DD213949A1 - Verfahren zur gasanalytischen selektion von effektoren mittels zellsuspensionen - Google Patents

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Claus-Ruediger Kramer
Horst Arndt
Heinz Boehm
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Paedagogische Hochschule Wolfg
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Abstract

Die Erfindung "Verfahren zur gasanalytischen Selektion von Effektoren mittels Zellsuspensionen" dient der Suche nach Pflanzenschutzmitteln. Sie verfolgt das Ziel ueber die Testung der biologischen Aktivitaet von Effektoren mittelsphotosynthetischer und respiratorischer Gaswechselumsatzanalysen von autotrophen und heterotrophen Zellsuspensionskulturenund entsprechender Auswertung der Analysenergebnisse neben der sicheren Selektion primaerer Photosynthesehemmer und primaerer Atmungseffektoren auch die Wirkspezifik besonders der photosynthetischen und respiratorischen Gaswechselumsatzbeeinflussung zu charakterisieren. Die Erfindungbasiert auf einem Auswertungsverfahren, das die entwicklungsbedingteBeeinflussung der photosynthetischen und resoiratorischen Gaswechselumsaetze substanzbehandelter Zellsuspensionen nutzt. Die Fig.3 illustriert anhand von Wirkbildern fuer die beiden Gaswechselumsatzbeeinflussung durch 3 Effektoren, dass das Auswertungsverfahren darueber hinaus Informationen ueber Einsetzen, Verlauf und Bestaendigkeit der Wirkungsauspraegung in Abhaengigkeit von der Dosis und von der Einwirkungsdauer der Effektoren sowie ueber Art und Weise der Wirkungsausloesung liefert. Weiterreichende Aussagemoeglichkeiten zur Beeinflussung der Gaswechselumsaetze durch Effektoren sind mittels Simultananalyse und Kombination der Analysenmethoden und anschliessenden vergleichenden Betrachtungen moeglich.

Description

Titel der Erfindung
Verfahren zur gasanalytischen Selektion von Effektoren mittels Zellsuspensionen
Anwendungsgebiet der Erfindung;
Pflanzenschutzmittelorschung, Suche nach Regulatoren biologischer Prozesse, Haturstoffchemie, Umweltschutz
Charakteristik der bekannten technischen Lösungen
Ss ist bekannt, daß für die Indikation der biologischen Aktivität von Effektoren Zellsuspensionen einzelliger Grünalgen genutzt werden können· Nach dem Patent "Verfahren zur Selektion biochemisch wirksamer Substanzen", DD WP
Sfy Z3fy , lassen sich mittels autotroph kultivierter Zellsuspensionen diejenigen Chemikalien aus einer Stichprobe selektieren, die den fundamentalen Prozeß des autotrophen Zellwachstums, die Phot©synthese, unmittelbar oder mittelbar beeinträchtigen oder fördern. Geht man von heterotroph kultivierten Seilsuspensionen aus, so lassen sich nach diesem Verfahren aus einer Stichprobe von Chemikalien diejenigen selektieren, die den fundamentalen Prozeß des heterotrophen Zellwachstums, die Atmung, unmittelbar oder mittelbar beeinträchtigen oder fördern« Verfährt man nach diesem Verfahren, so sind prinzipiell
qualitative und quantitative Aussagen zur biologischen Wirksamkeit der-au prüfenden Effektoren möglich« Bei Festlegung einer wünschenswerten minimalen Wirkkon- . zentration der au untersuchenden Chemikalien in Masseprozent oder in Mol pro Liter, erlauben beide Testvarianten, qualitative Angaben zur Wirksamkeit im Sinne "wirksam" oder "nicht wirksam". Durch Konfrontation der Zellsuspensionen mit abgestuft konzentrierten Lösungen der zu prüfenden Substanzen und nachfolgenden Vergleich mit parallel kultivierten unbehandelten Kontrollsuspensionen sind über Dosis-Wirkungs-Analysen quantitative Angaben über die Hemmaktivität der Effektoren zugänglich, Die nach diesen Verfahren als "biochemisch-wirksam" eingestuften Substanzen bilden aber hinsichtlich ihrer Wirkungs-. weise keine einheitliche Gruppe, Sie können die Photosynthese bzwo die Atmung unmittelbar beeinflussen, also als primäre Photosyntheseeffektoren oder primäre Atmungshemmer wirken. Aber es besteht auch die Möglichkeit, daß sie nur mittelbar bzw, im Ergebnis ihrer Metabolisierung den Photosyntheseprozeß bzw, die Atmung tangieren, während sie ihre Hauptwirkung in anderen Stoffwechselbereichen manifestieren. Informationen hierüber sowie die Selektion von vorrangigen Photosynthesehemmern oder Atmungshemmern? von nicht primären Photosynthese- bzw, Atmungseffektoren, die Aufdeckung von Permeations-Effekten und die Selektion von Hemmern der Licht- und der Dunkelreaktion ermöglichen das "Verfahren zur gasanalytischen Selektion von Effektoren mittels autotropher Zellsuspensionen" und das "Verfahren zur gasanalytischen Selektion von Effektoren mittels heterotropher Zeilsuspensionen".
Beide Verfahren basieren auf einem Auswertungsmodus, der die entwicklungsbedingte Beeinflussung des photosynthetischen bzw* des resniratorischen GaswechselUmsatzes wie
SauerstoffUmsatz und Kohlendioxidumsatz substanzbehandelter autotropher bzw. heterotropher Zellsuspensionen nutzt« Die vorgeschlagenen Äuswert längsverfahren sind darüber hinaus in der Lage, den Wirkungsverlauf näher au charakterisieren. Trotz dieser Fortschritte erlauben beide Verfahren keine Aussagen darüber, ob die Effektoren nur oder hauptsächlich die Photosynthese oder die Atmung hemmen bzw· ob beide Stoffwechselprozesse im Ergebnis der Metabolisierung der Wirkstoffe spezifisch oder unspezifisch tangiert werden,
Da das "Verhältnis der Hemmung des Photosyntheseprozesses zur Hemmung des Atmungsprozesses auch für den möglichen Einsatz der potentiellen Herbizide in der Vorauf1 auf- oder Hachauflaufbehandlung von Bedeutung ist, ergibt sich der Wunsch nach einem Verfahren, das zwar ebenfalls auf Suspensionskultüren einzelliger Grünalgen beruht, dessen Auswertungsmodus jedoch neben der Selektion vorrangiger Photοsynthese- und Atmungshemmer auch die genauere Charakterisierung der Effektoren hinsichtlich ihrer Wirkspezifik auf die Photosynthese- und Atmungsprozesse erlaubt»
Ziel der Erfindung
Die Erfindung verfolgt das Ziel, für die fests der biologischen Aktivität von Effektoren mittels photosynthetischer und respiratorischer Gaswechselumsatzanalysen von autotrophen und heterotrophen Suspensionskulturen einzelliger Grünalgen einen Auswertungsmodus vorzuschlagen, der neben einer Selektion primärer Photosynthesehemmer und primärer Atmungseffektoren sowie einer Selektion von Effektoren, die nicht primär die Photosynthese bzw« Atmung tangieren, aber biologisch wirksam sind, auch die Wirkspezifik besonders der photosynthetischen und respiratorischen Gaswechselumsatzbeeinflussungen zu charakterisieren und zu vergleichen erlaubt.
Darlegung des Wesens der Erfindung
Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, mittels eines speziellen Auswertungsverfahrens auf der Grundlage von Vergleichen der Analysenergebnisse der photosynthetischen und respiratorischen GaswechselUmsätze substanzbehandelter autotroph und heterotroph kultivierter einzelliger Grünalgensuspensionen primäre Photosyntheseeffektoren,.primäre nichtphotosynthetische Effektoren, primäre Atmungseffektoren und nicht primär die Atmung tangierende Effektoren bzw, unspezifische Photosynthese- und Atmungseffektoren zu charakterisieren und zu differenzieren· Insbesondere erlaubt die Erfindung die sichere Identifizierung von Photosynthesehemmern und Atmungseffektoren und damit eine Selektion von Effektoren, die vorrangig als Hachauflaufherbizide oder Vorauflaufherbizide genutzt werden können. Das Auswertungsverfahren liefert darüber hinaus Informationen über Einsetzen, Verlauf und Beständigkeit der Wirkungsausprägung in Abhängigkeit von der Dosis und von der Einwirkungsdauer der Effektoren, über Art und Weise der Wirkungsauslösung wie Soforthemmung der Photosynthese und/oder der Atmung über Permeations- und Transρortproblerne sowie über den Wirkungsmechanismus des Effektors.
Beim "Verfahren zur gasanalytischen Selektion von Effektoren mittels Zellsuspensionen" verfährt man zunächst grundsätzlich so, wie es das "Verfahren zur Selektion biochemisch wirksamer Substanzen" empfiehlt, also definierte Mengen chemischer Verbindungen parallel oder simultan mit autotroph und heterotroph kultivierten Zellsuspensionen einzelliger Grünalgen in unmittelbaren Kontakt bringt und diese Proben parallel mit unbehandelten Vergieichskultüren bei einheitlicher 'Temperatur zwischen 20 0C und 38 0G im Licht bzw· im Dunkeln belüftet, so daß sie auf der Grundlage der sich vollziehenden Photosynthese- und Atmungs-
prozesse wachsen and sich ent?/i ekeln· Kontinuierlich oder au festgelegten Zeitpunkten werden dann Proben und Vergle'ichskulturen oder Anteile von beiden parallel oder in definierter Folge durch Analyse, des photosynthetischen bzw· respiratorischen SauerstoffUmsatzes mittels Paramagnet-Gasanalysatoren, sauerstoffsensitiver Elektroden, polarografischer und anderer elektrochemischer Meßketten, manometrischer Verfahren oder der Winkler-Methode und/oder des photosynthetischen bzw«, respiratorischen Kohlendioxidumsatzes mittels Infrarot-Gasanalysatoren, ^C-Methode, photometrischen Methoden und pH-Messungen untersucht und die dabei gewonnenen Ergebnisse beider Testvarianten vergleichenden Betrachtungen unterzogen·
Ausführungsbeispiele
1« Ausführungsbeispiel
Ton den zu prüfenden Substanzen A bis Ξ werden in einem Autotrophtest die Beeinflussung der photosynthetischen Sauerstoffproduktion und des photosynthetischen Kohlendioxidverbrauchs und in einem Heterotrophtest die Beeinflussung der respiratorischen Kohlendiosidproduktion und des respiratorischen SauerstoffVerbrauchs untersucht. Hierzu werden autotroph und heterotroph kultivierte Zellsuspensionen einseiliger Grünalgen der Species Chlorella vulgaris var. vul» garis, Stamm BÖHM und BOPJTS 1972/1 in einer Suspensionsdichte von 12 3 10 Zellen/cm-3 mit verschiedenen konzentrierten wässrigen oder Limethylsulfosid-Lösungen der zu prüfenden Substanzen A bis E beimpft und zusammen mit unbehandelten Kontrollen bei 37,5.0C im Licht bzw» bei der Heterotrophvariante im Dunkeln belüftet, wobei in diesem Fall Glukose als organische Kohlenstoffquelle eingesetzt wird, so daß
alle erforderlichen Voraussetzungen für die Photosynthese bzwβ für die Atmung gegeben sind«
Die Analyse der photosynthetischen und respiratorischen Sauerstoff- und Kohlendioxidumsätze erfolgt nach einer spezifisch entwickelten Meßanordnung, die durch Kopplung von kommerziell erhältlichen Infrarot- und Paramagnet-Gasanalysatoren eine gleichzeitige Bestimmung der Sauerstoff- und Kohlendioxidkonzentrationen der entwicklungsbedingten Gaswechselumsätze an 6 Meßplätzen im offenen Gasstrom mit hoher Genauigkeit ermöglicht. Während der Gaswechselumsatz der in Fährlösung suspendierten Zellen in den unbehandelten Yergleichskulturen einer normalen autotrophen bzw. heterotrophen Wachst umsentwicklung entspricht, werden die Kohlendioxid- und SauerstoffUmsätze in den mit Chemikalien versetzten Chlorellasuspensionen während des ?/achstuma lind der Entwicklung mehr oder weniger beeinflußt, wenn verschiedene Substanzkonzentrationen den Photosynthese- oder den Atmungsprozeß mehr oder weniger stören.
Die Ergebnisse der Analysen für die Substanzen A bis F sind den Figuren 1 bi3 2 zu entnehmen· Beide Figuren enthalten in den oberen Hälften die Wirkbilder für die Beeinflussung der Photosynthesegeschwindigkeit und in den unteren Hälften die Wirkbilder für.die Beeinflussung der Respirationsgeschwindigkeit durch diese Substanzgruppe. Aus praktischen Gründen werden die Wirkbilder in Form v-on Auftragungen der Sauerstoffproduktionsgeschwindigkeit - obere Hafte der Figuren - bzw. der Kohlendioxidproduktionsgeschwindigkeit untere Haften der Figuren - dc/dt in Pikoliter pro Stunde und Zelle - pl h Zelle-"* - als Funktion der Zeit vorgestellt, wobei der Maßstab de : dt für die Respirationsgeschwindigkeit, dem natürlichen Verhältnis ηahekomment, auf das zehnfache gestreckt wurde·
Die Mit K bezeichneten Graphen sind jeweils die entsprechenden Gasumsatz-Geschwindigkeits-Zeit-Kurven der unbehandelten Kontrollen von der nullten bis- zur achten Stunde und die mit
den Ziffern 1 bis 5 bezeichneten Graphen die entsprechenden Gasumsatz-Geschwindigkeits-Zeit-Kurven für die mit abgestuften, zunehmenden Konzentrationen der Substanzen A bis P versetzten Proben 1 bis 5* Die senkrechten Pfeile kennzeichnen die Appiikationszeitpunkte, die meist in der Sähe der vierten Zyklusstunde liegen.
Die Wirkbilder der Substanz A in Pig. 1, A sind für Triazole wie Amitrol typisch. Uach Wirkstoffzugabe fällt die. Photosynthesegeschwindigkeit und die Atmung relativ längsam? aber konzentrationsabhängig ab. Solche Verbindungen besitzen eine unspezifische Wirkung, d. tu, sie tangieren die verschiedensten Wirkorte. Langzeitig kommt es zur Überlagerung direkter Wirkungen sowohl auf die Photosynthese als auch auf die Atmung und indirekter Effekte in den Yiirkbildern. Besonders auffällig ist, daß die Beeinflussung durch gleiche f/irkstoffkonzentrationen, bei 3eachtung des Verhältnisses von 1 : 1© beider Gaswechselumsätze, sich in ähnlicher Weise in beiden Wirkbildern widerspiegeln·
Die Analyse der photosynthetischen und respiratorischen Gaswechselumsätze der Substanz B zeigen die Wirkbilder Pig. 1, B, In diesen Fällen wird das entwicklungsbedingte Anwachsen der Gaswechselumsatzgeschwindigkeiten, abgesehen von sehr hohen Dosen, wo sich verschiedenste Wirkstoffeffekte überlagern, gegenüber der Kontrolle partiell vermindert oder völlig gehemmt. Diese Wirksamkeitsphasen dauern dosisabhängig eine oder mehrere Stunden· Danach ergibt sich eine Wirksamkeitssteigerung infolge der Überlagerung verschiedenster direkter und indirekter Effekte. Insbesondere die Wirkkurven der niederen Konzentrationen spiegeln im ersten Wirksamkeitsabschnitt den Wirkungsmechanismus der Substanzen wider. Im späteren Kurvenverlauf widerspiegeln sich tu a. Membran- und Atmungseffekte sowie weitere Wirkungen· Im Unterschied zur Substanz A sind zur Auslösung ähnlicher Effekte in .beiden Wirkbildern für die Atmungsbeeinflussung vergleichsweise höhere Wirkstoffkonzentrationen nötig. Dies weist auf
eine stärkere partielle Hemmung der Photosynthese. Die sehr ähnlichen Wirkbllder der Substanz C in Pig· 1, G zeigen, daß sofort nach der Wirkstoffapplikation die Gaswechselgeschwindigkeiten stark und dosisproportional abfallen, anschließend wieder relativ stark ansteigen, um sich dann auf eine dosisproportionale Inhibition des entwicklungsbedingen Gaswechselzuwachses einzustellen. Wie aus Vergleichsmessungen mit 2,4-D und dem Uatriumsalz der 2,4-D hervorgeht, resultiert der v-förmige Angangsteil der ?/irkkurven aus einem intrazellulären pH-Effekt, der die Gaswechselgeschwindigkeit unmittelbar tangiert, Derartige Erscheinungen ergaben sich bei der Störung des H -Ionengradienten an den Thylacoiden und haben infolge der Reparatureffekte nur kurzzeitigen Charakter, Bei der Hemmung im anschließenden Wirkbildabschnitt dürften sich wiederum direkte Effekte im Photosynthese- bzw« Atmungsbereich und indirekte Wirkungen, die aus der Konfrontation anderer Metabolismen resultieren, Hukleinsäurehaushalt etc., überlagern. Die auffallenden Übereinstimmungen der Wirkbilder und ihre _Spe_zifik,_.j7_eisen auf unepezifische Beeinflussungen der Photosynthese- und Atmungsprozesse hin«
Während die Wirkbilder der Substanzen A bis C in Pig» 1 für die Photosynthese und die Atmungsbeeinflussung vergleichbar waren, zeigen die Wirkbilder für die Substanzen D bis P, . Fig. 2, D bis F, für beide Test-v-arianten deutliche Unterschiede·
So wird die Photosynthesegeschwindigkeit durch die Substanz D relativ schnell dosisabhängig verringert, was die ersten Kurvenabschnitte im entsprechenden Wirkbild Pig» 2, D verdeutlichen. Die Atmung wird zwar in ähnlicher Weise aber mit geringerer Geschwindigkeit beeinflußt, wie das Wirkbild Fig. 2, D, untere Hälfte, veranschaulicht.
Für die Substanz E wurden die beiden Wirkbilder in Fige 2, E gefunden. Die photosynthetische Sauerstoffproduktion wird,
wie auch hier die ersten Kurvenabschnitte zeigen, dosisabhängig gehemmt, v/obei starke Konzentrationen in Abhängigkeit der zunehmenden Dosis in immer kürzerer Zeit au einer totalen Hemmung, ja sogar zu einer Umkehrung des photosynthetischen Gaswechselumsatzes zu einem respiratorischen Gaswechselumsatz führen. Auch das Wirkbild für die Respirationsbeeinflussung durch Substanz S zeigt komplizierte Gasumsatzgeschwindigkeits-Zeit-Kurven, die auf verschiedene nacheinander verlaufende und sich gegenseitig durchdringende Wirkungseffekte hinweisen. Allerdings sind zur Auslösung dieser Wirkungsverläufe vergleichsweise zur Photosynthesebeeinflussung höhere Wirkkonzentrationen dieser Substanz nötig.
Damit ist diese Substanz als ein Photosynthesehemmer einzustufen.
Die Beeinflussung, der photοsynthetischen und respiratorischen GaswechselUmsätze durch die Substanz F wird durch die Wirkbilder F in Pig. 2 veranschaulicht» Das Wirkbild für die Photosynthesebeeinflussung läßt verschiedene Wirksamkeitsphasen erkennen. Zunächst ist der Einfloß der Substanz relativ gering, steigt dann aber stark an. Obwohl vergleichsweise erst höhere Wirkkonzentrationen die Wirkungsverläufe im Wirkbild für die Atmungsbeeinflussung determinierten, zeigen trotzdem deren Yerläufe vergleichsweise in den ersten Kurvenabschnitten eine stärkere dosisabhängige Atmungshemmung, was auf eine vorrangig unspezifische Atmungshemmung hinweist.
Differenzierte bzw. detailliertere Aussagen zur Wirkspezifik solcher Substanzen, besonders mit ähnlichen Wirkspektren für die Gaswechselumsätze in beiden Sestvarianten erhält man, wenn man Auswertungen der Meßdaten in Form von Vergleichen der Photosynthesequotienten Cq /o„q -.
rationsquotienten e^/e^ oder durch Yergleichen der
Quotienten log Cn /log cnn für die Photosynthesebeein-
2 2
flussung mit den Quotienten log cc0 / log cQ für die
Atmungsbeeinflussung·
2. Ausführungsbeispiel
Mit den Substanzen G bis I wird wie im 1. Ausführungsbeispiel verfahren· Die Wirkbilder der Substanzen G bis I für die Photosynthese- und Atmungsbeeinflussung werden in Pig. vorgestellt· Typisch für diese Substanzen ist, daß im Vergleich zur Atmungsbeeinflussung die Wirkbilder für die Photosynthesebeeinflussung sehr ähnlich sind. Vergleichbare Wirkbilder wie für die Substanzen G bis I wurden auch für Harnstoffherbizide, Triazine, Carbamate und Urazide gefunden. Sie verdeutlichen, daß sofort nach der Zugabe des Wirkstoffes die Photosynthesegeschwindigkeit proportional zur Konzentration blockiert wird» Die Wirkungsauslösung resultiert aus der Bindung des Wirkstoffs an ein Eiweiß wie das B-Protein der Elektronentransportkette der Photosynthese, wodurch der jeweilige Lebensprozeß der Zellen partiell oder total unterbunden wird. Die Beeinflussung der Atmungsprozesse durch die Substanzen G bis I zeigen die Wirkbilder G bis I in der unteren Hälfte der Pig. 3. Im Vergleich zur Photosynthesebeeinflussung durch diese Substanz zeigen sich hier qualitative und quantitative Unterschiede. So zeigen auch sehr hohe Konzentrationen der Substanz G, die vergleichsweise hoher sind als 1 bis 5 im Wirkbild Fig. 3, G für die Photosynthesebeeinflus-sung, auf die Atmungsprozesse im Heterotrophtest keinen Einfluß. Solches Verhalten, das auch für Penuron und Simazin nachgewiesen wurde, weist diese Substanz als einen relativ spezifischen Photosynthesehemmer aus.
Das Wirkbild für die Beeinflussung der Respiration durch die Substanz H in Pig. 3» H wird im Vergleich zur Photosynthesehemmung nur durch die zehnfache Menge am Wirkstoff verursachtj gleichzeitig ist die Atmungsbeeinflussung im Vergleich zur Photosynthesebeeinflussung bedeutend unspezifischer, was auch diese Substanz als einen primären Photosynthesehemmer ausweist· Ähnliche Wirkeigenschaften wurden auch für das Herbizid Proxinpham nachgewiesen· Im Gegensatz dazu weist das Wirkbild für die Atmungsbeeinflussung der Substanz I in Pig, 3» I» sowie die getesteten Wirkkonzentrationen aus, daß diese Substanz auch primär Wirkorte der Atmungsprozesse zu tangieren vermag, was besonders durch die Atmungsblockierung in Graph 2 Pig» 3» I untere Hälft, illustriert wird.
Auch in diesen vorgestellten Fällen sind weitere genauere Charakteristiken der Wirkungsspezifik durch Auswertungen höherer Ordnung, wie sie im ersten Ausführungsbeispiel angedeutet wurden,, möglich·
Heben den in den Fig. 1 bis 3 vorgestellten Wirkbildern, gibt es noch eine größere Anzahl qualitativ und quantitativ unterscheidbarer Wirkungsverläufe für die Beeinflussung der photosynthetischen und respiratorischen Kohlendioxid- und SauerstoffUmsätze· Durch Vergleich entsprechender Wirkbilder von neu untersuchten Substanzen, über deren herbizide Wirksamkeit bisher nicht oder wenig bekannt ist, mit einer Wirkbildkartei oder mit Hilfe der elektronischen Datenverarbeitung der Wirkdaten von gut untersuchten, auch kommerziell vertriebenen Herbiziden oder Standardherbiziden, erhält man konkrete Hinweise über ähnliche Wirkorte, Wirkmechanismen, Selektivität und Anwendungsmöglichkeiten solcher Effektoren·

Claims (5)

P at ent ans prüc he
1. Verfahren zur Selektion von Effektoren mittels Gaswechselumsatzanalysen von Zellsuspensionen, dadurch gekennzeichnet, daß sowohl der photosynthetische Sauer-.stoff- und Kohlendioxid-Umsatz substanzbehandelter autotropher Zellsuspensionen oder Organismensuspensionen als auch der respiratorische Sauerstoff- und Kohlendiosid-Umsatz substanzbehandelter heterotropher Zellsuspensionen oder Qrganisinensuspensionen genutzt wird, um mittels substanzinitiierter Variation des photosynthetischen und des respiratorischen Sauerstoff- und Kohlendioxid-Umsatzes solcher Suspensionen die Effektoren in primäre und sekundäre Photosyntheseeffektoren bzw. in primäre und sekundäre Atmungseffektoren sowie in unspezifische 'Photosynthese- und Atmungseffektoren differenzieren zu können»
Ό *
2, Verfahren nach Punkt 1, dadurch gekennzeichnet, daß als autotrophe und heterotrophe Zellsuspensionen oder Organismensuspensionen alle suspendierbaren autotrophen und heterotrophen Bakterien, Blaualgen, Grünalgen sowie submers gehaltene niedere und höhere mehrzellige Pflanzen verwendet werden können»
3. Verfahren nach Punkt 1 und 2, dadurch gekennzeichnet, daß der photosynthetische bzw. respiratorische Sauerstoffumsatz mittels Paramagnet-Gasanalysatoren, sauerstoffsensitiven "Elektroden, Polarographie und anderen elektrochemischen Meßketten, manometrischen Verfahren und der Winklermethode oder durch Kombination mehrerer dieser Methoden analysiert wird,
4· Verfahren nach Punkt 1, 2 und 3, dadurch gekennzeichnet, daß der photosynthetische bzw» respiratorische
Kohlendioxidumsatz mittels Infrarot-Gasanalysatoren,
^C-Methode, photometrischen Methoden oder durch Kombinationen dieser Methoden analysiert wird·
5· Verfahren nach Punkt 1, 2, 3 und 4» dadurch gekennzeichnet, daS der photosynthetische oder/und respiratorische SauerstoffUmsatz und der photosynthetische oder/und respiratorische Sohlendioxidumsatz durch Kombination der Analysenmethoden simultan analysiert v/erden,
Hierzu ...3 Seiisn
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