Beschreibung
PENDELMOMENT KOMPENSATION EINES ELEKTRISCHEN TRIEBFAHRZEUGES
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Kompensation der Pendelmomente an einem elektrischen Triebfahrzeug.
Elektrische Triebfahrzeuge werden meist durch an Drehgestellen oder einem Träger befindlichen Fahrmotoren angetrieben, die wiederum über Umrichter gespeist werden. Diese Fahrmotoren erzeugen wegen der nicht sinusförmigen Speisespannung ihrer Umrichter neben Zusatzverlusten und Radialkraftwellen insbesondere hohe Pendelmomente. Die Reaktionskräfte dieser Pendelmomente führen oft zu Verformungen des Drehgestells oder des Trägers der Fahrmotoren mit teilweise erheblichen Luftschallemissionen.
In der DE 35 25 421 AI ist ein Verfahren zur Herabsetzung der Drehmomentwelligkeit eines Stromrichtermotors mit zwei galva- nisch getrennten um 30° gegeneinander versetzten dreiphasigen Ständerwicklungssystemen beschrieben, mit dem versucht wird diese Pendelmomente zu unterdrücken. Bei diesen Ständerwicklungssystemen, die von zwei aus jeweils einem Netzstromrichter einer Zwischenkreisdrossel und einem Maschinenstromrich- ter bestehenden Umrichtern durch Ansteuerung der Ventile des Netzstromrichters und ihrer Amplitude beeinflussbaren Zwi- schenkreisströme gespeist werden, werden die Ventile der Netzstromrichter derart angesteuert, dass die beiden Zwischenkreisströme gegeneinander um 90° versetzt als kontinu- ierlich zeitlich aufeinanderfolgende Sinushalbperioden fließen. Außerdem werden die Ventile der Maschinenstromrichter derart angesteuert, dass jeder der beiden Zwischenkreisströme in positiver und negativer Richtung abwechselnd je Sinushalbperiode über ausschließlich zwei der drei Phasenanschlüsse durch Wicklungen der beiden Ständerwicklungssysteme weitergeschaltet wird, die in ihrer elektrischen Wirkung orthogonal zueinander liegen.
Um die Feld- und Stromkurven der Sinusform anzunähern wurde u.a. in einem Fachartikel der EPEλ99 Lausanne mit dem Titel „ASM double star System instability in de lineλ vorgeschlagen, die an sich bekannten Doppelsternmotoren zum Zwecke ei- ner verringerten Netzrückwirkung einzusetzen.
Ausgehend davon, liegt der Erfindung die Aufgabe zugrunde ein Verfahren für elektrische Triebfahrzeuge und eine dementspre- chendes Triebfahrzeug zu schaffen, mit dem die zum Teil er- heblichen Luftschaltemissionen im Betrieb vermieden werden.
Die Lösung der gestellten Aufgabe gelingt durch ein Verfahren nach Anspruch 1 und ein elektrisches Triebfahrzeug nach Anspruch 3 oder 4.
Durch die Ausführung der Fahrmotoren mit zwei getrennten TeilwicklungsSystemen und durch die erfindungsgemäße Ansteue- rungen der beiden Teilwicklungssysteme eines Fahrmotors, durch vorzugsweise unterschiedliche Pulsmuster, kann jeweils eine Komponente des resultierenden Pendelmoments auf Null reduziert werden.
Die Teilwicklungssysteme werden dabei vorzugsweise aus den ungeradzahligen 1,3, 5,..und geradzahligen Spulengruppen 2,4,6,.. oder aus den Spulengruppen 1 bis n und n+1 bis 2n gebildet, wobei n ganze natürliche Zahlen sind. Weitere Zusammenstellungen von Teilsystemen sind ebenso denkbar.
Ein weiterer Vorteil dieser Erfindung ist, dass die Kompensation der störenden Pendelmomente bereits im Luftspalt des jeweiligen Fahrmotors erfolgt. Dieses Verfahren kann bei allen Antriebsformen, d.h. bei quer oder längs bzgl. der Fahrtrichtung positionierten Fahrmotoren eingesetzt werden.
Ein Optimieren und Anpassen der Pulsmuster ist jederzeit insbesondere durch Softwaretausch möglich. Zusätzlich werden
auch andere Parasitäreffekte der Umrichterspeisung, wie z.B. Radialkraftwellen und Zusatzverluste im Läufer je nach Betriebsart zum Teil erheblich verringert.
In einer Ausführungsform der Erfindung sind die Achsen der Teilsysteme räumlich um 180°/p versetzt und erzeugen bei gleichphasiger Speisung das an sich normale Luftspaltfeld im jeweiligen Fahrmotor. Dies gilt unabhängig von der Wicklungsausführung, d.h. beispielsweise von Sehnung, Nutzahl je Pol und Strang.
Es sind außerdem auch keinerlei Einschränkungen gegenüber konventionell ausgeführten Fahrmotoren bezüglich der Bemessung des Fahrmotors notwendig, da auch die Zahl der Spulen nicht erhöht wird. Lediglich die Spulenverschaltung und der Klemmenkasten werden geringfügig aufwändiger.
Beide Teilwicklungssysteme eines Fahrmotors werden jeweils aus einem eigenen Stromrichter gespeist. Vorzugsweise speist jeder Stromrichter die Teilwicklungssysteme mehrerer parallelgeschalteter Motoren. Die Ansteuerung der zumindest zwei Stromrichter erfolgt über Ein - Ausschaltsignale mit gleicher Grundfrequenz und identischen oder unterschiedlichen Pulsmustern, wobei identische Pulsmuster in denjenigen Bereichen einzusetzen sind in denen keine Pendelmomentkompensation erforderlich ist und unterschiedliche, speziell dafür optimierte Pulsmuster in denjenigen Bereichen, in denen eine Pendelmomentkompensation erfolgen soll. Wichtig ist dabei, dass bei elektrischer Speisung der Teilwicklungssysteme keine Phasen- Verschiebung der Grundschwingung zueinander auftritt. Es sind idealerweise nur diejenigen Oberschwingungen, die zu einem Pendelmoment führen in Phasenoppositionen.
Bei asynchroner Taktung werden die Schaltzeitpunkte aus den Schnittpunkten einer vorgegebenen Abtastkurve, z.B. einer Dreieck-Sägezahnkurve, mit einer Referenzkurve, z.B. einer Sinuskurve, ermittelt. Die Elimination der dominantesten 0-
berschwingung erreicht man hierbei durch eine Phasenverschiebung der Abtastkurve um 90° bei gleichbleibender Referenzkurve.
Bei synchroner Taktung müssen spezielle auf die Phasenopposition der störenden Oberschwingung optimierter Pulsmuster eingesetzt werden. Beispielsweise erzeugen bei Dreifachtaktung und großer Aussteuerung die Schaltwinkel = 87,48° in einem und α = 15,48° im anderen System eine nahezu gleiche Grund- Schwingung und sowohl die fünfte als auch die siebte Oberschwingung sind in nahezu perfekter Phasenopposition. Damit wird das sechsfache Pendelmoment nahezu hundertprozentig kompensiert. Je größer die Pulszahl desto mehr Freiheitsgrade ergeben sich für die Optimierung der Pendelmomente.
Die störende Pendelmomentkomponente ist dabei in der Regel diejenige, die in der Nähe einer mechanischen Eigenfrequenz z.B. des Drehgestells liegt und ohne Kompensation zur Ge- räuschabstrahlung und damit Lärmemissionen am Triebfahrzeug führen würde. So ist es z.B. vorstellbar, bei Inbetriebnahme eines Triebfahrzeugs eine Bestandsaufnahme der Frequenzspektren bei Speisung mit gleichen Pulsmustern durchzuführen, und in den Bereichen, in denen eine Pendelmomentkompensation notwendig bzw. wünschenswert ist, neue, auf Elimination der stö- renden Frequenzen optimierte Pulsmuster vorzugeben.
Falls man sich nicht in der Nähe einer mechanischen Eigenfrequenz z.B. des Drehgestells befindet, wenn also keine Pen- delmomentenkompensation erforderlich ist, können u.U. die zwei Wicklungssysteme des jeweiligen Fahrmotors für weitere Optimierungen genutzt werden, z.B. zur Reduzierung einer Radialkraftkomponente oder zur Verringerung der Zusatzverluste in den Läuferwicklungen.
Die an sich bekannten Rad-Schiene-Schlupfregelungen sind dabei wie bei einer normalen Regelung für parallelgeschaltete Fahrmotoren möglich.
Die Erfindung sowie weitere vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung gemäß Merkmalen der Unteransprüche werden in folgenden anhand schematisch dargestellter Ausführungsbeispiele in der Zeichnung näher erläutert. Darin zeigen:
FIG 1 Zuordnung zweier Pulswechselrichter und vier Fahrmotoren eines Triebfahrzeugs,
FIG 2 eine Wicklungsanordnung eines Fahrmotors bei einer vierpoligen elektrischen Maschine.
FIG 1 zeigt in prinzipieller Darstellung ein nicht näher dargestelltes elektrisches Triebfahrzeug mit zwei Drehgestellen 1 und jeweils ihren Fahrmotoren Ml, M2 bzw. M3, M4, die die dazugehörigen Radsätze bzw. Einzelräder 2 antreiben. Jeder Fahrmotor M1-M4 weist zwei Teilwicklungssysteme auf. Diese
Teilwicklungssysteme M1T1-M4T2 bilden in jedem Fahrmotor Ml- M4 einen Doppelstern in der Ständerverschaltung aus. Die Teilwicklungssysteme M1T1-M4T2 eines Fahrmotors M1-M4 werden von unterschiedlichen Stromrichtern insbesondere Pulswechsel- richtern PWR1 und PWR2 gespeist. Es speist somit PWR1 das
Teilwicklungssystem M1T2, M2T2, M3T1 und M4T1 und der Pulswechselrichter PWR2 speist die Teilwicklungssysteme M1T1, M2T1, M3T2 und M4T2.
FIG 2 zeigt ein Ausführungsbeispiel für die Wicklungsanordnung des Ständers eines vierpoligen Fahrmotors mit 24 Nuten. Dargestellt sind dabei die 2xP = 4 Spulengruppen eines Stranges. Die Spulengruppen SGI und SG3 bilden eine Teilwicklung. SG2 und SG4 die andere Teilwicklung des Stranges. Es ist da- bei die Reihenschaltung der Spulengruppen SG1,SG3 und SG2,SG4 dargestellt. Eine Parallelschaltung dieser Spulengruppen SG1,SG2 und SG2,SG4 ist ebenso möglich.
An den beispielsweise aufgeführten Triebfahrzeugen mit ihren Drehgestellen 1 werden die Eigenfrequenzen aufgenommen. Dies geschieht vorteilhafterweise bereits während der Inbetriebnahmephase sodass zu diesem Zeitpunkt der für die Pendelmo-
mentkompensation erforderliche Pulsmustersatz im Antriebsteuergerät hinterlegt wird. Statt eines Tausches oder einer Nachbesserung der Drehgestelle 1 ist lediglich eine Anpassung des Pulsmustersatzes im Ansteuergerät 5 erforderlich. Zum Aufspüren der störenden Eigenfrequenzen und dem Nachweis der vorgenommenen Verbesserungen sind Schwingungssensoren oder Mikrofone am Drehgestell 1 einsetzbar.
Das erfindungsgemäße Verfahren zur Pendelmomentkompensation ist insbesondere bei den in FIG 1 beschriebenen Triebfahrzeugen einsetzbar. Es ist aber nicht unbedingt erforderlich Fahrmotoren mit Doppelstern einzusetzen. Denkbar sind auch mehr als zwei Sterne pro Fahrmotor Ml bis M4.
Dieses Verfahren ist auch bei Einzelachsfahrwerken oder Einzelradaufhängungen einsetzbar.