DD285298B5 - Verfahren zur Herstellung eines kaltgewalzten Bleches oder Bandes sowie ein zum Tiefziehen geeignetes kaltgewalztes Blech oder Band und dessen Verwendung - Google Patents
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Description
Zum Tiefziehen von rotationssymmetrischen Stahlteilen wird möglichst texturfreies kaltgewalztes Band oder Blech eingesetzt, damit ein quasiisotropes Umformen möglich und das gezogene Teil zipfelfrei ist. Damit ist gemeint, daß ein z. B. zylindrisch tiefgezogenes Teil keinen welligen Rand aufweist.
Eine vollkommene Zipfelfreiheit ist nur von isotropem Material ohne Steigerungen, ohne nichtmetallische Einschlüsse, ohne perlschnurartige Zementitausscheidungen und bei pan-cake-freiem Gefüge zu erwarten. Daher wird in der folgenden Beschreibung nur der Begriff ,,zipfelarmes" auch für nach dem Stand der Technik ,,zipfelfreies" Band verwendet. In ,,Blech, Rohre, Profile" 9/1977, S. 341-346 wird detailliert die Ursache für die Zipfelbildung beschrieben und ein Maß für die relative Zipfelhöhe Z sowie die ebene Anisotropie Delta r definiert. Ideal wären jeweils Ergebnisse mit dem Wert Null (zipfelfreies Material).
Der Wert für die ebene Anisotropie errechnet sich aus der Anisotropie r für unterschiedliches Ausdehnungsverhalten des Materials in Walzrichtung sowie unter 45 Grad und 90 Grad dazu
Für unterschiedliche Tiefzieheigenschaften sind verschiedene r-Werte einstellbar Für die in der Veröffentlichung erwähnten Stähle läßt sich zipfelfreies Material nur durch Normalgrößen des kaltgewalzten Bandes in einer Durchlaufglühe bei etwa 1000 0C erreichen, wobei das Blech im Endzustand eine Korngröße ASTM 8 bei einer relativen Zipfelhöhe von etwa 0,3 bis 0,4% und Delta r etwa ± 0,1 erreichen.
Für nicht normalisierend geglühtes Band sei nur ein zipfelarmer Zustand durch Kompromisse in der Verfahrensführung bei der Blechherstellung zu erreichen. Dabei sollen die Walzendtemperaturen etwa 750 °C und die Kaltwalzgrade entweder unter 25% oder über 80% liegen und mit als für die Zipfeligkeit ungünstig bezeichneten Rekristallisationstemperaturen von über 600 0C gearbeitet werden.
Beschrieben wird weiterhin, daß ein Normalisieren nicht im Bund, sondern nur in einer Durchlaufglühe erfolgen kann, weil bei den hohen Temperaturen die Bänder zusammenkleben würden.
Aus der DE-OS 3 234 574 ist ein gattungsgemäßes zum Tiefziehen geeignetes kaltgewalztes Stahlblech oder Stahlband bekannt. Der Titangehalt soll, in Abhängigkeit der Gehalte an Kohlenstoff, Sauerstoff, Schwefel und Stickstoff, aufwerte bis 0,15% steigen können, die Haspeltemperatur über 700 0C oder mindestens jedoch 580 "C mit anschließender Warmband-Erwärmung auf über 700 0C betragen. Weiterhin wird ein Kaltwalzgrad von 70 bis 85 0C sowie ein Durchlaufglühen bei bis 900 0C mit maximal zwei Minuten Haltezeit empfohlen. Hinweise zur Zipfelbildung des Materials werden nicht gegeben Aus der EP-A1-101740 wird für einen gattungsgemäßen kaltgewalzten Stahl eine Brammenerwärmungstemperatur kleiner als 1100 0C, eine Walzendtemperatur von unter Агз, Haspeltemperaturen von 320 bis 600 0C und Kaltwalzgrade von 50 bis 95% sowie rekristallisierendes Durchlaufglühen empfohlen. Dabei soll ein Stahl mit maximal 0,005% Kohlenstoff, maximal 0,004% Stickstoff und maximal 0,02% Niob in Kombination mit einem oder mehreren der Elemente Aluminium, Chrom, Bor oder Wolfram Verwendung finden. Erzielt werden hohe mittlere r-Werte oberhalb 1,2. Hinweise auf die Zipfligkeit des Materials nach dem Tiefziehen sich nicht offenbart.
Ein weiteres Verfahren zur Herstellung tiefziehgeeigneter Stähle mit Brammenglühtemperatur kleiner 1100 0C, Endwalztemperatur max. 780 0C und Haspettemperaturen von mindestens 450 "C sowie Kaltbandglühen im Hauben- oder Durchlaufglühofen sind in der EP-B1-120 976 offenbart. Das Verfahren soll r-Werte um 2 erzielen; Werte für die Zipfelbildung sind nicht offenbart.
Es ist allgemein bekannt, daß Warmband eine gute quasiisotrope Umformbarkeit besitzt, jedoch eine nicht ausreichende Oberflächengüte und zu große Toleranzen aufweist und zudem nicht in Dicken unter 1,2 mm hergestellt wird.
Es ist das Ziel der Erfindung, ein Verfahren zur Herstellung eines Bleches oder Bandes zur Anwendung zu bringen, welches hohe Funktions- und Gebrauchswerteigenschaften bei geringen Produktionskosten aufweist.
Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren zur Herstellung eines Bleches oder Bandes sowie ein zum Tiefziehen geeignetes Blech oder Band zu schaffen, wobei das Blech oder Band nach dem Tiefziehen zipfelfrei oder zumindest zipfelarm ist und auf ein Durchlaufglühen bei Temperaturen oberhalb Αι verzichtet wird Die Aufgabe wird erfindungsgemäß durch die Ansprüche 1 bis 6 gelöst
Vorteilhafte Weiterbildungen der Erfindung sind in den Unteransprüchen erfaßt.
Überraschenderweise hat sich gezeigt, daß bei Anwendung der erfindungsgemäßen Brammen-, Glüh-, Walz- und Haspeltemperaturen für den genannten Stahl ein rekristallisierendes Glühen eines Bundes im Haubenofen ausreicht, um dem Stahlband oder dem konfektionierten Stahlblech hervorragende Tiefzieheigenschaften, insbesondere eine extreme Zipfelarmut, zu geben
Die üblicherweise beim Stand der Technik für den Stahl St4NZ oder RST14 durch Normalglühen erreichten Werte der Korngröße von bestenfalls ASTM8 entsprechend 490 μιη2 können durch das erfindungsgemäße Verfahren durch rekristallisierendes Glühen unterschritten werden, wobei zusätzlich niedrige Streckgrenzenwerte beibehalten werden können durch Wahl entsprechender Kaltwalzgrade in Abhängigkeit vom Titangehalt Dies ergibt den Vorteil, daß auf hohe Investitionen für eine Durchlaufglühe für eine Normalglühbehandlung verzichtet werden kann.
Durch Variation der Zulegierung von Titan in den angegebenen Grenzen läßt sich praktisch jeder gewünschte Kaltwalzgrad für die Erzeugung zipfelfreien Materials einstellen und/oder genauso ebenfalls eine Streckgrenze zwischen 175 und 450 N/mm2 bei Zugfestigkeiten von 310 bis 520 N/mm2
Eine der Ursachen für die günstigen Eigenschaften des erzeugten Bleches ist in der frühzeitigen Bildung von Titannitrid zu sehen, so daß ein pan-cake-Gefüge während des rekristallisierenden Glühens durch die Aluminium-Nitrid-Ausscheidungen nicht entstehen kann
Durch die Wahl niedriger Haspeltemperaturen um 520 0C wurden überraschend Warmbandqualitäten erzielt, die nach dem Kaltwalzen ein zipfelfreies Material gewährleisten und eine zusätzliche Kornverfeinerung ermöglichten Ein besonderer Vorteil des so hergestellten Warmbandes liegt darin, daß im Grundsatz keinerlei Restriktion hinsichtlich des anschließenden Kaltwalzens besteht, sofern der Kaltwalzgrad mindestens etwa 5% beträgt, d. h oberhalb der bekannten kritischen schwachen Kaltverformung bleibt, die beim Rekristallisationsglühen zu grobem Korn führt. Bisher war man bei der Erzeugung annähernd zipfelfreien Kaltbandes an bestimmte Kaltwalzgrade gebunden, sofern nicht normalgeglüht werden sollte.
Es wurde überraschend gefunden, daß zwar ein gewisser Titangehalt in der Stahllegierung unerläßlich ist, um das erfindungsgemäße Verfahren durchführen zu können und erfindungsgemäße Materialeigenschaften zu erzielen, aber diese Verfahrensparameter zumindest hinsichtlich des Kaltwalzgrades dann anzupassen sind, wenn der Stahllegierung das festigkeitssteigemde Element Niob hinzugefügt wird.
Die Variation der Kaltwalzgrade in Abhängigkeit von der Menge des zulegierten Titans ist bei gleichzeitiger Zulegierung von Niob in den angegebenen Grenzen auf Kaltwalzgrade von 45 bis 85% beschränkt.
Die Zulegierung von Niob behindert nicht die bereits in der Stammanmeldung erwähnte frühzeitige Bildung von Titannitrid, so daß auch bei dieser erfindungsgemäßen Stahllegierung ein pan-cake-Gefüge während des rekristallisierenden Glühens nicht entstehen kann.
Eine gravierende technische und wirtschaftliche Bedeutung der Erfindung liegt in der Verwendung des Feinbleches für rotationssymmetrisch tiefgezogene Teile wie Nadellagerkäfige, Riemenscheibenhälften usw. Das erfindungsgemäße Blech kann in diesen Fällen ohne wesentliche Nacharbeit wie Abschneiden der Zipfel eingesetzt werden. Die Zipfelarmut verhindert beim Tiefziehen auch das Entstehen sektoraler Wandschwächungen, so daß die gezogenen Teile bei Rotation keine Unwucht aufweisen. Weitere Vorteile zipfelarmen oder zipfelfreien Kaltbandes sind bekannt, so daß sich eine weitere Beschreibung erübrigt.
Ausfuhrungsbeispiel
Die Erfindung soll anhand von Ausführungsbeispielen näher erläutert werden In der zugehörigen Zeichnung zeigen:
Fig. 1 bis 9: tiefgezogene Demonstrationsnäpfchen;
Fig. 10: Darstellung der Zipfelhäufigkeit in Abhängigkeit von der Legierung;
Fig. 11: Darstellung des Verhältnisses Zipfeligkeit und Streckgrenze;
Fig 12: Darstellung von Korngröße und Legierung;
Fig. 13 bis 18: tiefgezogene Demonstrationsnäpfchen.
Aus den erfindungsgemäßen Schmelzen A-D sowie den Vergleichsschmelzen E-F (Tabelle 1) werden Brammen von 210 mm Dicke im Strang vergossen. Nach Erwärmung im Stoßofen auf 1 250 °C wurde die Bramme zu Warmband von 3 mm Dicke ausgewalzt, gehaspelt und auf Raumtemperatur abgekühlt. Die Walzendtemperaturen und Haspeltemperaturen zeigt Tabelle
2. Nach dem Beizen wurden Bänder durch Kaltwalzen in unterschiedlichen Stufen von 10% bis zu 80% auf Feinblechdicke reduziert und erneut gehaspelt. Das Bund wurde im Haubenglühofen der Bauart Fa. Ludwig auf 70 0C erwärmt, mit einem Durchsatz von 1,1 t/h bis 1,9 t/h rekristallisierend geglüht und anschließend im Ofen auf 120 0C abgekühlt Nach dem Dressieren mit Umformgraden von 1 bis 1,2% wurde das Band zu Blechtafeln konfektioniert.
Blechronden von 90 bzw. 180 mm Durchmesser wurden mit Ziehstempeln von 50 bzw. 100 mm Durchmesser bei Haltekräften von 50 kN zu Näpfchen tiefgezogen.
Fig. 1 zeigt drei verschiedene Näpfchen, die die im folgenden verwendeten Begriffe zipfelig (Fig.ia), zipfelarm (Fig.ib) und zipfelfrei (Fig.1c) definieren sollen, da die Messung der Zipfelhöhe mit den handelsüblichen Zipfelmeßgeräten, insbesondere von zipfelarmen und zipfelfreien Näpfchen mit geringen Höhendifferenzen bereits bei kleinsten Tiefziehgraten auf dem Näpfchenrand problematisch ist.
Diese Definition wurde für Fig. 10 zur Darstellung der Zipfeligkeit von Näpfchen aus den verschiedenen Schmelzen übernommen. Bestätigt wurde die Erkenntnis, daß der bei 710 °C gehaspelte Stahl E nur bei Kaltwalzgraden kleiner etwa 25% zipfelfrei ist und im Bereich 30 bis 50% Kaltwalzgrad allenfalls als zipfelarm bezeichnet werden kann Für den Vergleichsstahl F, der gemäß Stand der Technik bei 500 X gehaspelt wurde, wurde Zipfeligkeit bei Kaltwalzgraden größer 30% festgestellt.
Die Fotos in den Fig.8 und 9 belegen dies eindrucksvoll
Bei Verwendung der erfindungsgemäß gewalzten und geglühten Stähle A-D zeigten die Näpfchen in Abhängigkeit vom Titangehalt bei verschiedenen Kaltwalzgraden ein unterschiedliches Tiefziehergebnis:
Stahl A mit 0,01% Ti:
Die Näpfchen waren bei Kaltwalzgraden von Epsilon = 30 bis 50% absolut zipfelfrei, während Kaltwalzgrade von 20% bzw. 60% nur zipfelarmes Näpfchen-Ziehen ermöglichte.
Stahl B mit 0,02% Ti:
Zipfelfrei bei Epsilon = 10% sowie 50 bis 80%
Zipfelarm bei Epsilon = 20%; 40%
Stähle C1/C2 mit 0,03% Ti, wobei C1 mit 500 0C und C2 mit 450 0C gehaspelt wurde: Zipfelfrei bei Epsilon = 10 bis 20% sowie 60 bis 80% Zipfelarm bei Epsilon = 30%; 50%.
Stahl D mit 0,04% Ti:
Zipfelfrei bei Epsilon = 60 bis 70% bzw. 20%
Zipfelarm bei Epsilon = 15%, 25%, 55%, 80%.
Aus dem Vergleich der Kurven für die Stähle A-D lassen sich Tendenzen ablesen, die für Zwischenwerte des Legierungselementes Titan beispielsweise 0,025% Ti - ausgehend von Stahl B -zipfelfreies Näpfchenziehen bei Kaltwalzgraden bis 15% oder 20% und bis 85% erwarten lassen, also eine Kurvenverschiebung nach rechts; bei Werten zwischen 0,01% und 0,02% umgekehrt eine Verschiebung der ,,zipfelfreien" Kaltwalzgrade zu niedrigeren Umformverhältnissen nahelegen.
Die zu den Stählen gemäß Fig.10 und Tabelle 1 bzw 2 korrespondierenden Fotos der Fig 3 bis 7 von tiefgezogenen Näpfchen veranschaulichen das Ergebnis deutlich.
Überraschend zeigte sich, daß den ,,zipfelfreien" Umformgraden jeweils ein bestimmtes Zugfestigkeits- und Streckgrenzenniveau zugeordnet werden konnte (Fig 11) und die größte Zipfeligkeit gleichzeitig bei der niedrigsten Streckgrenze/Zugfestigkeit festzustellen war.
Beispiel: Stahl B
a) Zipfelfreiheit beim Kaltwalzgrad 10%-15% ^ Streckgrenzenniveau Rp02 = 400-350 N/mm2 Zugfestigkeitsniveau Rm = 450-400 N/mm2
b) Zipfeligkeit beim Kaltwalzgrad 30% = Rp02 = 180 N/mm2 und Rn, = 320 N/mm2
c) Zipfelfreiheit beim Kaltwalzgrad 50-80% =
Rpo.2 = 250 - 280 N/mm2 und Rm = 360 - 370 N/mm2
Diese Erkenntnis ermöglicht eine bauteil- oder funktionsangepaßte Wahl der Festigkeit für ein und dasselbe Bauteil durch Änderung der Parameter Titangehalt und Kaltwalzgrad
Tabelle 2 zeigt korrespondierend zu Fig.12 die erfindungsgemäß erzielte Korngröße in ASTM-Einheiten; die erzielbare Kornverfeinerung gegenüber Stählen ohne Titanzusatz nach dem Stand der Technik ist erheblich und reicht bis ASTM11.
Das gröbste Korn wurde bei geringem Ti-Zusatz und geringem Kaltwalzgrad erzielt (ASTM7). Vergleichsweise wurden bei den Stählen A-D die Warmband-Werte für die Korngröße (ASTM9-10) in die Fig. 12 aufgenommen.
Für einen Stahl C (Varianten C3-C5) wurden Versuche mit variabler Haspeltemperatur Th und Glühdurchsatz Pg durchgeführt (Tabelle 3). Während Schwankungen in der Durchsatzmenge des Haubenglühofens von 1,1-1,9 t/h sowohl die Korngröße als auch die ebene Anisotropie Delta r nicht negativ beeinflußten, hatte eine Erhöhung der Haspeltemperaturen auf 710 0C bei annähernd gleichen Walzendtemperaturen eine Kornvergröberung und eine Verschlechterung der ebenen Anisotropie zur Folge.
Die Fig.2a, 2b, 2c zeigen entsprechende Ergebnisse an Näpfchen aus 180-mm-Ronden, die mit 100-mm-Stempeln bei 50 kN Rückhaltekraft tiefgezogen wurden.
In Tabelle 1 sind auch die Schmelzanalysen des erfindungsgemäß bei dem Verfahren einzusetzenden Stahles G mit 0,01% Titan, H mit 0,02% Titan und I mit 0,03% Titan bei 0,05% bzw. 0,06% Niobzugabe aufgelistet, dazu wurde ein Vergleichsstahl K mit 0,05% Niobzugabe, aber ohne Titangehalt aufgeführt.
Aus den erfindungsgemäßen Schmelzen G-I sowie der Vergleichsschmelze K wurden Brammen von 200 mm Dicke im Strang vergossen. Nach Erwärmung im Stoßofen auf 1 250 °C wurde die Bramme zu Warmband von 4 mm Dicke ausgewalzt und gehaspelt sowie auf Raumtemperatur abgekühlt. Die Walzendtemperatur betrug 880 °C und die Haspeltemperatur 510 "C. Nach dem Beizen wurden die Bänder durch Kaltwalzen in unterschiedlichen Stufen von 10 bis 80% auf Feinblechdicke reduziert und erneut gehaspelt. Nach dem Haspeln wurde das festgewickelte Bund im Haubenglühofen der Bauart Fa. Ludwig auf 700 0C erwärmt und bei Durchsatzraten von 1,1 Tonnen bzw. 1,8 Tonnen pro Stunde rekristallisierend geglüht, anschließend im Haubenglühofen auf 120 °C abgekühlt. Nach dem Dressieren mit einem Umformgrad von 1,1% wurde das Band zu Blechtafeln konfektioniert. Blechronden von 90 mm Durchmesser wurden mit Ziehstempeln von 50 mm Durchmesser zu Näpfchen tiefgezogen (Fig.13-16).
Für den Vergleichsstahl K, der in der Legierung kein Titan enthält, ansonsten zu der gattungsgemäßen Stahlsorte gehört, zeigt Fig. 16 deutlich, daß bei keinem der erprobten Kaltwalzgrade zipfelfreies Tiefziehen möglich war.
Bei Verwendung der erfindungsgemäß gewalzten und geglühten Stähle G bis I zeigten die Näpfchen in Abhängigkeit vom Titangehalt bei verschiedenen Kaltwalzgraden ein geringfügig unterschiedliches Tiefziehergebnis:
Stahl G mit 0,01% Titan (Fig. 13):
Die Näpfchen waren bei Kaltwalzgraden von Epsilon = 45 bis 85% in der Kategorie zipfelarm und bei etwa 60 bis 80% Kaltwalzgraden sogar zipfelfrei.
Stahl H mit 0,02% Titan (Fig. 14):
Zipfelarm im Bereich Epsilon = 55 bis 85%, fast zipfelfrei im Bereich von 60 bis 75%
Stahl I mit 0,03% Titan (Fig. 15):
Zipfelarm im Bereich von 60 bis 70% Kaltwalzgraden.
Bei den erfindungsgemäß hergestellten Stählen konnten beispielsweise bei einem Titangehalt von 0,01% am tiefziehfertigen Blech Streckgrenz- und Zugfestigkeitswerte festgestellt werden, die um mehr als 50 N/mm2 über den Kennwerten des nur
titanlegierten Materials lagen.
Die in Tabelle 1 aufgeführten erfindungsgemäßen Schmelzen L bzw. M mit Phosphorgehalten an der oberen Analysengrenze wurden behandelt wie die Stähle A-F. Die Haspeltemperatur betrug 510 bzw. 500 "C. Bei einem Kaltwalzgrad von 66% wurde die Konstanz der Ergebnisse über die gesamte Bandlänge geprüft, um die Effektivität des Bundglühens zu bestätigen.
Die Näpfchen aus den Tiefziehversuchen sind in Fig.17 bzw. 18 dargestellt. Siezeigen, daß zipfelfreies Material sowohl am Bandanfang (Position 0) als auch nach jedem weiteren Viertel der Bandlänge bis zum Bandende (Position 1) erzeugt wurde.
Tabelle 1 Schmelzanalyse (Werte in Gewichtsprozenten)
Stahl
Si
Al
Ti
Nb Bemerkungen Figur
| A | 0,046 0,02 | Tw | 3 | Tw | 0,17 | Walzendtemperatur | 0, | 009 | 0,011 | 0,022 | 0,0025 | K | Ar | 0,01 | 07/+0,06 | - | ,05 | Vergleich | 3 |
| B | 0,044 0,025 | 0C | 0C | 0,25 | Haspeltemperatur | 0, | 013 | 0,005 | 0,054 | 0,0032 | 0,02 | 04/+0.08 | - | ,05 | Vergleich | 4 | |||
| C | 0,048 0,03 | 860 | 880 | 0,24 | 0, | 014 | 0,006 | 0,051 | 0,0034 | 9-10 | 0,03 | ',09/+0.17 | - | ,06 | 2, 5, 6 | ||||
| D | 0,03 0,03 | 870 | 915 | 0,20 | Korngröße nach ASTM | 0, | 012 | 0,005 | 0,078 | 0,0050 | 9-10 | 0,04 | - | ,05 | 7 | ||||
| E | 0,04 0,02 | 870 | 870 | 0,25 | Glühdurchsatz | 0, | 020 | 0,015 | 0,061 | 0,0033 | 8- 9 | - | - | 8 | |||||
| F | 0,04 0,03 | 880 | In Tabelle 2 und 3 bedeuten | 0,25 | ebene Anisotropie | 0, | 008 | 0,007 | 0,065 | 0,0047 | - | 0 | Vergleich | 9 | |||||
| G | 0,08 0,06 | 890 | Tw | 0,58 | 0, | 015 | 0,008 | 0,043 | 0,0038 | 0,01 | 0 | 13 | |||||||
| H | 0,08 0,10 | 900 | Th | 0,54 | 0, | 010 | 0,002 | 0,046 | 0,0039 | 0,02 | 0 | 14 | |||||||
| I | 0,08 0,09 | 890 | K | 0,56 | 0, | 015 | 0,005 | 0,049 | 0,0046 | 0,03 | 0 | 15 | |||||||
| K | 0,06 0,40 | Pg | 1,11 | 0, | 018 | 0,006 | 0,043 | 0,0039 | - | - | 16 | ||||||||
| L | 0,04 0,04 | Ar | 0,22 | 0, | 077 | 0,011 | 0,073 | 0,005 | 0,03 | - | 17 | ||||||||
| M | 0,06 0,04 | 0,78 | 0, | 068 | 0,011 | 0,047 | 0,007 | 0,025 | 18 | ||||||||||
| Tabelle | 2 | ||||||||||||||||||
| Stahl | Th | K | Figur | ||||||||||||||||
| 0C | min/max. | ||||||||||||||||||
| A | 490 | 10/7 | 3 | ||||||||||||||||
| B | 500 | 11/9 | 4 | ||||||||||||||||
| C1 | 500 | 11/9 | 5 | ||||||||||||||||
| C2 | 450 | 11/9 | 6 | ||||||||||||||||
| D | 430 | 11/9 | 7 | Figur | |||||||||||||||
| E | 710 | 9/4 | 8 | ||||||||||||||||
| F | 500 | 9/6 | 9 | 2a | |||||||||||||||
| Tabelle | 2b | ||||||||||||||||||
| Stahl | Th | Pg | 2c | ||||||||||||||||
| 0C | t/h | min/max | |||||||||||||||||
| C3 | 520 | 1,1 | -0, | ||||||||||||||||
| C4 | 540 | 1,9 | -o, | ||||||||||||||||
| C5 | 710 | 1,9 | +0 | ||||||||||||||||
Claims (12)
- Patentansprüche:1. Verfahren zur Herstellung eines kaltgewalzten Bleches oder Bandes mit guter Umformbarkeit aus Stahl mit folgender Zusammensetzung in Gewichtsprozenten:0,02 - 0,10 % Kohlenstoffmax. 0,40 % Silizium0,10 bis 1,0 % Manganmax. 0,08 % Phosphormax. 0,02 % Schwefelmax. 0,009 % Stickstoff0,015 bis 0,08 % Aluminium0,01 bis 0,04 % Titanmax. 0,15 % von einem oder mehreren der Elemente aus der Gruppe Kupfer,Vanadium, Nickel,Rest Eisen und unvermeidbare Verunreinigungen, welches nach dem Warmwalzen und Kaltwalzen geglüht wird, dadurch gekennzeichnet, daß die Bramme auf oberhalb 1120 0C erwärmt und zu Warmband einer Walzendtemperatur oberhalb des Ar3-Punktes ausgewalzt und bei 420 0C - 700 0C gehaspelt, in Abhängigkeit vom Titangehalt mit nachstehenden Umformgraden (Epsilon) kaltgewalzt wird:etwa 0,01 % Titan: Epsilon 20% - 60%
etwa 0,02% Titan: Epsilon 5% - 20%oder Epsilon 40% - 85%
etwa 0,03% Titan: Epsilon 5% - 25%oder Epsilon 50% - 85%
etwa 0,04% Titan: Epsilon 15% - 25%oder Epsilon 55% - 80%und anschließend bei Temperaturen unterhalb A1 rekristallisierend im Bund geglüht und danach mit einem Umformgrad von etwa 1% dressiert wird. - 2. Verfahren nach Anspruch 1, gekennzeichnet durch Umformgrade (Epsilon) zwischen 30% und 50% für einen Titangehalt von etwa 0,01%.
- 3. Verfahren nach Anspruch 1, gekennzeichnet durch Umformgrade (Epsilon) zwischen 10% und 15% für einen Titangehalt von 0,02%.
- 4. Verfahren nach Anspruch 1, gekennzeichnet durch einen Umformgrad (Epsilon) zwischen 50% und 80% für einen Titangehalt von etwa 0,02%.
- 5. Verfahren nach Anspruch 1, gekennzeichnet durch Umformgrade (Epsilon) zwischen 10% und 20% für einen Titangehalt von etwa 0,03%.
- 6. Verfahren nach Anspruch 1, gekennzeichnet durch Umformgrade (Epsilon) zwischen 60% und 80% für einen Titangehalt von etwa 0,03%.
- 7. Verfahren nach Anspruch 1, gekennzeichnet durch einen Umformgrad (Epsilon) von 20% für einen Titangehalt von etwa 0,04%.
- 8. Verfahren nach Anspruch 1, gekennzeichnet durch Umformgrade (Epsilon) zwischen 60% und 70% für einen Titangehalt von etwa 0,04%.
- 9. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, daß der Titangehalt auf mindestens das 3,5fache des Stickstoffgehaltes eingestellt wird.
- 10. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 9, dadurch gekennzeichnet, daß ein Stahl eingesetzt wird, der zusätzlich 0,01% - 0,06% Niob enthält.
- 11. Verfahren nach Anspruch 10, dadurch gekennzeichnet, daß in Abhängigkeit vom Titangehalt mit nachstehenden Umformgraden (Epsilon) kaltgewalzt wird:etwa 0,01 % Titan: Epsilon 45% - 85%etwa 0,02% Titan: Epsilon 55% - 85%etwa 0,03% Titan: Epsilon 60% - 70%und anschließend bei Temperaturen unterhalb A1 rekristallisierend geglüht und danach mit einem Umformgrad von etwa 1% dressiert wird.
- 12. Zum Tiefziehen geeignetes kaltgewalztes Blech oder Band aus Stahl, herstellbar nach einem Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 11.Hierzu 17 Seiten ZeichnungenAnwendungsgebiet der ErfindungDie Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung eines kaltgewalzten Bleches oder Bandes sowie in zum Tiefziehen geeignetes kaltgewalztes Blech oder Band und dessen Verwendung.
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