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Gebiet der Erfindung
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Die
vorliegende Erfindung liegt allgemein auf dem Gebiet von viralen
Vektoren mit verändertem
Wirtsbereich. Spezieller betrifft die vorliegende Erfindung Vektorpartikel,
die eine virale Hülle
mit dem fremden Membran-assoziierten Protein VSV G enthalten und
die Herstellung dieser Partikel von stabilen Zellinien.
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Regierungsinteresse an der Erfindung
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Diese
Erfindung wurde mit Unterstützung
der Regierung unter der Bewilligungsnummer HD20034 der National
Institutes of Health entwickelt. Die Regierung hat bestimmte Rechte
an der Erfindung.
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Hintergrund der Erfindung
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Die
Anordnung von umhüllten
(komplexen) tierischen Viren ist gekennzeichnet durch selektiven
Einschluß des
viralen Genoms und akzessorischer viraler Proteine in einen knospenden
viralen Partikel. Obwohl die Mechanismen für eine selektive Verkapselung
oder Verpackung nicht gut charakterisiert sind, wird postuliert,
daß das
Erkennen von viralen Hüllproteinen
innerhalb der Plasmamembran durch die viralen Nukleokapside einen
möglichen
Kontrollpunkt für
die Verpackungsspezifität
darstellt.
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Unter
Verwendung von internen Bild-anti-Ideotyp-Antikörpern haben Vaux et al. (Nature
(London) 336:36-42 (1988)) gezeigt, daß das Nukleokapsid von Semliki
Forest Virus (SFV) einen spezifischen Rezeptor für den cytoplamatischen Schwanz
des Virion E2 Spike-Glycoproteins enthält. Vaux et al. haben vorgeschlagen,
daß eine
spezifische Rezeptor/Liganden-artige Wechselwirkung zwischen den
beiden wahrscheinlich kritisch ist bei der Organisation der Knospung
von SFV und verwandten Viren aus infizierten Zellen.
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In
offensichtlichem Gegensatz zu dem hohen Maß an Spezifität von SFV
für das" E2 Protein, steht
das bekannte Phänomen
der „Pseudotyp"-Bildung, bei der
eine gemischte Infektion einer Zelle durch ein Virus und Retroviren
zur Erzeugung von Virionen-Nachkommen führt, wobei das Genom des einen
Virus von dem Hüllprotein
des anderen eingehüllt
(encapsidated) ist. Diese phänotypisch
gemischten Viren bil den Plaques auf entsprechenden Indikatorzellen
und können
neutralisiert werden durch Seren, die gegen das spezifische Hüllprotein
gebildet worden sind. Ein Virus, von dem bekannt ist, daß es an
der Pseudotyp-Bildung teilnimmt, ist das Virus der vesikulären Stomatitis
(VSV), ein Glied der Rhabdovirus-Familie.
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Der
Mechanismus für
den Einschluß des
Hüllproteins
von einem Virus in die Vironen eines nicht verwandten Virus ist
unbestimmt. Ein Sequenzvergleich von VSV G Protein und Retrovirus-Hüllproteinen
zeigt keine signifikante Sequenz-Ähnlichkeit zwischen diesen
Proteinen. Bisher war es auch schwierig, zu bestimmen, ob das G-Protein allein in
Abwesenheit von anderen VSV-codierten Proteinen an der Pseudotyp-Bildung teilnehmen
kann. Pseudotypen bilden sich nicht zwischen VSV und Alphaviren,
wie SFV, obwohl Pseudotypen zwischen zwei Alphaviren oder zwischen
Alphaviren und verwandten Flaviviren, wie dem Virus der japanischen
Encephalitis, gebildet werden können.
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In
einigen Fällen
ist das phänotypische
Mischen einseitig, wie im Falle von VSV mit Geflügel-Plaque-Virus (FPV) oder
VSV mit Sindbis-Virus. Der Pseudoyp Viruspartikel VSV(FPV), der
das VSV-Geno, eingehüllt
durch das Hüllprotein
von FPV enthält,
und der Pseudotyp-Vektorpartikel VSV(Sindbis) gibt es, aber die
umgekehrten Pseudotypen FPV(VSV) und Sindbis(VSV), die das FPV-
oder Sindbis-Virusgenom,
umhüllt
von VSV G Protein enthalten, sind nicht nachgewiesen worden.
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Eine
gemischte Infektion von Zellen mit Retroviren und VSV führt üblicherweise
zur Bildung von Pseudotypen mit wesentlich geringeren Titern als
wenn von VSV von den gleichen Zellen gebildet wird. Es ist nicht klar,
ob dies auf der Spezifität
der Wechselwirkung zwischen dem Retroviren-Nukleokapsid und dem
G-Protein oder auf anderen Faktoren beruht.
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Retrovirale
Vektoren wurden angewandt, um Gene durch Ausnutzen des viralen Infektionsprozesses wirksam
zu überfragen.
Fremde Gene, die in das retrovirale Genom kloniert sind, können wirksam
an Zellen abgegeben werden, die für eine Infektion durch das
Retrovirus empfänglich
sind. Durch andere Genmanipulationen kann die Fortpflanzungsfähigkeit
des retroviralen Genoms zerstört
werden. Die Vektoren führen
neues genetisches Material in eine Zelle ein, können sich jedoch nicht fortpflanzen.
Ein Helfervirus oder ein Verpackungsmechanismus kann eingesetzt
werden, um Aufbau und Austreten von Vektorpartikeln es zu ermöglichen.
Wie er hier verwendet wird, bezeichnet der Ausdruck „Vektorpartikel" virenartige Partikel,
die in der Lage sind, Nukleinsäure über einen
virenartigen Eintrittsmechanismus in eine Zelle einzuführen. Derartige
Vektorpartikel können
unter bestimmten Umständen
den Transfer von Genen in die Zelle, die sie infizieren, vermitteln.
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Es
ist möglich,
durch Einbau eines Hüllgens
von einem anderen nahe verwandten Virus den Bereich von Zellen zu
verändern,
die diese Vektoren infizieren können.
Miller et al. (Mol. Cell. Biol. 5:431-437 (1985)) konstruierten
einen von MoMLV stammenden Vektor, um einen selektierbaren Marker,
Dihydrofolatreduktase, in empfängliche
Zellen einzubauen, und bauten die Hüllregion von dem verwandten
amphotropen Retrovirus 4070A ein, um den Wirtsbereich des Vektors
zu verbreitern.
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Wie
oben angegeben, ist nicht klar, welche Signale erforderlich sind,
um die funktionelle Anordnung der Vektorpartikel zu dirigieren,
noch ist bekannt, welche Faktoren es ermöglichen, dass das Nukleokapsid
und das Membran-assoziierte Protein in Wechselwirkung treten und
die Verpackung komplettieren. Daher wurden bisher Veränderungen
des Wirtsbereichs nicht beeinflusst durch Einbau von heterologen
Membran-assoziierten Proteinen innerhalb eines Vektorpartikels.
Unter „heterologes
Membran-assoziiertes Protein" ist
ein Membran-assoziiertes Protein zu verstehen, dessen Ursprung mindestens
in einer anderen Virenfamilie liegt, als der des Nukleokapsidproteins
des Vektorpartikels. Wie er hier verwendet wird, sollte sich der
Ausdruck virale „Familie" auf die taxonome
Klasse einer Familie beziehen, wie durch das International Committee
an Taxonomy of Viruses festgelegt.
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Die
vorliegende Erfindung liefert eine Säugetier-Verpackungszelle, mit
codierenden Nukleotidsequenzen für
gag, pol und ein heterologes chimäres Membran-assoziiertes Protein,
das einen Wirtsbereich bestimmt, wobei das chimäre Membran-assoziierte Protein
aus einer äußeren rezeptorbindenden
Domäne,
einer Membran-assoziierten Domäne
und einer zytoplasmischen Domäne
besteht, wobei die Membran-assoziierte Domäne die Membranassoziierten
Domäne
von VSV G und die zytoplasmische Domäne die zytoplasmische Domäne von VSV
G ist und wobei die äußere rezeptorbindende
Domäne
aus irgendeinem Liganden/Rezeptor ausgewählt ist zur Bestimmung eines
anderen Wirtsbereichs als dem des Virus von dem die für gag und
pol codierende Nukleotidsequenz stammt.
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Gemäß einem
anderen Aspekt liefert die vorliegende Erfindung einen rekombinanten
Vektorpartikel, umfassend gag und pol retrovirale Proteine und eine
Nukleinsäuresequenz,
die mit dem Vektorpartikel assoziiert ist, und eine Hülle, umfassend
ein heterologes chimäres
Membran-assoziiertes Protein, das einen Wirtsbereich bestimmt, wobei
das chimäre
Membran-assoziierte Protein eine äußere rezeptorbindende Domäne, eine
Membran-assoziierte Domäne
und eine zytoplasmische Domäne
umfaßt,
wobei die Membran-assoziierte Domäne die Membran-assoziierten
Domäne
von VSV G und die zytoplasmische Domäne die zytoplasmische Domäne von VSV
G ist und wobei die äußere rezeptorbindende
Domäne
aus irgendeinem Liganden/Rezeptor ausgewählt ist zur Bestimmung eines
anderen Wirtsbereichs als dem des Virus von dem gag und pol stammen.
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Die
funktionelle Nukleinsäuresequenz
der Vektorpartikel nach der vorliegenden Erfindung umfaßt vorzugsweise
eine lange terminale Sequenzwiederholung von einem Retrovirus und
codiert auch für
ein Gen mit einem anderen Ursprung als von dem ersten Virus, wobei
das Gen als ein Polypeptid, wie ein selektierbarer Marker, exprimiert
wird. Ein bevorzugter selektierbarer Marker ist ein Neomycin-Resistenz-Gen. Das für das Polypeptid
codierende Gen kann von der langen terminalen Sequenzwiederholung,
oder einem internen Promotor (promotes), der die Transcription dirigieren
kann, und bei einer bevorzugten Ausführungsform von einem gewebespezifischen
Promotor exprimiert werden.
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Gemäß einem
anderen Aspekt liefert die vorliegende Erfindung ein Verfahren zur
Produktion eines rekombinanten umhüllten Vektorpartikels aus einer
Säugetier-Verpackungszelle,
wobei das rekombinante Virion ein chimäres Membran-assoziiertes Protein
umfaßt,
wobei das Verfahren die Stufen umfaßt: Einführen eines retroviralen Vektors
in ein Säugetier-Verpackungszelle
wobei die Zelle stabil gag und pol exprimiert, und Expression eines
heterologen chimären
Membran-assoziierten Proteins, das einen Wirtsbereich bestimmt,
wobei das chimäre
Membran-assoziierte Protein eine äußere rezeptorbindende Domäne, eine
Membran-assoziierte Domäne
und eine zytoplasmische Domäne
umfaßt,
wobei die Membran-assoziierte Domäne die Membran-assoziierte
Domäne
von VSV G ist und die zytoplasmische Domäne die zytoplasmische Domäne von VSV
G ist und wobei die äußere rezeptobindende
Domäne
ausgewählt
ist aus verschiedenen Liganden/Rezeptoren zur Bestimmung eines Wirtsbereichs,
der von dem des Virus, von dem gag und pol stammen, ##verschieden
ist; Kultivieren der Säugetier-Verpackungszelle
und Isolieren eines von der Zelle produzierten rekombinanten verhüllten Vektorpartikels.
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Noch
ein anderes Verfahren betrifft ein Verfahren zur Herstellung eines
umhüllten
Vektorpartikels von einer Säugetier-Verpackungszellinie,
wobei das Verfahren die Stufen umfaßt: Einführen eines retroviralen Vektors
in eine stabile Säugetier-Verpackungszelle,
enthaltend eine ersten Nukleotidsequenz, die für gag und pol codiert, und
eine zweite Nukleotidsequenz, die für VSV G codiert, welche einen
Wirtsbereich bestimmt, der von dem des Retrovirus, von dem die erste
Nukleotidsequenzstammt, verschieden ist, wobei die zweite Nukleotidsequenz
operabel mit einem induzierbaren Promotor verbunden ist; Kultivieren
der Zelle unter Bedingungen, zum Einleiten der Expression von VSV
G von dem induzierten Promotor und Isolieren der von der Zelle erzeugten
Vektorpartikel.
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Die
stabil transfizierte funktionelle Nukleinsäure codiert vorzugsweise für die Funktionen
zur Produktion von Nukleokapsidprotein. Das Membran-assoziierte
Protein kann alternativ z.B. von einem induzierbaren Promotor exprimiert
sein. Solche stabilen Zellinien ermöglichen die Produktion von
Vektorpartikeln mit im wesentlichen jeder beliebigen erwünschten
funktionellen Nukleinsäure.
Die erwünschte
funktionelle Nukleinsäure kann
z.B. eingeführt
werden durch Transfektion in diese stabilen Zellinien, die Nukleokapsid
und ein Membran-assoziiertes Protein exprimieren und dadurch zur
Verpackung der gewünschten
funktionellen Nukleinsäure
führen,
mit gleichzeitiger Bildung von Vektorpartikeln.
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Die
vorliegende Erfindung kann angewandt werden bei einem Verfahren
zum Einführen
von fremder Nukleinsäure
in eine Zelle, umfassend die Erzeugung eines Vektorpartikels mit
einer funktionellen Nukleinsäuresequenz,
einem Nukleokapsidprotein, das von einem ersten Virus stammt, und
ein heterologes Membranassoziiertes Protein, wobei das Membran-assoziierte
Protein einen Wirtsbereich de finiert, der die Zelle umfaßt; und
Infizieren der Zelle mit dem Vektorpartikel. Diese Erzeugungsstufe
umfaßt
vorzugsweise die Co-Transfektion mit einem Helfervirus oder einem
funktionellen Teil eines Helefervirus-Genoms. In bestimmten Aspekten dieser
Erfindung ist das Membran-assoziierte Protein ein chimäres Protein,
das eine äußere rezeptorbindende Domäne und eine
Membran-assoziierte Domäne
umfaßt,
und die äußere rezeptorbindende
Domäne
von einem anderen Ursprung stammt als die Membran-assoziierte Domäne, die
von VSV G Protein stammt. Das chimäre Protein hat vorzugsweise
zwei Ursprünge,
wobei nicht mehr als einer der beiden Ursprünge retroviral ist. Bei einer
bevorzugten Ausführungsform
stammt die äußere rezeptorbindende
Domäne
von VSV G Protein und das erste Virus ist ein Retrovirus, wie MoMLV,
mit einem Wirtsbereich, der weder menschliche Zellen noch eine Untergruppe
von menschlichen Zellen umfaßt.
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Die
rekombinanten Vektorpartikel nach der vorliegenden Erfindung können verwendet
werden bei einem Verfahren zum Einführen von Nukleinsäure in Zellen,
die ein Teil eines lebenden Organismus sein können, umfassend das Infizieren
der Zellen mit Vektorpartikeln, die die Nukleinsäure in einem Nukleokapsid und einer
lipiden Hülle
aufweisen, wobei das Nukleokapsid von einem ersten Virus stammt,
die Hülle
ein assoziiertes heterologes Membran-assoziiertes Protein aufweist,
das einen Wirtsbereich bestimmt, der die Zellen umfaßt, und
wobei die Nukleinsäure
in weitere Nukleinsäure
transcribiert werden kann. Bei bestimmten bevorzugten Formen des
Verfahrens umfaßt
das Verfahren auch das Transcribieren der Nukleinsäure in komplementäre Nukleinsäure. Bei
einer bevorzugten Form des Verfahrens codiert die Nukleinsäure für ein Polypeptid
und das Verfahren umfaßt
das Exprimieren des Polypeptids durch Translation der komplementären Nukleinsäure.
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Die
bei diesem Verfahren verwendete Nukleinsäure kann für ein therapeutisches Mittel
codieren. Bei einer Form kann das Verfahren angewandt werden, als
Therapie für
einen genetischen Defekt, bei dem ein Polypeptid nicht in ausreichender
Menge in aktiver Form exprimiert wird, wobei das Polypeptid das
durch die Nukleinsäure
codiert wird, eine aktive Form des Polypeptids ist, das nicht in
ausreichender Menge exprimiert wird und wobei die mit den Vektorpartikeln
infizierten Zellen Zellen von dem Säugetier sind.
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Vorzugsweise
umfaßt
das Verfahren das Identifizieren von Zielzellen in dem Organismus,
in die die Nukleinsäure
eingeführt
werden soll, wobei das Membran assoziierte Protein einen Rezeptor
auf den Zielzellen erkennt, und umfaßt auch das Integrieren der
Nukleinsäure
in das Genom der Zellen.
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Weitere
Ziele, Merkmale und andere Vorteile der vorliegenden Erfindung gehen
aus der folgenden detaillierten Beschreibung im Zusammenhang mit
den anliegenden Zeichnungen hervor.
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Kurze Beschreibung der Figuren
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1 ist
eine schematische, nicht maßstabsgetreue,
Darstellung von retroviralen Vektoren und Verpackungsgebilden pLRNL,
pLARNL, pLGRNL, pSVGP und pSAM zur Erzeugung von retroviralen Vektorpartikeln.
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2 zeigt
eine Southern Blotting Analyse von mit LGRNL infizierten Zellen
unter Verwendung eines Neomycin-Resistenz-Gens als Sonde.
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3 zeigt
Immunopräzipitate,
die durch SDS-PAGE abgetrennt und durch Fluorographie sichtbar gemacht
worden sind. Die Bahnen 1 und 2 zeigen die polyclonale Zellinie,
die mit anti-VSV G bzw. normalem Kaninchenserum immunologisch ausgefällt worden
ist. Bahn 3 zeigt scheininfizierte MDCK Zellen, die mit anti-VSV
G-Antikörper immunologisch
ausgefällt
worden sind.
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4 zeigt
Immunopräzipitate
von gepoolten ausgewählten
Zellen, die eine Woche gewachsen und dann wieder durch FACS-Sortieren
isoliert worden sind. Bahn 1 zeigt die Auszüge der zweimal sortierten Zellen,
die immunologisch mit dem Anti-VSV G-Antikörper ausgefällt worden sind und Bahnen
2, 3 und 4 entsprechen den Bahnen 3, 2 bzw. 1 der 3.
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Detaillierte Beschreibung der Erfindung
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Es
hat sich gezeigt, daß VSV
G Membran-assoziiertes Protein in retrovirale Vektorpartikel eingebaut werden
kann, um einen veränderten
Wirtsbereich über
ein breites Spektrum von Zellen zu ergeben.
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Als
Modellsystem wurde das VSV G Membran-assoziierte Protein in Vektorpartikel
auf Basis von Moloney Mäuse-Leukämievirus
(MoMLV) eingebaut, um einen retroviralen Vektorpartikel mit einem
von MLV abgeleiteten Nukleokapsid und dem Membran-assoziierten Protein
VSV G in seiner Hülle
zu erzeugen. Derartige Vektorpartikel sollen hier durch die Bezeichnung
MLV[VSV G] angegeben werden. Diese Bezeichnung sollte hier allgemein
verwendet werden, um Vektorpartikel mit einem Nukleokapsid von einem
viralen Ursprung und einem Membran-assoziierten Protein von einem
anderen Ursprung zu bezeichnen, wobei der nicht in Klammern stehende
Teil der Bezeichnung sich auf den Kapsid-Ursprung bezieht und der
in Klammern stehende Teil sich auf das Membran-assoziierte Protein
in der Hülle
des Vektorpartikels bezieht.
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Zur
Produktion von Vektorpartikeln kann die Nukleinsäure der Vektorpartikel nach
der Erfindung verwendet werden, um eine geeignete Zellinie zu transfizieren.
Die Vektorpartikel werden in dem Überstand der transfizierten
Zellen freigesetzt und verwendet, um einen gewünschten Zelltyp zu transfizieren.
Die zur Transfektion verwendete Nukleinsäure kann entweder in isolierter
Form vorliegen oder sie kann schon in Vektorpartikeln verpackt sein.
In einigen Fällen
ist ein Helfervirus erforderlich, um den Virion-Aufbau zu erleichtern.
So können
z.B. die Gene, die für
gag und pol Gene codieren, in die Nukleinsäure eines Helfervirus eingebaut
werden und funktionelle Sequenzen von einem anderen Virus können in
die Nukleinsäure
eingebaut werden, die in die Vektorpartikel verpackt ist.
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Das
für ein
Membran-assoziiertes Hüllprotein
codierende Gen kann in die Nukleinsäure entweder des Vektorpartikels
oder des Helfervirus eingebaut sein. Alternativ könnte das
Gen für
dieses Hüllprotein
von einem dritten Fragment von Nukleinsäure oder von dem Genom der
Erzeugerzelle exprimiert werden. Bei einer bevorzugten Form der
vorliegenden Erfindung ist die Nukleinsäure in dem Vektorpartikel in
das zelluläre
Genom der durch den Vektorpartikel infizierten Zelle eingebaut,
wobei sich das Hüllgen
auf einem anderen Fragment von Nukleinsäure befindet als derjenigen
Nukleinsäure,
die Vektorpartikel Genom ist. So wird bei dieser bevorzugten Ausführungsform
das Membran-assoziierte Protein nicht durch die mit Vektorpartikel
infizierten Zellen erzeugt, die integrierte Nukleinsäure von
dem Vektorpartikel enthalten.
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Wie
unten beschrieben, wurde festgestellt, daß das VSV G-Protein allein
ausreichend ist, um bei der Bildung von MLV[VSV G]-Vektorpartikeln
mit dem Nukleokapsid von MoMLV in Wechselwirkung zu treten. Der Prozeß des Einbaus
des VSV G Proteins in die Vektorpartikel ist effizient und führt zur
Produktion von infektiösen
Vektorpartikeln mit Titern, vergleichbar denjenigen von ganzen Retroviren.
So wird angenommen, daß andere
heterologe Membran-assoziierte Proteine ebenfalls effizient in die
Hüllen
von umhüllten
Viren eingebaut werden können.
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MoMLV
ist ein Mäuse-Retrovirus,
das eine geringe Infektiosität
außerhalb
von Mäusezellen
hat. Wenn dieses wirtsspezifische (ecotrope) Virus geeignet ist,
retrovirale Vektorpartikel zu erzeugen, die z.B. das N2-Vektorgenom
enthalten, wird dieser Vektor nur Mäusezellen mit annehmbarer Effizienz
infizieren. Das verwandte am photrope N2 Virus wird Zellen von Mensch,
Maus und anderen Organismen infizieren. Dieser Unterschied ist dem
Ersatz des wirtsspezifischen Hüllproteins
durch das amphotrope Hüllprotein
zuzuschreiben. Beide Typen von viralen Vektorpartikeln haben im
wesentlichen identische Nukleokapside, die von MoMLV abgeleitet
sind. Weder das wirtsspezifische N2 noch das amphotrope N2 Virus
infiziert jedoch Hamsterzellen. Wie in den unten angegebenen Beispielen
gezeigt, wurde festgestellt, daß Hamsterzellen
durch MLV[VSV G]-Vektorpartikel infiziert werden können und
daß der
Zusatz von Anti-VSV-Serum zu Zubereitungen von diesen viralen Partikeln
ihre Infektiosität
vollständig
aufhob. So konnte gezeigt werden, daß das Vorhandensein von VSV
G-Protein in den Vektorpartikeln zu Vektoren mit einem von VSV abgeleiteten
Wirtsbereich führte, dem
Ursprung des Membran-assoziierten Proteins, das in ihre Hülle eingebaut
ist.
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Um
zu bestimmen, ob Vektorpartikel, die heterologes Membran-assoziiertes
Protein enthalten, effizient zusammengefügt werden könnten, wurde untersucht, ob
das VSV G Protein mit dem Nukleokapsid von MoMLV zusammengefügt werden
konnte. Zunächst
wurde das Neomycin-Phosphotransferase-Gen (Neo) das Neomycin-Resistenz
verleiht, als selektierbarer Marker für die Vektorpartikel in die
amphotrope Verpackungszellinie PA317 eingebaut. Die erhaltenen Vektorpartikel
wurden zu Zellen zugegeben, die nicht imstande waren, eine amphotrope
MLV Infektion zu fördern.
Zellen von Babyhamsternieren (BHK) haben keine amphotropen Zelloberflächen-Rezeptoren
und sind daher nicht empfänglich
für eine
Infektion mit amphotropen Retroviren auf MLV-Basis, wie in den Versuchen
von Beispiel 1 unten gezeigt.
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Bei
Anfangsversuchen wurde bestätigt,
daß diese
Zellinie tatsächlich
gegen eine Infektion durch amphotropen MLV-Retrovirus weitgehend
immun (refractory) ist. Die nächste
Reihe von Anfangsversuchen ist in Beispiel 1 gezeigt. Bei diesen
Versuchen wurde bestätigt,
daß das
amphotrope N2 Virus, das das Neo-Gen enthält, in Ratten-208F-Fibroblasten
wächst,
aber nicht in BHK-Zellen.
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Beispiel 1
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Wachstum von N2 Virus in Ratten 208F Fibroblasten
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Amphotropes
N2 Virus, das das Neo-Gen, eingefügt zwischen den langen terminalen
Wiederholungen (LTRs) von MoMLV enthält, wurde von der Erzeugerzellinie
PA317/N2 hergestellt und der Titer sowohl an BHK-Zellen als auch
an Ratten- 208F-Fibroblasten,
eine Zellinie, die für
eine MoMLV-Infektion empfänglich
ist, bestimmt. Es wurde eine 105-fache Abnahme
an Neo-resistenten (Neor) Kolonienbildenden
Einheiten (CFU) in BHK-Zellen beobachtet, verglichen mit derjenigen
in Ratten 208F Zellen; so unterstützte die verwendete BHK-Zelle
die Infektion durch N2-Virus, enthaltend das amphotrope Retrovirus-Hüllprotein
nicht.
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Nach
Abschluß der
Anfangsuntersuchungen wurden umhüllte
Vektorpartikel hergestellt, die heterologe Membran-assoziierte Proteine
enthielten. Als ein Beispiel für
eine derartige Produktion ist Beispiel 2 angegeben, um die Produktion
von amphotropen N2 MLV[VSV G]-Vektorpartikeln unter Verwendung eines
retroviralen Vektors auf MLV-Basis zu zeigen, der für das VSV
G Protein codiert. Es wurden die MLV[VSV G] Vektorpartikel auf BHK-Zellen
untersucht, um festzustellen, ob der Wirtsbereich dieser Vektorpartikel
gegenüber
amphotropen MLV verändert
war.
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Beispiel 2
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Erzeugung von MLV[VSV G]-Vektorpartikeln
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Um
MLV[VSV G]-Vektorpartikel zu produzieren, wurden retrovirale Vektoren
auf MoMLV Basis verwendet, wie in 1 gezeigt,
die nicht maßstabsgetreu
ist. In pLRNL wurde das von dem Rous Sarcoma Virus (RSV) Promotor
exprimierte Neor-Gen zwischen die LTRs von MoMLV eingefügt. Der
retrovirale Vektor pLRNL auf MoMLV Basis enthält das Neo-Resistenz (Neo)-Gen
unter der Kontrolle des Promotors von RSV. Dieser Vektor wird beschrieben
von Li et al. in Virology 171:331-341 (1989), auf dessen Inhalt
hier verwiesen wird. Eine einzige BamH1-Stelle befindet sich unmittelbar
stromaufwärts
des RSV Promotors. In diese BamH1 Stelle wurde ein 1,7-Kilobasen-Paar
(kb) BamHi-Fragment, das den vollständigen codierenden Bereich
von VSV G-Gen enthält
eingefügt,
was zu dem Gebilde pLGRNL führte.
Dieses VSV G-Gen wird beschrieben von Rose et al., Cell 30:753-762
(1982) und Rose et al., J. Virol. 39:519-528 (1981), auf deren Inhalt
hier verwiesen wird. Das ebenfalls in 1 gezeigte
Plasmid pSAM, das den gag-Bereich von MoMLV, einen hybriden pol-Bereich aus MoMLV
und amphotropem Virus 4070A, und den env-Bereich von 4070A enthält wird
von Miller et al., Science 225:630-632 beschrieben, auf dessen Inhalt
hier verwiesen wird.
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HPRT-Mangel
208F-Zellen wurden von Fischer Rattenzellen durch Selektion in 6-Thioguanin
abgeleitet, wie von Quade, K. in Virology 98:461-465 (1979) beschrieben,
auf dessen Inhalt hier verwiesen wird. Thymidinkinase-(Tk)-Mangel
BHK-Zellen wurden
von BHK21 Zellen durch Selektion mit 5-Bromdesoxyuridin abgeleitet, wie
von Littiefield et al., Nature 211:250-252 (1966) beschrieben auf
dessen Inhalt hier verwiesen wird. Diese BHK-Zellen und 208F-Fibroblaste
wurden in Dulbeccomodifiziertem Eagle-Medium (DME) mit hohem Glucosegehalt,
ergänzt
mit 10% Kalbsembryoserum (FCS) gezüchtet.
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Um
infektiöse
Vektorpartikel zu erzeugen, wurde entweder pLGRNL oder pLRNL in
BHK-Zellen transfiziert, zusammen mit dem Helfervektor pSAM, der
MoMLV gag Protein, ein Polymerase-Gen und ein amphotropes Hüllprotein
von dem frühen
SV40 Promotor exprimiert. Die Überstände von
transfizierten BHK-Zellen wurden 48 h nach der Transfektion gesammelt
und verwendet, um empfängliche
208F-Zellen und resistente BHK-Zellen zu infizieren. Um den Titer
des Virus zu bestimmen, wurden Zellen über Nacht mit filtrierten Überständen in
Gegenwart von 4 mg/ml Polybrene infiziert. Infizierte Zellen wurden
in einem Medium, enthaltend 400 mg/ml G418, selektiert und Kolonien
etwa 14 Tage nach der Infektion ausghezählt. Die Ergebnisse des Versuchs
dieses Beispiels sind in Tabelle 1 angegeben. TABELLE 1
| Vorübergehende
Bildung von Vektorpartikeln von BHK-Zellen nach Co-Transfektion
durch pSAM mit entweder pLRNL oder pLGRNL |
| Vektorpartikel | infizierte
Zelle | Titer
(CFU/ml) |
| LRNL | 208F | 480 |
| | BHK | < 10 |
| LGRNL | 208F | 380 |
| | BHK | 260 |
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Aus
Tabelle 1 ist ersichtlich, daß von
pLRNL, ohne VSV G-Protein, abgeleitete Vektorpartikel in der Lage
waren, 208F-Zellen wirksam zu infizieren, aber BHK Zellen nicht
infizierten. Im Gegensatz dazu konnten von pLGRNL mit VSV G-Protein
abgeleitete Vektorpartikel nicht nur 208F-Zellen sondern auch BHK-Zellen
infizieren, wie durch das Auftreten von Neor-Kolonien
gezeigt. So war der Wirtsbereich der MLV[VSV G]-Vektorpartikel,
bezogen auf amphotropes MLV verändert.
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Folglich
wird angenommen, daß das
durch die pLGRNL-transfizierten BHK-Zellen produzierte VSV G-Protein
des Beispiels 2 in mindestens einige der retroviralen Vektorpartikel
eingebaut wurde, was zur Bildung von MLV[VSV G]-Vektorpartikeln
führte,
die Hamsterzellen infizieren konnten. Da das einzige durch pLGRNL
codierte VSV-Protein das VSV G-Protein ist, zeigen die in Tabelle
1 angegebenen Ergebnisse des Beispiels 2 auch, daß G-Protein
allein, ohne Beteiligung der anderen VSV-codierten Proteine, ausreicht zur Bildung
von MLV[VSV G] Vektorpartikeln. Folglich zeigt Beispiel 2, daß infektiöse Vektorpartikel
mit einem Nukleokapsid von einem Virus und einem homologen Membran-assoziierten
Protein zusammengefügt
werden konnten.
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Wie
oben bei dem Hintergrund der Erfindung angegeben, führte eine
gemischte Infektion von VSV und Retroviren zu einem geringeren Titer
an Vektorpartikeln als er durch eine VSV-Infektion allein erhalten
wird. Das ist nicht das Ergebnis eines unzureichenden Einbaus in
Virionen auf Grund einer geringen Spezifität zwischen dem G-Protein und
dem retroviralen Nukleokapsid, sondern es wird angenommen, daß dieser
geringere Titer auf der progressiven Hemmung der Zellprotein-Synthese, umfassend
solche Proteine, die durch die Retroviren codiert werden, beruht,
als Ergebnis der Toxizität
von VSV G-Protein.
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So
wurden Versuche durchgeführt,
NLV[VSV G]-Vektorpartikel ohne irgendein Hüllprotein, das von der gleichen
Familie wie MLV stammt, zu bilden, um zu bestimmen, ob das Vorhandensein
von Membran-assoziiertem Protein von der selben Virenfamilie wie
der Ursprung des Nukleokapsids erforderlich ist zur Bildung von Vektorpartikeln.
Ein Beispiel für
einen solchen Versuch ist in Beispiel 3 angegeben.
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Beispiel 3
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Bildung von MLV[VSV G]-Vektorpartikeln
ohne Env-Gen-Produkt
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Für diesen
Versuch wurden zweizusätzliche
in 1 gezeigte Vektoren, pLARNL und pSVGP erzeugt. pLARNL
wird von pLRNL erzeugt, ähnlich
der Erzeugung von pLGRNL, wobei jedoch ein 2,7 kb Xbal-Fragment,
enthaltend das Hüll-(env)-Gen von amphotropem
Retrovirus 4070A in die BamH1-Stelle in pLRNL eingefügt wurde.
pSVGP wurde aufgebaut durch Einfügen
eines 5,8 kb HindIII-Scal-Fragments,
enthaltend den frühen
SV40-Promotor und die gag und pol Bereiche von pSAM, in den Säugetier-Expressionsvektor
pcD, der von Okayama et al. in Mol. Cell. Biol. 3:280-289 (1983)
beschrieben ist, auf dessen Inhalt hier verwiesen wird. „PolA" in 1 zeigt
das von SV40 stammende Polyadenylierungs-Signal.
-
In
diesem Beispiel wurden pLRNL, pLARNL oder pLGRNL mit pSVGP in BHK-Zellen co-transfiziert. Um
Vektorpartikel zu erzeugen, wurden 10 μg der Vektor-DNA zusammen mit
10 μg pSVGP
in Zellen co-transfiziert, unter Anwendung des Calciumphosphat-Präzipitationsverfahrens
nach Graham et al., Virology 52:456-457, auf dessen Inhalt hier
verwiesen wird. Das Kulturmedium wurde 36 h nach der Transfektion
gesammelt und durch ein 0,45 mm Filter filtriert.
-
Das
Gebilde pSVGP enthält
gag- und pol-Gene, exprimiert von dem frühen SV40-Promotor, aber das MoMLV-Env-Gen
ist nicht vorhanden. Die Titer der den Neo
r-Marker
exprimierenden Vektorpartikel (pLARNL oder pLGRNL) wurden getrennt
auf 208F- und BHK-Zellen wie oben beschrieben bestimmt. Die erhaltenen
Titer sind in Tabelle 2 angegeben. TABELLE 2
| Vorübergehende
Bildung von Vektorpartikeln von BHK-Zellen nach Co-Transfektion
durch pSVGP mit pLRNL, pLARNL oder pLGRNL |
| Versuch
Nr. | Vektorpartikel | infizierte
Zelle | Titer
(CFU/ml) |
| 1 | LRNL | 208F | < 10 |
| | | BHK | < 10 |
| | LARNL | 208F | 280 |
| | | BHK | < 10 |
| | LGRNL | 208F | 440 |
| | | BHK | 680 |
| 2 | LRNL | 208F | < 10 |
| | | BHK | < 10 |
| | LARNL | 208F | 260 |
| | | BHK | < 10 |
| | LGRNL | 208F | 480 |
| | | BHK | 720 |
-
Aus
Tabelle 2 ist ersichtlich, daß keine
infektiösen
Vektorpartikel von pLRNL und pSVGP co-transfizierten Zellen nachgewiesen
wurden, da das MoMLV-env-Gen in beiden Plasmiden nicht vorhanden
war. 208F-Zellen, die mit pLARNL, enthaltend das amphotrope MLV-env-Gen,
und pSVGP co-transfiziert waren, erzeugten einen Neor-Titer
von 200-300 CFU/ml, aber diese Zubereitung infizierte BHK-Zellen
nicht. Sowohl 208F- als auch BHK-Zellen wurden jedoch mit ähnlicher
Effizienz infiziert durch von pLGRNL abgeleitete Vektorpartikel,
enthaltend das VSV G-Gen, das mit pSVGP co-transfiziert. Da die
LGRNL-Vektorpartikel in vollständiger
Abwesenheit von MoMLV-env-Protein erzeugt wurden, führen die
in Tabelle 2 gezeigten Ergebnisse des Beispiels 3 zu dem Schluß, daß ein heterologes
Membran-assoziiertes Protein in die Vektorpartikel eingebaut werden
kann, ohne Beteiligung irgendeines Hüll proteins, das von der gleichen
Virenfamilie stammt wie das Nukleokapsid. Da G-Protein auch das einzige durch VSV-codierte
Protein ist, das in diesem Beispiel verwendet wird, bestätigt das,
daß keine
anderen VSV-Genprodukte als das G-Protein für die Bildung von MLV[VSV G]-Vektorpartikeln
erforderlich sind. So wird angenommen, daß allgemein keine zusätzlichen
Genprodukte erforderlich sind zum Einführen von fremden Membran-assoziierten
Proteinen in Vektorpartikel.
-
Es
wurden ähnliche
Titer an Neo-Resistenz erhalten wenn vorübergehend gebildete LGRNL-
und LARNL-Vektorpartikel auf 208F-Zellen untersucht wurden. Da die
Expression sowohl des Retrovirus-env-Gens als auch des VSV-G-Gens
durch das gleiche MoMLV-LTR in diesem Gebilden gesteuert wird, wird
angenommen, daß die
Mengen an vorübergehend
gebildeten Proteinen in den transfizierten BHK-Zellen ähnlich sind. Die
Möglichkeit,
daß die
Stabilität
der beiden Proteine verschieden ist, kann jedoch nicht ausgeschlossen
werden. In jedem Falle wird angenommen, daß andere Membran-asoziierte
Proteine ähnlich
exprimiert werden können
unter Verwendung dieser und ähnlicher
Gebilde.
-
So
wird angenommen, daß die
Wechselwirkung zwischen Nukleokapsiden und dem heterologen Membran-assoziierten
Protein mindestens so effizient sein kann wie oder effizienter als
mit heterologem Membran-assoziiertem Protein. Im Falle von MLV[VSV
G]-Vektorpartikeln wurde eine höhere
Infektions-Effizienz von 208F-Zellen durch MLV[VSV G]-Vektorpartikel
bei geringeren Titern beobachtet als mit Vektorpartikeln, bei denen
sowohl Nukleokapsid als auch Membran-assoziiertes Protein von MLV
abgeleitet waren. Es hat sich gezeigt, daß die Rezeptoren für Mäuse-Retroviren,
wie MLV, Zelloberflächen-Proteine
sind, während
eine gewisse Vermutung dafür
spricht, daß ein
Membran-Phospholipid der Rezeptor für VSV ist, der möglicherweise
verantwortlich ist für
den weiten Wirtsbereich von VSV. Daher wird angenommen, daß die hier
beobachteten Neor-Titer von MLV[VSV G]-Vektorpartikeln die
erhöhte
Empfindlichkeit von Zellen für
eine Infektion mit MLV[VSV G]-Vektorpartikeln gegenüber einer
mit env enthaltenden MoMLV-Vektorpartikeln widerspiegelt.
-
Um
sicherzustellen, daß die
Infektionsspezifität
mit Vektorpartikeln, wie MLV[VSV G], durch das Membran-assoziierte
Protein bestimmt wird, können
die Vektorpartikel mit neutralisierendem Antiserum, spezifisch für das Membranassoziierte
Protein, behandelt werden. Wenn die Spezifität durch das Membranassoziierte Protein
bestimmt wird, würde
ein solches neutralisierendes Antiserum eine Infektion durch die
neutralisierten Partikel verhindern. So wurde der Versuch des Beispiels
4 durchgeführt,
um zu bestimmen, ob Vektorpartikel mit einem heterologen Membran-assoziierten
Protein eine Infektionsspezifität
ergaben, die bestimmt ist durch das Membran-assoziierte Protein.
In Beispiel 4 wurde Anti-VSV-Serum verwendet, um in Infektiosität der MLV[VSV
G]-Vektorpartikel zu neutralisieren.
-
Beispiel 4
-
Neutralisation von MLV[VSV G]-Vektorpartikeln
-
Vektorpartikel,
die vorübergehend
gebildet wurden durch Co-Transfektion von pLARNL oder pLGRNL mit
pSVGP, wurden 45 min. bei 37°C
entweder mit normalem Kaninchenserum oder mit verschiedenen Verdünnungen
(1:500, 1:100 und 1:20) von Kaninchen-anti-VSV-Serum, das erhalten
worden war von Lee Biomolecular Research Laborstories Inc., inkubiert.
Die Überstände wurden
48 h nach Co-Transfektion von pSVGP mit pLARNL oder pLGRNL in BHK-Zellen
gewonnen. Die Vektorpartikel wurden quantitativ bestimmt durch Untersuchung
der Bildung von Neo
r-Kolonien auf 208F-Zellen
und BHK-Zellen, wie oben beschrieben. Die Ergebnisse sind in Tabelle
3 angegeben. Tabelle 3
| Neutralisation
von MLV[VSV G]-Vektorpartikeln mit Anti-VSV-Antikörper |
| Vektor | Normales | Anti-VSV-Serum | Titer (CFU7ml)
in |
| | Kaninchen | 1:500 | 1:100 | 1:20 | 208F | BHK |
| LARNL | – | – | – | – | 240 | < 10 |
| | + | – | – | – | 230 | < 10 |
| | – | – | + | – | 230 | < 10 |
| | – | – | – | + | 220 | < 10 |
| LGRNL | – | – | – | – | 620 | 880 |
| | + | – | – | – | 600 | 880 |
| | – | + | – | – | 110 | 150 |
| | – | – | + | – | < 10 | < 10 |
| | – | – | – | + | < 10 | < 10 |
-
Aus
den in Tabelle 3 angegebenen Ergebnisse ist ersichtlich, daß bei einer
Verdünnung
von 1:100 Anti-VSV-Serum die Infektiosität von LRGNL-Vektorpartikeln
auf beiden Zellarten deutlich verringerte, während der Titer von LARNL auf
208F-Zellen dadurch nicht beeinflußt wurde, daß sie VSV-Antiserum
ausgesetzt wurden. Diese Beobachtung stützt ferner die Annahme, daß VSV G-Protein
in die Vektorpartikel von LGRNL eingebaut ist.
-
Wie
aus den in Tabelle 2 im Detail gezeigten Ergebnissen des Beispiels
3 hervorgeht, war der Einbau von VSV G-Protein in Vektorpartikel
effizient, da vorübergehend
durch Co-Transfizieren von pLGRNL oder pLARNL mit pSVGP gebildete
Vektorpartikel ähnliche
Neor-Titer auf 208F-Zellen ergaben. Anschließend wurde
bestimmt, ob das Verfahren des Einbaus von Membran-assoziierten
Proteinen, wie VSV G-Protein, in Partikel-Hüllen in Gegenwart des nativen
Partikel-Hüllproteins
ebenso effizient ist. Diese Bestimmung wurde durchgeführt durch
Co-Transfizieren von pLGRNL mit pSAM in BHK-Zellen und Analysieren
der Anteile an reinen Vektorpartikeln und phänotypisch gemischten Partikeln
durch Anti-VSV-Antikörper-gesteuerte
Komplement-vermittelte Lyse. Diese Versuche sind in Beispiel 5 angegeben.
-
Beispiel 5
-
Komplement-vermittelte Lyse von MLV[VSV
G]-Vektorpartikeln
-
Vektorpartikel,
enthaltend Zell-Überstand
in einem Endvolumen von 200 μl
DMB-10% FCS, enthaltend unterschiedliche Mengen an spezifischen
Antiseren, ergänzende
oder gleiche Volumina Normalserum wurden 45 min. auf 37°C erwärmt.
-
Das
Gemisch wurde dann in Gegenwart von 4 μg/ml Polybrene zu Kulturmedien
zugegeben. Infizierte Zellen wurden, wie oben angegeben, in G418
enthaltendem Medium selektiert. Virale Überstände wurden 48 h nach der Co-Transfektion
von pSAM mit pLARNL oder pLGRNL in BHK-Zellen gewonnen. Die Überstände wurden
entweder mit 10 μl
Kaninchenserum oder 10 μl
Anti-VSV-Serum in einer Verdünnung
von 1:20, mit oder ohne 10 μl
Kaninchen-Komplement, behandelt. Alle Reaktionen wurden in einem
Endvolumen von 200 μl,
45 min. auf 37°C
erwärmt,
durchgeführt.
Die Ergebnisse sind in Tabelle 4 angeben. Tabelle 4
| Antikörper-Komplement-vermittelte
Lyse von MLV[VSV G]-Vektorpartikeln |
| Vektorpartikel | Normales Kaninchenserum | Anti-VSV-Serum | Kaninchen-Komplement | Titer (CFU7ml)
in |
| 208F | BHK |
| LARNL | – | – | – | 480 | < 10 |
| | + | – | – | 460 | < 10 |
| | – | – | + | 410 | < 10 |
| | – | + | + | 400 | < 10 |
| LGRNL | – | – | – | 380 | 260 |
| | + | – | – | 380 | 250 |
| | – | – | + | 320 | 230 |
| | – | + | – | 270 | < 10 |
| | – | + | + | 90 | < 10 |
-
Aus
Tabelle 4 ist ersichtlich, daß ohne
irgendeine Behandlung vorübergehend
gebildete LGRNL-Vektorpartikel einen Noeor-Titer
von 380 CFU/ml auf 208F-Zellen und 260 CFU/ml auf BHK-Zellen ergaben.
Der Zusatz von normalem Kaninchenserum zu der gleichen Zubereitung
von Vektorpartikeln hatte keinen Einfluß auf den Titer. Im Gegensatz
dazu fiel der Titer auf 270 CFU/ml auf 208F-Zellen und auf Hintergrundniveau
auf BHK-Zellen, wenn die Vektorpartikel mit einer 1:20-Verdünnung des
Anti-VSV-Antikörpers
vorbehandelt worden waren. Dieses Ergebnis zeigt einen Titer an
LGRNL-Vektorpartikeln, enthaltend nur VSV G-Protein, in dieser Zubereitung
von etwa 110 CFU/ml auf 208F-Zellen an. Um den Anteil an Vektorpartikeln,
die nur das retrovirale Hüllprotein
enthalten, und den Anteil an Vektorpartikeln, die sowohl das retrovirale
Hüllprotein
als auch das VSV-G-Protein enthalten, in dieser Zubereitung zu bestimmen,
wurde die Zubereitung der Vektorpartikel mit einer Kombination von
Kaninchen-Komplement und dem Anti-VSV-Antikörper behandelt.
-
Die
potenzierende Wirkung der Komplement-vermittelten Lyse, um MLV[VSV
G]-Vektorpartikel wirksam zu eliminieren, wurde vorher von anderen
gezeigt. Der Zusatz von Kaninchen-Komplement allein zu der Zubereitung
von Vektorpartikeln verringerte den Neor-Titer
leicht auf 320 CFU/ml auf 208F-Zellen und 230 CFU/ml auf BHK-Zellen
(s. Tabelle 4), vermutlich auf Grund der unspezifischen Wechselwirkung
von Kalbsembryoserum in den Medien mit Kaninchen-Komplement. Mit
einer 1:20-Verdünnung des
Anti-VSV-Antikörpers
zusammen mit Kaninchen-Komplement vorbehandelte Vektorpartikel ergaben
einen Neor-Titer von 90 CFU/ml auf 208F-Zellen.
So wird angenommen, daß diese
nicht neutralisierte Population von Neor-Vektorpartikeln
nur das retrovirale Hüllprotein
enthält.
Diese Interpretation stimmt mit den in auch Tabelle 4 gezeigten Ergebnissen überein,
bei denen ähnliche
Behandlungen von LARNL-Vektorpartikeln, die nur retrovirales Hüllprotein
enthalten, eine geringe Wirkung auf den Neor-Titer
ausüben,
wenn er auf 208F-Zellen gemessen wird. So ist es wahrscheinlich,
daß VSV-G-Protein
und andere Membran-assoziierte Proteine selbst in Gegenwart von
nativen Hüllproteinen
wirksam in Vektorpartikel eingebaut werden können.
-
Retrovirale
DNA wird in Wirts-Chromosomen in einer Art integriert, die die lineare
Organisation des viralen Genoms in Sequenzen, die als provirale
Sequenzen bezeichnet werden, aufrecht erhält. Um sicherzustellen, daß Zellklone,
die durch Infektion mit umhüllten
Vektorpartikeln mit einem heterologen Membran-assoziierten Protein
entstanden sind, provirale Sequenzen enthielten, die die lineare
Organisation der Vektorpartikel-Nukleinsäure aufrecht erhalten, wurde
eine Southern Blotting-Analyse
von LGRNL-infizierten Klonen durchgeführt. Dies Versuche sind in
Beispiel 6 angegeben.
-
Beispiel 6
-
Southern-Blotting-Analyse von LGRNL-infizierten
Zellen
-
Genomische
DNA wurde hergestellt, wie von Maniatis et al. „Molecular Cloning, A Laborstory
Manual" Cold Spring
Harbor Laboratory, Cold Spring Harbor, NY (1982) beschrieben, auf
dessen Inhalt hier verwiesen wird. DNA-Proben wurden mit entsprechenden
Restriktionsenzymen abgebaut, der Elektrophorese auf 0,8% Agarosegelen
unterworfen und auf Nylonmembranen übertragen. Eine 32P-markierte
DNA-Sonde, enthaltend das vollständige
Neomycin-Phostphotransferse-Gen, hergestellt mit Desoxyhexanucleosiden
als Primer mit Zufallsfrequenz (Amersham) wurde als Hybridisierungs-Sonde
auf den Filtern verwendet. Filter wurden mit 0,1 × SSC – 0,5% SDS
bei 53°C
mehrere Male gewaschen und einer Autoradiographie unterworfen.
-
Genomische
DNA wurde von zwei unterschiedlichen Neor-Klonen
(Bahnen B und C) und zwei unterschiedlichen Neor-BHK-Klonen
(Bahnen D und E), die mit LGRNL-Vektorpartikeln infiziert waren,
isoliert. DNA (10 μg)
wurde mit SstI zerschnitten, auf einem 1 % Agarosegel aufgetrennt,
auf ein Filter vom Nylontyp übertragen
und mit einer Neo-Gen-spezifischen Sonde untersucht. 5 ng pLGRNL-Plasmid-DNA, die mit SstI
abgebaut worden war, wurden auf Bahn A aufgebracht, um als Marker
zu dienen. Das erhaltene Southern Blotting ist in 2 gezeigt.
-
SstI
spaltet jedes LTR von LGRNL nur einmal und es wird daher angenommen,
daß ein
5 kb Fragment entsteht (s. 1). Wie
aus den Bahnen B bis E der 2 ersichtlich,
wurde ein Fragment von etwa 5 kb nachgewiesen, wenn die Chromosomen-DNA
von den beiden BHK-Klonen und zwei 208F-Klonen mit SstI gespalten
wurde und zu einer Sonde, enthaltend das Neo-Gen hybridisiert wurde.
Die Größe dieses
Fragments war identisch mit derjenigen der mit SstI gespaltenen
pLGRNL-Plasmid-DNA, die in Bahn A zu sehen ist. So zeigen die Ergebnisse
des Beispiels 6, daß die
LGRNL provirale DNA eine nicht unterbrochene und nicht umorganisierte
Anordnung in den infizierten Zellen aufzuweisen scheint. Dieses
Ergebnis ist das gleiche wie das für die retrovirale Infektion
mit dem Wildtyp erhaltene. So wird angenommen, daß andere
rekombinante Vektorpartikel ähnlich
nicht unterbrochene und nicht umorganisierte provirale DNA-Sequenzen
bilden.
-
Um
zu zeigen, daß derartige
rekombinante Vektorpartikel den Wirtsbereich des in ihrer Hülle vorhandenen
Membran-assoziierten Proteins erhalten, wurde eine Vielfalt von
Zellinien mit Vektorpartikeln infiziert, die von pLGRNL und pLARNL
abgeleitet waren. Diese Untersuchungen sind in Beispiel 7 angegeben.
-
Beispiel 7
-
Bestimmung des Wirsbereichs von MLV[VSV
G]
-
HeLa-Zellen
wurden von der American Type Culture Collection erhalten.
-
LNSV-Zellen
wurden abgeleitet von SV40-transformierten HPRT-Mangel Lesch-Nyhan-Zellen (angegeben
von Jolly et al., Mol. Cell. Biol. 6:1141-1147 (1986), auf dessen
Inhalt hier verwiesen wird). Ratten-208F-Zellen und BHK-Zellen waren
wie oben beschrieben. Überstände wurden
48 h nach der Co Transfektion von pSVGP mit pLARNL oder pLGRNL in
BHK-Zellen gewonnen. Gleiche Volumina jedes Überstands wurden dann auf die
vier unterschiedlichen Zellarten aufgebracht und Neo
r-Titer wurden zwei
Wochen nach G418-Selektion bestimmt. Der Versuch wurde dreimal wiederholt
und die Ergebnisse eines solchen Versuchs sind in Tabelle 5 angegeben. Tabelle 5
| Relative
Empfindlichkeit unterschiedlicher Zellen gegenüber MLV[VSV G]-Vektorpartikeln |
| | Titer (CFU/ml)a von |
| Infizierte
Zelle | LARNL | LGRNL |
| 208F
(Ratten Fibroblast) | 250 | 450 |
| BHK
(Hamster Niere) | < 10 | 680 |
| LNSV
(Human Fibroblast) | 16 | 180 |
| HeLa
(Human Carcinom) | 12 | 30 |
-
Wie
oben angegeben, stammt das in dieser Untersuchung verwendete env-Gen von LARNL von
den env-Bereichen des amphtropen Virus 4070A. Das durch dieses Gen
codierte Hüll-Glycoprotein
kann an Zelloberflächen-Rezeptoren
binden, die auf Zellen von einem weiten Bereich von Säugetierarten,
einschließlich menschlichen
Zellen, vorhanden sind. Verschiedene menschliche Linien waren jedoch
relativ immun gegenüber
einer amphotropen viralen Infektion, verglichen mit Mäusezellen.
-
Wie
in Tabelle 5 gezeigt, sind die Neor-Titer
von LARNL in Human-Linien, wie HeLa-Zellen oder LNSV-Fibroblasten, etwa
20 mal niedriger als derjenige in Ratten 208F-Zellen. Wie ebenfalls in Tabelle 5 gezeigt,
infizierten LGRNL-Vektorpartikel HeLa- Zellen mit einer etwas größeren Effizienz
als LARNL-Vektorpartikel; sie infizierten LNSV-Fibroblaste jedoch
wesentlich effizienter als es LARNL-Vektorpartikel taten.
-
Auf
Grund der ausgezeichneten Infektionseffizienz der von pLGRNL auf
LNSV-Zellen abgeleiteten MLV[VSV G]-Vektorpartikel wird angenommen,
daß das
Haupthindernis einer Infektion von LNSV-Zellen mit Retrovirus auf
der unzureichenden Wechselwirkung von Zelloberflächen-Rezeptoren mit retroviralem
Hüllprotein
beruht. Der Einschluß von
Membran-assoziierten Protein, von dem bekannt ist, daß es mit
Zelloberflächen-Rezeptoren
in Wechselwirkung tritt, in den Retrovirus scheint diese Blockierung
zu überwinden.
So wird angenommen, daß die
Erfindung ein allgemeines Verfahren zur Veränderung des Wirtsbereichs von
umhüllten Vektorpartikeln
durch Einschluß eines
heterologen Membran-assoziierten Proteins in die Hülle der
davon abgeleiteten Vektorpartikel liefert.
-
Es
wird nicht angenommen, daß die
verhältnismäßig weniger
effizienten Ergebnisse, die bei einer Infektion von HeLa-Zellen
durch die MLV[VSV G]-Vektorpartikel von LGRNL auftreten, auf einer
geringen Wechselwirkung mit HeLa-Zelloberflächen-Rezeptoren beruhen. Vielmehr
wird angenommen, daß die
oben beobachteten weniger effizienten Ergebnisse vermutlich auf
Vorkommnissen nach dem Eindringen beruhen, da VSV HeLa-Zellen effizient
infiziert.
-
Derzeit
liefern retrovirale Vektoren die effizienteste Methode zum Einführen neuer
genetischer Information in Säugetier-Zellen.
Da Vektorpartikel, die amphotropes Hüllprotein enthalten, menschliche
Zellen infizieren können,
stellen sie ein potentiell nützliches
Werkzeug zur Behandlung von genetischen Störungen beim Menschen dar. Wie
Tabelle 5 gezeigt, können
einige menschliche Zellen jedoch relativ resistent sein gegenüber einer
Infektion durch amphotrope Retroviren. Das Vorhandensein von relativ
wenigen amphotropen Retrovirus-Rezeptoren, eine nicht effiziente
reverse Transcription in dem Zytoplasma oder ein beschleunigter
Abbau von nicht integrierter viraler DNA in menschlichen Zellen
können
jeweils zu der nicht êffizienten
Infektion von menschlichen Zellen durch die retroviralen Vektoren
beitragen.
-
Diese
Feststellungen liefern ein Verfahren zur Erhöhung der Effizienz einer retroviralen
Infektion von menschlichen und anderen Zellen über den begrenzten Bereich
hinaus, der durch die von der gleichen Virusfamilie stammenden Membranassoziierten
Proteine ermöglicht
wird. Diese Feststellung ist, daß der Einbau von Membran-assoziierten
Proteinen in das Retrovirus zumindest einen Teil dieser potentiellen
Blockierungen einer Infektion überwinden
kann, durch Veränderung
des Wirtsbereichs der retroviralen Vektoren, so daß ein effizienterer
Transfer von fremden Genen in diese Zellen erleichtert wird. Bei
diesem System werden Helferviren verwendet, um eine infektiöse Einheit
zu erzeugen. Diese Einheit enthält
Elemente eines Retrovirus, die die Integration in das Wirtsgenom
ermöglichen,
normalerweise Elemente zur Steuerung der Expression eines fremden
Gens, einen selektierbaren Zellmarker und/oder andere fremde Gene.
Diese Einheit wird so aufgebaut, daß sie auf eine vorgegebene
Gruppe von Zellen zielt. Die Infektionsbreite ist definiert durch
die Fähigkeit des
manipulierten Proteins einen Bereich von Zellarten zu binden. Diese
zusammengesetzten Gene können in
die erhaltenen Vektoren auf irgendeine dem Fachmann bekannte Weise
eingeführt
werden.
-
Es
wird in Betracht gezogen, daß andere
Viren in diesem System verwendet werden können. Lange terminale Wiederholungen
von anderen Retroviren könnten
verwendet werden aus einer Gruppe, bestehend aus aber nicht beschränkt auf
RSV, HIV, Geflügel-Leukämie-Virus
und anderen Mäuse-Leukämie-Viren.
Das Kapsidprotein könnte
auch von diesen oder anderen Viren stammen.
-
Bei
dem erfindungsgemäßen Modell
wurde ein RSV-Promotor angewandt, um die Expression der Neomycin-Resistenz
zu steuern. Andere Marker umfassen Hygromycin-Resistenz und Dihydrofolatreduktase (Methotrexat-Resistenz). Ähnliche
andere Promotoren könnten
verwendet werden, einschließlich
aber nicht notwendiger Weise beschränkt auf den frühen Cytomegalovirus-Sofortpromotor,
SV40. Promotoren könnten ausgewählt werden,
um nach Wunsch möglicherweise
eine Expression zu fördern
oder eine verhältnismäßig schwache
Expression zu erzeugen.
-
Außerdem können zu
dem Vektor fremde Gene zur Expression in einer Ziel-Zellpopulation zugegeben werden,
wie unten mehr im Detail beschrieben. Promotoren mit gegebenen Gewebespezifitäten könnten auch verwendet
werden, um die Expression derartiger fremder Gene auf eine bestimmte
Zellart zu beschränken. Z.B.
ist ein Pankreaselastase-Promotor spezifisch für die Expression in Pankreasgewebe.
Ein anders Beispiel wäre
der interne Promotor des menschlichen Hepatits B Kerngens, der die
Genexpression in einer leberspezifischen Weise reguliert. Andere
gewebespezifische Promotoren existieren für das Gehirn und andere Gewebe.
-
Andere
Membran-assoziierte Proteine als VSV G-Protein, die gute Kandidaten
darstellen, um einen veränderten
Wirtsbereich zu ergeben, wenn sie erfindungsgemäß, wie in den Beispielen für VSV G
Protein beschrieben, verwendet werden, umfassen solche Proteine
von anderen umhüllten
Viren die Wirtsrezeptoren binden und die Infektion erleichtern.
Die vorliegende Erfindung ermöglicht
eine selektive Entfernung von allem Membran-assoziierten Protein
und die Verwendung dieses Proteins zur Erzeugung eines Nukleinsäure-Abgabesystems,
das auf einen veränderten
Zellbereich zielt. Als ein Beispiel könnte das gD-Gen von HSV (Herpes simplex
Virus) verwendet werden, um einen Wirtsbereich zu erhalten, der
die neutralen Ganglien von menschlichem Gewebe umfaßt. Eine
große
Anzahl derartiger viraler und nicht-viraler Beispiele ist für den Fachmann leicht
ersichtlich.
-
Nicht-virale
Membran-assoziierte Proteine könnten
ebenfalls verwendet werden, um den Wirtsbereich von Vektorpartikeln
zu verändern.
Es wird angenommen, daß Proteine,
die als Ligand zu einem vorgegebenen Zellrezeptor oder einer Zelloberflächen-Einheit
wirken, Kandidaten sind, damit ein Vektorpartikel auf einen Wirtsbereich
von Zellen mit einem vorgegebenen Zellrezeptor oder einer Zelloberflächen-Einheit
zielt. Ein geeignetes Protein würde
Bindungsbereiche enthalten, die dazu dienen würden, einen Wirtsbereich für den Vektorpartikel
zu identifizieren. Abhängig
von dem ubiquitären
Auftreten des Rezeptors für
das fragliche Protein, könnte
man entweder den viralen Vektor auf einen sehr großen Bereich
von menschlichen Zellen, auf eine Untergruppe von Zellen oder auf
eine einzige Zellart richten. So könnte man z.B. alle menschlichen
Zellen, alle weißen
Blutkörperchen
oder nur T-Helferzellen als Ziel vorsehen.
-
Bei
einer Ausführungsform
der Erfindung stammen solche Proteine von Viren, von denen bekannt
ist, daß sie
spezielle Zellarten infizieren. Die vorliegende Erfindung ist jedoch
nicht auf die Verwendung von aus Viren stammenden Proteinen beschränkt. Es
wird in Betracht gezogen, daß irgendein
Liganden/Rezeptoren-Paar in diesem System angewandt werden könnte. Die
Erfordernisse für
ein wirksames System sind die Identifizierung eines Liganden/Rezeptoren-Paars
oder, zur Therapie, mindestens ein Verständnis der Breite von Zellarten,
die mit dem Liganden in Wechselwirkung treten könnten. Die Eignung des Systems
hängt ab von
der Verfügbarkeit
eines Rezeptors für
einen Liganden und der Affinität
eines gegebenen Rezeptors für
den Liganden. So ist z.B. CD4, von dem bekannt ist, daß es mit
HIV gp 120 auf der Oberfläche
von mit HIV infizierten Zellen in Wechselwirkung tritt, ein Kandidat
zur Verwendung in einem rekombinanten Vektorpartikel zur Abgabe
eines fremden Gens an solche Zellen.
-
Beispiel
8 ist angegeben, um die Bildung eines Vektors zu erläutern, der
auf Zellen gerichtet ist, die mit HIV infiziert sind. Das T-Helferzellen
Membran assoziierte Oberflächenantigen,
CD4 ist bekanntlich der Haupt-HIV-Zelloberflächen-Rezeptor. Das CD4-Antigen
ergibt eine Liganden/Rezeptoren-Wechselwirkung mit dem durch HIV
erzeugten Protein, gp 120. So sollten Vektorpartikel, bei denen
CD4 mit ihrer viralen Hülle
assoziiert ist, auf mit HIV infizierte Zellen zielen.
-
Beispiel 8
-
Vektorpartikel zur gezielten VIP-Therapie
-
Zunächst werden
Sequenzen, die für
CD4 codieren, von einer T-Zellinie erhalten. Kurz gesagt, werden Zellen
in einer Kultur gezüchtet
und lysiert. Die gesamte RNA von diesen Zellen wird unter Anwendung
eines Cäsiumchlorid-Gradienten
gereinigt. Die gesamte RNA wird gewaschen und ausgefällt und
cDNA wird daraus synthetisiert unter Verwendung von Reverse-Transcriptase
und Oligo-dT-Primern. Die erhaltenen cDNA/RNA-Hybride werden als
Matrizen für
eine Polymerase-Kettenreaktion (PCR) unter Verwendung entsprechender
Primer-Paare für
CD4, die zu den 5'-
und 3'-Enden der
CD4-Sequenz komplementär
sind, und Schwänze
enthalten, die für
BamH1-Restriktions-Endonuklese-Stellen codieren. Das PCR-Produkt
wir über Agarosegel
laufen gelassen und das Fragment der erwarteten Größe (etwa
1,2 Kilobasen), wird herausgeschnitten und von dem Gel eluiert.
Die eluierte DNA wird mit BamH1 abgebaut und ein Promotor wird an
das 5'-Ende dieser
für CD4
codierenden Sequenz angefügt.
Die erhaltene Sequenz wird in die BamH1-Stelle in pLRNLkloniert.
-
So
zeigt Beispiel 8 die Bildung eines Vektorpartikels mit einem Wirtsbereich,
der definiert ist durch ein natürlich
vorkommendes Membran-assoziiertes Protein. Wenn der in die virale
Hülle einzufügende Ligand
kein natürlich
vorkommendes Membran-assoziiertes Protein ist, ist es erforderlich,
den Liganden mit der Membran zu assoziieren. Um das zu erreichen,
kann das für
den Liganden codierende Gen mit Sequenzen kombiniert werden, die
für eine
Membran-assoziierte Domäne
codieren. Unter „natürlich vorkommendem
Membran-assoziierten Protein" sind
solche Proteine zu verstehen, die in ihrem nativen Zustand in vivo
in Verbindung mit einer Lipid-Membran
vorliegen, wie diejenigen, die sich assoziiert mit einer Zellmembran
oder auf einer viralen Hülle finden.
-
Bei
einer bevorzugten Form der vorliegenden Erfindung kann dies erreicht
werden durch Rekombinieren des Gens, das für den Liganden codiert, der
am nächsten
der Membran-bindenden Domäne
für VSV G-Protein
oder ein anderes von einem Virus stammendes Protein, das sich stabil
mit einem vorgegebenen Kapsid-Protein
verbindet. So liefern Proteine, wie Insulin, von denen bekannt ist,
daß sie
mit Rezeptoren auf Muskel- und Adipose-Zellen in Wechselwirkung
treten, potentiell ein Vehikel, um Infektiosität von Zellen zu erreichen,
die den entsprechenden insulin-Rezeptor
haben, durch Einbau des Insulin-Gens in die für seine Membran-assoziierte
Domäne
codierende VSV G-Sequenz oder die Membran-assoziierten Sequenzen
von einem anderen Membran-assoziierten Protein, das einen stabilen
Vektorpartikel bildet.
-
Wie
oben angegeben, wird angenommen, daß die Hauptblockierung für eine Infektion
der Zellen mit umhüllten
Vektorpartikeln auf einer unzureichenden Wechselwirkung von Zelloberflächen-Rezeptoren
mit viralem Hüllprotein
beruht. So könnte
die äußere Domäne dieser
Proteine an eine Membran- oder innere Domäne gebunden sein, um einen
funktionellen Vektorpartikel zu bilden. Die Liganden/Rezeptoren-Wechselwirkung scheint
nicht an der Wechselwirkung zwischen Protein und Nukleokapsid beteiligt
zu sein.
-
Obwohl
das Nukleokapsid von Semliki Forest Virus einen spezifischen Rezeptor
für den
zytoplasmischen Schwanz des viralen E2 Spike-Glycoproteins enthält, ist
dieser Mechanismus nicht notwendigerweise unmittelbar anwendbar
auf andere umhüllte
Viren. So ist es für
SFV und andere Alphaviren wahrscheinlich, daß E2 Spike-Glycoprotein oder
ein ähnliches
Protein für
eine effektive Infektion erforderlich ist. Folglich ist es, wenn
von SFV oder einem anderen Alphavirus abgeleitete Vektorpartikel
im Zusammenhang mit der vorliegenden Erfindung verwendet werden
sollen, erforderlich, daß sie
solche Anteile des E2 Spike-Glycoproteins umfassen, die für eine wirksame
Wechselwirkung mit dem Nukleokapsid notwendig sind.
-
Retroviren,
wie Rous Sarcoma Virus können
Vektorpartikel bilden unter Verwendung von Mutantenformen des Hüllproteins,
das keinen zytoplasmischen Schwanz umfaßt. So wird angenommen, daß, wenn
eine Wechselwirkung zwischen dem Hüllprotein des Retrovirus und
seinem Nukleokapsid erforderlich ist, um den Einbau des Glycoproteins
in die Hülle
von knospenden Viruspartikeln zu vermitteln, eine solche Wechselwirkung
in oder nahe der Lipid-Doppelschicht erfolgt. Vermutlich tritt die
Wechselwirkung innerhalb der hydrophoben Membran-assoziierten Domäne des Hüllproteins
ein. So wird angenommen, daß bei
vielen Systemen, wenn irgendein Teil des Membran-assoziierten Proteins
für den
Aufbau des Vektorpartikels erforderlich ist, dieser Teil in der
Membran-assoziierten Domäne
oder nahe dieser Domäne
auftritt.
-
Folglich
wird angenommen, daß es
die Bildung von rekombinanten Proteinen mit Membran-assoziierten
Domänen
von Proteinen, die die Fähigkeit
zu einer direkten Verpackung besitzen, wie das VSV G-Protein, und
mindestens den rezeptorbindenden Anteilen von anderen Liganden,
ob sie Membran-assoziiert sind oder nicht, ermöglicht, daß Vektorpartikel auf die gewünschten
Zellarten zielen.
-
So
liefert die Erfindung gemäß einer
Ausführungsform
ein System vom Kassettentyp, bei dem der Anteil des für die Membran-assoziierte
Domäne
des VSV G-Proteins
oder ein anderes Membran-assoziiertes Protein codierenden Gens als
konstanter Anteil des Kassettenvektors verbleibt. In diesen konstanten
Bereich werden Teile von einem gewünschten Liganden eingefügt. Diese
beiden Domänen
bilden ein rekombinantes Protein, das mit dem Nukleokapsid in Wechselwirkung
tritt unter Bildung eines strukturell intakten Vektorpartikels mit
effizienten Zielfähigkeiten
für eine
gewünschte
Zellart oder Zellarten. Es ist wichtig, das Leseraster zur Translation
aufrechtzuerhalten, wenn Liganden in diese Kassette eingefügt werden,
um eine bifunkionelle rekombinante Proteinchimäre voller Länge zu erhalten. Der Ausdruck „Proteinchimäre" wird verwendet,
um ein Produkt zu beschreiben, das durch Rekombination erhalten
worden ist durch genetisches Verbinden von Bereichen von Nukleinsäuresequenzen
von zwei oder mehreren Proteinen, so daß das codierte Produkt, obwohl es
ein kontinuierliches Produkt ist, Domänen-duplizierende Sequenzen
von Aminosäuren
dieser Proteine enthält.
Folglich ist es nicht erforderlich, Hüllprotein oder nicht-Membran-gebundenes
Protein voiler Länge
zu verwenden, so lange ausreichend Liganden/Rezeptoren-Wechselwirkungen
verbleiben.
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So
liefert die vorliegende Erfindung Nukleinsäuren mit funktionellen Sequenzen
von einem ersten Virus und auch Sequenzen, die für einen Liganden codieren,
der den Wirtsbereich der Vektorpartikel, die die Nukleinsäure enthalten,
identifiziert. Mit „funktionell" sind alle Sequenzen
gemeint, die an irgendeiner typischen Wildtyp-Replikation oder Infektion durch diesen
Virus beteiligt sind. Andere Sequenzen als solche, die mit einer typischen
Wildtyp-Replikation oder Infektion verbunden sind, können auch
von den hier angegebenen funktionellen Nukleinsäuren umfaßt sein.
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Die
Nukleinsäure
kann die Bildung von Vektorpartikeln selbst dirigieren oder sie
kann eine Co-Transfektion mit einem Helfervirus, wie oben im Zusammenhang
mit der Verwendung von LGRNL mit pSVGP beschrieben, erfordern. Unter
Verwendung dieser Nukleinsäuresequenzen
können
Vektorpartikel zusammengestellt werden, die diese, den Wirtsbereich
verändernden
Membran-assoziierten Proteine enthalten, statt hybride rekombinante
Proteine oder als Expressionsprodukte eines Gens voller Länge um einen
vorgegebenen Partikel auf eine vorgegebene Zelle zur Genfreisetzung
zu richten.
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Das
Hüllprotein
von einem typischen Retrovirus, wie MoMLV, enthält drei Domänen: eine äußere rezeptorbindende Domäne, eine
Membran-assoziierte Domäne
und eine innere (zytoplasmische) Domäne. Bisher wurde angenommen,
daß die
zytoplasmische Domäne
erforderlich wäre,
um mit Nukleokappsid-Protein für
eine effiziente Partikel-Verpackung in Wechselwirkung zu treten.
Beispiel 9 zeigt die Ergebnisse eines Versuchs, der bestätigt, daß keine
der retroviralen Hüllprotein-Domänen erforderlich
ist, um Vektorpartikel mit einem von einem Retrovirus stammenden
Nukleokapsid effizient zu verpacken. Bei dem Versuch des Beispiels 9
wurden rekombinante chimäre
Proteine mit verschiedenen retroviralen Domänen aufgebaut und die Verpackungseffizienz
der erhaltenen Vektorpartikel bestimmt durch die Fähigkeit
der Gebilde, VSV-Immunorektivität in
COS-Zellen einzuführen.
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Beispiel 9
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Verpackungseffizienz von Vektorpartikeln
mit retroviralem/VSV G Retrovirus Membran-assoziiertem Protein
-
Es
wurden zwei chimäre
Membran-assoziierte Protein-Gen-Gebilde hergestellt. Das M2-Gebilde
enthielt eine äußere VSV
G rezeptorbindende Domäne,
die verschmolzen war mit den Membran-assoziierten und zytoplasmischen
Domänen
von MLV-Hüllprotein.
Das M9-Gebilde enthielt die äußere rezeptorbindende
Domäne
und Membran-assoziierte Domäne
von VSV G-Protein, verschmolzen mit Sequenzen, die für die zytoplasmische
Domäne
von MLV-Hüllprotein
codieren.
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Die
M2- und M9-Gebilde wurden in jeden von zwei Expressionsvektoren
eingeführt.
Der erste Vektor, pSVL, enthielt einen späten SV40-Promotor und spätes Protein-Polyadenylierungs-Signal.
Der zweite Vektor, pFR400, enthielt einen frühen SV40-Promotor und ein HBV-Polyadenylierungs-Signal.
So wurden vier Expressionsgebilde erzeugt: pSVLM2, pSVLM9, pFR4M2
und pFR4M9. Diese Expressionsvektoren wurden in COS-Zellen eingeführt. Plasmide,
die VSV G Membran-assozi iertes Protein voller Länge (pJM) und MLV-Hüllprotein
voller Länge
(pSVLENV) enthielten, wurden ebenfalls eingeführt. Es wurde eine indirekte
Immunofluoreszenz unter Verwendung von Kaninchen-anti-VSV G-Protein
angewandt, um die Erzeugung von VSV G-Protein Immunoreaktivität in diesen
Zellen zu analysieren. Tabelle 6 gibt die Ergebnisse dieser Versuche
an. Tabelle 6
| Vorübergehende
Expression in COS-Zellen |
| Plasmid | Bestimmter
Prozentsatz an positiven Zellen | Intensität der Fluoreszenz |
| pJM | 44,6%,
17,9% | 1000 |
| pSVLENV | 1,2% | 10 |
| pSVLM2 | 13,3% | 50 |
| pSVLM9 | 10,6% | 60 |
| pFR4M2 | 5,5% | 15 |
| pFR4M9 | 3,6% | 15 |
-
VSV
G-Proteine voller Länge
von pJM waren sowohl innerhalb der Zelle als auch auf der Zelloberfläche sichtbar.
Hybride M9-Proteine waren nur in perinuklearen Bereichen sichtbar.
Durch Fluoreszenz-aktiviertes Sortieren von Zellen (FACS) wurde
bestimmt, daß nur
10% dieser Zellen hybrides M9-Protein auf ihrer Zelloberfläche exprimierten.
Das Molekulargewicht der hybriden Proteine wurde bestätigt durch
Immunopräziptation
unter Verwendung von Kaninchen-anti-VSV G. Die Beweglichkeiten stimmten
mit der aus den Nukleotid-Sequenzen vorhergesagten Proteingröße überein.
-
Die
Ergebnisse der Versuche des Beispiels 9 zeigen, daß die wirksamste
Verpackung durch VSV G-Protein voller Länge erhalten wurde, wobei jedes
der hybriden Proteine mit MLV zytoplasmischen Domänen weniger
effizient auf der Zelloberfläche
exprimiert wird. Wie oben angegeben war diese Feststellung überraschend,
auf Grund der vorherrschenden Annahme, daß eine retrovirale zytoplasmische
Domäne
erforderlich wäre
zur effizienten Vektorpartikel-Verpackung von Vektorpartikeln mit
von Retroviren stammendem Nukleokapsid. So bestätigt Beispiel 9 die überraschende
Feststellung, daß umhüllte Vektorpartikel
mit von einem speziellen Virus abgeleiteten Nukleokapsiden effizient
verpackt werden können
mit heterologen Membranassoziierten Proteinen.
-
Beispiel
9 zeigt auch, daß die
zytoplasmischen und Membran-Domänen
von VSV G wirksam sind, um Protein auf die Zelloberfläche zu dirigieren.
So wird ange nommen, daß hybrides
Protein erzeugt werden könnte
auf eine Weise, ähnlich
wie in Beispiel 9, wobei die zytoplasmischen und Membran-Domänen von
VSV G-Protein kombiniert werden, um eine Kassette, die auf für Vektorpartikel
zielt, zu bilden, wobei die äußeren Rezeptor-Domänen von
einer Vielfalt von nicht verwandten Proteinen mit der Kassette verwendet
werden könnte.
-
Wie
oben angegeben, wird angenommen, daß die Bereiche von Membranassoziierten
Proteinen, die an der Bildung von Vektorpartikeln beteiligt sind,
hauptsächlich
in den Membran-assoziierten Domänen
des Proteins liegen. So enthalten rekombinante chimäre Membran-assoziierte
Proteine, die in ven Vektorpartikeln nach der vorliegenden Erfindung
geeignet sind, die Membran-assoziierte Domäne eines Membran-assoziierten
Proteins, von dem gezeigt wurde, daß es wirksam in Vektorpartikel
verpackt wird. Die äußeren Rezeptor-Domänen dieser
chimären
Proteine können
ausgewählt
werden aus irgendeinem Liganden/Rezeptor, um einen Wirtsbereich
zu bestimmen, wie oben angegeben. Beispiel 10 ist als ein Beispiel
für die
Bildung von Vektorpartikeln mit einem rekombinanten chimären Membran-assoziierten
Protein angegeben.
-
Beispiel 10
-
Kassette zur Erzeugung von Vektorpartikeln
mit chimärem
Membran-assoziiertem Protein
-
Das
hybride Membran-assoziierte Glycoprotein wird nach den in Beispiel
9 angegebenen Leitlinien aufgebaut. Als ein Modell für dieses
Beispiel werden das zytoplasmische VSV G und Membran-Domänen genetisch
mit dem für
Erythropoietin (EPO) codierenden Gen kombiniert. Diese rekombinante
Chimäre
wird in den Expressionsvektor pSLV von Beispiel 9 eingefügt. Außerdem werden
Vektor pLRNL und Vektor pSVGP in Erzeugerzellen transfiziert. Der
erhalten Überstand
wird gesammelt und die Vektorpartikel werden verwendet, um B6SutA-Zellen
zu infizieren. B6SutA-Zellen enthalten den EPO-Rezeptor, und unter
Neomycin-Selektion überleben
nur solche Zellen, die Vektorpartikel, enthaltend EPO hybrides Protein
und pLRNL-Vektorpartikel-Genom erhalten.
-
Die
in Beispiel 10 beschriebene Verfahrensweise kann angewandt werden,
um ein Kassettensystem zu erzeugen, bei dem Gene für irgendeine
gewünschte
rezeptorbindende Domäne
rekombiniert werden können
mit der Membran-assoziierten Domäne
von VSV G-Protein oder einer anderen Membran-assoziierten Domäne. So liefert
Beispiel 10 Methoden zum schnellen Erzeugen von einer Vielzahl von
Vektor partikeln mit einem Wirtsbereich, der durch die in die Kassette
eingefügte
rezeptorbindende Domäne
definiert ist.
-
Vektorpartikel
mit nicht-nativen Membran-assoziierten Liganden, wie hier beschrieben,
haben vorteilhafter Weise einen Wirtsbereich, der bestimmt wird
durch die Liganden/Rezeptoren-Wechselwirkung des Membran-assoziierten
Proteins. Wenn z.B. das Membran-assoziierte Protein von einem umhüllten Virus stammt,
das menschliche Zellen infizieren kann, sind die Vektoren imstande,
fremde Gene mit stark erhöhter Effizienz
in menschliche Zellen einzuführen.
Das in den vorigen Beispielen verwendete Neomycin-Gen, könnte durch
ein therapeutisches Gen ersetzt werden, das auch durch den RSV-Promotor
gesteuert würde. Ähnlich könnte das
therapeutische Gen zusätzlich
zu dem Neomycin-Gen eingeführt
werden. Wie erwähnt
gibt es eine Anzahl von Promotoren und Markergenen, die in diesem
System verwendet werden könnten.
Therapeutische Gene könnten
die Form von Nukleinsäuresequenzen
annehmen, die für
Protein oder Nukleinsäuresequenzen mit
inhärentem
regulatorischem Wert codieren.
-
Therapeutische
Gene, die für
Protein codieren, könnten
die Form von Polypeptid annehmen, um einen gegebenen Proteindefekt
auszugleichen, um eine Immunfunktion zu verbessern oder zu verändern oder
eine, die ein spezifisches Protein oder eine Gruppe von Proteinen
inaktiv machen würde.
Das therapeutische Protein könnte
potentiell regulatorische Aktivität besitzen, um ein Protein
oder eine Gruppe von Proteinen zu stimulieren oder zu hemmen. Das
therapeutische Protein könnte
auch eine gegebene Zellfunktion stimulieren oder hemmen. In anderen
Worten könnte
das therapeutische Gen für
ein Polypeptid mit einem Bereich von Aktivitäten, die nicht notwendigerweise
auf die hier diskutierten beschränkt
sind, aber vom Fachmann ausgewählt
werden können,
codieren.
-
Die
Nukleinsäure
könnte
auch für
ein Produkt mit einer Aktivität
als Nukleinsäure
codieren. Z.B. könnte diese
Nukleinsäure
Antisinn-Aktivität
aufweisen, um die Translation eines gegebenen Proteins zu verhindern, oder
sie könnte
DNA-Bindungsfähigkeit
besitzen, die die Expression von Protein oder einer Gruppe von Proteinen
oder eine gegebene Zellfunktion fördern oder verhindern könnte. Wieder
ist die gewählte
Sequenz für einen
Fachmann offensichtlich.
-
So
kann für
eine gezielte Gentherapie ein Vektorpartikel mit einem veränderten
Wirtsbereich hergestellt werden unter Anwendung der erfindungsgemäßen Methoden.
Der Ligand wird so ausgewählt,
daß er
einen Wirtsbereich ergibt, der den Ziel-Zelltyp umfaßt. So wird,
um eine Therapie für
einen genetischen Defekt, bei dem ein Polypeptid nicht in ausreichender
Menge oder ausreichender Menge an der aktiven Form exprimiert wird,
zu entwickeln, der Ligand so ausgewählt, daß er auf die Zellen zielt,
die normalerweise das Polypeptid bilden. Das Gen für das Polypeptid
sollte auch unter der Kontrolle eines entsprechenden viralen Promotors
eingeführt
werden.
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Wahlweise
kann die Therapie auch darin bestehen, daß die Expression eines unerwünschten
Polypeptids gehemmt wird, z.B. durch Bildung eines Antisinn-Oligonukleids,
das die Translation von mRNA, die für die unerwünschten Polypeptide codiert
gehemmt wird. Beispiel 11 ist angegeben, um die Herstellung eines
gezielten Vektorpartikels, der ein therapeutisches Oligonukleotid
für eine
HIV-Infektion liefert, zu erläutern.
-
Beispiel 11
-
Freisetzungs-Vehikel für ein therapeutisches Anti-HIV-Mittel
-
Der
Vektorpartikel von Beispiel 8 wird verändert durch Ersatz des Neogens
durch eine Sequenz, die für
ein Antisinn-Oligonukleotid für
einen komplementären
Bereich zu der mRNA der Haupt-HIV-Protease codiert. Die erhaltenen
Vektorpartikel enthalten CD4 als Membran-assoziiertes Protein und
richten die Transkription von Antisinn-mRMA, die mit HIV-mRNA ein
Hybrid bildet, auf eine Beschränkung
der VIV-Replikation.
-
So
zeigt Beispiel 10 ein Verfahren, bei dem ein Vektorpartikel-Genom
modifiziert wird, um eine spezielle Therapie auf bestimmte Zellarten
zu richten. Es wird auch in Betracht gezogen, daß die vorliegende Erfindung
das Zielen auf Progenitor-Zellen
umfaßt.
Z.B. findet sich eine Anzahl von Progenitor-Zellarten im Knochenmark,
die sich zu Blutzellen differenzieren. Viele Blutzellen haben verhältnismäßig kurze
Lebenszeiten und daher teilen und differenzieren sich Progenitor-Zellen
kontinuierlich, um die verlorenen Zellen zu ersetzen. Therapien,
die auf Blutzellen gerichtet sind, wären am wirksamsten, wenn sie
auf die Progenitor-Zelle zielen würden. Diese Zellen haben bekanntlich
einzigartige zelluläre
Determinanten, die eine histologische Identifizierung erlauben und
könnten
als Zellrezeptoren für
die Membranassoziierten Proteine der erfindungsgemäßen Vektorpartikel
verwendet werden. Die Vektorpartikel könnten so aufgebaut sein, daß sie auf
diese Zellarten zur Genfreisetzung zielen indem sie ein exprimierbares
Gen, das für
ein Membran-assoziiertes Protein codiert, das eine einzigartige
Determinante solcher Progenitor-Zellarten bin det, enthalten. Beispiele
für solche Progenitor-Zellarten,
auf die unter Verwendung von erfindungsgemäßen Vektorpartikeln gezielt
werden kann, umfassen pluripotente Stammzellen, Erythroblaste, Lymphoblaste,
Myeloblaste und Megakaryozyten.
-
Es
wird ferner in Betracht gezogen, daß die Therapie nach der vorliegenden
Erfindung entweder in vivo oder in vitro durchgeführt wird.
Für die
in vitro Therapie eines Organismus könnten Zellen entfernt und in vitro
mit dem Vektorpartikel infiziert werden. Für Vektorpartikel mit Membran-assoziierten
Proteinen, die den entsprechenden Wirtsbereich bestimmen, wäre es nicht
erforderlich, die in vitro als Ziel dienenden Zellen zu reinigen,
da oder virale Vektor spezifisch die entsprechenden Zellen infizieren
würde.
So könnten
Knochenmarkproben von einem Patienten entnommen und die gewünschte Zellart
transfiziert werden. Diese transfizierten Zellen könnten dann
wieder an den Organismus, von dem die Zellen stammen, oder, wenn
die Abstoßung der
Zellen nicht als Problem angesehen wird, an einen anderen Organismus
zurückgeführt werden.
Die Probe könnte
in vitro, entweder vor oder nach der Transfektion, mit Wachstumsfaktoren
behandelt werden, um die Anzahl an Zellen zu erhöhen, die entweder markiert
oder an den Organismus des Patienten zurückgeführt werden.
-
Um
das Ziel der Veränderung
des Wirtsbereichs dieser erfindungsgemäßen viralen Vektoren zu unterstützen, wurde
festgestellt, daß die
Entwicklung von stabilen Verpackungszellinien, die konstitutiv Membran-assoziierte
Proteine exprimieren, die Bildung von retroviralen Vektoren mit
einem weiteren Wirtsbereich und mit einer erhöhten Infektionseffizienz in
menschlichen und anderen Zellen sogar noch weiter erleichtern würde. Viele
dieser Membran-assoziierten Proteine, einschließlich dem VSV G-Hüllprotein,
sind für
Zellen toxisch. Das führt
zu Stabilitätsproblemen
in der Erzeuger-Zellinie, da Expressorzellen schnell sterben, was
zu Schwierigkeiten bei der Bildung einer mehr als nur vorübergehenden
Produktion führt.
Obwohl einige Zellarten (z.B. Human 293, das Derivat 2-3, das gag
und pol Proteine aus MLV bildet, oder Hamster BHK-Zellen) nach der
Transduktion mit Vektorpartikel LGRNL und Neo-Selektion wachsen,
hält dieses
Wachstum nur vier Wochen an und dann sterben die Zellen. Andere
Zellarten sterben sogar noch schneller. So ist die Entwicklung von
stabilen Verpackungszellinien höchst
erwünscht.
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Ein
Verfahren zur Produktion von stabilen Verpackungszellinien besteht
darin, ein Verpackungsgebilde zu entwickeln, bei dem das Hüllprotein
einem induzierbaren Promoter ausgesetzt wird, in dem die Expression des
Hüllproteins
durch das Vor handensein oder die Abwesenheit einer speziellen Verbindung
oder durch eine Veränderung
der Bedingungen, wie der Temperatur, an- oder abgestellt werden
kann. Ein Beispiel für
einen derartigen induzierbaren Promotor ist der Maus-Mammary-Tumor-Virus (MMTV)
Promotor. Der MMTV-Promotor ist stark induzierbar durch Corticosteroid
und deren Analoge in Zellen, die Glucocorticoid-Rezeptor-Proteine
in ausreichenden Mengen bilden.
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Eine
Zellinie, die die Fähigkeit
besitzt, Vektorpartikel-Gene von einem induzierbaren Promotor, wie dem
MMTV-Promotor, zu exprimieren, bildet keine Vektorpartikel ohne
Induktion durch entsprechende induzierende Bedingungen, z.B. das
Vorhandensein von Corticosteroid für den MMTV-Promotor. Folglich
kann eine Zellinie, die die Fähigkeit
besitzt, Vektorpartikel zu bilden, stabil gehalten werden, ohne
daß sie
Vektorpartikel erzeugt. Eine Subpopulation von der Zellinie könnte dann,
wenn dies erwünscht
ist, durch die entsprechenden Bedingungen induziert werden, um Vektorpartikel
zu erzeugen. Ein Beispiel für
die Bildung einer stabilen Verpackungszellinie, die die Fähigkeit
besitzt, Vektorpartikel-Gene unter der Steuerung eines induzierbaren
Promotors zu exprimieren, ist in Beispiel 12 gezeigt.
-
Beispiel 12
-
Erzeugung eines stabilen Verpackungs-Gebildes
mit induzierbarem Promotor
-
Um
eine Zellinie zu identifizieren, die Glucocorticoid-Rezeptor-Proteine
in ausreichenden Mengen zur Induktion des MMTV-Promotors in Gegenwart
von Corticosteroid bildet, wird ein Gebilde mit dem MMTV-Promotor
erzeugt, das die Transkription eines Marker-Gens, wie des Chloramphenicolacetyl-Übertragungs
(CAT) Gens, dirigiert. Dieses Gebilde wird in verschiedene Zellinien
mit oder ohne Dexamethason-Behandlung
eingeführt.
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Solche
Zellinien, die ein Verhältnis
von CAT-Aktivität
in den mit Dexamthason behandelten Zellen zu derjenigen in den unbehandelten
Zellen von mehr als 25:1 aufweisen, sind bevorzugt zur Verwendung
als stabile Verpackungszellinien unter der Kontrolle des induzierbaren
MMTV-Promotors. Eine Zellinie, die ein solches Verhältnis aufweist,
ist die BHK-Zellinie.
-
Um
eine stabile Verpackungszellinie für MLV[VSV G] herzustellen,
werden BHK-Zellen permanent mit einem Verpackungsgebilde, pSVGP,
transfiziert und anschließend
mit einem Gebilde, das den MMTV-Promotor mit dem VSV G-Gen und mit
RSV LTR verbindet, das das Hygromycin-Resistenz-Gen als selektierbaren Marker
steuert. Hygromycin-resistente Zellen werden ausgewählt und
auf die gag und pol-Bildung durch Western-Blotting unter Verwendung
von anti-MLV 30 als Sonde untersucht. Diese Zellen werden auch auf
das Vorhandensein des MTV-VSV G-Gens durch Southern-Blotting untersucht.
-
Zellen,
die weiter wachsen (und daher keine letalen Gehalte an VSV G bilden)
werden untersucht durch vorübergehende
Transfektion mit einem Vektor wie LRNL, mit Dexamethason behandelt
oder nicht behandelt und der Anteil der Neoresistenten Kolonien-bildenden
Einheiten bestimmt. Die Zellklone mit der besten Wirksamkeit werden
permanent mit MLV[VSV G]-Vektorpartikel-bildender Nukleinsäure transfiziert.
Die Bildung von infektiösen
Partikeln wird für
kurze Zeiten (1-3 Tage) eingeleitet durch Behandlung mit Dexamethason.
-
So
zeigt Beispiel 12 ein Beispiel für
die Produktion eines stabilen Verpackungsgebildes unter der Kontrolle
eines induzierbaren Promotors. Ähnliche
Verfahren können
angewandt werden zur Erzeugung einer Vielfalt von Vektorpartikeln
nach der vorliegenden Erfindung unter der Kontrolle von MMTV-Promotor
oder anderen induzierbaren Promotoren.
-
Ein
anderes Beispiel für
die Erzeugung eines stabilen Verpackungsgebildes umfaßt die Entwicklung von
Zellen, die die Bildung des Membran-assoziierten Proteins tolerieren
können.
Von einer Zellinie, MDCK, (ATCC Nr. CCL34)
wird berichtet, daß sie
gegenüber
den toxischen Wirkungen von VSV resistent ist und in der Lage ist,
die Langzeit-Bildung von VSV G aufrechtzuerhalten. Es wird angenommen,
daß andere
derartige Zellinien existieren. Jedoch ist nicht jedes VSV G-Protein,
das von solchen Zellinien gebildet wird, funktionell. Folglich müssen Klone,
die funktionelles Protein erzeugen, ausgewählt werden. Ein Beispiel für die Produktion einer
stabilen Verpackungszellinie, die funktionelles Membran-assoziiertes
Protein bildet, ist in Beispiel 13 angegeben.
-
Beispiel 13
-
Produktion eines stabilen Verpackungsgebildes
in einer toleranten Zellinie
-
MDCK-Zellen
wurden auf ihre Toleranz gegenüber
der stabilen Expression von VSV G Membran-assoziiertem Protein und
auf ihre Fähigkeit,
Vektorpartikel zu produzieren, untersucht. Die VSV G-Toleranz wurde
untersucht durch Infizieren von MDCK-Zellen mit MLV[VSV G]-Vektorpartikeln
und Selektieren auf G41B-resistente Klone. Die Vektorpartikel wurden
gebildet durch die vorübergehende
Transfektion von pLGRNL in Human 293 Zellen, die die retroviralen
gag und pol Proteine stabil exprimierten. Der Vektorpartikel enthaltende Überstand
dieser transfizierten Zellen wurde verwendet, um MDCK-Zellen zu
infizieren. Diese Vektorpartikel enthalten pLGRNL als ihr Vektorgenom
und VSV G als ihr Membran-assoziiertes Protein.
-
MDCK-Zellen
wurden infiziert und 24 h vor der Selektion in G418 kultiviert.
24 h nach der Infektion wurden die Zellen mit 400 μg/ml des
Neomycin-Analogen G418 behandelt. Etwa 7-10 Tage nach der Selektion begannen
Kolonien aufzutreten, die gegenüber
G418 resistent waren. Wenn die Kolonien deutlich sichtbar waren,
und von den nicht-resistenten Zellen abgetrennt worden waren, wurden
sie zusammengegeben und Subkulturen in Gegenwart von G418 für die Analyse
gebildet.
-
Die
oben beschriebene polyklonale Zellinie wurde auf die Expression
von VSV G von dem pLGRNL-Vektorgenom untersucht. Kurz gesagt wurden
die Zellen bis zu einer Konfluenz von 60-70% gezüchtet und in Methionin freiem
Medium ohne Kalbsembryoserum (Met- DME)
30 min. bei 37°C
inkubiert. Das Medium wurde durch 2 ml Met- DME,
enthaltend 300 μCi 35S-Methionin ersetzt und weitere 4 h inkubiert.
Die Zellen wurden mit eiskaltem PBS gewaschen und 1 ml RIPA-Lysepuffer
(150 mM NaCl, 1% NP-40, 0,5% Desoxycholat, 0,19% SDS, 50 mM Tris,
pH 8,0), enthaltend 10 μl
des Proteaseinhibitors PMSF in einer Konzentration von 1 mM, wurde
zu jeder Platte zugegeben. Die Platten wurden 15-30 min. auf Eis
inkubiert und anschließend
10 min. zentrifugiert nach dem Überführen des
lysierten Zellmaterials in das Röhrchen
einer Mikrozentrifuge. Der Überstand
wurde entfernt und entweder bei -70°C aufbewahrt oder direkt zur
Immunopräzipitation verwendet.
Diese Lysate wurden hergestellt für Immunopräzipitationen indem sie zunächst mit
nicht-immunem Kaninchenserum behandelt wurden, um nicht-spezifische
Bindungsaktivität
vorher zu entfernen.
-
Immunopräzipitationen
wurden durchgeführt
durch Inkubieren eines Volumens, enthaltend 1 × 107 Zählungen
von vorgereinigtem Lysat mit 5 μl
Kaninchen-anti-VSV
G-Antikörper über Nacht
bei 4°C.
Dann wurde Protein A-Sepahrose (100 μl einer 10%igen Lösung in
RIPA-Puffer) zugegeben und anschließend 1-2 h bei 4°C inkubiert.
Die Konjugate wurden dreimal in RIPA-Puffer gewaschen und die erhaltenen
Perlen wurden wieder in 30 μl
Laemmli Probenpuffer suspendiert. Immunopräzipitate wurden abgetrennt
durch SDS-PAGE und sichtbar gemacht durch Fluorographie. Die Ergebnisse
sind in 3 gezeigt. Bahnen 1 und 2 zeigen
die polyklonale Zellinie, die mit Anti-VSV G bzw. normalem Kaninchenserum
immunopräzipitiert
ist Bahn 3 sind scheininfizierte MDCK-Zellen, die mit Anti-VSV G-Antikörper immunopräzipitiert
sind. Die Bande, die bei Mr von etwa 68
kD läuft,
entspricht dem VSV G-Protein und do kumentiert, daß diese
MDCK-Zellen die Langzeit-Expression von VSV G unterstützen.
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Die
polyklonale MDCK/VSV G Zellinie wurde ebenfalls auf ihre Fähigkeit
untersucht, VSV G enthaltende Vektorpartikel zu bilden. Um dies
zu tun, wurden die Zellen mit ptkhygro als markierbarem Marker und
pSVPG zur Lieferung der gag/pol-Funktionen
transfiziert.
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Das
Polykation Polybrene (Aldrich, Milwaukee, WI) wurde für die Co-Transfektion
von MDCK/VSV G-Zellen verwendet. Kurz gesagt, wurden exponentiell
wachsende Zellen durch Trypsin-Behandlung gewonnen und wieder mit
5 × 105 Zellen pro 100 mm Schale in 10 ml Medium,
enthaltend 10% FCS, plattiert. Die Kulturen wurden 18-20 h bei 37°C in einer
Atmosphäre
mit 10% CO2 inkubiert. Transfektions-DNA (2 μg ptkhygro
und 18 μg
pSVGp) wurde mit 3 ml Serum enthaltendem Medium vermischt und anschließend 30 μg Polybrene
zugegeben. Diese Transfektionslösung
wurde nach Entfernen des Mediums auf die Zellen aufgebracht. Die
Zellen wurden 10 h inkubiert. Das DNA/Medium-Gemisch wurde angesaugt
und mit 2 ml einer DMSO-Lösung
(3 Teile DMSO:1 Teil Medium) vermischt. Die Zellen wurden 5 min.
bei Raumtemperatur inkubiert. Nach dreimaligem Waschen mit Medium
wurden die Zellen weitere 48 h in vollständigem Medium inkubiert. Zu
diesem Zeitpunkt wurden die Zellen in selektivem Medium, enthaltend
Hygromycin (400 μg/ml)
und G418 inkubiert und zur Selektion von doppel-resistenten Zellen
stehen gelassen. Hygromycinresistente und G418-resisitente Kolonien
wurden zusammengegeben, wie oben beschrieben, und der Titer der
Bildung von VSV G enthaltenden Vektorpartikeln wurde auf BHK-Zellen
bestimmt.
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Die
Infektion von BHK-Zellen mit Vektorpartikeln, die von den resistenten
Zellen abgeleitet waren, ergab etwa 100-200 G418-resisitente Kolonien
pro 10 ml Medium. Dieses Ergebnis zeigte, daß die polyklonale MDCK-Zellnie
funktionelle Vektorpartikel bilden konnte, die das VSV G-Hüllglycoprotein
und das pLGRNL-Vektorgenom enthielten.
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Eine
stabile Verpackungszellinie, die kein verpackungskompetentes Vektorpartikelgenom
enthält, aber
VSV G gag und pol stabil exprimiert, wurde dann in einem zweistufigen
Transfektionsverfahren aufgebaut. In der ersten Stufe wurden pTKhygro
und pSVG (VSV G unter der Kontrolle des frühen SV40 Promotors) unter Verwendung
von Polybrene in MDCK-Zellen co-transfiziert und wie oben beschrieben
nach der Hydromycinresistenz selektiert. Die resistenten Zellen
wurden zusam mengegeben und die Zellen, die VSV G co-exprimierten,
wurden durch Fluoreszenzaktiviertes Sortieren von Zellen (FACS)
isoliert. Kurz gesagt wurden subkonfluente Platten einmal mit PBS
gewaschen und dann 15 min. bei 37°C
mit 10 mM EDTA behandelt, um Zellen aus der Schale zu entfernen.
Die Zellen wurden in ein 15 ml Zentrifugenröhrchen überführt, durch Zentrifugieren mit
geringer Geschwindigkeit eine Perle gebildet, erneut in DME plus
2% FCS suspendiert und wieder zentrifugiert. Das Medium wurde entfernt
und die Perle wurde wieder in 0,5 ml einer 1:200 Verdünnung von normalem
Kaninchenserum oder einer 1:200 Verdünnung von Kaninchen-anti-VSV G-Antikörper suspendiert. Die
Zellen wurden mit dem Antikörper
30 min. auf Eis inkubiert und dann mit 5,0 ml DME plus 2% FCS verdünnt und
anschließend
mit niedriger Geschwindigkeit zentrifugiert. Die erhaltenen Perlen
wurden weitere zwei Mal mit 5 ml DME plus 2% FCS gewaschen. Die
Zellperle wurde erneut in einer 500 μl PBS-Lösung, enthaltend den sekundären Antikörper, suspendiert
und 30 min. auf Eis inkubiert. Nach der Inkubationszeit wurden die Zellen
wie oben beschrieben gewaschen und die erhaltene Perle wieder in
0,5 ml DME plus 2% FCS mit Pen/Strep und Fungazone suspendiert und
in den Zellsorter injiziert. Selektierte Zellen wurden zusammengegeben,
1 Woche gezüchtet
und dann wieder durch Sortieren mit FACS isoliert. Diese zweimal
sortierten Zellen wurden, wie oben beschrieben, durch Immunopräzipitation
mit Anti-VSV G-Antikörper
auf die VSV G-Expression analysiert. Die Ergebnisse sind in 4 angegeben,
wo Bahn 1 die Auszüge
der mit dem Anti-VSV G-Antikörper
immunopräzipitierten
zweimal sortierten Zellen zeigt und die Bahnen 2, 3 und 4 entsprechen
den Bahnen 2, 3 bzw. 4 der 3. Diese
Ergebnisse zeigen, daß die
pSVG transfizierten Zellen wesentliche Gehalte an VSV G stabil exprimieren.
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Die
zweite Stufe der Herstellung der stabilen Verpackungslinie bestand
darin, pSVGP und ein Plasmid, das Dihydrofolatreduktase (DHFR) exprimiert,
zu co-transfizieren, um die stabile Expression der gag- und pol-Gene
zu erreichen. DHFR wurde zur Selektion von stabilen Transfektionsprodukten
verwendet, wenn sie in Gegenwart von Methotrexat (MTX) wuchsen.
Die Plasmide wurden, wie oben beschrieben, unter Verwendung von
Polybrene co-transfiziert und 48 h nach der Transfektion in Gegenwart
von 5 μM
MTX wieder plattiert. MTX-resistente Kolonien wurden zusammengegeben
und durch vorübergehende
Transfektion dieser Zellen mit einem Verpackungs-kompetenten Vektorgenom
auf die Bildung von Vektorpartikeln untersucht. Die Überstände wurden
nach 48 h gesammelt und der Titer der Bildung von infektiösem Vektor
wurde, wie oben beschrieben, auf Ziel-BHK-Zellen bestimmt.
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So
zeigt Beispiel 13 die Produktion einer permanenten VSV G-Verpackungszellinie
durch selektives Untersuchen auf die Bildung von funktionellem VSV
G Protein in Zellinien, die gegenüber der toxischen Wirkung von
VSV G Protein resistent sind. Wie für den Fachmann leicht ersichtlich,
können ähnliche
Verfahren angewandt werden, um Zellinien zu erzeugen, die funktionelles
Membran-assoziiertes Protein von einer Vielfalt von Quellen bilden.