DD237174A1 - Verfahren zur selektiven butadienpolymerisation aus c tief 4 fraktionen - Google Patents

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Elisabeth Anton
Volker Giehl
Dieter Stubenrauch
Peter Scholz
Hans-Otto Froehlich
Lothar Weber
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Abstract

Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur selektiven Polymerisation von 1,3-Butadien aus C4-Fraktionen mittels polyfunktioneller, kohlenwasserstoffloeslicher Alkalimetallorganoinitiatoren. Das Ziel besteht darin, die Polymerisation des Butadiens aus der Mischung heraus ohne vorherige Abtrennung der anderen Bestandteile der C4-Fraktion und ohne deren Einbau in das Polymerisat durchzufuehren. Es wurde gefunden, dass Butadien selektiv in sternfoermige Polybutadiene und bei Zusatz geeigneter anionisch polymerisierbarer Monomerer in Copolymere ueberfuehrt und deren Molmassen gezielt eingestellt werden koennen, wenn als Initiatoren Polylithiumorganoverbindungen auf der Basis von Divinylbenzen verwendet werden. Durch Zugabe geeigneter Agentien sind endstaendig funktionelle Produkte mit Funktionalitaeten von mehr als 2 darstellbar.

Description

Anwendungsgebiet der Erfindung
Die Erfindung betrifft ein ökonomisches und rationelles Verfahren zur Polymerisation von Butadien mittels löslicher, mehrfach metallierter Alkalimetallorganoinitiatoren unter Verwendung technischer C4-Fraktionen, speziell von bei der Erdölpyrolyse anfallenden ungetrennten Olefingemischen, als Butadienquelle.
Damit werden energie- und arbeitsintensive Stofftrennprozesse zur Reinigung des Butadiens eingespart und Butadien, das in der C4-Fraktion enthalten ist, direkt als Ausgangsmaterial verwendet und selektiv zu Polymeren umgesetzt, die die Eigenschaften eines lebenden Polymeren haben.
Die anderen ungesättigten und gesättigten Kohlenwasserstoffe der C4-Fraktion bleiben unumgesetzt zurück und stehen für weitere Reaktionen zur Verfügung.
Erfindungsgemäß können sternförmig aufgebaute Butadienpolymere und -copolymere mit vorbestimmter Molmasse und enger Molekulargewichtsverteilung hergestellt werden.
Die Erfindung ermöglicht insbesondere die Herstellung von niedermolekularen Polybutadienen und Butadiencopolymeren mit funktionellen Endgrupppen, die eine Funktionalität größer 2 aufweisen.
Charakteristik der bekannten technischen Lösungen
Aus der DE-OS 2431 258 ist bekannt, daß Polybutadiene und Butadiencopolymere durch Lösungspolymerisation mittels lithiumorganischer Polymerisationsinitiatoren der allgemeinen Formel R-Li (R = Alkyl, Aryl), z.B. n-Butyllithium, unter Verwendung eines butadienhaltigen C4-Stromes, der beim Cracken von Erdöl und/oder durch Dehydrierung einer Butanbeschickung erhalten wird, hergestellt werden können.
Die Initiatoreffektivität ist jedoch gering, da den Beispielen der DE-OS 2431 258 zu entnehmen ist, daß bis zu 65% der eingesetzten Lithiumorganoverbindung zum Abfangen von Verunreinigungen benötigt werden und daß der Butadienumsatz nur ca. 60% beträgt. Die Verwendung einer Monolithiumverbindung als Polymerisationsinitiator hat außerdem den Nachteil, daß sich keine Polymeren herstellen lassen, die an jedem Kettenende eine funktionell Gruppe enthalten. Weiterhin ist die Synthese von sternförmig aufgebauten Polybutadienhomo- oder -copolymeren nur durch Kupplung der monofunktionellen lebenden Polymeren mit polyfunktionellen Kupplungsmitteln möglich, wobei die Kupplungsreaktion in den meisten Fällen nicht selektiv verläuft und die resultierenden Polymere keine reaktiven Gruppen an den Kettenenden enthalten. Es ist auch bekannt, daß aus reinem Butadien durch anionische Polymerisation mit tri- oder höherfunktionellen Alkalimetallinitiatoren, meist Lithiumverbin Jungen, sternförmige Polymere bzw. endständig funktioneile Polymere mit einer Funktionalität größer 2 dargestellt werden können (US-PS 3644322, US-PS 3652516, US-PS 3725368, US-PS 3734973, US-PS 3862251, DE-OS 2003384, DE-OS 2063642, DE-OS 2231 958, DE-OS 2408696, DE-OS 2427955). Nach diesen Verfahren werden Organomonolithiumverbindungen mit polyvinylaromatischen Verbindungen, wie Divinylbenzen oder Diisopropenylbenzen zu di- oder mehrfach metallierten Verbindungen umgesetzt und als Polymerisationsinitiatoren verwendet. Je nach den Reaktionsbedingungen sind dabei die resultierenden polyfunktionellen Organoalkalimetallverbindungen mehr oder weniger stark verzweigt bzw. in sich vernetzt und stellen Mikrogeledar. Es können auch teilweise oder völlig intermolekular vernetzte Produkte entstehen. Solche Makrogele sind unlöslich und als Initiatoren für anionische Polymerisationen nur bedingt verwendbar.
Die mehrfach metallierten Initiatoren weisen selbst hohe relative Molmassen auf, so daß sie zur Synthese von telechelischen Polybutadienen mit niedriger Molmasse nicht geeignet sind.
Polyfunktionelle Alkaliorganoverbindungen sind allgemein in unpolaren Lösungsmitteln unlöslich. Die Zugabe geringer Monomermengen führt in einigen Fällen zur Bildung lebender Oligomerer, deren bessere Löslichkeit in Kohlenwasserstoffen zwar die Weiterpolymerisation neu hinzugefügter Monomermengen in homogener Phase ermöglicht, jedoch die Darstellung von Polymerisaten definierter relativer Molmassen problematisch erscheinen läßt.
Auch ein Zusatz polarer Solventien verbessert die Löslichkeit der Initiatoren in Kohlenwasserstoffen. Viele Initiatoren sind überhaupt nur in Anwesenheit stärker polarer Solventien darstellbar. Führt man mit solchen z. B. Ether enthaltenden Initiatorlösungen Polymerisationen durch, so treten sehr leicht Nebenreaktionen wie Kettenabbruch, -Übertragung oder Etherspaltung ein, wobei Polymere mit breiter Molekulargewichtsverteilung und niedriger Funktionalität erhalten werden.
Ziel der Erfindung
Ziel der Erfindung ist es, sternförmige Polybutadiene, Butadiencopolymere und telechelische Butadienhomo- und -copolymere unter Verwendung von C4-Fraktionen, wie sie insbesondere bei der Erdölpyrolyse anfallen, als Butadienquelle auf ökonomische Weise ohne die Nachteile der bekannten Verfahren herzustellen.
Die telechelischen Butadienhomo- und -copolymeren sollen Funktionalitäten von mehr als 2 aufweisen. Das Molekulargewicht der Polymeren soll in jedem gewünschten Bereich einstellbar sein.
Darlegung des Wesens der Erfindung
Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren zur selektiven Polymerisation von 1,3-Butadien aus technischen C4-Fraktionen mittels polyfunktioneller Alkalimetallinitiatoren zu entwickeln, das den obigen Anforderungen genügt.
Die Aufgabe wird erfindungsgemäß dadurch gelöst, daß 1,3-Butadien aus einer butadienhaltigen C4-Fraktion mit Hilfe von in Kohlenwasserstoffen löslichen Polylithiuminitiatoren, die durch Umsetzung von m- oder p-Divinylbenzen oder deren Gemischen mit einer Alkylmonolithiumverbindung, vorzugsweise see. Butyllithium, im Molverhältnis n:n + 1 (n=Zahlenwert größer oder gleich 2) in einem Kohlenwasserstoff-Lösungsmittel, vorzugsweise Benzen oderToluen, erhalten werden, in lebende Butadienhomo- oder -copolymere überführt wird.
Die erfindungsgemäß einzusetzenden Initiatoren sind in Kohlenwasserstoffen vollständig löslich und stellen lineare, unvernetzte und niedermolekulare Lithiumorganoverbindungen dar. Die Zahl der Lithiumatome wird durch das Molverhältnis Divinylbenzen zu Alkyllithium bestimmt und entspricht dem Zahlenwert η + 1. Diese Initiatoren sind damit auch besonders für die Synthese von niedermolekularen telechelischen Polybutadienen mit enger Molmassenverteilung und hoher Funktionalität geeignet.
Die Polymerisation kann in an sich bekannter Weise durchgeführt werden. Es ist eine Polymerisation in der C4-Fraktion ohne zusätzliches Lösungsmittel oder auch in Abhängigkeit von der Butadienkonzentration in der C4-Fraktion in Lösung bei Zusatz von unpolaren Lösungsmitteln, z. B. Benzen, Toluen, η-Hexan, n-Heptan, Cyclohexan oder Benzinfraktionen, möglich. Bevorzugt wird ohne Zusatz eines unpolaren Lösungsmittels als Polymerisationsmedium gearbeitet, wobei die nicht polymerisierbaren Komponenten der C4-Fraktion als Verdünnungsmittel wirken.
Als Comonomere für eine Copolymerisation eignen sich alle anionisch polymerisierbaren Monomeren, wie Isopren, Acrylnitril, Styren, alpha-Methylstyren oder Methylmethacrylat, als Zusatz zur C4-Fraktion.
Die Polymerisation kann bei Temperaturen von 198 bis 423 K, vorzugsweise bei 263 bis 373 K bei Atmosphärendruck oder bei erhöhtem Druck durchgeführt werden. Die Polymerisationszeiten betragen in der Regel 1 bis 3 Stunden.
Die zu verwendende Initiatormenge wird durch das gewünschte Molekulargewicht der Polymerisate bestimmt, da es sich um eine stöchiometrische Polymerisation handelt. Erfindungsgemäß können Homo- und Copolymere mit sehr hohem Molekulargewicht, z. B. 200000, sowie auch mit sehr niedrigem Molekulargewicht^. B. 1 000 bis 10000, hergestellt werden.
Die aktiven Kettenenden der resultierenden lebenden Polymeren können in bekannter Weise mit elektrophilen, endgruppenbildenden Agentien, wie CO2, Alkylenoxide, Epichlorhydrin oder gamma-Butyrolacton, funktionalisiert werden, so daß sehr vorteilhaft telechelische Polymere hergestellt werden können.
Während der Polymerisationsreaktion treten keine Abbruchsreaktionen auf, so daß nach der Funktionalisierung der aktiven Polymeren telechelische Polymere mit hoher Funktionalität erhalten werden.
Die nach dem erfindungsgemäßen Verfahren hergestellten Produkte haben die gleichen Eigenschaften wie die bei Verwendung von reinem Butadien erhaltenen Polymeren. Das erfindungsgemäße Verfahren bietet somit eine bequeme und billige Methode zur Herstellung von Polybutadienen und Butadiencopolymeren mit und ohne funktionellen Endgruppen, ohne daß eine teure Butadienextraktionsstufe aus der C4-Fraktion durchgeführt werden muß.
Das Verfahren zeichnet sich ferner dadurch aus, daß es Nachteile bekannter Verfahren, wie geringe Initiatorlöslichkeit in unpolaren Lösungsmitteln, Nichtzugänglichkeit von Initiatorsystemen in etherfreien Medien, begrenzte Molmasseneinstellbarkeit und niedrige Funktionalitäten bei den Polymerprodukten, beseitigt.
Ein besonderer Vorteil deserfindungs^mäßen Verfahrr-is ist es, daß reaktive Polymere mit Funktionalitäten von mehr als 2 hergestellt werden können. Diese Polymere lassen sich einfach durch difunktionelle Vernetzungsmittel härten.
Die resultierenden Polymeren sind Sternpolymere, die eine geringere Viskosität aufweisen als lineare Polymere, wodurch die Verarbeitung der Polymeren erleichtert wird.
Die angeführten Beispiele sollen das erfindungsgemäße Verfahren erläutern, ohne es in irgendeiner Weise einzuschränken.
Ausführungsbeispiele Beispiel 1
Zu einer Lösung von 16,7mmol eines Tetralithium initiators, den man durch Umsetzung von sekundär-Buty !lithium (s-BuLi) mit m-Divinylbenzen (m-DVB)im Mol-Verhältnis 4:3 erhält, in Toluen, werden innerhalb von 2 Stunden 150g einer C4-Fraktion, die 33,3Gew.-% 1,3-Butadien enthält, kontinuierlich in einem Glasautoklaven bei 298K zugegeben. Das homogene, viskose Reaktionsgemisch wird anschließend noch 1 Std. gerührt, bis selektiv (über Gaschromatographie) das gesamte Butadien umgesetzt ist.
Das lebende Polymere wird mit 5,9g Ethylenoxid zu einem festen, weißen Gel hydroxyliert und anschließend mit Wasser hydrolysiert. Man erhält in 100%iger Ausbeute, bezogen auf Butadien, ein flüssiges Präpolymeres mit einer mittleren Molmasse von 3200. Bei einem 1,96%igen OH-Endgruppenanteil beträgt die Funktionalität 3,68, die MikroStruktur liegt bei 54Mol-% 1,4- und 46 Mol-% 1,2- Einheiten.
Beispiel 2
Zu 30mmol einer benzenischen Lösung einesTrilithiuminitiators, erhalten durch Umsetzung von S-BuLi mit m-DVB im Molverhältnis 3:2, werden 192g einer C4-Fraktion, die 39Gew.-% 1,3-Butadien enthält, kontinuierlich bei 308K innerhalb von 2 Stunden in einem Glasautoklaven zudosiert. Anschließend wird im Molverhältnis Ethylenoxid zum Lithium wie 2:1 bei 258K funktionalisiert und mit Wasser hydrolysiert. Man erhält 74g eines trifunktionellen flüssigen Polybutadiens, das an jedem Kettenende eine primäre OH-Gruppe aufweist. Bei einer osmometrisch bestimmten relativen mittleren Molmasse von 2 440 und einem OH-Anteil von 1,72% beträgt die Funktionalität 2,47 und die MikroStruktur weist 65 Mol-% 1,4cis/trans- und 35 Mol-% 1,2-Strukturen auf.
Beispiel 3
Durch eine benzenische Initiatorlösung von 33,3 mmol einer Trilithiumverbindung, die im Molverhältnis von 3:2auss-BuLi und m/p-DVB-Gemisch hergestellt wurde, werden 50 g 1,3-Butadien (34,8Gew.-%) einer C4-Fraktion innerhalb von 2 Stunden bei 308K in einem Glasautoklaven selektiv polymerisiert. Nach einer Rührzeit von 1 Stunde wird das lebende Polymere mit 11,7g Ethylenoxid bei 268 K umgesetzt, die butadienfreie C4-Restfraktion entfernt und das entstandene Gel mit Wasser hydrolysiert. In 100%iger Ausbeute erhält man ein hydroxylterminiertes Polybutadien mit einer relativen mittleren Molmasse von 1575 und einem OH-Anteil von 2,95%, woraus eine Funktionalität von 2,73 resultiert. Das Polymere weist eine MikroStruktur von 57 Mol-% 1,4- und 43 Mol-% 1,2-Einheiten auf.

Claims (5)

  1. Erfindungsanspruch:
    1. Verfahren zur selektiven Butadienpolymerisation aus C4-Fraktionen zu sternförmig aufgebauten Homo- oderCopolymeren mit und ohne funktionell Gruppen und mit vorbestimmten Molmassen in homogener Phase in Gegenwart von Lithiumorganoinitiatoren, gekennzeichnet dadurch, daß als Initiatoren Kohlenwasserstofflösungen von Polylithiumorganoverbindungen verwendet werden, die durch Umsetzung von m- oder p-Divinylbenzen oder deren Gemischen mit einer Alkylmonolithiumverbindung, vorzugsweise see. Butyllithium, im Molverhältnis η:n+1 (n = Zahlenwert größer oder gleich 2) in einem Kohlenwasserstoff-Lösungsmittel, vorzugsweise Benzen oder Toluen, erhalten werden.
  2. 2. Verfahren nach Punkt 1, gekennzeichnet dadurch, daß die Polymerisation in der C4-Fraktion ohne zusätzliche Lösungsmittel durchgeführt wird.
  3. 3. Verfahren nach Punkt 1 und 2, gekennzeichnet dadurch, daß die Polymerisation bei solchen Temperaturen und Drücken durchgeführt wird, daß die Monomerenmischung in flüssiger Phase vorliegt, wobei ein bevorzugter Temperaturbereich zwischen 263 und 373 K liegt.
  4. 4. Verfahren nach Punkt 1 bis 3, gekennzeichnet dadurch, daß zur Herstellung von Butadiencopolymeren alle anionisch polymerisierbaren Monomeren, z. B. Acrylnitril, Styren, alpha-Methylstyren, Isopren oder Methylmethacrylat, als Comonomere verwendet werden.
  5. 5. Verfahren nach Punkt 1 bis 4, gekennzeichnet dadurch, daß die lebenden Polymeren mit elektrophilen Verbindungen, wie CO2, Alkylenoxide oder Lactone, funktionalisiert werden.
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