten (1,5 - 5 nm) vor der Temperung . Es ist zu erkennen, dass die jeweiligen Messwerte in guter Übereinstimmung mit dem jeweils errechneten Verlauf stehen (mit Ausnahme von Spannungen unterhalb von 3 V für die Ausführung mit 5 nm dicken SiOx-Schichten). Zu erkennen ist insbesondere auch, dass durch die Wahl der Dicke der zweiten Schichten eine Einstellung der elektrischen Leitfähigkeit des vorgeschlagenen Halbleiter-Schichtmaterials in einem weiten Bereich möglich ist.
Die Ausführung der Erfindung ist nicht auf die oben erläuterten Beispiele und hervorgehobenen Aspekte beschränkt, sondern ebenso in einer Vielzahl von Abwandlungen möglich, die im Rahmen fachgemäßen Handelns liegen.